Diese Arbeit behandelt die drei leges Publiliae Philonis, welche 339 von dem bedeutenden plebejischen Nobilitätsvertreter Quintus Publilius Philo verabschiedet wurden, unter der schwerpunktlichen Darstellung der verschiedenen Einschätzungen in der Forschung bezüglich der Historizität. Auch ihre Auswirkungen für den bereits fortgeschrittenen, jedoch noch von Misstrauen und politischen Einschränkungsmanövern gegen die plebejische Oberschicht und Magistraturen gekennzeichneten Entstehungs- und Festigungsprozess der Nobilität, im historischen Zeitkontext der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts werden behandelt. So standen, diese wie folgend dargestellt wird, nicht am Ende, jedoch am Ende des Anfangsprozesses der Nobilitätsbildung.
In dieser Arbeit wird der Fokus hierbei auf den komplexen Prozess der Nobilitätsbildung gelegt, auf dessen strukturelle Veränderung, sowie die direkten Auswirkungen unter Hinzuziehens verschiedenster Theorien und Rekonstruktionen in der Forschung. Anschließend wird dann die politische Karriere Quintus Publilius Philos dargestellt, dem die darauffolgend dargestellten Gesetze zugeordnet werden, um schließlich die Gesetze unter dem Aspekt der Historizität, sowie Auswirkungen für die Nobilität im Ständekampf zu hinterleuchten um abschließend eine vorsichtige Interpretation dessen unter Hinzuziehung verschiedenster Forschungsarbeiten, zu wagen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung:
2 Historischer Hintergrund - der Ständekampf und die Nobilität:
3 Quintus Publilius Philo:
4 Darstellung der Quellenlage und aktueller Forschungsstand:
5 Die leges Publiliae Philonis- Historizität und ihre Auswirkungen:
5.1. Die lex Publilia de plebescites:
5.2. Die lex Publilia de patrum auctroritate:
5.3. Die lex Publilia de censore plebeio creando:
6 Schlussbetrachtung:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Historizität und die sozio-politischen Auswirkungen der drei leges Publiliae Philonis, die im Jahr 339 v. Chr. durch Quintus Publilius Philo verabschiedet wurden. Dabei wird analysiert, wie diese Gesetze den Prozess der Nobilitätsbildung in der römischen Republik des 4. Jahrhunderts v. Chr. beeinflussten und inwieweit sie als Instrumente zur Entschärfung des Ständekampfes dienten.
- Historizität der leges Publiliae Philonis im Spiegel der Forschung
- Die politische Karriere und Rolle des Quintus Publilius Philo
- Struktureller Wandel der Nobilität im Ständekampf
- Die Funktion der patrum auctoritas als Machtinstrument
- Emanzipation der plebejischen Nobilität
Auszug aus dem Buch
5.1. Die lex Publilia de plebescites:
Q. Publilius Philo legte nach Livius in seinem ersten Gesetz ut plebescita omnes Quirites tenerent, dass also alle Beschlüsse der Plebs für den gesamten populus bindend sein sollten, fest. Wie bereits dargestellt wurde, ist es in der Forschung sehr umstritten, ob dieses wirklich als historisch anzusehen sei. Es werden zusammenfassend eine Fülle an kontroversen Theorien und Meinungen diesbezüglich in der Forschung vertreten.
Insbesondere die Tatsache, dass die Gesetze für die bindende Allgemeingültigkeit der Plebescite der Jahre 449 durch die lex Valeria Horatia, 339 durch die lex Publilia und schließlich 287 durch die lex Hortensia mit nahezu identischem Inhalt genannt werden, wirft in der Forschung Fragen auf: Hölkeskamp stellt fest, dass die Frage nach der Verbindlichkeit von Plebesciten in der Annalistik kaum eine Rolle gespielt hatte. Mommsen erklärt die Mehrfachnennung durch die Annahme, dass Plebescite, die nicht nur die Plebs betrafen, bis zur lex Hortensia eingeschränkte Gültigkeit hatten und so eingeschränkte Klauseln nicht überliefert worden sind.
Bleicken und Hölkeskamp kommen zu dem Schluss, dass die Plebescite eine Rekonstruktion der Annalistik und ohne rechtliche Bindung für die Allgemeinheit, sowie eine Zwischenstation vor der lex Hortensia waren, während Cornell das erste, im Zusammenhang mit dem zweiten, Gesetz als historisch einschätzt. Mommsen widerspricht der Theorie, dass Plebescite der patrum auctoritas bedarft hätten, mit der Einschätzung des Widerstands von Seiten des der Patrizier als eher tatsächlicher, denn rechtlicher Natur. Nach Elster sei jedoch ein entscheidender Grund für das Festhalten an der Historizität, dass ohne sie keine ausreichenden Erklärungen vor 287 gefunden werden können und sieht das Gesetz als ebenfalls unhistorisch und ohne jegliche Auswirkungen für die Allgemeingültigkeit der Plebesciten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung:: Die Einleitung führt in die Bedeutung der leges Publiliae Philonis ein und umreißt die Forschungsfragen zur Historizität und zum Nobilitätsbildungsprozess.
2 Historischer Hintergrund - der Ständekampf und die Nobilität:: Dieses Kapitel beleuchtet den Ständekampf von der Gründung der Republik bis zum 4. Jahrhundert und beschreibt die Transformation der sozialen Ordnung.
3 Quintus Publilius Philo:: Hier wird die Biografie und politische Karriere des Plebejers Quintus Publilius Philo dargestellt, der als Schlüsselfigur in der Nobilitätsbildung gilt.
4 Darstellung der Quellenlage und aktueller Forschungsstand:: Die Problematik der annalistischen Überlieferung wird kritisch reflektiert, da sie die Basis für die Historizitätsdebatte bildet.
5 Die leges Publiliae Philonis- Historizität und ihre Auswirkungen:: Der Hauptteil analysiert detailliert die drei Gesetze hinsichtlich ihrer rechtlichen Natur und ihrer Rolle bei der Integration der Plebs in die Elite.
6 Schlussbetrachtung:: Die Arbeit resümiert, dass die Gesetze trotz ihrer historisch umstrittenen Authentizität wichtige Symbole eines Wandlungsprozesses hin zu einer gefestigten patrizisch-plebejischen Nobilität darstellen.
Schlüsselwörter
Ständekampf, Nobilität, Quintus Publilius Philo, leges Publiliae Philonis, patrum auctoritas, plebs, Historizität, Annalistik, römische Republik, Zensur, plebejische Elite, homo novus, Machtverhältnisse, Emanzipation, Magistratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den drei leges Publiliae Philonis aus dem Jahr 339 v. Chr. und deren Rolle in der römischen Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentrale Themen sind die Historizität der Gesetze, die Entwicklung der Nobilität sowie der soziale Wandel innerhalb der römischen Stände.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie die Gesetze als Indikatoren für den Prozess der Nobilitätsbildung dienten und inwieweit sie zur Entschärfung des Ständekampfes beitrugen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse der annalistischen Überlieferung im Vergleich zu modernen forschungstheoretischen Ansätzen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie des Quintus Publilius Philo, die Analyse der Quellenlage und die detaillierte Untersuchung der drei Einzelerlasse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Fachbegriffe sind Ständekampf, patrum auctoritas, Nobilität, plebescita und das antike Amtsverständnis.
Warum wird die Historizität des ersten Gesetzes von der Forschung kritisiert?
Es besteht die Vermutung, dass es sich um eine lückenfüllende Rückprojektion der Annalistik handelt, um die Entwicklung der plebejischen Rechtskraft vor der lex Hortensia zu erklären.
Welche Bedeutung hatte die Zensur laut der Arbeit im Kontext des dritten Gesetzes?
Das Zensorenamt wird als ein Machtinstrument interpretiert, das durch die Öffnung für Plebejer den sozialen Aufstieg und die Etablierung einer neuen politischen Führungsschicht markierte.
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- Sabrina Zimmermann (Autor), 2013, Die leges Publiae Philonis, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385645