Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung. Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus?


Essay, 2013
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Beleuchtung ausgewählter psychologischer Aspekte in den Human-Animal-Studies.

Einstellungs- und Umgangsweisen dem Tier gegenüber – damals und heute.

Wahrnehmung, Persönlichkeit, erworbene Fähigkeit, Sozialisationsprodukt – was bestimmt unser Verhältnis zu den Tieren?.

Speziesismus – Diskriminierung und Unterdrückung von Tieren.

Eine persönliche Tierethik.

Literaturverzeichnis.

Beleuchtung ausgewählter psychologischer Aspekte in den Human-Animal-Studies

Entsprechend der Vorgaben gründe ich die vorliegende Arbeit auf zwei Vortragsthemen. Als Psychologiestudentin interessieren mich besonders Fragestellungen wie etwa: Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus? Wie kommen diese zustande? Welche psychologischen Mechanismen stecken hinter Grausamkeiten gegenüber Tieren bzw. zumindest doch der gesellschaftlichen Toleranz dieser Grausamkeiten? Daher habe ich mir die Vorträge heraus gesucht, von denen ich mir am ehesten Antworten auf diese Fragen versprochen habe. Dies sind der Vortrag „Das Tier als Freund und Therapeut im Mittelalter“ von Max Siller und Gabriela Kompatscher sowie der Vortrag „Intersektionelle Human Animal Studies: Verbindungen von Speziesismus, Rassismus, Sexismus und dessen Einbettung im Kapitalismus“ von Andre Gamerschlag. Da es sich hierbei um ein Essay handelt habe ich einen weniger formalen Aufbau gewählt, in dem sich persönliche Überlegungen und Ansichten einerseits und wissenschaftlich fundierte Aussagen andererseits abwechseln.

Einstellungs- und Umgangsweisen dem Tier gegenüber – damals und heute

In der Vorlesungseinheit „Das Tier als Freund und Therapeut im Mittelalter“ geht es um die Einstellungs- und Umgangsweisen des Menschen gegenüber dem Tier im Mittelalter. Der Vortragende Max Siller gibt einen Überblick darüber, auf welche Art der Mensch dem Tier im Mittelalter begegnete. Um es auf den Punkt zu bringen kann man wohl sagen: der Mensch hat sich das Tier zu Nutze gemacht (als Rohstofflieferant, als Werkzeug bzw. Arbeitskraft oder sogar als Kriegsmittel). Gleichzeitig diente das Tier als Projektionsfläche, um darauf menschliche Eigenschaften, Ängste und Wünsche zu projizieren, sowie als Symbolträger; so etwa der Stier als Verkörperung der Urkraft und der Igel als Symbol des Teufels.

Damals herrschte wohl aufgrund des vom Christentum verbreiteten Welt- und Menschenbilds die Auffassung, dass die Erde und damit auch sämtliche auf ihr wandelnden Lebewesen für den Menschen geschaffen seien. Dieser Anthropozentrismus öffnete dem Missbrauch von Tieren natürlich Tor und Türe. Es gab keine Tierrechte, keinen Tierschutz im heutigen Sinne während des Mittelalters. Doch liefert Gabriela Kompatscher später im Vortrag auch eine Reihe von Beispielen, in denen Menschen einen guten Umgang mit Tieren hatten. So etwa der Heilige Antonius, der aus Mitleid sogar Tiere frei kaufte. Relativiert wird das Ganze vielleicht ein Stück weit dadurch, dass sein Motiv wohl keine Tierliebe gewesen sein dürfte, sondern das Selbstverständnis als Christ, dass er eben auch auf den Umgang mit Tieren ausweitete. Jedenfalls gibt es aus der Zeit des Mittelalters auch Zeugnisse, die belegen, dass es schon damals Menschen gab, die Tiere lieber streicheln wollten, als sie zu töten. Und die Geschichte von Tristan und Isolde lehrt uns schließlich, dass Tiere schon damals eingesetzt wurden, um über Kummer hinwegzuhelfen – als therapeutisches Mittel sozusagen. Lichtblicke in einer Zeit, in der es für Tiere dunkel aussah?

Es ist für mich fraglich, wie viel besser es heute um das Tier steht. Einerseits gibt es in manchen Ländern so etwas wie gesetzlich verankerte Tierrechte. So etwa das Tierschutzgesetz in Deutschland[1] oder Österreich[2]. Ebenso existiert in vielen Ländern eine Tierschutzszene – ein prominentes Beispiel ist die Tierschutzorganisation Peta, die weltweit aktiv ist[3]. Tiere werden als Haustiere gehalten, als Freund stilisiert[4] und tatsächlich auch offiziell in der sogenannten tiergestützten Tiertherapie[5] als Wundermittel gegen allerlei Beschwerden eingesetzt. Das Image der Tiere hat sich zudem drastisch geändert – sie werden verniedlicht, als Sinnbild der Freiheit und Wildnis bewundert und gelten in Forschung und Entwicklung zunehmend als Vorbild für intelligentes Verhalten. Die junge Wissenschaft der Bionik etwa „(auch Biomimikry, Biomimetik oder Biomimese) beschäftigt sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Bionik#Entwicklung_und_Abgrenzung, abgerufen am 14.02.13). Dazu zählen auch einige Phänomene aus der Tierwelt, die der Mensch untersucht und versucht, auf seine Lebenswelt zu übertragen. So gelten Ameisen zum Beispiel als Vorbild für Kommunikations- und Logistikprozesse[6].

Andererseits werden Tiere letztendlich immer noch selbstverständlich für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse missbraucht. Angefangen von der systematischen Ausbeutung von Tieren für die Produktion von Lebensmitteln, Kleidung oder anderen Gütern, über die Haltung als Versuchstier bis hin zur Verwendung von Tieren zu Unterhaltungszwecken (Delfinshows in Freizeitparks, Zirkustiere etc.) – wie es uns beliebt züchten, halten und „verwenden“ wir Tiere. In gewisser Hinsicht sehe ich sogar die Haustierhaltung in diesem Licht – sicher würde nicht jedes Haustier bei seinem Halter bleiben, wäre es sich über die Alternativen bewusst oder könnte bewusste Entscheidungsprozesse dieser Komplexität vollziehen. (Ich verzichte hier aus mehreren Gründen bewusst auf Beispiele oder Referenzen: Erstens sollten jedem einigermaßen aufgeklärten Bürger die oben erwähnten Fakten bekannt sein, zweitens muss man nur einmal einen Blick in die Medien werfen (im Zweifelsfall Google), um auf grausame Beispiele zu stoßen, und drittens halte ich persönlich es kaum mehr aus, mich mit den konkreten Formen von Tierleid auseinander zu setzen.)

Den Unterschied zum Mittelalter sehe ich folglich darin, dass unser Verhältnis zu Tieren schlichtweg ambivalenter geworden ist. Zum Einen unterscheiden wir sehr zwischen den Tierarten – man verhätschelt das eigene Haustier bis zum Umfallen und kauft gleichzeitig ohne Skrupel Fleisch aus der Massentierhaltung. Zum anderen driftet das gesellschaftlich vertretene Ideal von der umgesetzten Wirklichkeit ab - niemand würde in der Öffentlichkeit dafür plädieren bzw. es rechtfertigen, Tiere zu missbrauchen oder zu quälen (vielleicht der entscheidende Unterschied zum Mittelalter?), und trotzdem passiert es täglich und in zahlenmäßig horrendem Ausmaß. Hat sich unsere Einstellungs- und Umgangsweise womöglich weiter in das Ambivalente verschoben, so sehe ich sie nach wie vor als höchst anthropozentrisch: nach wie vor ist der Mensch das Maß aller Dinge. Selbst der philosophische Diskurs ist für mich ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der wir die Tiere benutzen, machen sich auch gelehrte Philosophen Gedanken darüber, ob und wo die Grenzen menschlicher Ausbeutung angesetzt werden sollten und mit welcher philosophischen Begründung dies geschehen kann[7]. Diese Anmaßung, aus seinem stillen Kämmerchen theoretische Gedankengänge zu konstruieren, die über das praktische Leid von Tieren entscheiden, ist für mich höchst anthropozentrisch. Dazu ein Zitat aus Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Tierethik#Positionen, abgerufen am 15.02.13): „Die Ethik selbst bleibt jedoch in jedem Falle stets anthroporelational – sie ist vom Menschen für den Menschen entworfen“; oder ein geniales Zitat von Benjamin Frankling „one of the advantages of being a ‚reasonable creature’ is that one can find a reason for whatever one wants to do” (Singer, 2011, S.60).

[...]


[1] Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html

[2] Vgl. http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20003541

[3] Bsp. http://www.petaasiapacific.com/

[4] Vgl. http://www.zazzle.at/mein_bester_freund_hund_karte-137234626666954692

[5] Vgl. http://www.tierealstherapie.org/

[6] Vgl. http://www.geochronix.at/de/forestlogistic/forstameise

[7] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Tierethik#Positionen

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Details

Titel
Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung. Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus?
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V384910
ISBN (eBook)
9783668603349
ISBN (Buch)
9783668603356
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Tiere, human animal studies, Mensch Tier Beziehung
Arbeit zitieren
Pia Dröber (Autor), 2013, Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung. Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384910

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