Das Psychodrama als Instrument von Teamarbeit und Teamentwicklung


Seminararbeit, 2012
10 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das Psychodrama als Instrument von Teamarbeit und –entwicklung

1. Theoretischer Hintergrund des Psychodramas
1.1 Jacob Levi Moreno – Gründungsvater des Psychodramas
1.2 Menschenbild
1.3 Wesentliche Elemente psychodramatischen Arbeitens

2. Anwendung des Psychodramas in der Teamarbeit und –entwicklung
2.1 Team aus der Sicht des Psychodramas
2.2 Ein Beispiel aus der Praxis

3. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Theoretischer Hintergrund des Psychodramas

Das Verfahren Psychodrama in all seinen Anwendungsfeldern ist

die handelnde oder szenische Darstellung

des inneren Erlebens einer oder mehrerer Personen

sowie deren äußerer Situationen.[1]

Die zentrale Bedeutung von Erleben und Darstellen wird auch in folgender Definition aufgegriffen:

„Das Psychodrama ist ein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Arzt, Psychotherapeuten und Philosophen Jacob Levy Moreno entwickeltes Verfahren der

- handelnden Darstellung (griech. >>drama<< = Handlung)

- inneren Erlebens (griech. >>psyche<< = Seele).“[2]

Wie dieses Verfahren im Rahmen von Teamarbeit und –entwicklung genutzt werden kann wird nach einer Einführung in den theoretischen Hintergrund erläutert.

1.1 Jacob Levi Moreno – Gründungsvater des Psychodramas

Was Freud für die Psychoanalyse, ist Moreno für das Psychodrama: Gründungsvater und zugleich die zentrale, wenn auch umstrittene Figur der Schule. Er wird am 18. Mai 1889 in Bukarest geboren, doch schon um seine Geburt rankt sich ein erster Mythos. Er selbst gibt nämlich den 20. Mai 1882 als Geburtsdatum an – möglicherweise ein Verweis auf „das Datum der Entdeckung Amerikas und das Jahr der Vertreibung der sephardischen Juden aus Spanien“.[3] Moreno nämlich stammt aus einer Familie sephardischer Juden ab und emigriert 1925 nach New York City. Begriffe aus Morenos Werk, wie `therapeutische Weltordnung´, `Gottgleichheit´ oder `telische Beziehung´, haben dem Psychodrama „zu Unrecht den Ruf einer esoterischen Heilsgemeinschaft eingebracht“[4] Dass jedoch „ein literarisch veranlagter Mensch, Moreno war Herausgeber einer Zeitschrift für Philosophie und Literatur, im Umfeld des aufkeimenden Expressionismus sich anders ausdrückt als ein Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts“[5] liegt auf der Hand. Wenn auch in eigentümliche Worte gefasst – „Morenos Ideen sind in ihrem Kern hochaktuell.“[6] Vier Tage vor seinem Geburtstag stirbt er 1975 in Amerika.

1.2 Menschenbild

Das Menschenbild, das dem Psychodrama zugrunde liegt, könnte man so auf den Punkt bringen:

Der Mensch als spontanes und kreatives Wesen.

Der Mensch als soziales Wesen.

Der Mensch als Rollenwesen.

Für Moreno zeichnet sich der gesunde Mensch durch Spontaneität und Kreativität aus. Für ihn zeigen sich Störungen daher auch in Form eines „Spontaneitätsdefizits“ bzw. einer „Kreativitätsneurose“[7]. Außerdem ist der Mensch für ihn ein soziales Wesen. Für die „zwischen den Menschen wirkenden positiven Kräfte“ hat er sogar einen eigenen Begriff, das „Tele“[8]. Die psychodramatische Pathologiekonzeption stellt daher im Wesentlichen eine „Pathologie sozialer Beziehungen“ dar. Nach Moreno stellen Rollen den zentralen Kern der Persönlichkeit dar, denn der Mensch muss in der Lage sein, adäquates Rollenhandeln zu entwickeln, „um sich in sozialen Situationen angemessen bewegen zu können“[9].

1.3 Wesentliche Elemente psychodramatischen Arbeitens

Instrumente

Um den Bezug zum Theater bzw. den Begriff „Psychodrama“ verständlicher zu machen, wird hier kurz die „Ursprungsform“[10] skizziert. Diese baut auf fünf Grundbedingungen auf – auch die „Instrumente des Psychodramas“[11] genannt.

Die Bühne war zu Morenos Zeit tatsächlich eine dem Theater nachempfundene Bühne[12]. Aus heutiger Sicht ist es ausreichend, wenn diese „ein für alle Beteiligten erkennbarer, klar abgegrenzter Bereich“[13] ist.

Der/die ProtagonistIn „ist die Person, deren Lebensgeschichte, Problematik oder Wünsche auf der Psychodramabühne dargestellt“[14] wird.

Der/die LeiterIn „ist für das Zustandekommen und den Verlauf der Psychodramasitzung verantwortlich“[15]. Wenn der/die ProtagonistIn als HauptdarstellerIn gesehen wird, könnte man den/die LeiterIn mit einem/r RegisseurIn vergleichen.

Die Hilfs-Iche sind die MitspielerInnen, die die Vorstellungen von Personen und Gegenständen des/der ProtagonistIn verkörpern. Sie können auch als DoppelgängerIn des/der ProtagonistIn eingesetzt werden.[16]

Die Gruppe ist durch „ihre Reaktion, ihr Feedback und ihre emotionale Unterstützung“[17] eine wichtige Hilfe für den therapeutische Prozess des/der ProtagonistIn. .

Anwendungsfelder

Diese ursprüngliche, klassische Form des Psychodramas wurde für „das therapeutische Arbeiten in Gruppen“[18] verwendet. Das heutige Psychodrama kennt darüber hinaus auch andere Einsatzgebiete. Etwa in der (außer)schulischen Bildung oder in der Personal- und Organisationsentwicklung[19].

Arbeitsformen

Unabhängig von den Anwendungsfeldern kann aus verschiedenen Arbeitsformen gewählt werden. Die eben beschriebene Urform des Psychodramas ist protagonistenzentriert, weil dabei ein(e) ProtagonistIn im Zentrum der Arbeit steht. Sie „unterscheidet sich dadurch vom gruppenzentrierten Psychodrama und vom Soziodrama, bei denen der Fokus der Aufmerksamkeit während des gesamten Geschehens auf die Gruppe gerichtet ist“[20].

Phasen

Zudem durchläuft die psychodramatische Arbeit verschiedene Phasen.

Die Erwärmungsphase „soll die Klienten – ähnlich wie Aufwärmübungen im Sport – auf die anschließende psychodramatische Aktion vorbereiten“[21].

Die Aktionsphase enthält – wie der Name schon andeutet – die „eigentliche therapeutische oder beraterische Intervention“[22].

Die Integrationsphase dient vor allem dazu, aus dem Spiel in die Realität zurück zu führen. Dazu zählt die Entlassung der Hilfs-Iche aus ihren Rollen und der Abbau der Bühne.

Die Auswertungs- und Vertiefungsphase „wird häufig nicht mehr als Bestandteil des eigentlichen psychodramatischen Prozesses betrachtet“. Es ist eine Phase, in der „das Erlebte kognitiv und verbal bearbeitet wird“[23].

Techniken

Je nach Setting bzw. Arbeitsform, zu behandelndem Thema und Phase kann man aus einem riesigen Repertoire an Techniken und Methoden auswählen.

Das Doppeln kann von Gruppenmitgliedern oder den LeiterInnen durchgeführt werden. „Das Doppel (…) steht seitlich oder hinter dem/der ProtagonistIn und spricht aus eigener Perspektive vermutete Anteile, Gefühle, Ansichten u.v.m des/der ProtagonistIn in der „Ich“-Form aus“[24]. Es dient dazu, unbewusste oder blockierte Gefühle sichtbar zu machen.

Beim Rollentausch/Rollenwechsel werden Rollen getauscht/gewechselt und zwar die, die für das gegenwärtige Psychodrama relevant sind. Dies hilft, die andere Perspektive einnehmen und akzeptieren zu können.

Beim Spiegeln „wählt der/die ProtagonistIn ein Hilfs-Ich für sich selber aus, das dann als stand in (…) auf der Bühne agiert.“[25] Dadurch kann der/die ProtagonistIn sich selbst sehen wie eine andere Person und das Geschehen gegebenenfalls kommentieren oder verändern.

2. Anwendung des Psychodramas in der Teamarbeit und –entwicklung

2.1 Team aus der Sicht des Psychodramas

Nach dieser kompakten, doch sicher nicht vollständigen Zusammenfassung des theoretischen Hintergrundes des Psychodramas wenden wir uns nun der Praxis zu. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, aus Sicht des Psychodramas einige Fragen zum Thema „Team“ zu beantworten.

Was ist ein Team? Was ist das Besondere am Team?

Es ist davon auszugehen, dass es keine eigene psychodramatische Definition des Begriffs „Team“ gibt. Selbst in dem knapp 600 Seiten umfassenden Werk „Psychodrama“ (von Ameln, Gerstmann & Kramer, 2004) findet sich keine Definition. Doch führt man sich noch einmal das Menschenbild Morenos vor Augen, so lässt sich davon eine Art Definition ableiten.

Moreno stellt die Rollen sowie die sozialen Beziehungen eines Menschen in den Vordergrund. Ein Team wäre demnach ein Geflecht aus Personen, die im Rahmen ihrer funktionalen Rollen[26] zueinander in sozialen Beziehungen stehen. Das Besondere an einem Team im Vergleich zu einer anderen Gruppe (z.B. eine Clique von Freunden) ist, dass es sich eben um die funktionalen Rollen handelt, die im Vordergrund stehen. Der Versuch einer Definition von funktionalen Rollen könnte folgendermaßen aussehen: Funktionale Rollen sind Rollen, die aufgrund von externen Erfordernissen – z.B. die Aufgabe, für die ein Team verantwortlich ist – konstruiert werden. Es geht dabei vorrangig um die Erfüllung der (expliziten wie impliziten) Erwartungen, die an die Rolle gestellt werden, wobei persönliche Eigenschaften, Gefühle und Gedanken oftmals zweitrangig sind oder dazu sogar im Widerspruch stehen können.

[...]


[1] Stadler & Kern, S. 13

[2] Von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 2

[3] Von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 194

[4] Von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 206

[5] sh 4

[6] sh 4

[7] Moreno, 1972, nach von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 207

[8] Von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 207

[9] Von Ameln, Gerstmann & Kramer, S. 208

[10] Soppa, S. 29

[11] sh 10

[12] Vgl. Abbildung 7 in Stadler & Kern, S. 36

[13] Stadler & Kern, S. 36

[14] Stadler & Kern, S. 12

[15] Soppa, S. 31

[16] Vgl. Soppa

[17] Soppa, S. 32

[18] Soppa, S. 29

[19] Vgl. Tabelle 1 in Stadler & Kern, S. 16

[20] Stadler & Kern, S. 42

[21] Von Ameln, … S. 13

[22] Von Ameln,… S. 144

[23] Von Ameln, … S. 182

[24] Soppa, S.44

[25] Soppa, S.68

[26] Den Begriff der „funktionalen Rollen“ greife ich von der Psychodramatikerin Roswitha Riepl auf, welche mir in einem telefonischen Gespräch ihre Erfahrungen mit Teamarbeit erläutert hat. Ihr öffentliches Profil findet sich auf www.roswitha-riepl.at

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Das Psychodrama als Instrument von Teamarbeit und Teamentwicklung
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V384908
ISBN (eBook)
9783668597860
ISBN (Buch)
9783668597877
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Teamentwicklung, Psychodrama, Gruppendynamik, Personalentwicklung, Psychologie
Arbeit zitieren
Pia Dröber (Autor), 2012, Das Psychodrama als Instrument von Teamarbeit und Teamentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384908

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