Will man dem durchschnittlichen deutschen Schüleraufsatz glauben, haben sich schon die alten Griechen mit gar vielem beschäftigt, was uns auch heute noch bewegt. Oft mag man dem attischen Volk mit dieser Unterstellung bitterlich Unrecht tun, aber in zumindest einem Fall stimmt es wohl tatsächlich: der Demokratie. Erstmals tauchte der Begriff Demokratie bei Herodot (ca. 450 v.Chr.) auf, und seitdem haben sich Heerscharen von Dichtern, Denkern und Doktoranden mit der Frage befaßt, was Demokratie eigentlich sei, wie man sie erklären könne, wie man sie definieren solle, welche Theorien maßgeblich seien und in welchem Verhältnis diese zueinander stünden. Die Zahl der Veröffentlichungen ist bereits Legion und füllt ganze Bibliotheken, und nun fügen sich in diesen Kanon zwei weitere Werke ein, die das Thema "Demokratietheorie" auf sehr unterschiedliche Weise ausleuchten und im Folgenden vorgestellt werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung.
3. Giovanni Sartori: Demokratietheorie.
4. Vergleich der Ansätze
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht zwei maßgebliche Werke der Demokratietheorie – Manfred G. Schmidts "Demokratietheorien. Eine Einführung" und Giovanni Sartoris "Demokratietheorie" –, um deren unterschiedliche methodische Zugänge, klassifikatorische Rahmenbedingungen und theoretische Ausrichtungen kritisch gegenüberzustellen und ihre Eignung für verschiedene Lesergruppen zu evaluieren.
- Analyse der klassischen Demokratietheoretiker (von Aristoteles bis Marx)
- Gegenüberstellung von chronologischer und thematischer Gliederung
- Untersuchung der Differenz zwischen empirischer und normativer Theoriebildung
- Diskussion des Begriffsverständnisses von Demokratie (Plural vs. Singular)
- Bewertung des jeweiligen Zielpublikums und akademischen Anspruchs
Auszug aus dem Buch
Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung.
Schmidt, Professor für Politische Wissenschaften in Heidelberg, erläutert in seinem Buch klar strukturiert, was unter Demokratie verstanden wird und wurde und vor allem, welche Veränderungen die Demokratietheorie von der Antike bis zur heutigen Massendemokratie durchlief. Bereits der Titel gibt durch die bewußte Wahl des Plurals das Programm vor. Für Schmidt gibt es nicht nur eine Demokratie, "... sondern viele verschiedene Demokratien. Und es gibt nicht nur eine Demokratietheorie, sondern viele verschiedene Demokratietheorien." (S. 19). Diese Demokratietheorien unterteilt er in Vorläufer der modernen Theorie und moderne Ansätze selbst, wobei im Folgenden letztere weitgehend ausgeblendet werden und der Schwerpunkt bei den Klassikern liegen soll.
Denen widmet er sich bereits im ersten Kapitel, begonnen bei Aristoteles, über Montesquieu, Rousseau, Tocqueville und Mill bis hin zu schließlich Karl Marx. Diese auf den ersten Blick etwas willkürlich erscheinende Grenze bei Marx als letztem Vertreter der klassischen Theorie rechtfertigt Schmidt damit, daß allen von ihm klassisch genannten Vertretern gemein ist, ihre Theorien vor der allgemeinen Ausbreitung demokratischer Flächenstaaten entwickelt zu haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Demokratietheorie ein und erläutert die Relevanz der Analyse zweier grundlegender Werke in einem vergleichenden Kontext.
2. Manfred G. Schmidt: Demokratietheorien. Eine Einführung.: Dieses Kapitel analysiert Schmidts Lehrbuch, das einen chronologischen Überblick über klassische Theoretiker und deren Demokratiemodelle bietet.
3. Giovanni Sartori: Demokratietheorie.: Dieses Kapitel beleuchtet Sartoris Werk, das die Demokratie unter einem liberal-repräsentativen Fokus thematisch und argumentativ aufarbeitet.
4. Vergleich der Ansätze: Im abschließenden Vergleich werden die Unterschiede in der Gliederung, der theoretischen Ausrichtung und dem akademischen Anspruch beider Autoren herausgearbeitet.
Schlüsselwörter
Demokratietheorie, Manfred G. Schmidt, Giovanni Sartori, Klassische Demokratie, Repräsentativdemokratie, Liberalismus, Volkssouveränität, Politikwissenschaft, Verfassungsstaat, Vergleich, Methodik, Aristoteles, Montesquieu, Tocqueville, Marx
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine vergleichende Rezension zweier bedeutender Fachbücher zur Demokratietheorie und untersucht, wie die Autoren Schmidt und Sartori klassische Denker und den Demokratiebegriff interpretieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Demokratietypen, die Rolle der Repräsentation, das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gleichheit sowie der Unterschied zwischen empirischen und normativen Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die didaktischen und inhaltlichen Unterschiede der beiden Werke herauszuarbeiten, um Lesern bei der Wahl des für sie geeigneten theoretischen Zugangs zu helfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Literaturanalyse, indem sie Gliederungskriterien, Autorenpositionen und theoretische Schulen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Vorgehensweise von Schmidt, der chronologisch klassische Theoretiker vorstellt, und von Sartori, der den Fokus auf Leitbegriffe und die liberale Tradition legt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Demokratietheorie, Liberalismus, Repräsentation, Vergleich und klassische Politische Theorie charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Verständlichkeit von Schmidts Werk?
Die Autorin hebt Schmidts Werk als souverän und klar strukturiertes Lehrbuch hervor, das sich ideal für Studierende und ein breites Publikum eignet.
Was ist das Hauptargument der Autorin bezüglich Sartoris Stil?
Sartoris Werk wird als argumentativ stark, aber stilistisch prätentiös und teils redundant bewertet, wobei er einen höheren intellektuellen Einsatz vom Leser fordert.
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- Simone Prühl (Author), 2004, Demokratietheorien im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38540