Die Veränderungen der Warenstruktur des deutschen Außenhandels 1929-1939


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

13 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Ausgangslage

2. Allgemeine Betrachtung der Import- und Exportstruktur
2.1 Import
2.2 Export

3. Die Betrachtung der Hauptgruppen
3.1 Nahrungsmittel
a.) Import
b.) Export
3.2 Rohstoffe
a.) Import
b.) Export
3.3 Halbwaren
a.) Import
b.) Export
3.4 Fertigwaren
a.) Import
b.) Export

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit sollen die Veränderungen der Warenstruktur des deutschen Außenhandels innerhalb der Jahre 1929 und 1939 dargestellt werden. Dazu gehe ich zunächst auf die wirtschaftliche Situation Deutschlands Ende der 20er Jahre und Anfang der 30er Jahre ein. Das anschließende Kapitel wird sich mit der Import- bzw. Exportstruktur im Allgemeinen auseinandersetzen. Hier soll vor allem gezeigt werden, was den deutschen Außenhandel ausmachte und welche Probleme sich infolge der Weltwirtschaftskrise abzeichneten. Weiter werden die vier Hauptgruppen des Außenhandels genauer betrachtet, also Nahrungsmittel, Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren. Dabei soll die Entwicklung der Warenstruktur bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges im Vordergrund stehen: Wie verändert sich die Warenstruktur? Und Warum? An dieser Stelle wird einerseits der Einfluss der Politik der Nationalsozialisten zu klären sein, andererseits welche Faktoren außerdem für die Veränderungen verantwortlich zu machen sind. Zum Schluss werde ich eine kurze Zusammenfassung geben und versuchen, offen gebliebene Fragen zu formulieren.

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass Literatur zu diesem Thema nur sehr spärlich vorhanden ist. Ich werde mich daher vor allem auf Höpfners Werk „Der deutsche Außenhandel 1900-1945: Änderungen in der Waren- und Regionalstruktur.“ beziehen. Ebenso wie Höpfner möchte ich mich vor allem auf die anteilsmäßige Veränderung der Warenstruktur konzentrieren. Allerdings werde ich versuchen, diese immer in Beziehung zu einer möglichen Veränderung der Preise zu setzen. Auch auf mengenmäßige Verschiebungen innerhalb der Hauptgruppen soll geachtet werden.

1. Die Ausgangslage

Nachdem Deutschland seine handelspolitische Souveränität 1925 wiedererlangt hatte und sich gleichzeitig ein weltwirtschaftlicher Aufschwung abzeichnete, wurde die Wiedererrichtung von Schutzzöllen notwendig. Vor allem die Landwirtschaft, aber auch die Schwerindustrien forderten einen Schutz gegen die überseeische Einfuhr, die infolge des Krieges ausgeweitet worden war. Diese Schutzzollpolitik wurde nicht nur in Deutschland, sondern im ganzen industrialisierten Europa sowie den USA betrieben, was einen freien Welthandel unmöglich machte[1]. Charakteristisch für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war auch die Exportabhängigkeit Deutschlands durch die hohen Reparationen. Diese lasteten schwer auf der Zahlungsbilanz und forderten eine Ausweitung des Exports[2]. So verdoppelte sich die Ausfuhr von 1924 bis 1929 fast und stieg von 6,5 Mrd. RM auf 13,5 Mrd. RM. Bis Mitte des Jahres 1929 gelang es durch den hohen Export, die inländische Konjunktur in Schwung zu halten. Erst dann setzte sich der Einfluss der rückläufigen Binnenkonjunktur auf die Wirtschaft durch und wurde durch die Weltwirtschaftskrise noch verstärkt. Seit dem Herbst sank die Produktion, wobei in vielen exportorientierten Branchen der Binnenanteil der Produktion stärker zurückging als die Herstellung für das Ausland[3].

Die Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Außenhandel wurden Anfang der 30er Jahre ersichtlich, als sich der Protektionismus[4] verschärfte. Dies bedeutete eine Erhöhung der Zölle, die teilweise Kontingentierung der Einfuhr, sowie eine Stärkung des Bilateralismus[5]. Ein weiteres Problem stellte die Devisenzwangswirtschaft[6] dar, die sich immer mehr durchsetzte[7]. Insgesamt gesehen, hatte die Weltwirtschaftskrise also eine stark hemmende Wirkung auf den Handel. Die einzelnen Probleme und deren Auswirkungen auf den deutschen Im- und Export sollen in den nachstehenden Kapiteln herausgearbeitet werden.

2. Allgemeine Betrachtung der Import- und Exportstruktur

2.1 Import

Den größten Anteil am deutschen Import hatten im betrachteten Zeitraum die Rohstoffe. Ihr Anteil am Gesamtimport lag stets um die 45%. Selbst die Rüstungspolitik der Nationalsozialisten wirkte sich darauf nicht aus. Ein Rückgang ist allerdings während des Krieges festzustellen, was mit der erhöhten Einfuhr von Fertigwaren zusammenhängt. Diese erhöhte Einfuhr wurde während des Krieges interessant, da sich die heimische Industrie auf die Rüstung konzentrierte und Waren wie Kleider, Schuhe, Elektrogüter und Eisenwaren fehlten. Vor Kriegsbeginn ging der Anteil des Fertigwarenimports allerdings stark zurück. Lag er 1934 noch bei 15%, war er im Jahre 1937 auf 8% abgefallen. Höpfner begründet diesen Umstand wie folgt: „ Im Zuge der Aufrüstung blieb es sinnvoller, sich bei den Importen auf eine möglichst geringe Fertigungsstufe zu stützen und diese Importe dann im eigenen Land lohnintensiv weiter zu Fertigprodukten zu veredeln.“[8] Dies würde einen Anstieg der Halbwarenimporte bedeuten. Tatsächlich lag der Anteil des Halbwarenimports relativ konstant bei 15% und stieg zwischen 1934 und 1937 um nur 2%. Dies entsprach anteilsmäßig nicht dem Rückgang der Fertigwarenimporte, die um 7% zurückgingen.

Einen beträchtlichen Anteil am Import hatte die Gruppe der Nahrungsmittel. Er lag meist um die 30%, wobei im Jahre 1934 ein Einbruch auf 24% festzustellen ist. Nach Höpfner ist dieser auf die nach der Weltwirtschaftskrise reduzierten Getreideeinfuhren zurückzuführen (®Protektionismus). Dass dieser Rückgang nicht von Dauer war, hing mit der Autarkisierungspolitik Hitlers zusammen: „Trotz erhöhter Eigenproduktion war 1936/37 deutlich geworden, dass eine Ausweitung der Nahrungsmitteleinfuhr nicht mehr ausgeschlossen werden konnte.“[9] So erreichte die Nahrungsmitteleinfuhr bereits 1937 wieder einen Anteil von 30%.

2.2 Export

Die wichtigste Warengruppe des deutschen Exports stellten eindeutig die Fertigwaren. 1929 lag ihr Anteil am Gesamtexport bei 71%, Tendenz steigend. Im Jahre 1937 machte die Ausfuhr sogar 80% aus. Dieser anteilsmäßige Zuwachs lässt sich vor allem durch die mengenmäßige Steigerung des Fertigwarenexports erklären[10]. Laut Höpfner ist diese einerseits auf die sich erhöhende Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie zurückzuführen. Andererseits lag sie an der im gesamtem Zeitraum andauernde Nachfrage aus dem Ausland nach qualitativ hochwertigen Produkten. Diese stetige Nachfrage machte es für Deutschland rentabler, lohnintensive Fertigprodukte international gegen Rohstoffe und Nahrungsmittel zu tauschen[11].

Infolge dessen kann man in allen anderen Gruppen einen anteilsmäßigen Rückgang verzeichnen. Auffällig ist hier die Entwicklung der Nahrungsmittelexporte: Obwohl der Anteil der Nahrungsmittelausfuhr bereits 1929 relativ gering war und bei 5,5% lag, ist vor allem hier ein Bedeutungsverlust zu erkennen. Nach der Weltwirtschaftskrise zerstörte der Preisverfall den bisher rentablen Getreideexport, der fast 1/3 des Nahrungsmittelexportes ausgemacht hatte. Im Jahre 1934 war der Anteil auf 2,8% gesunken und unter der Autarkisierungspolitik Hitlers erreichte er 1937 einen Tiefstand von 1,5%[12]. Einen etwas geringeren Verlust ist bei den Rohstoffen zu erkennen, wobei der größte Rückgang zwischen 1934 und 1937 festzustellen ist, nämlich von ca. 12 auf 10%. Höpfner nennt dafür zwei Gründe: „Erstens stieg der Importbedarf an Rohstoffen für die Aufrüstung besonders an, dementsprechend war es zweitens wichtig, sich aus Devisengründen auf den Export von Rohstoffen zu konzentrieren, die im Überfluss vorhanden waren und/oder nicht in dem gleichen Maße benötigt wurden.“[13]

Einen kaum merklichen Rückgang erfährt der Halbwarenexport zwischen 1929 und 1934. Dieser hängt wohl mit der Zunahme der Fertigwarenexporte zusammen. Doch schon 1937 war er wieder leicht angestiegen. Im gesamten Zeitraum schwankt er immer zwischen 8 und 9%.

[...]


[1] Buchheim 1997: 96f.; Höpfner 1993: 40.

[2] Mieckel 1988: 305; Höpfner 1993: 38.

[3] Höpfner 1993: 38.

[4] Protektionismus: Wirtschaftspolitik, die den Binnenmarkt durch Handelshemmnisse vor der ausländ. Konkurrenz zu schützen versucht (vgl. Meiers Großes Taschenlexikon 1999, Bd. 18).

[5] Bilateralismus: System von zweiseitigen völkerrechtlichen Verträgen, insbes. von Handels- und Zahlungsabkommen (vgl. Duden Fremdwörterbuch 1990: 113).

[6] Devisenzwangswirtschaft: Die D. wird durch Devisenkontrolle mit Anbietungs- und Ablieferungspflicht erreicht und soll Abflüsse von Devisen ins Ausland verhindern. Gleichzeitig untergräbt sie die freie Austauschbarkeit der Währungen verschiedener Länder zum jeweiligen Wechselkurs (vgl. Meiers Großes Taschenlexikon 1999, Bd. 5.).

[7] Buchheim 1997: 97.

[8] Höpfner 1993: 57.

[9] Höpfner 1993: 57.

[10] vgl. Monatliche Nachweise, versch. Jahrgänge, Statist. Handbuch von Deutschland 329f.

[11] Höpfner 1993: 58f.

[12] Höpfner 1993: 58.

[13] Ebenda.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Veränderungen der Warenstruktur des deutschen Außenhandels 1929-1939
Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V38573
ISBN (eBook)
9783638375900
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Veränderungen, Warenstruktur, Außenhandels
Arbeit zitieren
Catrin Nähr (Autor), 2002, Die Veränderungen der Warenstruktur des deutschen Außenhandels 1929-1939, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38573

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