Die Schattenseiten der Amerikaauswanderung 1816/17. Materielle Not, diverse Geschäfte und politische Überforderung


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Akteure der Massenauswanderung nach Amerika
1. Die sozialökonomische Situation der Auswanderer
2. Die Rolle von Staat und Behörden in Württemberg und Baden
a) Soziale Maßnahmen
b) Förderung der Auswanderung
c) Maßnahmen zur Begrenzung der Auswanderung
3. Impulsgeber und Organisatoren der Auswanderung
a) Werber, Seelenverkäufer, Agenten
b) Schiffsmakler
c) Auswanderungsagenturen
4. Schifffahrtsgesellschaften, Kapitäne und Hafenstädte
a) Optimierung der Schiffskapazitäten
b) Das Redemptionersystem: Ein „weißer“ Sklavenhandel?
c) Hafenstädte: Strandung ohne Rettung
5. Politisches Versagen des Deutschen Bundes
a) Die Intervention des Gesandten Hans von Gagern
b) Sozialpolitisches Desinteresse der Bundesversammlung
c) Auswanderungsabneigung bei den Großmächten

III. Fazit und Diskussion: Ein wiederkehrendes Muster?
1. Fazit
2. Skizze eines anachronistischen Vergleichs Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Quellen

2. Literatur

I.Einleitung

Auswanderung aus Deutschland gehört seit Ende des 17. Jahr­hunderts zur historischen Normalität.[1] Sie beschränkte sich nicht auf Amerika, den weitaus größten Teil der Auswanderer zog es nach Osten, in erster Linie nach Österreich-Ungarn, Polen und Russland. Die deutsche Amerika­­auswanderung begann 1683 mit der Emigration dreizehn mennonitischer Familien aus Krefeld nach Pennsylvania, die der Quäkerführer William Penn zur Ansiedlung in der britischen Kolonie geworben hatte. Die Anhänger der reformatorischen Täuferbewegung emigrierten wegen ihrer religiösen Verfolgung. Ebenfalls religiös, primär aber öko­nomisch motiviert war die Auswanderung mehrerer tausend Wein- und Obst­bauern Anfang des 18. Jahr­hunderts aus der dynastisch und konfessionell instabilen Kurpfalz.[2] Die Amerika­auswanderung im 18. Jahrhundert hielt sich jedoch in Grenzen, Schätzungen gehen von insgesamt nicht mehr als 100.000 deutschen Emigranten aus.[3] Demgegenüber ist die deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts, abgesehen vom Aufstieg des Bürger­­­tums, der Revolution 1848/49 und dem Beginn der Industria­lisierung, nicht zuletzt auch eine Geschichte der Wanderungs­bewegungen. Die „Denkschrift über die Erhebung Preußens zu einer See-, Kolonial- und Weltmacht ersten Ranges“[4] aus dem Jahr 1847 erklärte „Wanderung und Übersiedlung“ pathetisch zum „Signum des Jahrhunderts“.

Am Anfang der im 19. Jahrhundert kontinuierlich wachsenden Aus­wan­derungsbewegung, die sich nach bereits deutlichem Anstieg infolge der französischen Julirevolution bis 1854 mit dem Höhepunkt von zuletzt 240.000 Auswanderern sprunghaft steigerte, stand die Auswanderungswelle von 1816/17. In diesem Jahr sollen einer Schätzung aus dem Jahr 1876 zufolge[5] „über 20.000“ Deutsche nach Amerika ausgewandert sein, in der neueren Forschung wird die Zahl mit 13.700 in den Jahren 1816-1819 bestimmt.[6] Indessen ist die Zahl der Auswanderer hier weniger von Belang als das erstmals massenhaft aufgetretene Phänomen in seinen sozialen Dimensionen, seiner wirt­schaft­lichen Bedeutung und seinen politischen Herausforderungen. Über die „Push“-und „Pull“-Faktoren, die den Ent­schluss der Aus­wande­rer begründeten, ist viel geschrieben worden.[7] Die Begleit­umstände des Auswanderungsvorgangs wurden dagegen von vielen Autoren nicht oder nur am Rande behandelt.[8] Dieses Thema soll im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen. Gefragt wird, aus welchen objektiven politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen es zu der ersten Massen­auswanderung im 19. Jahrhundert kam und welche Akteure sie beförderten. Die Ergebnisse der Unter­suchung werden am Schluss zusammen­fassend gewürdigt und mit Migrations-problemen der Gegenwart skizzenhaft konfrontiert.

Die Arbeit beschränkt sich zeitlich auf das Jahr 1816/17 und räumlich auf die Amerikaauswanderung aus Württemberg und Baden.[9] Dies aus zwei Gründen: Zum einen, weil die prägenden Faktoren der Aus­wanderung temporal und regional äußerst vielfältig waren und angesichts der unterschiedlichen Verhältnisse im Deutschen Bund nur in einem engen Rahmen sinnvoll erfasst werden können;[10] zum andern, weil in dem Auswanderungsjahr die erste Massenaus­wanderung nach Amerika stattfand, die Auswanderer also über­wiegend Pioniere waren und sich deshalb noch keine festen Auswanderungsstrukturen herausgebildet hatten.

II. Akteure der Massenauswanderung nach Amerika

Eine Amerikaauswanderung bedurfte 1816/17 der Mitwirkung einiger Institutionen und privater Personen, die ihre Dienste regelmäßig nicht kostenlos zur Verfügung stellten. Die hierfür aufzuwendenden Kosten standen in einem Verhältnis der Reziprozität zu der wirtschaftlichen Situation des Auswanderers: Je prekärer diese war, desto intensiver war der Auswanderungsdrang und desto drückender waren die finanziellen Folgen für den Emigranten. Was ein wohlhabender Aus­wanderer leicht aus seinem privaten Vermögen aufbringen konnte, war für den finanziell weniger bemittelten ungleich schwerer zu akquirieren und unterlag wegen der notwendigen Inanspruchnahme von Fremdmitteln deutlich ungünstigeren Voraussetzungen. Um die Bedeutung dieses wirtschaftlichen Faktors zu klären, werden im Folgenden zunächst die Lebensbedingungen der Auswanderer und ihre hauptsächlichen Motive betrachtet (1), bevor die politischen, sozialen und ökonomischen Interessen der übrigen Akteure im Auswanderungsprozess untersucht werden (2-5).

1. Die sozialökonomische Situation der Auswanderer

Die sozialökonomischen Verhältnisse im Großherzogtum Baden und im Königreich Württemberg glichen 1816/17 weitgehend der Situation im Südwesten Deutschlands, so dass sie hier nicht gesondert zu analysieren sind. Soweit relevante Unterschiede bestanden, werden sie jeweils besonders hervorgehoben.

Im Jahr 1816/17 kam es in Deutschland zur ersten katastrophalen Agrarkrise „älteren Typs“ des 19. Jahrhunderts. Eine besonders schwere Missernte 1816, der bereits Missernten in den Vorjahren vorausgegangen waren, hatte zu einem außergewöhnlichen Anstieg der Getreidepreise[11] und einer anschließenden Hungersnot geführt.[12] Der seit Mitte des 18. Jahrhunderts ansteigende Bevölkerungszuwachs betrug allein zwischen 1810 und 1820 3,14 %.[13] Der Preisdruck bei den Hauptnahrungsmitteln schöpfte die Kaufkraft der breiten Masse ab, weshalb auch der gewerbliche Absatz ins Stocken geriet. Hieraus und aus der allgemeinen Teuerung entstand eine ver­breitete Arbeits­losigkeit, vor allem im Agrarsektor, in dem die Mehrzahl der Arbeits­kräfte beschäftigt war, und unter den Kleinhandwerkern. Die Klein­bauern­betriebe Südwestdeutsch­lands verzeichneten eine „ungeheure Menge“ von Konkurs­anträgen.[14] Die Agrarkrise wurde mit einer guten Ernte 1817 beendet. Die sozialökonomischen Probleme waren damit nicht gelöst. Vielmehr markiert das Jahr 1817 den Beginn des Pauperismus als eines Zeitalters längerfristiger Massenarmut, die aus der vorindustriellen Armut resultierte, sich durch die Bevölkerungs­explosion und den geringen Produktivitätszuwachs verschärft hatte und bis zur Industrialisierung andauerte.[15]

Entscheidender Auslöser für die Massenauswanderung 1816/17 war die materielle Not infolge der Agrarkrise, gleichviel ob die Aus­wanderer die Armutsgrenze bereits unterschritten hatten oder ob sie sich einer drohenden oder befürchteten Verarmung zu entziehen suchten. Aus der statistischen Aufschlüsselung der Berufstätigkeit und der Vermögenssituation der Auswanderer lässt sich entnehmen, dass diese zu einem wesentlichen Teil den Schichten angehörten, die vom ökonomischen Druck auf ihren Berufsstand betroffen waren und kaum über nennenswertes Vermögen verfügten. So waren im Königreich Württemberg im ersten Halbjahr 1817 die Bauern mit 17 % der Auswanderer im Vergleich zu ihrem landesweiten Anteil von 35 % deutlich unter­repräsentiert, während die landarmen und landlosen Schichten der Weingärtner (11,2 % Auswanderer/5,3 % insgesamt), Taglöhner (17, 1 %/16,6 %) und „Professionisten“ (54,7 %/43 %) bei den Auswanderern überrepräsentiert waren.[16] Unter den „Professio­nisten“ nahmen die vom Notstand besonders bedrängten Vertreter der Textilproduktion, des Bauhandwerks und der Nahrungsmittel­branche Spitzenpositionen ein.[17] Das je Auswanderer für das erste Halbjahr 1817 deklarierte durchschnittliche Vermögen von 65 Gulden unterschritt nicht nur die Werte für 1815 und 1818-1820 um mehr als das Dreifache bis Fünffache,[18] sondern lag auch am unteren Rand des Existenzminimums.[19] Bemerkenswert ist, dass die Masse der Auswan­de­r­er zu den finanziell Minderbemittelten gehörte, die ihre Heimat aus materieller Not verlassen wollten und deren mitgeführtes Geld in der Regel allenfalls die Reisekosten deckte. Diese Folgerung lässt sich für den hier betrachteten Zeitraum ungeachtet dessen ziehen, dass die dargestellten Daten nicht nur die Amerikaauswanderer betreffen, sondern auch Emigranten mit anderen Zielen erfassen. Denn während Amerika als Auswanderungsziel 1816 nur von 14,3 % der Auswanderer angegeben wurde, waren im ersten Halbjahr 1817 über ein Drittel Amerikaauswanderer.[20] Deren hoher Anteil an der Gesamt­auswande­rung aus dem Königreich verleiht den Daten eine durchaus plausible Repräsentativität.

Neben den auf Einkommensverlust und Teuerung beruhenden Moti­ven spielten andere Gründe bei den Amerikaauswanderern eine Rolle. Lebensmittelmangel, Kriegsfolgenkosten, Landes­steuern, Abgabe­pflichten an Grundherren, überhöhte Gebühren kommunaler Behör­den, fehlende Entfaltungs­möglichkeiten aufgrund erbrechtlicher Real­teilung, kleinbäuerlicher und kleingewerblicher Wirtschafts­strukturen einerseits, andererseits Freiheits­drang, Hoffnung auf Aufstiegs­chancen und Nachzug zu Verwandten in der Neuen Welt konnten den Entschluss zum Verlassen der Heimat befördern. Insgesamt lässt gerade der ebenso massenhafte wie kurzfristige Auswande­rungs­schub des Jahres 1816/17 erkennen, dass „Not, Elend und Druck“[21] die Hauptursachen waren, die insbesondere existenz­bedrohte Familien[22] der unteren Schichten in die Auswanderung trieben[23].

2. Die Rolle von Staat und Behörden in Württemberg und Baden

Das Auswanderungsproblem konnte Regierung und Verwaltung nicht gleichgültig sein. Aus politischen Gründen nicht, weil der massenhafte Wegzug von Einwohnern dem Anspruch des Herrschers widersprach, dem Volk als Gegenleistung für die steuerliche Finanzierung einen gesicherten Ordnungsrahmen zu bieten. Aus wirtschaftlichen Gründen nicht, weil eine Entvölkerung mit dem Verlust von „Humankapital“, Schaden für die Volkswirtschaft und Gefahren für die Zukunfts­sicher­heit des Staates verbunden war. Aus sozialen Gründen nicht, weil Massenauswanderung ein Systemversagen signalisierte und mögliche Rückkehrerprobleme gelöst werden mussten. Die Behörden hatten jedoch weniger Interesse an einer Begrenzung der Auswanderung durch soziale Maßnahmen als daran, den durch die Bevölkerungs­zunahme erzeugten Druck durch eine großzügige Genehmigungspraxis zu kompensieren und sich von einer Verantwortung für das Schicksal der Auswanderer möglichst freizuzeichnen.

a) Soziale Maßnahmen

Der Ernährungsnotstand der Bevölkerung löste bei Regierung und Verwaltung erst spät geeignete Gegenmaßnahmen aus. Der Staat sah es Anfang des 19. Jahrhunderts als Sache des Einzelnen an, die Versorgung für sich und seine Familie sicherzustellen. Notfalls hatten die Kirchen und bürgerliche Wohlfahrts­organisationen die Armen­fürsorge zu übernehmen. Dass dem Staat eine sozial­politische Verant­wortung oblag, war in Deutschland eine verspätete Erkenntnis. Jedoch hatten die Landstände angesichts der absehbaren Hunger­snot in Württemberg schon Mitte 1816 bei König Friedrich Maßnahmen gegen den drastischen Anstieg der Preise für Getreide und Kartoffeln angemahnt und damit getan,

„was die Pflicht und das Mitgefühl bei den Leiden ihrer Mitbrüder ihnen geboten hätten“.[24]

Erfolge mit ihrem sozialpolitischen Anliegen hatten sie erst bei dessen Nachfolger König Wilhelm I., der mit Verordnung vom 8. November 1816 Einschränkungen des Getreideexports, die Frei­gabe der staat­lichen Getreidevorräte und die Festsetzung von Höchstpreisen ver­fügte. Einen Zusammenhang der Auswanderung mit dem Ernährungs­notstand wiesen die Mitglieder der württembergischen Regierung allerdings noch im Frühjahr 1817 zurück.[25] Entsprechende Verord­nungen wurden im Großherzogtum Baden erlassen[26], ebenfalls zu spät und ohne nennenswerten Begrenzungseffekt bei den Auswanderer­zahlen. Viele Angehörige der unteren Schichten hatten offenbar die Hoffnung auf ein dauer­haft besseres Leben in beiden Staaten auf­gegeben.

b) Förderung der Auswanderung

In Württemberg bestand seit dem frühen 16. Jahrhundert formell Auswanderungsfreiheit.[27] Im Lauf der Zeit wurde sie, je nach Inter­essen­lage der landesherrlichen Regierung, immer wieder normativen Beschränkungen und administrativen Anforderungen unterworfen, die zeitweise einem faktischen Emigrationsverbot gleichkamen. Nur in den Jahren 1807 bis 1815 war die Auswanderung rechtlich untersagt, was maßgeblich auf dem Interesse des württembergischen Königs Friedrich an Steuer­einnahmen und der Aufrechterhaltung eines personell starken Heers beruhte. 1817 wurde die Pflicht zur Einholung einer Auswanderungserlaubnis durch eine Anzeige­pflicht ersetzt und damit die Auswanderungsfreiheit wiederhergestellt.[28] Im Großherzog­tum Baden gab es keine gesetzliche Auswanderungsfreiheit, die Aus­wanderung stand seit 1803 unter Erlaubnisvorbehalt. Die Erlaubnis konnte abgelehnt werden,

„wenn die Auswanderung in einer Gegend so zunahm, dass die Güterpreise zu sinken drohten“ oder „(1) wenn der Ehemann ohne Zustimmung seiner Frau, (2) wenn Minderjährige ohne Erlaubnis der Eltern oder Pfleger auswandern wollten, (3) den Kindern einer auswan­dernden Witwe, deren Pfleger oder deren nächsten Verwandten väterlicherseits widersprechen, (4) wenn die Schulden nicht bezahlt sind“.[29]

[...]


[1] Auswanderung gab es auch in der Antike und im Mittelalter, allerdings überwiegend in der Form der „von oben“ bestimmten Kolonisation im Namen der entsendenden Macht. Demgegenüber beruhte die in der Frühen Neuzeit eröffnete Auswanderung auf individueller Entschließung und Verantwortung.

[2] Otterness, Philip: Becoming German. The 1709 Palatine Migration to New York, London 2004.

[3] Bretting, Agnes: Mit Bibel, Pflug und Büchse. Deutsche Pioniere im kolonialen Amerika, in: Bade, Klaus J. (Hg.): Deutsche im Ausland – Fremde in Deutschland. Migration in Geschichte und Gegenwart, München 1992, S.135-148 (135).

[4] Zitiert nach Rein, Adolf: Die europäische Ausbreitung über die Erde, Potsdam 1931, S. 373.

[5] Kapp, Friedrich: Aus und über Amerika. Tatsachen und Erlebnisse, Bd. 1, Berlin 1876, S. 166; Philippovich, Eugen von: Auswanderung und Auswanderungspolitik im Groß­herzogtum Baden, in: Ders. (Hg.): Auswanderung und Auswanderungspolitik in Deutschland. Berichte über die Entwicklung und den gegenwärtigen Zustand des Aus­wanderungswesens in den Einzelstaaten und im Reich, Leipzig 1892, S. 97-165 (113 f.).

[6] Grabbe, Hans-Jürgen: Besonderheiten der europäischen Einwanderung in die USA während der frühen nationalen Periode 1783-1820, in: Amerika­studien/ American Studies (Amst) 33 (1988), S. 271-290 (275-278).

[7] Vowinckel, Renate: Ursachen der Auswanderung gezeigt an badischen Beispielen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 1939; Walker, Mack: Germany an the Emigration 1816-1885, Cambridge 1964; Obermann, Karl: Die Arbeitermigrationen in Deutschland im Prozess der Industrialisierung und der Entstehung der Arbeiterklasse in der Zeit von der Gründung bis zur Auflösung des Deutschen Bundes (1815 bis 1867), in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 13 (1972), Heft 1, S. 135-181; Marschalck, Peter: Deutsche Übersee­wanderung im 19.Jahrhundert. Ein Beitrag zur soziologischen Theorie der Bevölkerung, Stuttgart 1973, S. 52-71; Moltmann, Günter (Hg.): Deutsche Amerikaauswanderung im 19. Jahrhundert. Sozialgeschichtliche Beiträge, Stuttgart 1976; Hippel, Wolfgang von: Auswanderung aus Südwest­deutschland. Studien zur württembergischen Auswanderung und Auswan­derungspolitik im 18. und 19. Jahr­hundert, Stuttgart 1984, S. 148-211.

[8] Ausnahmen sind z.B. Wätjen, Hermann: Aus der Frühzeit des Nordatlantik­verkehrs. Studien zur Geschichte der deutschen Schifffahrt und deutschen Auswanderung nach den Vereinigten Staaten bis zum Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, Leipzig 1932; Engelsing, Rolf: Bremen als Auswandererhafen. 1683-1880, Bremen 1961; Gelberg, Birgit: Auswanderung nach Übersee. Soziale Probleme der Auswandererbeförderung in Hamburg und Bremen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, Hamburg 1973.

[9] Unter „Amerika“ wird mit der zeitgenössischen Literatur Nordamerika verstanden. Außer Betracht bleiben die Lage der Auswanderer in ihrer neuen Heimat und der Umgang mit gescheiterten Rückkehrern in ihren Herkunftsländern. Abgesehen davon, dass die Einbeziehung dieser Themen den verfügbaren Raum spren­gen würden, beschränkt sich die Untersuchung bewusst auf die süd­west­deutsche Sozial- und Auswandererpolitik und deren Nutznießer.

[10] Thistlethwaite, Frank: Europäische Überseewanderung im 19. und 20. Jahr­hundert, in: Köllmann, Wolfgang/ Marschalck, Peter (Hg.): Bevölkerungs­geschichte, Köln 1972, S. 323-355; von Hippel (wie Anm. 7), S. 18.

[11] Bereits 1815 bis 1817 hatten sich die Getreidepreise im Jahresdurchschnitt ver­doppelt, doch wurden die Mittelwerte im ersten Halbjahr 1817 deutlich übertroffen, s. von Hippel (wie Anm. 7), S. 175.

[12] Die minutiöse Schilderung der Verhältnisse bei Bames, Carl: Chronica von Reutlingen 1803-1874, Reutlingen 1920, S. 9 f. kann als beispielhaft für die Lage in Südwest­deutschland gelten.

[13] Hansen, Christiane: Die deutsche Auswanderung im 19. Jahrhundert – ein Mittel zur Lösung sozialer und sozialpolitischer Probleme?, in: Moltmann, Günter (Hg.): Deutsche Amerikaauswanderung im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1976, S. 9-61 (11).

[14] Seutter, Johann Georg von: Ueber die gegenwärtige Theurung der Brodt­früchte und anderer Lebens-Mittel, ihre Ursachen und die Mittel ihrer Abwendung und künftigen Verhüthung, Ulm 1817, S. 57.

[15] S. dazu Abel, Wilhelm: Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Deutschland, 2. Aufl. 1977.

[16] von Hippel (wie Anm. 7), S. 215 mit Tab. 33 und S. 226-228 mit Tab. 40.

[17] Ebd., S. 229 mit Fn. 205.

[18] Ebd., S. 215 mit Tab. 33.

[19] Allerdings ist die Aussagekraft der Zahlen bedingt, weil sie auf Angaben der Auswanderer selbst beruhen, ihre Bestätigung durch die Gemeinde großzügig gehandhabt und eher überbewertet wurde und den Verzeichnissen nicht zu ent­nehmen ist, ob ein Teil des Vermögens in der alten Heimat zurückgelassen wurde und ob das deklarierte Vermögen das Reise­geld umfasste; vor allem verdecken die Angaben, dass es auch wohlhabende Auswanderer gab, deren Vermögen den Durchschnittswert stark erhöhten; s. von Hippel, ebd., S. 236 ff.; List, Friedrich: Auswandererbefragung in Weinsberg am 2. Mai 1817, in: Moltmann, Günter (Hg.): Aufbruch nach Amerika. Die Auswanderungswelle von 1816/17, Neuausgabe Stuttgart 1989, Dok. 15, S. 148.

[20] von Hippel (wie Anm. 7), S. 215 mit Tab. 33.

[21] Raabe, Wilhelm: Die Chronik der Sperlingsgasse, Nachdr. Stuttgart 1986, S. 170 f.

[22] Der Anteil auswandernder Familien an der Gesamtzahl der Auswanderer stieg von 8,4 % im Jahr 1815 über 61,5 % (1816) auf den Höchststand 93,3 % (Januar-Juli 1817) und pendelte sich in den Folgejahren auf Werte um 50 % ein, s. von Hippel (wie Anm. 7), S. 214-220 mit Tab. 33 und 35.

[23] List, Friedrich: Auswandererbefragung in Heilbronn am 30. April 1817, in Weinsberg am 2. und 3. Mai 1817 sowie in Neckarsulm am 5. und 6. Mai 1817 in: Moltmann (wie Anm. 19), Dok. 15, S. 130-140, 144-147, 150-166; zusammenfassender Bericht Lists ebd., Dok. 19, S. 173-187.

[24] Abgeordneter Knapp, in: Verhandlungen in der Versammlung der Landstände des Königreichs Württemberg im Jahr 1817, Bd. 35, S. 32-44 (33).

[25] Minister von Wangenheim, ebd., S. 36-38; Geheimer Rat von Lempp, ebd., S. 40 f.; Minister von der Lühe, ebd., S. 41.

[26] Verordnung zur Fruchtabgabe von den herrschaftlichen Speichern zur Erleichterung im Ankauf der Brotfrüchte, auch käufliche Abgabe an bedrängte Gemeinden, vom 24. Dezember 1816, Großherzoglich-Badisches Staats- und Regierungs-Blatt vom 31. Dezember 1816, S. 157 f.; Immediat-­Commission in Frucht-Teuerungs-Angelegen­heiten vom 18. Juni 1817, ebd., Nr. 15 vom 17. Juni 1817, S. 55-60; Verordnung des Ministeriums des Innern vom 25. Juni 1817, ebd., Nr. 16 vom 24. Juni 1817, S. 59.

[27] von Hippel (wie Anm. 7), S. 94-112.

[28] Königliche Section der innern Administration in Auswanderungssachen vom 4. Juli 1817: Bekanntgabe des Erlasses des Königlichen Ministeriums des Innern vom 12. Juni 1817 zur Inkraftsetzung des § 71 des (abgelehnten) Verfassungsentwurfs, in: Moltmann (wie Anm. 19), Dok. 11c, S. 109.

[29] Philippovich (wie Anm. 5), S. 103 f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Schattenseiten der Amerikaauswanderung 1816/17. Materielle Not, diverse Geschäfte und politische Überforderung
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Geschichte der europäischen Moderne)
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V385816
ISBN (eBook)
9783668606487
ISBN (Buch)
9783668606494
Dateigröße
1383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schattenseiten, amerikaauswanderung, materielle, geschäfte, überforderung
Arbeit zitieren
Georg Herbert (Autor), 2016, Die Schattenseiten der Amerikaauswanderung 1816/17. Materielle Not, diverse Geschäfte und politische Überforderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385816

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