Die Arbeit versucht folgenden Fragen auf den Grund zu gehen: Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus? Wie kommen diese zustande? Welche psychologischen Mechanismen stecken hinter Grausamkeiten gegenüber Tieren bzw. zumindest doch der gesellschaftlichen Toleranz dieser Grausamkeiten?
Die vorliegende Arbeit ist im Rahmen einer besuchten Ringvorlesung entstanden und bezieht sich auf zwei der dort gehaltenen Vorträge: „Das Tier als Freund und Therapeut im Mittelalter“ von Max Siller und Gabriela Kompatscher sowie „Intersektionelle Human Animal Studies: Verbindungen von Speziesismus, Rassismus, Sexismus und dessen Einbettung im Kapitalismus“ von Andre Gamerschlag.
Inhaltsverzeichnis
Beleuchtung ausgewählter psychologischer Aspekte in den Human-Animal-Studies
Einstellungs- und Umgangsweisen dem Tier gegenüber – damals und heute
Wahrnehmung, Persönlichkeit, erworbene Fähigkeit, Sozialisationsprodukt – was bestimmt unser Verhältnis zu den Tieren?
Speziesismus – Diskriminierung und Unterdrückung von Tieren
Eine persönliche Tierethik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und ethischen Aspekte der Mensch-Tier-Beziehung, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Ambivalenz im Umgang mit Tieren sowie die Mechanismen hinter deren Ausbeutung kritisch zu beleuchten.
- Historische Einstellungs- und Umgangsweisen zum Tier
- Psychologische Determinanten der Mensch-Tier-Beziehung
- Speziesismus als Form der Diskriminierung
- Die moralische Verantwortung des Menschen
- Soziale Konstruktion der Grenzziehung zwischen Mensch und Tier
Auszug aus dem Buch
Speziesismus – Diskriminierung und Unterdrückung von Tieren
Hier leite ich auch zum zweiten Vortag über. Andre Gamerschlag beschäftigt sich darin unter anderem mit Speziesismus und dessen Gemeinsamkeiten mit anderen Formen der Diskriminierung, z.B. Sexismus oder Rassismus. Der Begriff des Speziesismus wurde analog zu den anderen beiden Begriffen konstruiert (so wie schon die Frauenbewegung den Begriff des Sexismus analog zum Rassismus konstruierte, um dessen Sprengkraft für ihre Anliegen zu nutzen). Gamerschlag zitiert die Rassismus Definition von Albert Memmi; es handle sich hierbei um „eine verallgemeinerte, verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der er seine Privilegien oder seine Aggressionen rechtfertigen kann“.
Dies kann auch in Bezug auf unser Verhältnis zum Tier beobachtet werden: lange wurden Unterschiede behauptet, die es tatsächlich nicht gibt (z.B. dass Tiere kein Bewusstsein hätten) und die Unterschiede, die es gibt, werden so erhöht, dass sie unser Tun rechtfertigen. Gamerschlag erwähnt eine weitere soziologische Theorie, die auf alle diese Unterdrückungsformen zutrifft. Diese befasst sich mit der Unterteilung in Wir-Gruppe und Sie-Gruppe: die Wir-Gruppe erfindet Vorurteile gegen die anderen oder definiert Unterschiede, die irgendwann handlungsleitend werden. Die Sie-Gruppe hingegen verkörpert für die Mitglieder der Wir-Gruppe alles, was diese nicht sind oder sein wollen. Dabei kommt es natürlich oft zur verzerrten Wahrnehmung. Auf das Mensch-Tier-Verhältnis übertragen hieße das etwa: Tiere sind dumm und instinktgesteuert, Menschen sind intelligent und kultiviert. Ich finde die im Vortrag erwähnten Theorien sowie das Konzept des Speziesismus sehr einleuchtend und möchte mich weiter mit dem Letzteren beschäftigen.
Zusammenfassung der Kapitel
Beleuchtung ausgewählter psychologischer Aspekte in den Human-Animal-Studies: Die Einleitung erläutert die Beweggründe der Autorin und stellt die ausgewählten Vortragsthemen als Basis für die essayistische Auseinandersetzung mit der Mensch-Tier-Beziehung vor.
Einstellungs- und Umgangsweisen dem Tier gegenüber – damals und heute: Dieses Kapitel vergleicht den historisch anthropozentrischen Missbrauch von Tieren im Mittelalter mit der heutigen, ambivalenten Haltung, die zwischen Tierschutzbemühungen und systematischer Ausbeutung schwankt.
Wahrnehmung, Persönlichkeit, erworbene Fähigkeit, Sozialisationsprodukt – was bestimmt unser Verhältnis zu den Tieren?: Hier werden psychologische Mechanismen und Studien analysiert, die erklären sollen, wie Menschen ihre Beziehung zu Tieren konstruieren und warum sie Tiere teils als Sozialpartner schätzen und teils als Nutzgüter ausbeuten.
Speziesismus – Diskriminierung und Unterdrückung von Tieren: Das Kapitel befasst sich mit dem Speziesismus als diskriminierender Ideologie und reflektiert das Argument der „menschlichen Grenzfälle“ sowie die Bedeutung von Moral und Leidensfähigkeit.
Eine persönliche Tierethik: Abschließend formuliert die Autorin ihr eigenes ethisches Credo, das auf Pathozentrismus basiert und eine besondere Verantwortung des Menschen aufgrund seiner kognitiven Wahlfreiheit fordert.
Schlüsselwörter
Human-Animal-Studies, Speziesismus, Mensch-Tier-Beziehung, Anthropozentrismus, Tierethik, Pathozentrismus, Psychologie, Diskriminierung, Sozialisation, Ausbeutung, Tierschutz, Grenzwert, moralische Gleichheit, Verantwortung, Subjekt-Objekt-Verhältnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen und ethischen Analyse der Beziehung zwischen Mensch und Tier, wobei der Fokus auf der gesellschaftlichen Ambivalenz und den zugrunde liegenden Machtstrukturen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der historische Wandel der Tierbeziehung, psychologische Erklärungsmodelle für Ambivalenz, der Speziesismus-Begriff und die Forderung nach einer neuen, ethischen Anthropologie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, durch die Verknüpfung wissenschaftlicher Theorien mit persönlichen Reflexionen ein Bewusstsein für die ungerechtfertigte Instrumentalisierung von Tieren zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine essayistische Form, die auf der Analyse von Vortragsthemen und der Einbeziehung aktueller psychologischer und soziologischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden historische Sichtweisen, psychologische Studien zu Mensch-Tier-Beziehungen und soziologische Theorien zur Konstruktion des „Anderen“ diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Speziesismus, Anthropozentrismus, Pathozentrismus, Mensch-Tier-Verhältnis und ethische Verantwortung sind die prägenden Begriffe.
Warum spielt das „Argument der menschlichen Grenzfälle“ in der Argumentation eine zentrale Rolle?
Es dient dazu, die logische Inkonsistenz von Speziesisten aufzuzeigen, da Menschen, die bestimmte „typisch menschliche“ Eigenschaften nicht besitzen, dennoch ethisch geschützt werden.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen der psychologischen Persönlichkeit und dem Erwerb von Fähigkeiten im Umgang mit Tieren?
Die Autorin diskutiert, ob der Umgang mit Tieren durch die Persönlichkeitsstruktur determiniert ist oder durch erlernte soziale Prozesse wie das „boundary labor“ bei der Schlachtung.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich ihrer persönlichen Tierethik?
Sie plädiert für einen Pathozentrismus, der Leidvermeidung als höchstes Gebot sieht und den Menschen aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten in die Pflicht nimmt, Tiere nicht als Objekte zu instrumentalisieren.
- Citar trabajo
- Pia Dröber (Autor), 2013, Perspektiven der Mensch-Tier-Beziehung. Wie sehen die verschiedenen Einstellungs- und Umgangsweisen Tieren gegenüber aus?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384910