Der demografische Wandel führte dazu, dass westliche Länder neue Regulierungen hinsichtlich der Care-Arbeit oder Fürsorgearbeit veranlassten. Durch eine neue Definierung sozialer Rechte sollten die Menschen vor dem Risiko der Pflegebedürftigkeit abgesichert werden. Im öffentlichen Sektor nahm die Care-Arbeit immer stärker zu, während die familiären Pflege-Tätigkeiten durch Geldleistungen unterstützt wurden. Sowohl damals als auch weitestgehend heute noch ist die Praxis der Care-Arbeit weiblich konnotiert, was zu Formen der Ungleichheit der Geschlechter führte.
Dieses Essay beschäftigt sich näher mit dem Wandel von Care-Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Care-Konzepts
3. Care-Politiken und Arbeitsmarkt
4. Emotionale Arbeit und professionelle Fürsorge
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische und soziale Entwicklung des Care-Konzepts sowie dessen Auswirkungen auf die Geschlechterrollen, den Arbeitsmarkt und die Qualität professioneller Fürsorgebeziehungen in modernen Gesellschaften.
- Historische Genese des Care-Begriffs in der feministischen Forschung
- Wandel der Care-Arbeit durch demografische Veränderungen
- Einfluss von Care-Politiken auf die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen
- Die Rolle von Migration und Ethnisierung auf privaten Pflegemärkten
- Emotionale Anforderungen an Pflegekräfte und Konzepte der Gefühlsarbeit
Auszug aus dem Buch
Die Anforderungen an emotionale Arbeit in der Pflege
Der Prozess der Care-Arbeit entwickelte sich stetig weiter und kam irgendwann zu dem Punkt, an dem persönliche Bindungen oder Beziehungen zu den hilfsbedürftigen Menschen nicht mehr notwendig waren, um der Aufgabe der Pflege gerecht zu werden. Beispielsweise können Erzieherinnen aufgrund von Zeitknappheit gar keine emotionale Bindung zu jedem einzelnem Kind aufbauen. Sie müssen die Kinder nicht einmal wirklich mögen, sofern sie die Bedürfnisse der Kinder immer im Blick haben und diese richtig interpretieren (‚attentiveness‘), sie richtig umsetzen (‚competence‘) und den Kindern dadurch helfen, Fortschritte zu machen (‚responsiveness‘) (vgl. Gerhard 2014). Trotzdem verlangt die Care-Arbeit auch die Arbeit an Gefühlen, auch wenn diese im Extremfall nur vorgetäuscht sind. Denn „wer für andere sorgt, muss jene Gefühlsregeln gelernt haben, die uns sagen, in welchen Situationen wir welche Gefühle äußern dürfen, aber auch zeigen müssen: wann z.B. Ärger und Unwillen oder Trauer öffentlich […] angebracht sind, wann nicht“ (Held 2006, in Gerhard 2014, S. 469). Hochschild (1983) unterschiedet diesbezüglich zwischen ‚surface acting‘ und ‚deep acting‘. Im Falle des ‚surface acting‘ würde eine Erzieherin ein Kind auf den Arm nehmen, auch wenn sie es abstoßend finde. Sie verändert ihr Gefühl nicht, indem sie das Kind hochnimmt, sondern spielt ihm nur ein anderes Gefühl vor. Beim ‚deep acting‘ dagegen versucht die Erzieherin nachzuvollziehen, warum das Kind unbeliebt wurde und dadurch entwickelt sie positive Gefühle für das Kind (vgl. Hochschild 1983, Dunkel 1988; in Gerhard 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des demografischen Wandels und die daraus resultierende Notwendigkeit neuer Regulierungen für Care-Arbeit ein.
2. Die Entwicklung des Care-Konzepts: Hier wird die Entstehung des Begriffs in der britisch-feministischen Literatur sowie dessen unterschiedliche Auslegungen in verschiedenen europäischen Ländern beleuchtet.
3. Care-Politiken und Arbeitsmarkt: Das Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen Care-Politiken, der Ungleichheit der Geschlechter und der zunehmenden Etablierung privat finanzierter Pflegemärkte.
4. Emotionale Arbeit und professionelle Fürsorge: Dieser Abschnitt thematisiert die Anforderungen an die emotionale Kompetenz in professionellen Pflegebeziehungen und das Konzept der Gefühlsarbeit.
5. Fazit und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Bedeutung der Care-Forschung für zukünftige Entwicklungen im Pflegebereich diskutiert.
Schlüsselwörter
Care-Arbeit, Fürsorge, demografischer Wandel, Pflege-Politik, Geschlechterrollen, Arbeitsmarkt, Migrantinnen, Gefühlsarbeit, Surface Acting, Deep Acting, Community Care, soziale Ungleichheit, professionelle Pflege, Ethnisierung, Sozialwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Konzept der Care-Arbeit, seine Entstehung aus feministischen Diskursen und seine Bedeutung in modernen, durch demografischen Wandel geprägten Gesellschaften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Neuregulierung von Pflegearbeit, der Einfluss auf den Arbeitsmarkt, geschlechtsspezifische Ungleichheiten und die psychologischen Anforderungen an professionelle Pflegekräfte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Care-Arbeit von einer privaten, weiblich konnotierten Familienaufgabe hin zu einem komplexen, politisch regulierten und teilweise professionalisierten Sektor entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender soziologischer Studien und politikwissenschaftlicher Untersuchungen zum Care-Diskurs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert ländervergleichende Studien (Schweden, Deutschland, Italien), die Rolle von Migration im privaten Pflegesektor sowie theoretische Konzepte zur emotionalen Arbeit in der Pflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind insbesondere Care-Arbeit, Geschlechterungleichheit, Gefühlsarbeit und Pflegemarkt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Care in den nordischen Ländern im Vergleich zum britischen Raum?
Während in der britischen Literatur die Gesundheitsreform und die Betreuung pflegebedürftiger Menschen im Vordergrund standen, wurde in den nordischen Ländern frühzeitig der Fokus auf die Vergesellschaftung der Kindererziehung gelegt.
Was versteht man unter 'surface acting' und 'deep acting' im Pflegekontext?
Es handelt sich um Konzepte von Arlie Hochschild zur Gefühlsarbeit: 'Surface acting' beschreibt das bloße Vortäuschen von Emotionen, während 'deep acting' den Versuch umfasst, sich aktiv in das Gegenüber einzufühlen, um echte positive Gefühle zu entwickeln.
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- Jessica Valenthin (Author), 2017, Care. Das Konzept fürsorglicher Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385055