Das Terrornetzwerk Al-Qaida ist bis heute Hauptthema Internationaler Sicherheitspolitik und nationaler Außenpolitiken. Die Weltgemeinschaft wurde mit einer neuen Form des Terrorismus, dem transnationalen, islamischen Terrorismus konfrontiert. Im Gegensatz zum internationalen Terrorismus, dessen Aktionsradius über die Grenzen des eigenen Landes hinausgeht, jedoch staatsinterne Ziele verfolgt werden, zielt der transnationalen Terrorismus auf die Zerstörung der internationalen Ordnung ab. Das Terrornetzwerkes Al-Qaida agiert weltweit und ist von einer starken antiwestlichen Ideologie geprägt, die jedes westliche Land zum Ziel eines Anschlags machen kann. Doch weltweiter Terror kostet Geld. Ausreichende finanzielle und materielle Ressourcen sind eine fundamentale Grundlage für transnationale Terrororganisationen, um dauerhaft bestehen zu können. Während Terroranschläge mit relativ geringen Kosten anschlagen, ist die Unterhaltung eines ganzen Netzwerkes weitaus kostenintensiver. So müssen u.a. Waffen, Sprengstoff, gefälschte Dokumente sowie ein intensive Ausbildung in Terrorcamps bereitgestellt werden. Eine wirksame Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung könnte somit der Schlüssel zum Sieg gegen Al-Qaida sein.
Die Hausarbeit setzt sich daher mit folgender Fragestellung auseinander: Wie finanziert sich das transnationale Terrornetzwerke Al-Qaida? Daraus folgt eine weitere Frage: Welche Lösungsstrategien gibt es im Kampf gegen die Finanzierung von Al-Qaida? Die Hypothese hierzu lautet: Je mehr Finanzierungsmöglichkeiten sich Al-Qaida bedient, desto schwieriger ist eine wirksame Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung. Das Ziel der Hausarbeit ist es nicht, die Geldquellen Al-Qaidas detailliert aufzulisten,
sondern zu zeigen, das sich die Geldquellen und Finanzierungsmöglichkeiten von Terrororganisationen in den letzten dreißig Jahren grundlegend verändert haben. Während in der Zeit des Kalten Krieges Terrororganisationen besonders von Staaten finanziell unterstützt wurden, ist seit den 1990er Jahren eine zunehmende „Privatisierung“ der Terrorismusfinanzierung zu beobachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Trends in der Terrorismusfinanzierung
3. Terrorismusfinanzierung
3.1 Legale Terrorismusfinanzierung
3.1.1 Islamische Wohlfahrtsorganisationen
3.1.2 weitere Finanzierungsmöglichkeiten
3.2 Illegale Terrorismusfinanzierung
4. Transfermöglichkeiten terroristischer Gelder
4.1 Offizielle Transfersysteme
4.2 Hawala-Finanzsystem
5. Lösungsstrategien im Kampf gegen die Terrorismusfinanzierung
5.1 UN-Sanktionen
5.2 Kontrolle des Hawala-Systems
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Finanzierungsstrukturen des transnationalen Terrornetzwerks Al-Qaida und analysiert die daraus resultierenden Herausforderungen für die internationale Sicherheitspolitik. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Strategien zur Mittelbeschaffung im Zeitverlauf gewandelt haben und welche Lösungsstrategien, insbesondere im Bereich der UN-Sanktionen und der Kontrolle informeller Transfersysteme, zur Bekämpfung existieren.
- Wandel der Terrorismusfinanzierung von staatlicher Unterstützung hin zur Privatisierung
- Analyse legaler und illegaler Finanzierungsquellen
- Funktionsweise und Missbrauchspotenzial des Hawala-Finanzsystems
- Wirksamkeit und Problematik internationaler Sanktionsregime
- Strategien zur Bekämpfung der finanziellen Basis terroristischer Organisationen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Islamische Wohlfahrtorganisationen
Eine der wichtigsten Geldquellen Al-Qaidas sind Spendensammlungen von Wohlfahrtsorganisationen. Ein Großteil der Spender sind wohlhabende Personen aus Saudi-Arabien, die Al-Qaidas Kampf gegen den Westen unterstützen. Andere Spender hingegen sind sich der Verwendung ihrer Gelder für Al-Qaida gar nicht bewusst und werden gezielt ausgenutzt, denn Wohlfahrtsorganisationen haben eine große Bedeutung in der islamischen Tradition. Das Spenden eines Teil des Vermögens und die Unterstützung sozialer Einrichtungen wird als religiöse Pflicht im Islam angesehen. Die Almosensteuer „Zakat“ ist eine der fünf Säulen des Islam, welche den Muslimen nahelegt einen bestimmten Teil ihres Besitzes für Arme und Bedürftige zur Verfügung zu stellen (ca. 2,5% ihrer Einkünfte und Ersparnisse). In Ländern wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die kein Steuersystem haben, sind Abgaben durch das „Zakat“ die finanzielle Grundlage für nahezu alle religiöse und soziale Hilfsorganisationen. Die meisten Muslime spenden ihr Geld daher an islamische Wohlfahrtsorganisationen und Moscheen.
Al-Qaida nutzt das Zakat und die geringen Kontrollen der Wohlfahrtorganisationen durch die Regierung zu ihren Zweck, in dem sie zahlreiche eigene Wohlfahrtsorganisation gründete und bestehende infiltrierte. Viele dieser Organisationen arbeiten transnational und bieten Al-Qaida so die nötige Infrastruktur für internationale und nationale Finanztransaktionen. Eine dieser Wohlfahrtsorganisationen ist die International Islamic Relief Organization (IIRO), eine saudi-arabische Hilfsorganisation, dessen Direktor Mohammad Jamal Khalifa, ein Verwandter Osama bin Ladens, war. Die Organisation steht in Verdacht, vor dem 11. September Terrorcamps für Al-Qaida finanziert zu haben. Eine weitere Scheinorganisation, ebenfalls mit Sitz in Saudi-Arabien, ist die „Benevolence International Foundation“ (BIF), die aus dem Islamic Benevolence Committee (Pakistan) und der Organisation Jeddah (Saudi-Arabien) hervorging. Beide Organisationen sammelten in den 1980er Jahren Geld für die Mudschahidin in Afghanistan. Das BIF wird verdächtigt Al-Qaida bei der Beschaffung von Waffen und der Einrichtung von Terrorcamps zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des transnationalen islamischen Terrorismus und die zentrale Rolle der Finanzierung für die Stabilität von Terrornetzwerken wie Al-Qaida.
2. Trends in der Terrorismusfinanzierung: Analyse des Wandels von staatlich finanzierter Unterstützung hin zu einer zunehmenden „Privatisierung“ der Terrorismusfinanzierung seit den 1990er Jahren.
3. Terrorismusfinanzierung: Untersuchung der legalen und illegalen Finanzierungsquellen von Al-Qaida sowie der spezifischen Anforderungen an die Finanzstruktur der Organisation.
3.1 Legale Terrorismusfinanzierung: Erörterung der Nutzung von Wohlfahrtsorganisationen und Scheinfirmen zur legalen Mittelbeschaffung.
3.1.1 Islamische Wohlfahrtsorganisationen: Detailanalyse zur Infiltration religiöser Hilfsorganisationen und zur Ausnutzung des Zakat-Systems.
3.1.2 weitere Finanzierungsmöglichkeiten: Überblick über weitere legale unternehmerische Aktivitäten und deren begrenzte Bedeutung für das Gesamtbudget.
3.2 Illegale Terrorismusfinanzierung: Darstellung der Überschneidungen mit organisierter Kriminalität, wie Drogenhandel und Schmuggel.
4. Transfermöglichkeiten terroristischer Gelder: Analyse der Methoden zur Verschleierung und Bewegung von Geldern durch offizielle und inoffizielle Systeme.
4.1 Offizielle Transfersysteme: Beschreibung der Rolle von Bankensystemen und der Schwierigkeiten bei der Überwachung legaler Finanztransaktionen.
4.2 Hawala-Finanzsystem: Untersuchung des informellen Überweisungssystems als hochgradig anonymes Mittel zum Transfer terroristischer Gelder.
5. Lösungsstrategien im Kampf gegen die Terrorismusfinanzierung: Bewertung der verschiedenen nationalen und internationalen Maßnahmen zur Zerstörung der finanziellen Grundlagen von Al-Qaida.
5.1 UN-Sanktionen: Analyse der UN-Sanktionspolitik, insbesondere der „smart sanctions“ und der „Terrorlisten“.
5.2 Kontrolle des Hawala-Systems: Erörterung der Schwierigkeiten bei der internationalen Regulierung informeller Finanzsysteme.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die die Flexibilität von Al-Qaida bei der Finanzierung hervorhebt und notwendige Reformen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit anmahnt.
Schlüsselwörter
Terrorismusfinanzierung, Al-Qaida, Transnationaler Terrorismus, Geldwäsche, Hawala-System, UN-Sanktionen, Wohlfahrtsorganisationen, Terrorlisten, Finanzierungstrends, Internationale Sicherheitspolitik, Finanztransfers, Bekämpfungsstrategien, Privatisierung, Schattenwirtschaft, Kriminalitätsfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Finanzierungsquellen und Transferwege der Terrororganisation Al-Qaida und untersucht, wie die internationale Gemeinschaft versucht, diese finanziellen Ressourcen durch Sanktionen und Regulierungen zu unterbinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der Finanzierungsstrategien von staatlicher Unterstützung hin zu privaten Mitteln, der Nutzung von Wohlfahrtsorganisationen sowie der Bedeutung informeller Finanzsysteme wie Hawala.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass sich die Geldquellen terroristischer Organisationen grundlegend gewandelt haben und dass eine effektive Bekämpfung eine komplexe Kombination aus staatlichen und internationalen Maßnahmen erfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung bestehender Fachliteratur, internationaler Berichte und Dokumente sowie der Analyse der UN-Sanktionspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Finanzierungsquellen (legal und illegal), die Untersuchung von Transfermethoden und die kritische Bewertung von Lösungsstrategien wie den UN-Sanktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Terrorismusfinanzierung, Al-Qaida, Hawala-System, UN-Sanktionen und Geldwäsche.
Inwiefern beeinflusst das Zakat-System die Finanzierung von Al-Qaida?
Al-Qaida nutzt die religiöse Verpflichtung zum Spenden aus, indem sie eigene Hilfsorganisationen gründet oder bestehende infiltriert, um Zakat-Gelder für terroristische Aktivitäten abzuzweigen.
Warum ist das Hawala-Finanzsystem so schwer zu kontrollieren?
Es handelt sich um ein informelles, auf Vertrauen basierendes System, das weitgehend außerhalb nationaler und internationaler Finanzaufsicht operiert und kaum Aufzeichnungen über Transaktionen führt.
Wie effektiv sind die „Terrorlisten“ der Vereinten Nationen?
Sie sind ein hilfreiches Werkzeug, stehen jedoch aufgrund fehlender Rechtsschutzmechanismen für gelistete Personen und mangelnder Beweisstandards stark in der Kritik.
- Quote paper
- Peter Gerhardt (Author), 2015, Die Finanzierung des transnationalen islamischen Terrorismus. Transfermöglichkeiten des Terrornetzwerkes Al-Qaida, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385776