Diese Facharbeit beschäftigt sich mit folgenden drei Werken: "Hamlet" von Shakespeare, "Das Parfum" von Patrick Süskind und "Verbrechen und Strafe" von Dostojewski und analysiert insbesondere die Protagonisten, welche als Mörder in Erscheinung treten.
Die Hauptfragestellung der Facharbeit ist folgende:
Stimmt die literarische Herangehensweise in Bezug auf Mörder auf qualitativer Ebene mit der psychologischen Wahrnehmung überein?
Desweiteren wird darauf eingegangen, warum der Autor diverse Unterschiede zwischen klinischer und literarischer Sichtweise auf Mörder einbaut.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Gemeinsamkeiten der charakteristischen Darstellung von Mördern in der Literatur
4. Darstellung von Mördern in der Psychologie
5. Welche Unterschiede fallen zwischen der literarischen und klinischen Betrachtung von Mördern auf?
5.1 Auffallende Unterschiede
5.2 Gründe für die vom Autoren verursachten Unterschiede
5.3 Wirkung der vom Autoren verursachten Unterschiede auf den Leser
6. Stimmt die literarische Herangehensweise in Bezug auf Mörder auf qualitativer Ebene mit der psychologischen Wahrnehmung überein?
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, inwieweit die Darstellung von Mördern in der Literatur mit der psychologischen Wirklichkeit übereinstimmt. Dabei wird analysiert, ob literarische Werke ein realistisches Bild vermitteln oder ob sie aus dramaturgischen Gründen zur Polarisierung und Mystifizierung neigen.
- Vergleich der literarischen Mörderdarstellung mit forensisch-psychologischen Erkenntnissen
- Analyse von drei literarischen Werken (Hamlet, Das Parfum, Verbrechen und Strafe)
- Einfluss von psychischen Störungen und elterlicher Prägung auf die Täterfigur
- Wirkung der literarischen Überzeichnung auf die Wahrnehmung des Lesers
- Interdisziplinäre Untersuchung durch Einbeziehung klinischer Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
5.1 Auffallende Unterschiede
Die literarische Betrachtung von Mördern weicht in gewissen Punkten massiv von der klinischen Betrachtung ab. Dies wird an mehreren Charaktereigenschaften der Täter und an verschiedenen Handlungsmustern besonders deutlich.
Während in der Literatur Mörder häufig als sehr komplexe Persönlichkeiten dargestellt werden, ist dies in der Realität oft nicht der Fall. Mörder sind in der Literatur häufig sehr gebildet und intelligent während sie in Wirklichkeit häufig keine akademischen Berufe ausüben (vgl. Interview 1, Frage 20) und dementsprechend nach gesellschaftlichen Vorstellungen nur mäßig gebildet seien. In der Psychologie wird kein klarer Unterschied zwischen der sozialen Integration von Mördern und von nicht straffälligen Personen gesehen, während in den drei Werken der Protagonist jeweils desintegriert ist. Ein weiterer Unterschied betrifft die geistige Verfassung der jeweiligen Täter. Während in den literarischen Werken der Eindruck vermittelt wird, dass die jeweiligen literarischen Täter an einer psychischen Störung leiden, geht man in der forensischen Psychologie davon aus, dass nur 2,9% der Gewaltstraftäter psychische Erkrankungen besäßen (vgl. Macht-Zwang-Gewalt(?), S.142). Ein weiterer gravierender Unterschied besteht darin, dass die Mörder aus den Romanen und Dramen den Verlust eines Elternteils nicht verkraften, beziehungsweise längerfristige psychische Schäden davontragen. In der Psychologie ist dies nicht belegt. Es gibt „keinen unikausalen Zusammenhang“ (Interview 1, Frage 11). Insgesamt ist die Psychotherapeutin der Ansicht, dass in der Literatur „Täter oft sehr viel bunter beschrieben [werden]“(Interview 1, Frage 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin erläutert ihre persönliche Motivation zur Themenwahl, die durch die Lektüre von „Das Parfum“ entstand, und beschreibt die methodische Entscheidung, ein Experteninterview zur Unterstützung hinzuzuziehen.
2. Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung von Mördern in der Literatur ein, begründet die Auswahl der drei literarischen Werke und stellt die Forschungsfrage nach der Übereinstimmung mit der klinischen Betrachtung.
3. Gemeinsamkeiten der charakteristischen Darstellung von Mördern in der Literatur: Das Kapitel arbeitet die Parallelen zwischen den Protagonisten heraus, insbesondere ihre soziale Isolation und das Fehlen einer elterlichen Bezugsperson als gemeinsame Ausgangsbasis.
4. Darstellung von Mördern in der Psychologie: Auf Basis eines Experteninterviews werden die psychologischen Kategorien und Merkmale von Gewaltstraftätern sowie die wissenschaftliche Einordnung von Tatmotiven dargelegt.
5. Welche Unterschiede fallen zwischen der literarischen und klinischen Betrachtung von Mördern auf?: Dieses Kapitel kontrastiert die fiktive Täterdarstellung mit den realen psychologischen Fakten hinsichtlich Bildung, psychischer Gesundheit und den Hintergründen für die Diskrepanz.
6. Stimmt die literarische Herangehensweise in Bezug auf Mörder auf qualitativer Ebene mit der psychologischen Wahrnehmung überein?: Hier erfolgt das Fazit des Vergleichs, das feststellt, dass die literarische Darstellung die Realität durch fiktive Übertreibungen stark verzerrt.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Literatur zur Unterhaltung dient und keine verlässliche Grundlage für die forensische Charakterisierung von echten Mördern bietet.
Schlüsselwörter
Literatur, Mörder, Psychologie, Forensik, Faszination des Bösen, Realitätsverzerrung, Kriminalistik, Psychopathologie, Tatmotive, Hamlet, Das Parfum, Verbrechen und Strafe, Experteninterview, Entmystifizierung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Mörder in der Literatur dargestellt werden und inwiefern dieses Bild mit der psychologischen Realität und den Erkenntnissen der forensischen Psychologie übereinstimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die literarische Analyse bekannter Werke, die psychologische Kategorisierung von Gewaltstraftätern und die Diskrepanz zwischen fiktiven Täterprofilen und tatsächlichen kriminologischen Daten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob die literarische Herangehensweise an Mörder qualitativ mit der psychologischen Wahrnehmung übereinstimmt und warum Autoren Mörder oft polarisierend oder mystifiziert darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse der Werke „Hamlet“, „Das Parfum“ und „Verbrechen und Strafe“ sowie ein geführtes Experteninterview mit einer Psychotherapeutin aus dem Justizvollzug.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen literarischen und klinischen Mörderbildern, die Gründe für die künstlerische Überzeichnung und die psychologische Wirkung dieser Darstellungen auf den Leser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Literatur, Forensik, Realitätsverzerrung, Mörderdarstellung, Psychopathologie und die Entmystifizierung von Mythen über Straftäter.
Welche Rolle spielt der Verlust elterlicher Bezugspersonen in der Analyse?
Die Arbeit zeigt auf, dass dies ein häufiges Motiv in der Literatur ist, um Einsamkeit und soziale Isolation zu erklären, während die Psychologie hier keinen unikausalen Zusammenhang zu späterer Kriminalität sieht.
Warum neigt die Literatur laut der Arbeit dazu, Mörder als „komplexer“ darzustellen?
Dies dient vor allem der Steigerung der Spannung und der Unterhaltung. Der Autor muss den Roman abgrenzen, was oft zu idealisierten oder überspitzten Charakterzügen führt, um beim Leser stärkere Emotionen auszulösen.
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- John Mönch (Author), 2017, Mörder. Ein Vergleich der literarischen Wahrnehmung mit der psychologischen Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385012