Der erste Königsumritt des Saliers Konrad II


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Ziele des Königsumritts

3 Die Quellen
3.1 Die Gesta Chuonradi II. imperatoris von Wipo
3.2 Die ausgestellten Urkunden während des Königsumritts

4 Konrad der Ältere, Konrad der Jüngere und die Wahl zu Kamba

5 Von Mainz nach Köln
5.1 Die Krönung von Konrad und Gisela
5.2 Die Schenkung an den Dom zu Speyer

6 Von Köln nach Aachen

7 Von Aachen in das sächsische Gebiet

8 Von Sachsen nach Ostfranken und Bayern

9 In Konstanz
9.1 Die ersten politischen Schritte nach Italien
9.2 Die Gesandtschaft aus Pavia und die Idee des transpersonalen Regnum

10 BurgundundBasel

11 Zusammenfassung

12 Quellen- und Literaturverzeichnis
12.1 Quellenverzeichnis
12.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am 13. Juli 1024 starb Kaiser Heinrich II. (*6. Mai 973 [978?]) ohne einen Erben zu hinter­lassen. Daraufhin kam es im Reich vielerorts zu Gewalttaten, die auch von der Kaiserwitwe Kunigunde nicht eingedämmt werden konnten (Wipo 1, S.531). Einen neuen König brauchte das Land. Konrad (um 990 - 4. Juni 1039) wurde am 4. September 1024 in der heute nicht mehr vorhandenen Ortschaft Kamba, in der Nähe von Mainz und gegenüber von Oppenheim, laut Wipos Bericht einstimmig von allen Anwesenden zum König des regnum Teutonicorum gewählt. Aber nicht jeder Fürst des Reiches war am Wahlort und nicht alle Anwesenden stimmten für Konrad. Die Königswahl bedurfte aber der Zustimmung aller deutschen Fürsten. Neben den Sachsen, die sich an der Wahl nicht beteiligt hatten, gingen die Lothringer in Opposition.

2 Die Ziele des Königsumritts

Das ,Reisekönigtum’ hatte keinen Verwaltungsapparat und verfügte nur über wenige Verwaltungsinstitutionen auf die sich der König stützen konnte. Die Herrschaft beruhte in erster Linie auf der persönlichen Bindung zwischen dem König und seinem Lehnsmann[1]. Der König zog von Pfalz zu Pfalz, hielt Hoftage ab und traf politische Entscheidungen. Die Wahl des Weges war dem König frei gestellt. Er musste aber neben den geographischen und versorgungstechnischen Voraussetzungen auch die politische Notwendigkeit[2] an einem Ort präsent sein zu müssen, bei der Wahl des Weges und des Zieles berücksichtigen. In der vorliegenden Arbeit soll die Frage behandelt werden, welchen Aufgaben und Problemen sich Konrad II. während seines ersten Königsumritts stellen musste und wie er diese zu lösen versuchte. Welche Wegstationen suchte der neue König auf, um seine Herrschaft zu festigen? Der zu behandelnde Zeitraum wird mit der Krönungszeremonie am 8. September 1024 in Mainz beginnen und in Basel Mitte Juni 1025 schließen.

Der Königsumritt wies zu Beginn des 11. Jahrhundert noch keine durchgehende Tradition auf. Konrad II. griff mit seinem Umritt auf eine Handlung des verstorbenen Kaiser Heinrich II. zurück, der einen ersten Königsumritt nach seiner Krönung 1002 unternommen hatte. Heinrich wie Konrad setzten mit dem Umritt wiederum eine Tradition der Herrschaftsübernahme und -antrittes fort, die vor allem die merowingischen Könige im 6. Jahrhundert genutzt hatten, um ihre jeweilige Königsherrschaft zu gewinnen, zu sichern, anzutreten oder in zeremonieller Weise ihren Untertanen zu präsentieren[3]. Der Ausgangspunkt des Umritts bei Heinrich II. und Konrad II. war, dass beide durch die Wahl als König eingesetzt wurden und nicht durch Erbrecht oder Designation an die Macht kamen.

Im Falle von Konrad war die Königswahl in Kamba zunächst eine Willenserklärung der am Wahlort versammelten Fürsten gewesen. Für die Nichtanwesenden war die Wahl nur bedingt gültig. Konrad benötigte aber für die Legitimation seiner Königsherrschaft die Einwilligung aller Fürsten des Deutschen Reiches. Die Zustimmung der Fürsten erfolgt nach der Krönung des Königs in Form der Huldigung. Das wichtigste Ziel des ersten Umritts war demnach das Königtum rechtlich[4] in Besitz zu nehmen. Dafür hatte Konrad jedes Herzogtum persönlich aufzusuchen[5] und dem Adel, der nicht bei der Krönung anwesend war, eine Gelegenheit zur Huldigung zu geben. Konrad musste seine königliche Autorität in den einzelnen Herzogtümern vorstellen, die Gerichtsbarkeit als oberster Gerichtsherr des Reiches ausüben, das Recht und den Frieden schützen sowie garantieren. Die Bindung der regionalen Fürsten an seine Person und sein Amt war zu bekräftigen oder erst zu knüpfen, in der Form, dass er Privilegien und Lehenverhältnisse gewährte oder erneuerte. Die Huldigung und die königlichen Aufgaben wurden dabei meist im Zusammenhang mit einem Hoftag wahrgenommen.

Zwei wichtige Aufgaben für die Durchsetzung von Konrads Herrschaftsanspruch waren die lothringische Opposition aufzulösen und die Huldigung der Sachsen zu erringen. Weiterhin musste er einen Ausgleich mit seinem Vetter Konrad dem Jüngeren finden, der von seinem Anspruch auf die Krone in Kamba zurückgetreten war (Wipo 2, S. 539f.). Ebenso waren Grenzprobleme mit den Slawen und Polen zu lösen und das burgundische Erbe sollte endgültig für das regnum Teutonicorum gewonnen werden. Um das Kaisertum erringen zu können, war schließlich die Gewinnung der lombardischen Krone nötig. Der Umritt stellte damit eine gute Gelegenheit dar, das Reich und dessen Probleme kennenzulemen, um die Konflikte zu lösen und eine erfolgreiche Politik betreiben zu können.

3 Die Quellen

3.1 Die Gesta Chuonradi II. imperatorie von Wipo

Die ausführlichste Quelle zum Königsumritt Konrads liefert Wipo (um 1000 - nach 1046) im sechsten Kapitel seiner Gesta Chuonradi II. imperatoris. Er lässt den Umritt in Aachen beginnen und in Basel enden. Wipo gehörte vermutlich schon der Hofkapelle Kaiser Heinrichs II. an. Nach der Wahl Konrads wurde er zu seinem Kaplan. Wipo verfügte damit über Wissen aus erster Hand, weil er auf eigene Erfahrungen und Erlebnisse für den „Tatenbericht“ Konrads zurückgreifen konnte. Dies wird besonders im ersten Teil der Gesta deutlich[6]. Wipo begann die Gesta Chuonradi II vermutlich kurz nach dem Tod Konrads 1039 und widmete sie Konrads Sohn Heinrich.

Der Schreiber sah sich als „Mahner und geistlicher Berater[7] “ des salischen Königshauses, so dass der „Tatenbericht“ moralisch-pädagogischen Zielen folgt. Topografische, chronologische oder individuelle Einzelheiten waren für Wipo nicht wichtig. Stattdessen wollte er die Wirkung der „guten“ Taten Konrads in Erinnerung bringen, ohne dabei den Vorgang und die Handlung an sich darzustellen[8]. Die Erzählung sollte als eine Möglichkeit zur Erziehung der folgenden Herrscher dienen und die „Wendepunkte wie Wahl, Weihe, Tod, symbolträchtige Handlungen (und) typische Charakterzüge als Rechtsmäßigkeit und Erwähltheit[9] “ des gesalbten Königs aufzeigen. Nach Wipo verfügte Konrad über alle Eigenschaften: Klugheit, Tüchtigkeit, Milde und Freigebigkeit, die ein guter König für sein Amt benötige. Das Ziel Wipos war das Idealbild des mittelalterlichen Herrschers, das auf Karl den Großen und auf geistliche Vorstellung zurückging, auf Konrad zu übertragen. Dieses Ideal konnte natürlich nicht immer mit der Wirklichkeit in Einklang gebracht werden, so dass der Schreiber teilweise Tatsachen verschweigt, schönt, hinzusetzt oder nach seinen politischen Ansichten und Intentionen verändert. Daran ist zu erkennen, dass Wipo nicht danach strebte die Realität wiederzugeben, so dass informativ historische Tatsachen absichtlich oder auch unabsichtlich nicht behandelt werden. Als Grundlage für die Gesta nutzte Wipo die auf der Reichenau entstandene, aber verloren gegangene „Schwäbische Weltchronik[10] “. Weiterhin führt er Zitate aus der Bibel an und entnimmt Textstellen von römischen Historikern wie Sallust, Sueton, Horaz und Ovid.

3.2 Die ausgestellten Urkunden während des Königsumritts

Anders als Wipos „Tatenbericht“ geben die Urkunden Auskunft über Ort, Zeit und der sich am Hof befindlichen Personen während des ersten Königsumritts von Konrad. Insgesamt sind vierzig Urkunden vom 8. September 1024, dem Krönungstag Konrads II. in Mainz, bis zum 23. Juni 1025 in Basel überliefert. Im Stil und im Sprachgebrauch folgen sie den unter Heinrich II. ausgestellten Urkunden, weil Konrad keine personalen Veränderungen in der Kanzlei vomahm[11].

Bei 16 Urkunden handelt es sich um die Verleihung oder die Bestätigung der Immunität und des königlichen Schutzes an Kirchen und Klöster. Die Immunität gewährte bestimmten Personen oder Institutionen das Vorrecht von Dienst- und Abgabenfreiheit, so dass sie ihre eigenen Aufgaben und Pflichten wahrnehmen konnten. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde die Immunität von den Herrschern häufig an Kirchen und Klöster verliehen. Dies führte zur Bildung der ottonisch-salischen Reichskirche, bis hin zur Reichsunmittelbarkeit der geistlichen Fürsten und zum königlichen Obereigentum an den mit Immunität ausgestatteten Reichsklöstern[12]. Das Reichskirchensystem wurde zunächst von Heinrich II. durchgesetzt und anschließend von Konrad II. weitergeführt[13]. In diesem Zusammenhang werden in den Urkunden meist auch Schenkungen des Königs an die religiösen Einrichtungen erwähnt oder bestätigt, so dass die geistlichen Fürsten für reichsgräfliche Aufgaben herangezogen wurden. Diese Schenkungen stärkten damit das Verantwortungsbewusstsein der geistlichen Fürsten gegenüber dem Reich[14]. Fünf weitere Urkunden beinhalten Schenkungen an Adlige und Getreue, wobei wichtige Grenzlandschaften des Reiches mit königstreuen Verwaltern besetzt wurden.

Bemerkenswert ist, dass Konrad häufig den Rat seiner Frau Gisela bei der Ausstellung von Urkunden eingeholt hat. In 18 Urkunden finden sich Zusätze wie „auf Intervention der Königin Gisela“ oder „auf Bitten seiner Gemahlin, der Königin Gisela“, so dass Konrad wohl nicht allein über politische Vorgänge entschied und nicht nur den Rat seiner Ratgeber anhörte, sondern auch offiziell seine Gemahlin um ihre Meinung bat und diese dann als Ratgeberin in den Urkunden erwähnen ließ. Dieser Vermerk war so geläufig, dass sogar in den zwei gefälschten Urkunden die Königin als Ratgeberin angeführt wurde. Es handelt sich dabei um eine Urkunde vom 2. Oktober 1024 aus Lüttich, in der Konrad das Gut Heerewaarden in der Grafschaft Haaren am Waal der bischöflichen Kirche zu Lüttich zurückgegeben haben soll und um eine Urkunde vom 14. Mai 1025 aus Ulm. In der Ulmer Urkunde soll Konrad der bischöflichen Kirche zu Basel eine Zelle im Schwarzwald geschenkt haben. Gisela wird in der Ulmer Urkunde bereits als Kaiserin bezeichnet, obwohl ihr erst am 26. März 1027 mit Konrad zusammen die Kaiserwürde verliehen wurde. Ebenso wird fälschlicherweise Konrads Sohn als König angegeben (Regesta Imperii 6, S. 14 und 36, S.26).

4 Konrad der Ältere, Konrad der Jüngere und die Wahl zu Kamba

In Kamba am Rhein versammelten sich die deutschen Fürsten, um einen neuen König zu wählen. Auf der rechtsrheinischen Seite lagerten die Sachsen, Slawen, Ostfranken, Baiern und Schwaben, am linksrheinischen Ufer die gallischen Franken und Lothringer (Wipo 2, S. 537). Als Favoriten galten Konrad der Jüngere (1002-1039) und Konrad der Ältere. Beide stammten aus dem fränkischen Hochadel und waren mit den Ottonen durch die Ehe Konrads des Roten, des Herzogs von Lothringen mit Liutgard, einer Tochter Kaiser Ottos I., verbunden. Daneben war der jüngere Konrad von Seiten seiner Mutter Mathilde mit dem König Rudolf III. von Burgund verwandt. Konrad der Ältere soll nach Wipos Bericht über seine Mutter Adelheid von Metz mit dem Frankenkönig Chlodwig verwandt gewesen sein. Gleichzeitig betont Wipo, dass die Franken vom sagenhaften Geschlecht der Trojaner abstammen (Wipo 2, S.539). Ebenso sei die vorteilhafte Eheschließung Konrads des Älteren mit der Tochter des Herzogs Hermann II. von Schwaben 1016 zu erwähnen. Gisela war eine Schwester von Mathilde, der Mutter des jüngeren Konrads und damit ebenso wie Mathilde über ihre Mutter Gerberga[15] mit dem burgundischen Königshaus verwandt. Wegen ihrer edlen Abstammung zeichneten sich beide Konrade aus, denn ein Aspekt für die Wahl zum König war das Geblüts- und Erbrecht[16].

[...]


[1] Erkens, S.56.

[2] Schmidt, S.99.

[3] Schmidt, Artikel: „Umritt“, in: LexMa VIII, Sp.1210.

[4] Keerl, S.25.

[5] Ficker-Puntschart, Kap. 381, S. 20,23. Nach Ficker-Puntschart hätte Konrad injedem Herzogtum einen Hoftag halten und als oberster Richter Recht sprechen müssen, um seine Königsherrschaft über das betreffende Herzogtum rechtskräftig zu legitimieren.

[6] Schmidt, S. 113. Schmidt betont, dass der erste Teil des Tatenberichtes eher an Wipos Intention orientiert sei als der zweite Teil, der sich mehr an die Schwäbische Weltchronik anlehne.

[7] FSGA, S. 509.

[8] Schmidt, S.lll.

[9] FSGA, S. 510.

[10] FSGA, S. 507.

[11] Konrad verlieh nach seiner Krönung das Erzkanzleramt für Italien an den Erzbischof Aribo von Mainz, sonst nahm er keine Veränderungen vor.

[12] Fuchs/ Raab, S.362f.

[13] Weinfurter, S.55.

[14] Weinfurter, S.56.

[15] Bretscher-Gisiger, Stammtafel: „Ottonen, frühe Salier“, in: LexMa IX Anhang.

[16] Weinfurter, S.25.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der erste Königsumritt des Saliers Konrad II
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Geschichte und Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Deutsche Königspfalzen
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V385474
ISBN (eBook)
9783668600935
ISBN (Buch)
9783668600942
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anmerkung des Dozenten: Diesegute Arbeit zeichnet sich durch eine klare Gliederung, Problemverständnis und guten sprachlichen Ausdruck aus.
Schlagworte
Salier, Konrad II., Transpersonale Regnum, Königtum, Gesta Chuonradi II. imperatoris, Wipo, Königsurkunden, Königspfalz, Umritt, Königsumritt, Wahl, Königswahl, Reisekönigtum, Wahl zu Kamba, Huldigung, Deutsche Königspfalz
Arbeit zitieren
Magister Artium Astrid Klahm (Autor), 2007, Der erste Königsumritt des Saliers Konrad II, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385474

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