Fernwaffen im Hundertjährigen Krieg. Langbogen, Armbrust und erste Handfeuerwaffen im Vergleich


Seminararbeit, 2017

31 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spätmittelalterliche Fern- und Schutzwaffen
2.1 Der Langbogen
2.2 Die Armbrust
2.3 Erste Handfeuerwaffen
2.4 Die Entwicklung der Schutzwaffen

3 Bewertung der Effektivität der Fernwaffen
3.1 Quellenproblematik
3.2 Archäologische Funde
3.3 Beschusstests
3.4 Beurteilung der historischen Entwicklung

4 Taktischer Einsatz von Fußtruppen gegen Berittene

5 Die Infanterierevolution des Mittelalters – ein ‚technologischer Determinismus‘?

6 Literaturverzeichnis
6.1 Monographien und Aufsätze
6.2 Lexika
6.3 Internetquellen

1 Einleitung

In der populären Vorstellung vom Krieg im ausgehenden Mittelalter spielen neben den ‚Rittern in strahlender Rüstung‘ die Fernwaffen eine nicht ganz unwichtige Rolle: Sei es die Armbrust, die dem Adel als für Ritter tödliche Waffe in Händen des ‚Pöbels‘ so zuwider war, dass er für ihr Verbot durch die Kirche sorgte, und die sogar einer ikonischen Figur wie ‚Richard Löwenherz‘ das Leben kostete, sei es der Langbogen, berühmt vor allem durch seinen Einsatz durch den legendären Robin Hood im Kampf gegen die Unterdrückung des ‚gemeinen Volkes‘ durch den ‚schlechten König‘ Johann Ohneland, oder seien es die Feuerwaffen, die die wertvollste Rüstung wertlos machten und so für das Ende des adeligen gepanzerten Reiterkriegers sorgten. Doch möglicherweise handelt es sich bei diesen Bildern auch nur um eine von späteren Epochen geprägte ‚Meistererzählung‘, die mit den tatsächlichen Gründen für die militärischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Spätmittelalter wenig zu tun hat.

Eines jedenfalls ist sicher: Im Spätmittelalter kommt es zu einer ‚militärischen Revolution‘, genauer einer ‚Infanterierevolution‘, nämlich der Ablöse der gepanzerten Reiter als bestimmende und schlachtentscheidende Waffengattung durch Fußtruppen.[1] Doch ist diese ‚Revolution‘ bedingt durch technologische Fortschritte in der Waffentechnik, speziell bei den Fernwaffen? Ist sie also ‚technologisch determiniert‘? Oder gibt es andere Gründe für diese Entwicklung, die nur wenig mit der Effektivität einzelner Waffengattungen zu tun hatten? Die vorliegende Arbeit will versuchen, diese Fragen zu beantworten. Dabei nimmt sie speziell den Hundertjährigen Krieg in den Blick, ohne wichtige Entwicklungen auf anderen europäischen Schauplätzen ganz auszublenden. Schließlich war kein anderes Land im Spätmittelalter in der Lage, so viele wirtschaftliche Ressourcen zur Versorgung des Reiteradels zur Verfügung und ein vergleichbares Ritterheer ins Feld zu stellen wie Frankreich (bzw. Burgund). Folgerichtig wird die ‚Infanterierevolution‘ gerade von deren Nachbarn und Gegnern, nämlich England, Flandern und der Schweiz, forciert.[2] Der in den großen Schlachten des Krieges die französischen Ritter dezimierende englische Langbogen wird Teil der nationalen Identität des Landes[3] und prägt die englischen Militärgeschichtsschreibung. (Kortüm spricht in diesem Zusammenhang sogar von der ‚Meistererzählung‘ der englischen Militärgeschichte des Mittelalters.)[4]

Als erstes werden die drei Fernkampf-Waffentypen, die im fraglichen Zeitraum überwiegend zum Einsatz kamen, vorgestellt: der Langbogen, die Armbrust und die ersten Handfeuerwaffen. Die parallel dazu stattfindende Entwicklung der Schutzwaffen, insbesondere der Rüstungen, wird im Anschluss daran skizziert. Im darauffolgenden Abschnitt wird eine Beurteilung der Effektivität dieser Waffen am Schlachtfeld versucht, wobei auch kurz auf die Problematik bei der Beurteilung der vorhandenen Quellen eingegangen wird. Der Wandel der Schlachtfeld-Taktik, der durch den Fernwaffeneinsatz mitbestimmt wird und gerade auch im Hundertjährigen Krieg beobachtbar ist, wird als nächstes beschrieben, bevor die oben aufgeworfenen Fragen im abschließenden Kapitel beantwortet werden können.

2 Spätmittelalterliche Fern- und Schutzwaffen

Im Spätmittelalter kamen wie in den Jahrhunderten zuvor verschiedene Fernwaffen zum Einsatz, darunter auch unterschiedliche Bögen und Schleudern. Im Hundertjährigen Krieg wurden allerdings vorrangig drei Fernwaffentypen verwendet, die – zumindest in den Augen der Zeitgenossen und der Nachwelt – als schlachtentscheidend wahrgenommen wurden oder sogar die weitere Entwicklung von Waffentechnik und Gefechtstaktik in den folgenden Jahrhunderten prägten: der Langbogen, die Armbrust und die gerade erst aufkommenden Handfeuerwaffen. Diese drei Waffentypen sollen im Folgenden näher beschrieben und ihre Vor- und Nachteile gegenübergestellt werden. Parallel zu den Fernwaffen entwickelten sich aber auch die Schutzwaffen (wie Rüstungen, Helme und Schilde) im 13. und 14. Jahrhundert weiter – auch diese für die Einschätzung der Fernwaffen-Effektivität wichtigen Fortschritte werden kurz skizziert.

2.1 Der Langbogen

Der Bogen gehört zu den ältesten Waffen der Menschheitsgeschichte. (Erste archäologische Funde datieren aus der ausgehenden Altsteinzeit.) Das simple Grundprinzip der auf einen Stab gespannten Sehne, mit der Pfeile verschossen werden konnten, erfuhr allerdings verschiedene Abwandlungen.[5]

Die hier zu beschreibende Variante, der ‚Langbogen‘[6], der die Hauptfernwaffe der englischen Fußtruppen bis ins ausgehende 16. Jahrhundert bleiben sollte[7], bestand aus einem 1,8 bis 2m langen Holzbogen.[8] Als ideales Bogenmaterial galt Eibenholz – im Verlauf des Hundertjährigen Krieges kam es aber immer wieder zu Nachschubproblemen, sodass auch auf weniger geeignete Hölzer zurückgegriffen werden musste.[9] Die Sehne bestand aus Hanf oder Flachsfäden.[10] Während kleinere Bögen nur bis zur Brust gespannt wurden, musste die Langbogensehne bis zum Ohr zurückgezogen werden. Dazu war eine Zugkraft von durchschnittlich 50 bis 60 kg nötig, Ausnahmebögen (und -bogner) benötigten möglicherweise sogar bis zu 80 kg Zugkraft zum Spannen.[11] Die Pfeile waren bis zu 85 cm lang und etwa 70 g schwer.[12] Es gab eine Vielzahl verschiedener, spezialisierter Pfeilspitzen (darunter käfigartig geschmiedete Varianten, die mit brennbaren Material gefüllt als Brandpfeile eingesetzt werden konnten)[13], die zwischen 15 und 25 g wogen.[14]

Die beschriebenen Langbögen hatten in der offenen Feldschlacht zahlreiche Vorteile: Als erstes genannt sei ihre unter den besprochenen Fernwaffen unerreicht hohe Reichweite, die vor allem durch die gute Eignung zum ‚indirekten Schuß‘[15] erreicht wurde. In einer Entfernung von bis zu 350 m (auch in Abhängigkeit vom benutzten Pfeil) konnten Ziele effektiv bekämpft werden.[16] Dabei wurde trotzdem eine sehr hohe Zielgenauigkeit erreicht, gerade auch auf kurze Entfernungen. Unübertroffen war aber die enorm hohe Kadenz[17] des Langbogens: 12 bis 15 Pfeile konnte ein Bogner pro Minute abschießen.[18] Eine Kadenz dieser Größenordnung konnte erst wieder in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts durch die Einführung des Hinterladers und des Repetiergewehrs erreicht werden![19]

Die Durchschlagskraft eines von einem Langbogen abgeschossenen Pfeiles dürfte hoch gewesen sein: Ketten- und Schuppenpanzer wurden – die richtige Pfeilspitze vorausgesetzt – wohl problemlos durchschlagen, ein Plattenharnisch aber nur im Ausnahmefall.[20]

Zu den Vorteilen im Felde kamen die logistischen Vorzüge, denn Langbögen waren recht handlich, da die Sehnen problemlos abgenommen werden konnten. Übrig blieben dann auch in Massen einfach zu transportierende ‚Stöcke‘. Die Herstellung war verhältnismäßig billig, und verschlissene Sehnen konnten einfach gewechselt werden.[21]

Die gerade beschriebenen Vorteile des Langbogens im Gefecht gehen allerdings mit seinem größten Nachteil einher, der hauptverantwortlich dafür ist, dass nicht auch andere Nationen Massen von Langbognern ins Feld stellten: Sie setzen einen hochtrainierten Schützen voraus! Der Trainingsaufwand, um sowohl die benötigte Kraft als auch eine entsprechende Schusstechnik zu entwickeln, muss enorm gewesen sein.[22] Viele Langbogner konnte daher nur rekrutieren, wer eine entsprechende ‚Ausbildungskultur‘ etabliert hatte.[23] Das war im Hoch- und Spätmittelalter in großem Umfang nur in England, in geringerem Ausmaß noch in Wales und Teilen Schottlands gegeben.[24]

Ein weiterer Nachteil des Langbogens bestand in seiner Sperrigkeit im gespannten Zustand. So war ein Einsatz vom Pferderücken nicht möglich.[25] Größere Probleme gerade bei den zahlreichen Belagerungen im Hundertjährigen Krieg bereitete aber der Einsatz in Gebäuden, da die durchschnittliche Geschosshöhe von rund 1,8 m keinen ausreichenden Raum für den Langbogen bot.[26]

2.2 Die Armbrust

Die Armbrust war mit allen ihren Varianten[27] die verbreitetste Fernwaffe des Mittelalters. Ihr deutscher Name wurde entlehnt vom altfranzösischen arbalestre‘, das wiederum vom lateinischen ‚arcuballista‘ für ‚Bogenschleuder‘ abgeleitet wurde. Im Deutschen wurde der zweite Wortteil zuerst auf das mittelhochdeutsche ‚berust‘ für ‚rüsten‘ und erst in der Folge auf ‚Brust‘ bezogen.[28] (Daher ‚die‘ Armbrust, Mehrzahl auch ‚Armbruste‘.) Im Grundaufbau besteht eine Armbrust aus einem auf einen Schaft befestigten Bogen mit einem Auslösemechanismus. Vorläufer waren schon im antiken Griechenland und China bekannt.[29]

Der Bogen einer mittelalterlichen Armbrust bestand aus Holz, miteinander verleimten Horn- und Sehnenschichten (auch Komposit- oder Hornschichtbogen genannt) oder aus Metall. In Abhängigkeit vom Bogenmaterial konnten so Spannkräfte von mehreren 100 kg erzielt werden. Da dabei ein Spannen mit der bloßen Hand nicht mehr möglich war, wurden zunehmend kompliziertere Spanntechniken, teils mithilfe aufwändiger mechanischer Lösungen wie Hebeln oder Kurbeln, nötig.[30] Die Geschosse mussten wegen der hohen Beschleunigungskräfte beim Abschuss kurz und gedrungen sein – man nennt sie daher üblicherweise ‚Bolzen‘. Die wie beim Bogen spezialisierten Spitzen der Bolzen wogen bis zu 30 g.[31]

Ein großer Vorteil der Armbrust war die durch die Kombination aus Geschossgewicht und hoher Abschussgeschwindigkeit erreichte große Aufschlagsenergie, die bei späten Modellen sowohl die des Langbogens als auch der ersten Handfeuerwaffen übertraf.[32] Die Bolzen durchschlugen Ketten- und Schuppenpanzer relativ problemlos, einen Plattenharnisch aber nur im Idealfall.[33]

Effektiv dürfte eine Armbrust eher auf mittlere Reichweiten von 30 bis maximal 100 m gewesen sein, bedingt durch die im Vergleich mit Bogenpfeilen schlechtere Aerodynamik der kurzen Bolzen.[34] Dafür erreichte sie auf diese Entfernungen eine recht hohe Zielgenauigkeit bei relativ geringem Trainingsaufwand, noch dazu, wenn die Waffe aufgelegt werden konnte (z.B. bei der Verteidung oder Belagerung von Befestigungsanlagen.) Hier zeigte sich auch ein weiterer Vorteil gegenüber Langbögen, da der Einsatz aus Schießscharten heraus problemlos möglich war.

Eine Armbrust konnte längere Zeit gespannt bleiben – der Schütze war also in der Lage, die Waffe schussbereit zu machen und dann auf den richtigen Zeitpunkt zum Schuss zu warten.[35] (Das Gespannthalten eines Bogens führt hingegen zu schneller Ermüdung der beteiligten Muskelgruppen.) Es konnten sogar mehrere Armbruste vorbereitet und hintereinander eingesetzt werden. Doch selbst diese Methode konnte den größten Nachteil einer Armbrust nicht wettmachen: die niedrige Kadenz. Wegen des aufwändigen Ladevorgangs konnten nur etwa drei Schuss pro Minute abgegeben werden[36], was die Armbruster v. a. in der offenen Feldschlacht verwundbar gegenüber Reiterattacken machte. Auch gegen die Pfeilhagel der Langbogner zogen sie ungedeckt den Kürzeren. Daher trugen sie oft einen großen, aufstellbaren Schild (genannt ‚Pavese‘) oder bildeten sogar Trupps aus Schützen, Schildträgern und Stangenwaffenkämpfern – während ein Armbruster zielte, lud ein weiterer Schütze sein Waffe hinter die Pavese geduckt nach, während der Spießträger angreifende Reiter abwehrte.[37]

Sogar das Wetter konnte einen Armbrustschützen gefährden: Bei Regen oder feuchter Witterung konnten die Sehnen im Unterschied zum Langbogen nicht abgenommen werden und verloren im nassen Zustand an Spannkraft. Bei späteren Modellen wurde daher die Sehne mit Bienenwachs wasserfest gemacht.[38] Im Vergleich zum Bogen war die Armbrust auch eine komplexe und relativ teure Waffe.[39] Die Entwicklung der Abzugs- und Lademechanik setzte spezialisierte Handwerker voraus, die sich vorwiegend im städtischen Umfeld fanden. Die Armbrust wurde so zur Standardwaffe der städtischen Bürgerschaft und erlebte mit dieser einen rasanten Aufstieg im Mittelalter.[40] Im Hundertjährigen Krieg versorgten daher gerade die Gebiete Europas mit ausgeprägter urbaner Entwicklung (wie Flandern, Deutschland oder Norditalien) beide Konfliktparteien mit Armbrustsöldnern.

2.3 Erste Handfeuerwaffen

Das Schießpulver dürfte im China des 8. oder 9.Jahrhunderts erfunden worden sein, kam aber dort jahrhundertelang nur als Explosivstoff und nicht als Antriebsmittel für Geschosse zum Einsatz.

[...]


[1] Vgl. Clifford J. Rogers, The Military Revolutions of the Hundred Years' War, in: The Journal of Military History 57/2 (1993), 241–278; Hans-Henning Kortüm, Kriege und Krieger. 500–1500, Stuttgart 2010, 139.

[2] Vgl. Rogers, Revolutions, 247.

[3] Vgl. Gervase Phillips, Longbow and Hackbutt. Weapons Technology and Technology Transfer in Early Modern England, in: Technology and Culture 40/3 (1999), 576–593, hier 577.

[4] Vgl. Kortüm, Kriege, 158.

[5] Vgl. Volker Schmidtchen, Kriegswesen im späten Mittelalter. Technik, Taktik, Theorie, zugleich Habilitationsschrift Universität Bochum, 1984, Weinheim 1990, 166.

[6] Die Zeitgenossen nannten ihn noch nicht so – es handelt sich um eine spätere Typisierung, die in Folge der zunehmenden ‚Mythisierung‘ dieser v. a. in England, aber auch in Wales und Teilen des Kontinents verbreiteten Waffe entstand, vgl. Clive Bartlett, English Longbowman 1330 – 1515, 2. Auflage, Oxford 1997, 3 und 21 f. Dass es sich aber tatsächlich um eine Weiterentwicklung früherer, kürzerer Bögen handelt, argumentiert Rogers schlüssig in: Clifford J. Rogers, The Development of the Longbow in Late Medieval England and 'Technological Determinism', in: Journal of Medieval History 37 (2011), 321–341.

[7] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 174.

[8] Die Bogenlänge wurde passend zur Körpergröße des Schützen gewählt, von der wiederum die Armlänge und somit die maximale Zuglänge abhängt.

[9] Vgl. Bartlett, Longbowman, 22.

[10] Vgl. Lexikon des Mittelalters. Bd. II: Bettlerwesen bis Codex von Valencia, München 1983, Sp. 321.

[11] Sehr ausführlich besprochen in Mike Loades, The Longbow, Oxford 2013, 15 f. Sein Fazit: „[…] I question the suitability of anything over 140lb [ca. 65kg, M.T.] for land battle.“

[12] Vgl. Lexikon II, Sp. 322.

[13] Vgl. Loades, Longbow, 23 f.

[14] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 171.

[15] Dabei wurde der Pfeil in einem Winkel bis maximal 45° schräg nach oben abgeschossen. Durch die gute Aerodynamik der verwendeten Pfeile hatte das herabfallende Geschoss noch genug Energie, um das Ziel zu gefährden.

[16] Vgl. ebd., 174, Fußnote 543.

[17] Kadenz: Schussfrequenz.

[18] Vgl. ebd., 171. Hardy nennt sogar eine Kadenz von über 20 gezielten Schuss pro Minute, vgl. Robert Hardy, The Longbow, in: Anne Curry / Michael Hughes, Hg., Arms, Armies and Fortifications in the Hundred Years War, Woodbridge 1999, 161–181, hier 179. Schon Payne-Gallwey verweist aber auf den dadurch entstehenden immensen Munitionsbedarf, vgl. Ralph Payne-Gallwey, The Book of the Crossbow, New York 1995, 37. Loades unterstreicht das mit einem Rechenbeispiel für die Schlacht von Crécy, wo die vermutlich vorhandene Pfeilmenge so nur für rund 16 Minuten gereicht hätte, und verweist zusätzlich auf die starke Ermüdung bei ‚Dauerfeuer‘, vgl. Mike Loades, The Longbow, Oxford 2013, 69 f.

[19] Vgl. Hardy, Longbow, 162.

[20] Vgl. Loades, Longbow, 70–74; Phillips, Longbow, 579. Für eine detailiertere Diskussion der Schlachtfeldeffektivität der verschiedenen Fernwaffen s. Abschnitt 3.

[21] Das war besonders bei Feuchtigkeit von Vorteil, wie die französischen (bzw. Genueser) Armbrustschützen in der Schlacht bei Crécy merken mussten, als ihre vom Regen durchnässten Waffensehnen ihre Spannung und damit ihre Reichweite verloren, vgl. David Nicolle, Crécy 1346. Triumph of the Longbow, Oxford 2000, 63. Loades macht dafür allerdings die geringere effektive Reichweite der Armbruste verantwortlich, vgl. Loades, Longbow, 50.

[22] In England begann das Training üblicherweise mit sieben Jahren. Die Bögen ‚wuchsen mit‘, d. h. der aufwachsende Jugendliche übte mit zunehmend längeren und stärkeren Bögen, vgl. Bartlett, Longbowman, 29.

[23] Vgl. Douglas W. Allen / Peter T. Leeson, Institutionally Constrained Technology Adoption: Resolving the Longbow Puzzle, in: Journal of Law and Economics 58/3 (2015), 683–715, hier 685. Schon Heinrichs III. ‚Assize of Arms‘ verpflichtete 1242 Landeigentümer zum Bogenbesitz. Eduard III. ordnete das Üben mit den verschiedenen Fernwaffen als ‚Freizeitsport‘ an und verbot gleichzeitig „other vain games of no value“. Zahlreiche ähnliche Regulatorien folgten bis in Tudorzeiten. Ende des 14. Jahrhunderts war ‚Bogenschütze‘ zu einem gut bezahlten Beruf geworden, vgl. Loades, Longbow, 26f., 34f. und 37.

[24] Vgl. ebd., 6. Englische Langbogner waren daher auf dem Kontinent als Söldner gesucht – sogar bis ins Deutsche Ordensland, vgl. Lexikon II, 321.

[25] Wohl ein vernachlässigbarer Nachteil, da ja die Bögen nach dem Absitzen schnell bespannt waren. Daher nennen die Quellen auch im Verlauf des Hundertjährigen Krieges vermehrt berittene Bogenschützen, die bei den zahlreichen Chevauchées eingesetzt wurden.

[26] In manchen Verteidigungsanlagen finden sich spezielle Schießscharten mit erhöhter Decke, die offensichtlich speziell für Langbogenschützen gebaut wurden, vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 177.

[27] Diese reichten von schweren Wallarmbrüsten und Schiffsgeschützen über Kriegs- und Jagdwaffen bis zur ersten ‚Faustfernwaffe‘, dem ‚Balestrino‘ – vgl. Lexikon des Mittelalters. Bd. I: Aachen bis Bettelordenskirchen, München 1980, Sp. 966–968.

[28] Vgl. Friedrich Kluge / Elmar Seebold, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 25. Auflage, Berlin 2011, 60.

[29] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 174–179.

[30] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 174–179; Lexikon I, Sp. 966–968.

[31] Von Interesse für die in Abschnitt 3 durchgeführte Diskussion zur Effektivität der Fernwaffen ist auch die Existenz von Bolzen mit vier (!) Spitzen, die offensichtlich ein Abprallen von Panzerplatten verhindern sollten. Auch wenn ein Durchschlagen der Rüstung so verunmöglicht wurde, war der Zweck wohl durch die bloße Übertragung der Bewegungsenergie aufs Ziel erfüllt, vgl. Payne-Gallwey, Book, 18, Fig. 10-2.

[32] Vgl. David Nicolle, Italian Militiaman 1260-1392, Oxford 1999, 11.

[33] Vgl. Payne-Gallwey, Book, 19. Für eine detailiertere Diskussion der Schlachtfeldeffektivität der verschiedenen Fernwaffen s. Abschnitt 3.

[34] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 176; Loades, Longbow, 50.

[35] Vgl. Schmidtchen, Kriegswesen, 176.

[36] Vgl. ebd., Fußnote 555.

[37] Vgl. Rogers, Development, 331; Nicolle, Militiaman, 30. Die vielzitierte Niederlage der genuesischen Armbruster im Fernduell mit den englischen Langbognern bei Crécy kann auf das Fehlen ihren Pavesen zurückgeführt werden, die wegen des überhasteten Angriffsbefehls noch im Gepäckstross des französischen Heeres lagen – vgl. David Nicolle, European Medieval Tactics (2). New Infantry, New Weapons 1260–1500, Oxford 2012, 30.

[38] Vgl. Payne-Gallwey, Book, 5. Die Theorie, das feuchte Wetter könnte die Armbruste der Genueser bei Crécy unbrauchbar gemacht haben, wird damit weniger wahrscheinlich.

[39] Eine große Armbrust kostete rund das Sechsfache eines Langbogens, vgl. Allen / Leeson, Technology Adoption, 685.

[40] Vgl. Lexikon I, Sp. 970. Möglicherweise kam es durch die weltweiten Handelskontakte der italienischen Seemächte Genua und Venedig sogar zu einem ‚Technologietransfer‘ aus der islamischen und chinesischen Welt nach Europa, vgl. Nicolle, Militiaman, 6 und 10.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Fernwaffen im Hundertjährigen Krieg. Langbogen, Armbrust und erste Handfeuerwaffen im Vergleich
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Geschichte)
Veranstaltung
Seminar "Westeuropa im Hundertjährigen Krieg (1337-1453): Politik, Militär und Gesellschaft"
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2017
Seiten
31
Katalognummer
V385567
ISBN (eBook)
9783668605589
ISBN (Buch)
9783668605596
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Militärgeschichte, Hundertjähriger Krieg, Langbogen, Armbrust, Feuerwaffen, Infanterierevolution
Arbeit zitieren
Mag. rer. nat. Martin Thomaschütz (Autor), 2017, Fernwaffen im Hundertjährigen Krieg. Langbogen, Armbrust und erste Handfeuerwaffen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385567

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