Das Thema meiner Master-Arbeit lautet Kreationismus in der Kritik. Zur Auslegung von Gen 1-11 in „The New Defender’s Study Bible“. Wie sich aus dem Titel ergibt, liegt daher der Schwerpunkt meiner Arbeit damit in einer Kritik des Kreationismus, die von einer Analyse der kreationistischen Auslegung von Gen 1-11 in The New Defender’s Study Bible ausgeht. Im Verlauf der einleitenden Übersicht über meine Arbeit, werde ich nicht nur den von Henry M. Morris herausgegebenen Bibelkommentar näher vorstellen, sondern auch meine Vorgehensweise erläutern.
Ein erster Schritt dieser Arbeit wird die Eingrenzung des weiten Begriffs „Kreationismus“ sein. Zu diesem Zweck gilt es, die historische Entwicklung des Kreationismus in den USA nach zu verfolgen. Aus der geschichtlichen Beschreibung des Phänomens ergibt sich eine kurze Defini-tion der wichtigsten Hauptströmungen des Kreationismus. Dieser erste Schritt soll vor allem bei der Einordnung der The New Defender’s Study Bible helfen. Durch diese Vorarbeit wird die Zuordnung dieses Bibelkommentars zu einer Hauptströmung möglich.
Im Anschluss daran erfolgt dann die Analyse der kreationisti-schen Auslegung von Gen 1-11. Die Begrenzung der Analyse auf Gen 1-11 ist dem Umstand geschuldet, dass diese elf Kapitel der Genesis die Grundlagen des Kreationismus enthalten. Die beiden Schöpfungsberichte und die Sintfluterzählung bilden das Zentrum ihres „Glaubens“. Dieses Zentrum zu verteidigen, ist das erklärte Ziel von Henry M. Morris, dem Gründer des Institute for Creation Research und dem Herausgeber der The New Defender’s Study Bible. Letztere ist ein Bibelkommentar, der die gesammelten Glaubensgrundsätze, der von Morris vertretenen Frakti-on des Kreationismus enthält. Darüber hinaus liefert der Kommentar auch die biblischen Belege für all diese Glaubenswahrheiten. Im Anschluss an die Analyse der kreationistischen Auslegung von Gen 1-11 werde ich eine eigene kritische Exegese von Gen 1-11 durchführen, um so meine Ergebnisse mit denen der kreationistischen Auslegung vergleichen zu können. Den Abschluss bildet ein Versuch der Verortung der Katholischen Kirche. Es soll das Verhältnis zum Fundamentalismus und die katholischen Grundlagen der Bibelexegese dargestellt werden. Auf diese Weise erhoffe ich eine umfassende Kritik des Kreationismus zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorstellung der The New Defender’s Study Bible
2. Kreationismus
2.1 Entstehung des Kreationismus
2.1.1 Wiliam Jennings Bryan
2.1.2 Henry M. Morris
2.2 Strömungen des Kreationismus
2.2.1 Day-Age-Kreationismus
2.2.2 Gap-Kreationismus
2.2.3 Literal Biblical Creation- oder Young Earth-Kreationismus
2.3 Aktuelle politische Debatte in den USA
2.3.1 Kitzmiller vs. Dover Area School District
2.3.2 Caroline Crocker vs. George Mason University
3. Kreationistische Exegese von Gen 1-11
3.1 Auswahl des Textbeispiels
3.1.1 King James Bible
3.1.2 Gen 1-11
3.2 Die Autorenfrage
3.2.1 Gott oder doch Adam?
3.2.2 Das Alter des Textes
3.3 Das Gottesbild
3.3.1 Gottes Schöpfungshandeln
3.3.2 Die Beschreibung Gottes
3.4 Der Aufbau des Schöpfungsberichts
3.5 Die Fluterzählung
3.5.1 Die Arche
3.5.2 Entstehung der Flut
3.5.3 Ausbreitung der Flut
3.5.4 Auswirkungen der Flut
3.6 Methodologische Zusammenfassung und Problematisierung
4. Kritische Exegese von Gen 1-11
4.1 Begründung der Textauswahl und Schwerpunktsetzung
4.2 Die Schöpfungsberichte
4.2.1 Struktur der Schöpfungsberichte
4.2.2 Redaktionsgeschichte
4.3 Die Sintfluterzählung
4.3.1 Struktur der Sintfluterzählung
4.3.2 Redaktionsgeschichte
4.3.3 Vergleich zu außerbiblischen Quellen
4.4 Bedeutung von Gen 1-11 für den Pentateuch
5. Standpunkt der Katholischen Kirche
5.1 Das Zweite Vatikanische Konzil
5.1.1 Die dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“
5.1.2 Die göttliche Inspiration und die Auslegung der Heiligen Schrift
5.2 Die Interpretation der Bibel in der Kirche
5.2.1 Methoden und Zugänge zur Heiligen Schrift
5.2.2 Der fundamentalistische Umgang mit der Heiligen Schrift
5.3 Kardinal Schönborn
5.3.1 Finding Design in Nature
5.3.2 Neun Katechesen
5.3.3 Fides, Ratio, Scientia. Zur Evolutionsdebatte
5.3.4 Schöpfung und Evolution - zwei Paradigmen und ihr gegenseitiges Verhältnis
5.4 Zusammenfassung der katholischen Position
6. Abschließende und begründete Bewertung der The New Defender’s Study Bible
7. Literatur
8. Internetquellen
9. Anhang
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kreationismus, basierend auf einer Analyse der kreationistischen Auslegung der ersten elf Kapitel des Buches Genesis in der "The New Defender’s Study Bible". Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie sich dieser fundamentalistische Ansatz methodologisch und inhaltlich von der wissenschaftlich fundierten Bibelexegese abgrenzt und welche Rolle dabei die Bezugnahme auf naturwissenschaftliche Argumente spielt.
- Historische Entwicklung und Hauptströmungen des Kreationismus in den USA
- Kritische Analyse der kreationistischen Exegese von Gen 1-11 durch Henry M. Morris
- Gegenüberstellung von kreationistischen Methoden und einer wissenschaftlich-historisch-kritischen Bibelauslegung
- Untersuchung des Standpunkts der Katholischen Kirche zur Evolutionsdebatte und zum Fundamentalismus
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen Schöpfungsglaube und Naturwissenschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehung des Kreationismus
Die Auseinandersetzung mit dem Kreationismus hat eine beinahe ebenso lange Tradition, wie die Evolutionstheorie, auf deren Ablehnung sie gründet. Um die kreationistischen Argumente als Fundamentalismus zu entlarven, bedarf es eines Rückblicks auf die Entstehung der kreationistischen Ideen. Da der heutige Kreationismus darüber hinaus seine Argumente oft recht unreflektiert aus älteren Publikationen kreationistischer Autoren adaptiert, scheint es zudem angebracht die bedeutendsten Vertreter des Kreationismus zu erwähnen. Bryan und Morris seien hierbei hervorgehoben. Letzterem wird diese Ehre nicht nur deshalb zu Teil, weil die Analyse, der von Morris veröffentlichten The New Defender’s Study Bible im Zentrum dieser Arbeit steht, sondern auch, weil er sich bis zu seinem Tod im Jahr 2006 zu einer der wesentlichen Autoritäten und Sprecher in der fundamentalistisch evangelikalen Szene in den USA entwickelt hat. Wiliam Jennings Bryan wiederum wurde aufgrund seiner Beteiligung am Aufsehen erregenden Gerichtsprozess um den Lehrer Scopes in Dayton, Tennessee, ausgewählt. Neben Bryan werden jedoch noch einige andere bedeutende Kreationisten zwischen der Veröffentlichung der Evolutionstheorie und dem Zweiten Weltkrieg dargestellt und betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorstellung der The New Defender’s Study Bible: Hinführung zum Thema der Kreationismuskritik und Vorstellung der zentralen Quelle, der "The New Defender’s Study Bible" von Henry M. Morris.
2. Kreationismus: Historischer Abriss zur Entwicklung des Kreationismus in den USA, unterteilt in die Strömungen Day-Age-, Gap- und Young-Earth-Kreationismus.
3. Kreationistische Exegese von Gen 1-11: Analyse der von Morris verwendeten kreationistischen Auslegungsmethoden sowie seiner Deutung von Schöpfung und Sintflut.
4. Kritische Exegese von Gen 1-11: Methodisch wissenschaftliche Exegese derselben Textstellen als Kontrastprogramm zur zuvor analysierten kreationistischen Lesart.
5. Standpunkt der Katholischen Kirche: Darstellung der katholischen Position zur Schöpfung und Evolutionsdebatte unter Einbeziehung von Konzilsdokumenten und Äußerungen von Kardinal Schönborn.
6. Abschließende und begründete Bewertung der The New Defender’s Study Bible: Zusammenfassendes Fazit zur ideologischen Ausrichtung des Bibelkommentars und Bewertung im Kontext des fundamentalistischen Kreationismus.
Schlüsselwörter
Kreationismus, Evolutionstheorie, Fundamentalismus, The New Defender’s Study Bible, Henry M. Morris, Bibelauslegung, Exegese, Schöpfungsbericht, Sintflut, Katholische Kirche, Intelligent Design, Darwinismus, Gen 1-11, Hermeneutik, Schöpfungsglaube
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch den Kreationismus und seine Art der Bibelauslegung, insbesondere anhand des Kommentars "The New Defender’s Study Bible" von Henry M. Morris im Hinblick auf die ersten elf Kapitel des Buches Genesis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des US-Kreationismus, die Analyse kreationistischer Exegese im Vergleich zur historisch-kritischen Bibelauslegung sowie die katholische Sicht auf das Verhältnis von Schöpfungsglaube und Evolution.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die methodische und inhaltliche Kritik am Kreationismus, um aufzuzeigen, wie dieser durch unwissenschaftliche und fundamentalistische Deutungsweisen versucht, die Bibel als naturwissenschaftliches Lehrbuch darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet primär die historisch-kritische Methode der Bibelexegese sowie eine vergleichende Analyse politischer und theologischer Debattenbeiträge.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die kreationistischen Argumentationsmuster (Kapitel 3) als auch eine wissenschaftlich-theologische Gegenexegese (Kapitel 4) und die kirchliche Einordnung (Kapitel 5) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kreationismus, fundamentalistische Bibelauslegung, Evolutionstheorie, Schöpfungsbericht, Sintflut und das Verhältnis von Naturwissenschaft und Religion.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Henry M. Morris?
Der Autor sieht in Morris eine zentrale Figur, die den Young-Earth-Kreationismus in den USA maßgeblich geprägt und versucht hat, der fundamentalistischen Lehre durch pseudowissenschaftliche Argumentationen eine theoretische Basis zu verschaffen.
Welche Position nimmt Kardinal Schönborn in dieser Untersuchung ein?
Kardinal Schönborn wird als differenzierte Figur betrachtet; der Autor analysiert, dass Schönborn zwar Distanz zum Kreationismus hält, durch bestimmte Äußerungen (wie in der New York Times) jedoch eine Nähe zur Intelligent-Design-Bewegung suggerierte, die in der Debatte für Missverständnisse sorgte.
- Arbeit zitieren
- Daniel Eiken (Autor:in), 2009, Kreationismus in der Kritik. Zur Auslegung von Genesis 1-11 in "The New Defender's Study Bible", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385011