Innovative Technik im Zahlungsverkehr. Ein kompakter Überblick über traditionelle und moderne Zahlungsverfahren


Projektarbeit, 2017

48 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Hinführung zum Thema
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Anforderungen an Zahlungssysteme
2.1 Allgemeine Anforderungen
2.2 Spezielle Anforderungen
2.2.1 Sicherheitsaspekte
2.2.2 Kostengesichtspunkte

3 Grundlagen und Arten der Zahlungsverfahren
3.1 Ausgewählte traditionelle Zahlungsmittel
3.1.1 Bargeld
3.1.2 Lastschrift
3.1.3 Girocard
3.1.4 Kreditkarte
3.2 Ausgewählte moderne Zahlungsmethoden
3.2.1 Online-Bezahldienste
3.2.1.1 PayPal
3.2.1.2 Paydirekt
3.2.2 Mobile-Payment Systeme
3.2.2.1 NFC-basierte Technik am Beispiel von Apple Pay
3.2.2.2 QR-Code-basierte Technologie am Beispiel von PayCash

4 Betrachtung des Zahlungsmittelmarktes insbesondere des M-Payment-Bereichs
4.1 Allgemeine Darstellung des Zahlungsverhaltens in Deutschland
4.2 Zur Marktsituation der M-Payment-Systeme
4.2.1 Weltweit
4.2.2 Deutschland

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Anforderungen an Zahlungssysteme

Darst. 2: Ablauf einer Zahlung per Lastschrift im Einzugsermächtigungsverfahren

Darst. 3: Prinzipieller Ablauf einer Zahlung mit Girocard durch Eingabe der PIN

Darst. 4: Zahlungsablauf bei einer Kreditkartentransaktion

Darst. 5: Systematischer Ablauf einer Zahlung mit PayPal

Darst. 6: Zahlungsablauf bei Paydirekt

Darst. 7: Ablauf bei einer Zahlung mit Apple Pay

Darst. 8: Prinzipieller Zahlungsablauf mit PayCash

Darst. 9: Zahlungsverhalten am deutschen POS 2014

Darst. 10: Zahlungsverhalten im deutschen E-Commerce 2015

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Hinführung zum Thema

Digitale Zahlungsmethoden haben sich zu einem wichtigen Innovationstreiber in der Finanzbranche entwickelt. Immer neue technologische Ansätze im Zahlungsverkehr kommen auf den Markt und versuchen etablierte Zahlungsmittel zu verdrängen. Die Intensivierung des Wettbewerbs wird beschleunigt durch den Abbau von gesetzlichen Anforderungen. Diese Umstände formen den Payment-Sektor zu einem volatilen Markt.[1]

Obwohl im Online-Handel immer noch traditionelle Zahlungsverfahren wie die Lastschrift oder die Kreditkarte dominieren, wird das Bezahlen mit dem Smartphone oder auch mit Online-Bezahldiensten wie PayPal bei den Kunden zunehmend beliebter.[2] Besonders das Mobiltelefon erfüllt viele technische Bedingungen für die erfolgreiche Abwicklung von Bezahlvorgängen. Außerdem sind wichtige Voraussetzungen, wie eine einfache Bedienbarkeit und eine hohe Verbreitung von Handys in der Bevölkerung, gegeben.[3] Allein in Deutschland besitzen rund 94% der privaten Haushalte mindestens ein Mobiltelefon.[4]

1.1 Problemstellung

"Heute gibt es mehr Zahlungsmöglichkeiten, als sich ein einfacher Bankmitarbeiter vor ein paar Jahren noch hätte vorstellen können."[5] Auf diese Weise fasst Brett King sehr treffend die Vielzahl an unterschiedlichen Payment-Systemen zusammen. Aufgrund dieser Vielfalt wird es jedoch für die Kunden und auch für die Händler ständig schwieriger sich im Bereich der Zahlungsmethoden zurechtzufinden.[6]

Obwohl eine hohe Verbreitung von mobilen Endgeräten und die technischen Voraussetzungen gegeben sind, konnte sich das Bezahlen mit dem Handy noch nicht in Deutschland durchsetzen. Eine repräsentative Befragung der Unternehmensberatungsgesellschaft PwC im Jahr 2016 hat ergeben, dass 70% der Bundesbürger noch nie die Möglichkeit genutzt haben mit ihrem Mobiltelefon zu bezahlen.[7]

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Angesichts der erläuterten Problemstellung, ist es das Ziel des vorliegenden Praxis- und Researchprojekts, zum einen dem Leser einen kompakten Überblick über verschiedenste Zahlungsverfahren zu geben und zum anderen in Erfahrung zu bringen, weshalb sich das Bezahlen mit dem Mobiltelefon in Deutschland noch nicht durchsetzen konnte.

Um das definierte Ziel zu erreichen, erfolgt zunächst eine allgemeine Betrachtung der Anforderungen an Zahlungssysteme. Dabei wird im Speziellen auf die Sicherheitsaspekte und die Kostengesichtspunkte eingegangen. Anschließend werden verschiedene Arten von Zahlungsverfahren vorgestellt. Hier wird zwischen traditionellen und modernen Zahlungsmethoden unterschieden. Im vierten Kapitel wird der Zahlungsmittelmarkt näher beleuchtet. Ein besonderes Augenmerk wird hier auf den Mobile-Payment-Bereich gelegt. Außerdem wird das Zahlungsverhalten in Deutschland untersucht. Ein abschließendes Fazit rundet die Arbeit ab.

2 Anforderungen an Zahlungssysteme

2.1 Allgemeine Anforderungen

Damit sich Zahlungsmethoden auf dem Payment-Markt etablieren können, müssen sie verschiedenste Anforderungen von Kunden und Händlern erfüllen. Für den Erfolg eines Zahlungsmittels sind häufig die Anforderungen der Konsumenten ausschlaggebend. Verkäufer stellen überwiegend die Bezahlverfahren zur Verfügung, welche die Kundschaft auch am meisten nutzt. Trotzdem haben auch Händler bestimmte Basisanforderungen, die die Anbieter von Zahlungsverfahren beachten müssen.[8]

Des Weiteren sind die Anforderungen von Verbrauchern und Händlern nicht immer gleichläufig, sodass Interessenkonflikte zwischen beiden Parteien entstehen können. In der nachfolgenden Darstellung 1 werden die konträren Anforderungen und die gemeinsamen Anforderungen an Zahlungsmittel dargestellt. Während der Kunde auf der einen Seite die Möglichkeit eines Widerrufs der Zahlung und die Anonymität präferiert, möchte auf der anderen Seite der Kaufmann eine Zahlungsgarantie für die verkaufte Ware. Außerdem wünscht sich der Händler zusätzliche Informationen über den Käufer, um das Kaufverhalten besser analysieren zu können. Demgegenüber stehen die gemeinsamen Anforderungen. Hierunter fallen unter anderem die Sicherheit, die Schnelligkeit der Abwicklung der Zahlung, niedrige Kosten, als auch die einfache Bedienbarkeit des Zahlungssystems.[9] Besonders die konträren Anforderungen stellen für die Entwickler neuer Zahlungsmethoden eine Herausforderung dar, denn sie müssen ei nen akzeptablen Kompromiss zwischen den beiden Parteien finden.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 1: Anforderungen an Zahlungssysteme

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Dombret (2008), S. 23 f.

Da eine tiefgehende Betrachtung aller Anforderungen über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen würde, wurden die zwei Aspekte Sicherheit und Kosten ausgewählt. Diese werden in den nun folgenden Abschnitten etwas detaillierter beleuchtet.

2.2 Spezielle Anforderungen

2.2.1 Sicherheitsaspekte

Die wichtigste Anforderung an ein Zahlungsverfahren ist die Sicherheit des Systems.[11] Verbraucher und Händler schätzen gleichermaßen den Schutz gegen das Abhören, Verändern oder Missbrauchen der Zahlungsdaten. Die besondere Bedeutung der Sicherheit für die Verbreitung und Akzeptanz eines Zahlungssystems ergibt sich daraus, dass in erster Linie ein grundsätzliches Vertrauen in die Zuverlässigkeit und in die Qualität des Zahlungsinstruments gegeben sein muss, damit beide Parteien überhaupt an der Nutzung des Bezahlverfahrens interessiert sind.[12]

Es gibt aus technischer Sicht die drei Sicherheitsaspekte Authentizität, Abhörsicherheit und Integrität. Die Authentizität bei Zahlungsmethoden bezieht sich auf die Möglichkeit, die am Bezahlvorgang Beteiligten eindeutig identifizieren zu können. Hierbei ist sicherzustellen, dass die Transaktionsbeteiligten auch exakt diejenigen sind, die sie zu sein vorgeben. Den Vorgang der Überprüfung einer Authentizität wird auch Authentifizierung genannt.[13] Die Abhörsicherheit als zweiter Aspekt schreibt vor, dass die Daten, die zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden, vor einem unbefugten Zugriff von Dritten geschützt sind. Um die Abhörsicherheit zu gewährleisten stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Eine Lösung ist die Isolierung der Übertragungsinfrastruktur. Dies geschieht, wenn vollkommen abgeschirmte Netzwerke zur Übertragung von Transaktionen aufgebaut werden. Diese Art von Sicherung wird zum Beispiel bei Interbankentransfers genutzt. Die zweite Möglichkeit ist die Verschlüsselung der übertragenen Datensätze, wenn eine offene Kommunikationsinfrastruktur wie das Internet für die Übermittlung verwendet wird.[14] Die Integrität als dritter Sicherheitsaspekt bedeutet, dass die Daten der Zahlung unverändert vom Sender zum Empfänger übermittelt werden. Die Transaktionsdaten müssen vor beabsichtigten manipulativen Angriffen geschützt werden. Verhindert werden muss zum Beispiel, dass die Betragshöhe und die Daten des Zahlungsempfängers veränderbar sind.[15]

2.2.2 Kostengesichtspunkte

Eine weitere Anforderung, die Verbraucher und Händler gemeinsam an Zahlungssysteme stellen, ist das Streben nach möglichst niedrigen Kosten. Hierbei können die folgenden drei Arten von Kosten unterschieden werden: Variable Kosten, Fixkosten und Anschaffungskosten.[16]

Zu den variablen Kosten zählen beispielsweise die Transaktionskosten, welche jeweils für einen über das System übertragenen Zahlungsvorgang berechnet werden. So kann im Rahmen einer Abwicklung ein gewisser Prozentsatz des Umsatzes oder ein Mindestbetrag fällig werden.[17] Außerdem können bei der Nutzung von Zahlungsverfahren Fixkosten wie zum Beispiel Grundgebühren anfallen. Diese müssen entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines festgelegten Zeitintervalls entrichtet werden.[18] Des Weiteren können Ausgaben bei der Anschaffung eines Zahlungssystems entstehen. Hierzu zählen die einmaligen Aktivierungs- und Installationskosten. Diese fallen in der Regel nur beim Händler an, da dieser die nötige Hardware für das Zahlungsinstrument in seinem Geschäft bereitstellen muss. Es kann jedoch trotzdem der Fall sein, dass der Verbraucher auch eine spezielle Soft- oder Hardware entgeltlich erwerben muss.[19]

Da viele Angebote im Internet den Nutzern kostenlos zur Verfügung stehen, hat sich in Deutschland innerhalb der letzten Jahre eine sogenannte Gratis-Kultur entwickelt.[20] Diese hat sich sogar im Bankenbereich durchgesetzt. Viele Direktbanken bieten kostenfreie Girokonten an. Dadurch ist es auch nicht verwunderlich, dass Anbieter von Zahlungsverfahren, bei denen der Verbraucher sich mit hohen Kosten beteiligen musste, aufgrund mangelnder Nutzung ihren Betrieb wieder eingestellt haben. Erwähnenswert ist hier die Insolvenz des mobilen Bezahlsystems moxmo, bei denen die Kunden eine Jahresgrundgebühr von 9,50 Euro entrichten mussten.[21]

3 Grundlagen und Arten der Zahlungsverfahren

Mit diesem Kapitel soll dem Ziel, einen kompakten Überblick über verschiedenste Zahlungsverfahren zu geben, Rechnung getragen werden. Eine Darstellung aller Zahlungssysteme wäre aufgrund der Schnelllebigkeit der Branche und der hohen Anzahl an bestehenden Systemen für diese Arbeit nicht sinnvoll. Deshalb konzentriert sich das folgende Kapitel auf aktuell relevante Bezahlsysteme mit einem jeweils hohen Stellenwert, die auf dem deutschen Markt bereits existieren oder in naher Zukunft eingeführt werden sollen. Hierzu findet eine Unterteilung in traditionelle und moderne Zahlungsmethoden statt. Unter traditionellen Zahlungsverfahren versteht man die Verfahren, die vor der kommerziellen Nutzung des Internets und des Mobiltelefons bereits existierten. Moderne Zahlungsmittel hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf diesen beiden Kommunikationssystemen entsprechend aufbauen.[22]

Bei jedem der folgenden einzeln aufgeführten Zahlungsinstrumente wird zunächst auf den Zahlungsablauf eingegangen. Anschließend werden noch kurz die spezifischen Sicherheitsaspekte und Kostengesichtspunkte beleuchtet. Außerdem wird erwähnt, ob das Zahlungsverfahren am Point of Sale (POS) oder im Electronic Commerce (E-Commerce) eingesetzt werden kann. Der Begriff Point of Sale steht für den stationären Handel und unter dem Ausdruck E-Commerce versteht man den Warenverkehr über das Internet.[23]

3.1 Ausgewählte traditionelle Zahlungsmittel

Zu den traditionellen Zahlungsformen zählen zum Beispiel das Bargeld, die Kreditkarte, die Girocard, die Lastschrift, die Überweisung, der Scheck, die Geldkarte, die Nachnahme, sowie die Zahlung per Rechnung und die Vorauskasse.[24] Für die folgende Ausarbeitung werden jedoch nur die Zahlungsmethoden Bargeld, Lastschrift, Girocard und Kreditkarte näher betrachtet.

3.1.1 Bargeld

Zu Bargeld zählen alle umlaufenden Banknoten und Münzen, die als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt sind. Für Banknoten besteht ein uneingeschränkter Annahmezwang. Bei Münzen hingegen kann eine Annahme beim Überschreiten von einer Menge von 50 Münzen abgelehnt werden.[25] Aktuell ist der Euro in 19 Teilnehmerstaaten der Europäischen Währungsunion (EWU) das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. Den Euro gibt es seit dem 01.01.2002. Euro-Banknoten werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Kooperation mit den nationalen Notenbanken (NZB) ausgegeben. Die Ausgabe von Euro-Münzen erfolgt durch die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten, wobei das Volumen der im Umlauf befindenden Euro-Münzen durch die EZB geregelt wird.[26] Im März 2017 waren 1,14 Billionen Euro als Bargeld in Umlauf, davon 1.114 Milliarden Euro als Scheine und 27 Milliarden Euro als Münzen.[27]

Die Barzahlung zählt zu den einfachsten Formen der Zahlungsabwicklung. Hierbei übergibt der Verkäufer die Ware und erhält im Gegenzug vom Kunden den Warenwert in bar. Darüber hinaus ermöglicht Bargeld eine anonyme Bezahlung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen. Eine Barzahlung erfolgt ausschließlich direkt zwischen dem Verbraucher und dem Kaufmann. Infolgedessen ist keine dritte Partei am Zahlungsprozess beteiligt. Des Weiteren ist anzumerken, dass Bargeld nur am POS angenommen werden kann.[28]

Um Geldfälschungen zu unterbinden, werden von der EZB und den NZBs verschiedene Sicherheitsmerkmale auf Eurobanknoten und -münzen verwendet. Hierzu zählen bei den Banknoten beispielsweise das Wasserzeichen, der Sicherheitsfaden und das Hologramm. Diese und weitere Sicherheitsmerkmale sollen laut Aussage der Deutschen Bundesbank dazu führen, dass es „unmöglich [ist], eine Fälschung herzustellen, die alle Sicherheitsmerkmale überzeugend nachbildet.“[29] Trotz dieser hohen Sicherheitsvorkehrungen ist es den Fälscherbanden gelungen im Jahr 2015 rund 900.000 gefälschte Euroscheine in den Umlauf zu bringen. Dadurch richteten die Kriminellen einen wirtschaftlichen Schaden von ca. 39 Millionen Euro an.[30]

Betrachtet man die Kosten des Bargelds, so lässt sich feststellen, dass aus Sicht des Kunden eine Barzahlung recht preisgünstig ist. In der Regel kann dieser Bargeld kostenfrei bei seiner Hausbank abheben. Zwar fällt unter Umständen eine monatliche Kontoführungsgebühr an, aber darin sind meist jegliche Bargeldabhebungen bei der eigenen Bank inkludiert. Man muss jedoch bedenken, dass bei Abhebungen an einem institutsfremden Geldautomaten im In- und Ausland Gebühren berechnet werden. Weiterhin können indirekte Kosten für den Verbraucher anfallen, wenn dieser beispielsweise sein Bargeld in einem Bankschließfach aufbewahrt.[31] Ein anderer Aspekt ist der entgangene Zins, den eine Vermögensanlage erbracht hätte.[32] Dieses Argument ist jedoch auf Grund der aktuellen Niedrigzinsphase von geringer Bedeutung. Auf der anderen Seite spielen die Kosten beim Händler eine größere Rolle. Ausschlaggebend sind hier die Kosten für eine sichere Lagerhaltung und für den Transport des Bargelds. Besonders die Ausgaben für entsprechende Versicherungen dürfen nicht unterschätzt werden. Laut einer Studie von Steinbeis Research betragen die Bargeldkosten für den gesamten Einzelhandel in Deutschland fast 7 Milliarden Euro pro Jahr.[33] Die Supermarktkette EDEKA bezifferte die Kosten für das gesamte Bargeldhandling im Jahr 2012 auf 0,14% des Umsatzes.[34] In absoluten Zahlen entspricht dies ca. 71 Millionen Euro an Kosten.[35]

3.1.2 Lastschrift

Das Lastschriftverfahren, auch Bankeinzug genannt, zählt zu den bargeldlosen Zahlungsarten und existiert seit den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts.[36] Unter einer Lastschrift versteht man in der Regel einen elektronischen Geldeinzug, bei dem der Zahlungsempfänger eine gewisse Betragshöhe vom Girokonto des Zahlungspflichtigen abbuchen lässt. Dem Händler bietet das Lastschriftverfahren eine schnelle und rationelle Abwicklung seines Zahlungsverkehrs, besonders dann, wenn er viele wiederkehrende Forderungen mit gleichen oder wechselnden Beträgen einziehen möchte. Des Weiteren bietet der Bankeinzug auch dem Kunden Vorteile, denn dieser muss seine Zahlungstermine nicht länger überwachen und muss keine Belege wie bei Schecks oder Überweisungen ausfüllen.[37]

Bei einer Lastschrift wird zwischen den beiden Verfahrensarten Einzugsermächtigung und Abbuchungsauftrag unterschieden. Während bei einer Lastschrift im Einzugsermächtigungsverfahren der Zahlungspflichtige den Zahlungsempfänger zur Einziehung einzelner oder wiederkehrender Forderungen autorisiert, erteilt hingegen der Zahlungspflichtige beim Abbuchungsauftragsverfahren seiner Bank den schriftlichen Auftrag Lastschriften zugunsten des Zahlungsempfängers auszuführen. Das Verfahren mit einem Abbuchungsauftrag ist eher selten und wird meist nur im Business-to-Business Bereich verwendet. Deshalb wird das Abbuchungsauftragsverfahren in dieser Arbeit nicht näher betrachtet.[38]

Die meisten Lastschriften werden über das Einzugsermächtigungsverfahren abgewickelt. Bei einer Einzugsermächtigung erteilt der Kunde zunächst dem Händler eine Genehmigung für den Geldeinzug des Warenwerts von seinem Girokonto. Diese Ermächtigung kann schriftlich oder elektronisch erfolgen. Dementsprechend kann man das Lastschriftverfahren sowohl am POS als auch im E-Commerce einsetzen. Der Händler löst den konkreten Lastschrifteinzug dann aus, indem er die Lastschrift über den bestimmten Betrag bei seiner Bank in Auftrag gibt. Danach schreibt die Bank des Kaufmanns den Betrag auf dessen Konto gut und gibt den Lastschriftauftrag an die Bank des Kunden weiter. Anschließend belastet das Kreditinstitut des Verbrauchers dessen Girokonto. Abschließend findet eine Verrechnung zwischen den beiden Banken statt.[39] Den prinzipiellen Ablauf einer Lastschrift mit Einzugsermächtigung zeigt die folgende Darstellung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 2: Ablauf einer Zahlung per Lastschrift im Einzugsermächtigungsverfahren

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Pousttchi (2005), S. 16

Werden die Sicherheitsaspekte der Lastschrift betrachtet, so lässt sich feststellen, dass man das Lastschriftverfahren insgesamt als ein sicheres Zahlungsmittel einstufen kann. Ein Beweis hierfür ist die Authentifizierung bei einer Lastschrift, denn diese erfordert die Erteilung einer schriftlichen oder elektronischen Genehmigung durch den Kunden, dem sogenannten Lastschriftmandat. Dieses Mandat enthält eine Gläubiger- identifikationsnummer (Gläubiger-ID) und eine Mandatsreferenz. Die Gläubiger-ID muss vom Händler bei der Deutschen Bundesbank gesondert beantragt werden. Allerdings vergibt der Händler die Mandatsreferenz selbst und diese beinhaltet zum Beispiel eine Rechnungs- oder Kundennummer. Damit wird dem Kunden eine genaue Identifizierung der späteren Kontobelastung ermöglicht.[40] Außerdem ist zu erwähnen, dass der Käufer bei seinem Kreditinstitut die Möglichkeit hat, einer Lastschrift binnen 8 Wochen zu widersprechen.[41] Dies kann aber auf der anderen Seite beim Händler zu einem Rücklastschriftrisiko führen. Jedoch kann der Verkäufer diesem Risiko mit einem Eigentumsvorbehalt entgegenwirken. Bei einem Eigentumsvorbehalt geht das rechtliche Eigentum erst nach einer vollständigen Zahlung auf den Kunden über. Des Weiteren können ein gutes Forderungsmanagement und eine detaillierte Bewertung der Debitoren das Rücklastschriftrisiko verringern.[42]

Die Abbuchung einer Lastschrift ist in der Regel im Leistungspaket eines Girokontos enthalten und somit fallen für den Kunden keine variablen Kosten an. Sollte jedoch das Konto des Zahlungspflichtigen nicht gedeckt sein, so kann die Bank seit 2012 eine Gebühr vom Zahlungspflichtigen für die nicht ausgeführte Lastschrift verlangen. Diese liegt im Schnitt zwischen 2 bis 5 Euro.[43] Beim Händler hingegen liegen die Kosten für die Einreichung einer Lastschrift im Cent-Bereich. So können beispielsweise Transaktionsgebühren zwischen 10 und 60 Cent pro Lastschrift jeweils abhängig vom Volumen her anfallen. Außerdem kann unter Umständen eine monatliche Grundgebühr für die Nutzung des Lastschriftverfahrens fällig werden. Diese ist jedoch vom Firmenkontomodell abhängig.[44] Ein Nachteil für den Händler sind aber die sehr „hohen und unberechenbaren Gebühren für Rücklastschriften, die leicht 10 € oder mehr betragen können.“[45]

3.1.3 Girocard

Umgangssprachlich wird die Girocard oft noch als EC-Karte oder Bankkarte bezeichnet. Eine Girocard dient dem Kunden zum bargeldlosen Bezahlen am POS und zur Bargeldabhebung am Geldautomaten. Ferner kann die EC-Karte auch am Kontoauszugsdrucker und an verschieden Selbstbedienungsterminals der Hausbank verwendet werden. Hingegen im E-Commerce kann die Bankkarte noch nicht eingesetzt werden.[46]

Bei der Bezahlung mit der Girocard am POS wird zwischen zwei verschiedenen Verfahren unterschieden. Zum einen gibt es die Möglichkeit mit der persönlichen Identifikationsnummer (PIN) zu bezahlen und zum anderen existiert noch das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV), bei dem der Kunde die Zahlung mit seiner Unterschrift autorisiert. Vom Ablauf her ähnelt das ELV-Verfahren stark dem im vorherigen Abschnitt erläuterten Lastschriftverfahren mit Einzugsermächtigung. Aufgrund dessen konzentriert sich die nachfolgende Ausarbeitung nur auf das Bezahlverfahren mit der Geheimzahl (PIN), welches auch als POS-Zahlung oder Online-Autorisierungsverfahren bezeichnet wird.[47]

Im Folgenden wird nun der konkrete Zahlungsablauf mit PIN-Eingabe näher betrachtet. Die anschließende Darstellung 3 veranschaulicht diesen Ablauf entsprechend.

Zunächst schiebt der Käufer seine Girocard in das Kartenterminal hinein. Dabei werden die Kartendaten vom Bankkarten-Chip ausgelesen. Anschließend gibt der Kunde seine PIN auf dem Tastenfeld ein. Hiermit wird die Autorisierungsanfrage bei der Autorisierungszentrale veranlasst. Die Autorisierungszentrale ist das Rechenzentrum der Kreditinstitutsgruppen. Eine Autorisierung umfasst unter anderem die Kontrolle der eingegebenen Geheimzahl und darüber hinaus die Überprüfung, ob eine mögliche Kartensperre vorliegt. Zusätzlich wird der individuelle Verfügungsrahmen abgefragt und kontrolliert, denn dieser muss für die Zahlung noch ausreichen. Bei einer positiven Autorisierung erscheint die Antwort „Zahlung erfolgreich“ auf dem Display des Terminals. Mit dieser entsprechenden Meldung gibt die kartenausgebende Bank dem Verkäufer gegenüber eine Zahlungsgarantie ab. Im Anschluss daran wird der Rechnungsbetrag im Terminal des Händlers gespeichert und gleichzeitig an seine Bank zum Einzug übermittelt. Die Bank des Kaufmanns schreibt dem Unternehmer dann den Umsatz auf seinem Konto gut. Im nachfolgenden Prozess zieht das Kreditinstitut des Händlers den Betrag von der Bank des Kunden ein. Diese wiederum belastet daraufhin das Konto des Käufers.[48]

Da die Bank des Verbrauchers dem Händler die Zahlung garantiert hat, kann es die Einlösung der Girocard-Zahlung nicht verweigern. Außerdem kann auch der Kunde einer bereits abgebuchten und berechtigten EC-Kartenzahlung, im Gegensatz zur Lastschrift mit Einzugsermächtigung, nicht widersprechen.[49]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 3: Prinzipieller Ablauf einer Zahlung mit Girocard durch Eingabe der PIN

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Grill/Perczynski (2009), S. 151

Grundsätzlich sind die Sicherheitsstandards bei der Nutzung von Girocards am POS sehr hoch. Die moderne Chip-Technologie auf den Karten sorgt dafür, dass die Daten des Karteninhabers geschützt sind. Des Weiteren wird diese Technologie von den Spitzenverbänden der Banken kontinuierlich aktualisiert und weiterentwickelt.[50] Außerdem ist zu erwähnen, dass die PIN das primäre Sicherheitsmerkmal der EC-Karte ist. So ist es beispielsweise technisch noch nicht möglich die PIN einzelner Karten ohne das verwendete Verschlüsselungssystem der Banken zu errechnen. Allerdings ist der Karteninhaber hier eine mögliche Schwachstelle im System. Dieser hat dafür zu sorgen, dass die PIN in jedem Fall geheim gehalten wird. Er darf sie nicht zusammen mit der Girocard aufbewahren oder direkt auf der Karte vermerken.[51] Darüber hinaus ist der Karteninhaber dazu verpflichtet, bei Abhandenkommen der EC-Karte diese sofort sperren zu lassen.[52] Trotz dieser hohen Sicherheitsstandards kommt es vor, dass Kriminelle das EC-Kartenterminal hacken und so Daten stehlen können. Die Hersteller dieser Geräte versuchen jedoch solche Angriffe mit Hilfe von regelmäßigen Softwareupdates zu unterbinden.[53] Auf die Sicherheitsmerkmale und Risiken bei der Nutzung der Girocard am Geldautomaten wird hier nicht weiter eingegangen.

[...]


[1] Vgl. Mosen/et al. (2016), S. 85.

[2] Vgl. Dombret (2008), S. 11.

[3] Vgl. Leschik (2012), S. 17.

[4] Vgl. o.V. (2015e), Statistisches Bundesamt:Handynutzung in Deutschland.

[5] King (2014), S. 51.

[6] Vgl. Mosen/et al. (2016), S. 305.

[7] Vgl. Beutin/Zuberer (2016), PwC: Mobile Payment - Repräsentative Bevölkerungsbefragung 2016.

[8] Vgl. Dannenberg/Ulrich (2004), S. 49 f.

[9] Vgl. Dombret (2008), S. 23 f.

[10] Vgl. Theil (2008), S. 30.

[11] Vgl. Dombret (2008), S. 24 f.; Hamzehloe (2014), S. 46 f.

[12] Vgl. Theil (2008), S. 31.

[13] Vgl. o.V. (2016b), BaFin: Mindestanforderungen an die Sicherheit von Internetzahlungen.

[14] Vgl. Dannenberg/Ulrich (2004), S. 52 f.

[15] Vgl. Theil (2008), S. 31 f.

[16] Vgl. Leschik (2012), S. 68 f.

[17] Vgl. Lammer (2006), S. 331.

[18] Vgl. Seidenschwarz/et al. (2014), ibi Research: Gesamtkosten von Zahlungsverfahren.

[19] Vgl. Mosen/et al. (2016), S. 201.

[20] Vgl. Darnstädt (2007), Spiegel Online:Anarchie im Netz - Die Gratis-Kultur.

[21] Vgl. Leschik (2012), S. 68.

[22] Vgl. o.V. (2015g), Trauner:Zahlungsformen.

[23] Vgl. Mosen/et al. (2016), S. 160.

[24] Vgl. Heng (2004), Deutsche Bank Research: Zeitgemäße Ergänzung traditioneller Zahlungssysteme.

[25] Vgl. o.V. (o.J.b), Deutsche Bundesbank:Das Eurosystem - Gesetzliches Zahlungsmittel.

[26] Vgl. Grill/Perczynski (2009), S. 110.

[27] Vgl. o.V. (2017g), European Central Bank (ECB):The Eurosystem - Banknotes and Coins Circulation.

[28] Vgl. Hamzehloe (2014), S. 16.

[29] o.V. (2015a), Deutsche Bundesbank:Geld und Geldpolitik.

[30] Vgl. o.V. (2016f), Die Zeit Online:Falschgeld - So viel Euro-Falschgeld im Umlauf wie noch nie.

[31] Vgl. Mai (2017), Deutsche Bank Research: Bargeld, Freiheit und Verbrechen.

[32] Vgl. Dornbusch/et al. (2003), S. 193.

[33] Vgl. Kleine/et al. (2013), Steinbeis Research:Cost of Cash - Status Quo und Entwicklungsperspektiven in Deutschland.

[34] Vgl. Bender (2013), E-Tailment:Edeka beziffert Kosten des Bargeldhandlings.

[35] Vgl. o.V. (2013b), EDEKA-Verbund: Unternehmensbericht 2012.

[36] Vgl. Lammer (2006), S. 23.

[37] Vgl. Grill/Perczynski (2009), S. 131.

[38] Vgl. Pousttchi (2005), S. 16 f.

[39] Vgl. Koch (2012), S.151 ff.

[40] Vgl. o.V. (2017q), Santander Consumer Bank:Das SEPA-Lastschriftmandat.

[41] Vgl. o.V. (2017d), Commerzbank: Lastschriftrückgabe wegen Widerspruch.

[42] Vgl. Mosen/et al. (2016), S. 319.

[43] Vgl. o.V. (2016i), Verbraucherzentrale:Rund ums Girokonto.

[44] Vgl. Seidenschwarz/et al. (2014), ibi Research: Gesamtkosten von Zahlungsverfahren.

[45] o.V. (2017i), GoCardless: 5 Gründe, warum du Lastschrift anbieten solltest.

[46] Vgl. Grill/Perczynski (2009), S. 147 f.

[47] Vgl. Hamzehloe (2014), S. 19 f.

[48] Vgl. Koch (2012), S. 237 f.

[49] Vgl. Grill/Perczynski (2009), S. 151.

[50] Vgl. o.V. (2015d), Girocard:Bezahlen mit der Girocard - Sicherheit und Datenschutz.

[51] Vgl. o.V. (o.J.c), Kartensicherheit - Aufklärung, Vernetzung, Information:PIN-Sicherheit.

[52] Vgl. o.V. (2017p), Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes:Zentraler Sperr-Notruf.

[53] Vgl. Bernau (2015), Frankfurter Allgemeine Zeitung Online:Hackerangriff - Wie sicher ist meine EC-Karte noch?

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Innovative Technik im Zahlungsverkehr. Ein kompakter Überblick über traditionelle und moderne Zahlungsverfahren
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
48
Katalognummer
V385810
ISBN (eBook)
9783668611610
ISBN (Buch)
9783668611627
Dateigröße
1224 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zahlungsverkehr, Geld, Zahlungsmittel, Zahlungsverfahren, Zahlungssysteme, Zahlungsmethoden, Bargeld, Kreditkarte, EC-Karte, Girocard, Lastschrift, Mobile Payment, Online Bezahldienste
Arbeit zitieren
Matthias Nießner (Autor), 2017, Innovative Technik im Zahlungsverkehr. Ein kompakter Überblick über traditionelle und moderne Zahlungsverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385810

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Innovative Technik im Zahlungsverkehr. Ein kompakter Überblick über traditionelle und moderne Zahlungsverfahren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden