Die mir vorliegende Kurzgeschichte „Das Leben und der Traum“ wurde von Maria Judite de Carvalho geschrieben und erschien 1964 in dem Buch „Moderne portugiesische Erzählungen“. In dieser Geschichte geht es um den von Fernweh getriebenen Bankkaufmann Abderito, der gerne nach Afrika ziehen würde. Eines Tages bekommt er die einmalige Chance dazu, lehnt dieses Angebot aber ab.
Leider konnte ich keine detaillierten Angaben zur Schriftstellerin in deutscher oder englischer Sprache finden. Informationen zu Maria Judite de Carvalho in portugiesischer Sprache sind im Internet nachzulesen.
Bereits beim ersten Lesen des Textes fiel mir der außergewöhnlich starke Wunsch Abderitos nach einem anderen, erfüllteren Leben in einem fremden Land auf. Derzeit führt Abderito ein ödes Leben, das geprägt ist von Langeweile und Gewohnheiten („Jeden Sonntag zog er seinen besten Anzug an, den blauen, band die Geburtstagskrawatte um und ging zum Fußball“ ), aus denen er gerne ausbrechen würde. Dass er dieses Leben an der Seite seiner Frau („ein armes hohles Persönchen“ ) fristet, mit der er sich nicht einmal über seine Träume und Wünsche unterhalten kann, macht ihn nicht glücklicher. Er ist in seinem Beruf, in den er damals mit 13 Jahren von seinem Vater gedrängt wurde und in seinem Privatleben unzufrieden, so dass er nur noch für die Sonntage lebt, an denen er seinen Träumen von einem besseren Leben nachgehen kann. Nur auf dem Flugplatz oder am Hafen kommt er diesen Träumen ein kleines Stück näher.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Charakterisierung des Textes
2. Spontaneindruck
3. Analyse der Handlung
3.1. Entwicklung vom Anfangszustand zum Endzustand
3.2. Ereignishaftigkeit
4. Analyse der Figuren und ihrer Attribute
4.1. Analyse des Raumes
5. Analyse des Menschen- und Weltbildes
6. Analyse der symbolischen Bedeutung
7. Analyse der Erzählweise
8. Thema und Aussage
9. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit führt eine tiefgehende erzähltheoretische Analyse der Kurzgeschichte „Das Leben und der Traum“ von Maria Judite de Carvalho durch, um die psychologische Situation des Protagonisten Abderito sowie die gesellschaftskritischen Untertöne des Textes vor dem Hintergrund des portugiesischen Diktaturregimes zu erschließen.
- Strukturanalyse der Handlung und Charakterisierung der Protagonisten.
- Untersuchung der räumlichen Kontrastierung als Ausdruck innerer Zerrissenheit.
- Analyse der auktorialen Erzählweise und symbolischer Bedeutungsebenen.
- Verknüpfung der literarischen Analyse mit historisch-politischen Kontexten Portugals.
Auszug aus dem Buch
3. Analyse der Handlung
Der Anfangszustand besteht darin, dass die Hauptperson dieser Geschichte, Abderito, dem Leser vorgestellt wird. Abderito arbeitet in einer Bank und ist dabei „sehr eifrig, sehr ernst, (und) sehr begierig darauf bedacht, seine Pflicht zu erfüllen“. Er findet schon seit längerer Zeit keinen Gefallen mehr an seiner Arbeit („Seine Arbeit gefiel ihm. Gefiel sie ihm tatsächlich? Nein, in Wirklichkeit konnte er einfach nicht anders.“). Abderito ist jedoch nicht nur in seinem Beruf unzufrieden, sondern auch mit seiner Ehe. Jedes Wochenende verläuft gleich und es passiert nichts Außergewöhnliches mehr. Alles ist vorhersehbar. Abderito belastet es auch sehr, dass er sich seiner Frau nicht mitteilen kann. Zumindest geht er davon aus, dass sie ihn und seine Fantasien nicht verstehen würde, weil sie in seinen Augen nämlich „ein armes hohles Persönchen“ ist.
Somit wird der problematische Anfangszustand dieser Geschichte schnell klar. Abderito hat keinen Spaß im Leben, weder beruflich, noch privat. Deshalb scheint es so, als würde er das Ziel verfolgen, aus diesem Leben auszubrechen.
Der Komplikationsträger in dieser Geschichte ist Abderito, der nach dem ideellen Gut „Freiheit“ strebt. Was es bedeutet frei zu sein und eigene Entscheidungen treffen zu können hat Abderito bisher kaum erlebt. Er hat bereits im Alter von 13 Jahren die Lehre begonnen, die sein Vater für ihn ausgesucht hat und war auch schnell in das „Räderwerk“ der Bank verstrickt. Auch im privaten Bereich hat Abderito seine Freiheit nie so recht ausgekostet („er lernte Frauen kennen – wenige – und heiratete“). Das heißt, es besteht für Abderito ein Mangel des Gutes, denn er weiß nicht, wie es ist, wenn man frei und keinen Zwängen unterworfen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Charakterisierung des Textes: Der Text stellt die Kurzgeschichte vor, datiert sie auf das Jahr 1964 und umreißt die Ausgangslage des Protagonisten Abderito.
2. Spontaneindruck: Hier werden die ersten persönlichen Leseeindrücke geschildert, insbesondere das Motiv des unerfüllten Wunsches nach einem besseren Leben.
3. Analyse der Handlung: Untersuchung der narrativen Entwicklung vom problematischen Anfangszustand bis zur resignativen Auflösung sowie die Erläuterung der Ereignishaftigkeit durch Erwartungsbrüche.
3.1. Entwicklung vom Anfangszustand zum Endzustand: Detaillierte Betrachtung der Unzufriedenheit Abderitos und seiner vergeblichen Suche nach Freiheit innerhalb starrer Lebensstrukturen.
3.2. Ereignishaftigkeit: Analyse der narrativen Schlüsselszenen, die durch die Verletzung von Leser-Erwartungen eine eigene Bedeutungsebene entfalten.
4. Analyse der Figuren und ihrer Attribute: Gegenüberstellung der Hauptfiguren Abderito und seiner Frau, wobei die scheinbaren Unterschiede zugunsten gemeinsamer statischer Merkmale hinterfragt werden.
4.1. Analyse des Raumes: Analyse der räumlichen Gegensätze zwischen der Bank/Heim und Hafen/Flughafen als Metaphern für Einengung und Freiheit.
5. Analyse des Menschen- und Weltbildes: Einordnung der Geschichte in das politische Klima der Diktatur in Portugal, um das unterwürfige Verhalten der Figuren zu erklären.
6. Analyse der symbolischen Bedeutung: Deutung der sprachlichen Symbole und Seme, welche die innere Befreiung des Protagonisten als Zielsubscriptio herausarbeiten.
7. Analyse der Erzählweise: Untersuchung der auktorialen Erzählhaltung und der kommentierenden Rolle des Erzählers gegenüber dem Leser.
8. Thema und Aussage: Zusammenfassung der Kernaussage als Kritik an gesellschaftlicher Unterwürfigkeit und als Appell zur aktiven Lebensgestaltung.
9. Resümee: Abschließende Reflexion über die gewonnenen Erkenntnisse und die Korrektur der anfänglichen Inhaltshypothesen.
Schlüsselwörter
Erzähltextanalyse, Maria Judite de Carvalho, Das Leben und der Traum, Abderito, Freiheit, Einengung, Portugiesische Diktatur, Kurzgeschichte, Ereignishaftigkeit, Auktorialer Erzähler, Symbolik, Identität, Gesellschaftskritik, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Analyse primär?
Die Arbeit analysiert die Kurzgeschichte „Das Leben und der Traum“ und untersucht, wie der Protagonist Abderito in einem starren gesellschaftlichen Umfeld an der Verwirklichung seiner Träume scheitert.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Dialektik von Freiheit und Einengung, die Kritik an einem unterwürfigen Menschenbild während der Diktaturzeit und die Bedeutung individueller Träume für den Lebenssinn.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den „tiefere Sinn“ hinter Abderitos Verhalten zu ergründen und aufzuzeigen, warum er letztlich in seiner unglücklichen, aber vertrauten Lebenswelt verharrt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden methodische Ansätze der Erzähltextanalyse verwendet, darunter die Analyse von Handlungsstrukturen, Raumgestaltung, Charakterkonstellationen, Erzählweise und symbolischen Seme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Handlung, der Figuren, der Raumsymbolik sowie der Erzählweise, wobei die Verbindung zur portugiesischen Zeitgeschichte eine zentrale Rolle spielt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Freiheit, Einengung, Diktaturkritik, Identität, Kurzgeschichte und Erzählstrukturen.
Warum lehnt Abderito das Afrika-Angebot ab?
Die Analyse verdeutlicht, dass Abderito erkannt hat, dass ein Umzug nichts an seinem inneren Zustand ändern würde, da er sich auch in Afrika in einem diktatorischen System festgebunden fühlen würde.
Welche Rolle spielt die Ehefrau in der Geschichte?
Sie fungiert als statische Figur, die im Gegensatz zu Abderito mit ihrer Rolle als Hausfrau zufrieden ist, was die Einsamkeit des Protagonisten in der Ehe noch unterstreicht.
Ist der Erzähler objektiv?
Nein, der Erzähler greift durch kommentierende und wertende Bemerkungen aktiv in das Geschehen ein, um den Leser gezielt zu beeinflussen.
- Quote paper
- Diana Wellige (Author), 2004, Erzähltextanalyse zu 'Das Leben und der Traum' von Maria Judite de Carvalho, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38554