Theorien optimaler Währungsräume


Seminararbeit, 2004

26 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung optimaler Währungsraum

3 Traditionelle Kriterien optimaler Währungsräume bei mikroökonomischen Störungen
3.1 Der Ansatz von Mundell
3.1.1 Das Modell
3.1.2 Kritik an Mundells Modell
3.2 Der Ansatz von McKinnon
3.2.1 McKinnons Modellaufbau
3.2.2 Kritik an McKinnons Modell
3.3 Der Ansatz von Kenen
3.3.1 Kenens Modellaufbau
3.3.2 Kritik an Kenens Modell
3.4 Der Ansatz von Ingram
3.4.1 Ingrams Modell
3.4.2 Kritik an Ingrams Modell

4 Kosten-Nutzen-Konzept
4.1 Kosten einer Währungsunion
4.2 Nutzen einer Währungsunion

5 Optimale Währungsräume im alten und neuen Umfeld

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bei der Diskussion um die Theorie optimaler Währungsräume handelt es sich um die Bestimmung einer optimalen räumlichen Ausdehnung eines Gebietes mit einer einheitlichen Währung.

Die Theorie optimaler Währungsräume entstand Anfang der 60er Jahre. Aufbauend auf den Ansätzen von Robert A. Mundell, Roland D. McKinnon, Peter B. Kenen und James C. Ingram beschäftigte diese Thematik die Wirtschaftswissenschaft bis in die 70er Jahre hinein. Danach wurde es etwas ruhiger um dieses Thema. Wieder neu belebt wurde die Theorie optimaler Währungsräume erst in den späten 80er bzw. Anfang der 90er Jahre. Dazu hat vor allem eine neuere Entwicklung in der makroökonomischen Theorie ihren Beitrag geleistet. Die ursprünglichen Ansätze haben nicht an Bedeutung verloren, jedoch wurden mit der Aufgabe eines langfristigen Trade-offs zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit potentielle Kostenaspekte eines Beitritts zu einer Währungsunion in Frage gestellt. Ferner gaben die im Jahre 1991 beschlossenen Verträge von Maastricht konkrete Schritte zur Vollendung der monetären Integration in Europa bereits in unmittelbar absehbarer Zukunft vor.[1]

Die Abgrenzung der oben erwähnten optimalen Ausdehnung eines Gebietes wird mit Hilfe festgelegter Kriterien bestimmt, welche determinieren sollen, inwiefern Gebiete mit ursprünglich eigenen Währungen, zur Einführung einer gemeinsamen Währung geeignet sind.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, einen Überblick über die Grundgedanken dieser Theorie zu geben und einige Probleme, Beispiele und Schlussfolgerungen vorzustellen.

2 Begriffsbestimmung optimaler Währungsraum

Unter einem Währungsraum versteht man ein geographisches Gebiet, in dem entweder eine einheitliche Währung oder mehrere Währungen mit unwiderruflich fixierten Wechselkursen als offizielles Zahlungsmittel gelten. Bei der Bestimmung eines optimalen Währungsraumes stellt sich die Frage nach der Wahl des Wechselkurssystems bzw. die Überlegung zwischen einem System fester oder flexibler Wechselkurse. Welches System am meisten adäquat erscheint, hängt zum einen mit der Gewährleistung der effizientesten Ressourcenallokation, zum anderen mit dem besten Schutz der heimischen Volkswirtschaft vor externen und internen Schocks zusammen. Wenn jedes der beiden Wechselkurssysteme nur eine der Forderungen erfüllt, wird dieses Optimierungsproblem durch eine Verbindung der beiden Systeme gelöst. Die Theorie optimaler Währungsräume führt diese Verbindung in räumlicher Hinsicht durch. Innerhalb eines Währungsraumes werden die Wechselkurse endgültig fixiert, während gegenüber der Außenwelt flexible Wechselkurse herrschen.[2]

Im Folgenden wird nicht immer zwischen einem System fixer Wechselkurse und einer Währungsunion mit einheitlicher Währung unterschieden. Es sei denn, es kommt ausdrücklich auf eine Differenzierung im gegebenen Zusammenhang an.

3 Traditionelle Kriterien optimaler Währungsräume bei mikroökonomischen Störungen

Die Diskussion über optimale Währungsräume wurde 1961 mit einem Beitrag von Mundell eingeleitet. Später folgten die Ausführungen von McKinnen (1963), Kenen (1969) und Ingram (dieses Kriterium lässt sich nicht, wie die vorigen, eindeutig auf eine Publikation festlegen), die ebenso wie Mundell, optimale Währungsräume mit gewissen Kriterien bestimmen wollten.

Die Vorstellung der Kriterien erfolgt chronologisch geordnet, da sie teilweise aufeinander Bezug nehmen und die Entwicklung der jeweiligen Umstände sowie den Stand der ökonomischen Theorie zu den gegebenen Zeitpunkten wiedergeben.

Allen traditionellen Ansätzen zur Abgrenzung optimaler Währungsräume ist gemeinsam, dass sie im keynesianischen Modellrahmen abgeleitet wurden und somit auch nur in keynesianischen Modellen gelten.

3.1 Der Ansatz von Mundell

Im Jahr 1961 veröffentlicht Mundell sein Buch „A Theory of Optimum Currency Areas“. Neben dem Gedanken, dass die Wahl zwischen festen und flexiblen Wechselkursen abhängig von den ökonomischen Gegebenheiten eines Landes ist, definiert Mundell ausführlich ein Kriterium zur Abgrenzung von optimalen Währungsräumen.[3] Das Mundell'sche Kriterium betont die Faktormobilität. Er differenziert dabei aber nicht zwischen den Faktoren Kapital und Arbeit. Jedoch deuten seine Ausführungen darauf hin, dass er sich insbesondere auf die Mobilität der Arbeitskräfte bezieht.[4]

3.1.1 Das Modell

Mundell veranschaulicht seine Idee anhand eines praktischen Beispiels von zwei Gebieten A und B.[5] Als Ausgangslage herrschen in diesen Gebieten sowohl Vollbeschäftigung als auch Zahlungsbilanzgleichgewicht. In beiden Gebieten wird ein homogenes Gut produziert, dass jeweils selbst konsumiert, aber auch exportiert wird.

Das ursprüngliche gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wird durch eine strukturelle Verlagerung der Nachfrage gestört, und zwar dergestalt, dass die Nachfrage von den Gütern des Gebietes B zugunsten der Nachfrage zu den Gütern des Gebietes A zurückgeht. Als Konsequenz dieser Nachfrageverschiebung wäre ceteris paribus eine Verringerung des realen Einkommens in dem Gebiet B, was eine Produktionseinschränkung und somit eine Unterbeschäftigung nach sich zieht (asymmetrischer Schock). Dabei unterscheidet er, dass es die asymmetrischen Schocks sind, die in einer Währungsunion stabilitätspolitische Probleme bereiten können. Symmetrische Schocks, die alle Staaten in gleicher Weise beeinflussen, führen demzufolge nicht zu Ungleichgewichten zwischen diesen Volkswirtschaften und können außerdem durch die einheitliche Geldpolitik in der Währungsunion angemessen beantwortet werden.[6] Bei seiner Betrachtung geht er von der Annahme nach unten starrer Löhne und Preise aus. Während im Gebiet A eine entsprechende Erhöhung der Einkommen und gegebenenfalls (bei Kapazitätsengpässen) Preissteigerungstendenzen zu verzeichnen hat. Zusätzlich entsteht ein Leistungsbilanzdefizit, falls die Verminderung der Gesamtausgaben hinter der Verringerung der Produktion zurückbleibt. Es muss davon ausgegangen werden, dass die in Land A hervorgerufene Einkommenserhöhung sich nicht vollständig in einer Ausgabenerhöhung niederschlägt. Sondern, es ist zu erwarten, dass Teile des Einkommens gespart werden und es somit zu einem Leistungsbilanzüberschuss in Land A kommt. Eine notwendige Änderung zur Anpassung ist unter der Annahme rigider Löhne in Land B nicht möglich. Folglich muss auf andere Anpassungskanäle zurückgegriffen werden.[7]

Mit diesen internen Instabilitäten treten auch überregionale Ungleichgewichte auf. Zur Wiederherstellung des allgemeinen Gleichgewichts sind wirtschaftspolitische Eingriffe nötig, die entscheidend davon abhängen, über welches Wechselkursarrangement die beiden Gebiete miteinander verbunden sind. Bilden die beiden Gebiete (zwei Länder) einen Verbund fester Wechselkurse mit jeweils unabhängigen Notenbanken, steht die Wirtschaftspolitik bei diesem asymmetrischen Schock vor einem Dilemma.

Will die Wirtschaftspolitik also die Unterbeschäftigung in Gebiet B bekämpfen, so wird sie eine expansive Geldpolitik betreiben. Was jedoch angesichts der Verbundenheit der regionalen Finanzmärkte zu einer Erhöhung des Geldangebots in Land A und dadurch zu einer zusätzlichen Zunahme des inflationären Drucks in diesem Gebiet führen kann.

Versucht hingegen Land A durch einen restriktiven Kurs in der Geldpolitik das Preisniveau zu stabilisieren, wird die gesamte Last der Anpassung in Form von Arbeitslosigkeit in Land B getragen. Eine gleichzeitige Beseitigung von Inflation und Unterbeschäftigung scheint unter gegebenen Bedingungen nicht möglich zu sein. Die Kosten fester Wechselkurse sind demzufolge für Land B Arbeitslosigkeit und Inflation für Land A bei einer solchen Verlagerung der Nachfrage.

Als Anpassungsmöglichkeit stellt Mundell die hohe Arbeitskräftemobilität in den Vordergrund, durch welche wechselkurspolitische Maßnahmen nicht notwendig sind. Denn wenn die Arbeiter ohne Beschäftigung von Gebiet B in Gebiet A ziehen, kann der dortige Nachfrageüberhang an Arbeit abgebaut werden, sodass eine Preisanpassung nicht notwendig ist.

Eine weitere Möglichkeit zur Anpassung des Ungleichgewichts durch die strukturelle Nachfrageverschiebung entsteht bei der Einführung eines Systems flexibler Wechselkurse zwischen den beiden Regionen.[8] Ein interregional flexibler Wechselkurs sorgt durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage für den Ausgleich der Zahlungsbilanzen.

Ferner wird die Währung der Überschussregion höher bewertet und die der Defizitregion niedriger. Diese Wechselkursänderung bewirkt eine Dämpfung der Nachfrage nach dem Gut aus Land A. Andererseits wird das Gut des Landes B tendenziell verstärkt verlangt.[9] Dieses Instrument des Anpassungsmechanismus realisiert gleichzeitig zwei Ziele, was jedoch nur für den Spezialfall eines Ungleichgewichts zwischen den Länder gilt. Andernfalls ist ein wirtschaftspolitisches Dilemma dieser Art mit Hilfe der Geldpolitik nicht zu lösen.

Die Anwendung von Mundells Kriterium der Arbeitsmobiliät definiert sich nicht durch nationale Grenzen sondern durch sich selbst.[10] Seine Überlegungen macht er am Beispiel der Ostküsten der USA und Kanadas deutlich, welche zwar einen getrennten Währungsraum, aber eine hohe Arbeitsmobilität aufweisen. Wohingegen für diese beiden Regionen eine gemeinsame Währung zweckmäßiger wäre als für die Gebiete der Ost- und Westküste der USA, zwischen welchen eine geringe Arbeitsmobilität besteht.[11]

[...]


[1] Vgl. Tavlas (1993b), S. 663.

[2] Vgl. Revelas (1980), S. 15ff.

[3] Vgl. Revelas (1980), S. 22.

[4] Vgl. Fischer (1973), S. 14ff.

[5] Vgl. Mundell (1961), S. 659f.

[6] Vgl. Heinemann (1998), S. 4.

[7] Vgl. Revelas (1980), S. 22f.

[8] Vgl. Mundell (1961), S. 660.

[9] Vgl. Revelas (1980), S. 23.

[10] Vgl. Mundell (1961), S. 660.

[11] Vgl. Revelas (1980), S. 22f.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Theorien optimaler Währungsräume
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Veranstaltung
Wirtschaftspolitisches Seminar
Note
2
Autoren
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V38588
ISBN (eBook)
9783638375993
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorien, Währungsräume, Wirtschaftspolitisches, Seminar
Arbeit zitieren
Maja Plasaj (Autor)Julijana Franjic (Autor), 2004, Theorien optimaler Währungsräume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38588

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