Bei der Diskussion um die Theorie optimaler Währungsräume handelt es sich um die Bestimmung einer optimalen räumlichen Ausdehnung eines Gebietes mit einer einheitlichen Währung. Die Theorie optimaler Währungsräume entstand Anfang der 60er Jahre. Aufbauend auf den Ansätzen von Robert A. Mundell, Roland D. McKinnon, Peter B. Kenen und James C. Ingram beschäftigte diese Thematik die Wirtschaftswissenschaft bis in die 70er Jahre hinein. Danach wurde es etwas ruhiger um dieses Thema. Wieder neu belebt wurde die Theorie optimaler Währungsräume erst in den späten 80er bzw. Anfang der 90er Jahre. Dazu hat vor allem eine neuere Entwicklung in der makroökonomischen Theorie ihren Beitrag geleistet. Die ursprünglichen Ansätze haben nicht an Bedeutung verloren, jedoch wurden mit der Aufgabe eines langfristigen Trade-offs zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit potentielle Kostenaspekte eines Beitritts zu einer Währungsunion in Frage gestellt. Ferner gaben die im Jahre 1991 beschlossenen Verträge von Maastricht konkrete Schritte zur Vollendung der monetären Integration in Europa bereits in unmittelbar absehbarer Zukunft vor.1 Die Abgrenzung der oben erwähnten optimalen Ausdehnung eines Gebietes wird mit Hilfe festgelegter Kriterien bestimmt, welche determinieren sollen, inwiefern Gebiete mit ursprünglich eigenen Währungen, zur Einführung einer gemeinsamen Währung geeignet sind. Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, einen Überblick über die Grundgedanken dieser Theorie zu geben und einige Probleme, Beispiele und Schlussfolgerungen vorzustellen. 1 Vgl. Tavlas (1993b), S. 663.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung optimaler Währungsraum
3 Traditionelle Kriterien optimaler Währungsräume bei mikroökonomischen Störungen
3.1 Der Ansatz von Mundell
3.1.1 Das Modell
3.1.2 Kritik an Mundells Modell
3.2 Der Ansatz von McKinnon
3.2.1 McKinnons Modellaufbau
3.2.2 Kritik an McKinnons Modell
3.3 Der Ansatz von Kenen
3.3.1 Kenens Modellaufbau
3.3.2 Kritik an Kenens Modell
3.4 Der Ansatz von Ingram
3.4.1 Ingrams Modell
3.4.2 Kritik an Ingrams Modell
4 Kosten-Nutzen-Konzept
4.1 Kosten einer Währungsunion
4.2 Nutzen einer Währungsunion
5 Optimale Währungsräume im alten und neuen Umfeld
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Überblick über die ökonomischen Grundgedanken der Theorie optimaler Währungsräume zu geben. Dabei werden zentrale Kriterien der Abgrenzung sowie deren kritische Würdigung untersucht und aktuelle Entwicklungen in der Kosten-Nutzen-Analyse einer Währungsunion beleuchtet.
- Historische Entwicklung der Theorie optimaler Währungsräume
- Traditionelle Kriterien bei mikroökonomischen Störungen (Mundell, McKinnon, Kenen, Ingram)
- Kosten und Nutzen einer Währungsunion aus makroökonomischer Perspektive
- Methoden zur operationalen Kosten-Nutzen-Analyse
- Aktuelle Ansätze wie Glaubwürdigkeit und politische Reformfähigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das Modell
Mundell veranschaulicht seine Idee anhand eines praktischen Beispiels von zwei Gebieten A und B. Als Ausgangslage herrschen in diesen Gebieten sowohl Vollbeschäftigung als auch Zahlungsbilanzgleichgewicht. In beiden Gebieten wird ein homogenes Gut produziert, dass jeweils selbst konsumiert, aber auch exportiert wird.
Das ursprüngliche gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wird durch eine strukturelle Verlagerung der Nachfrage gestört, und zwar dergestalt, dass die Nachfrage von den Gütern des Gebietes B zugunsten der Nachfrage zu den Gütern des Gebietes A zurückgeht. Als Konsequenz dieser Nachfrageverschiebung wäre ceteris paribus eine Verringerung des realen Einkommens in dem Gebiet B, was eine Produktionseinschränkung und somit eine Unterbeschäftigung nach sich zieht (asymmetrischer Schock). Dabei unterscheidet er, dass es die asymmetrischen Schocks sind, die in einer Währungsunion stabilitätspolitische Probleme bereiten können. Symmetrische Schocks, die alle Staaten in gleicher Weise beeinflussen, führen demzufolge nicht zu Ungleichgewichten zwischen diesen Volkswirtschaften und können außerdem durch die einheitliche Geldpolitik in der Währungsunion angemessen beantwortet werden. Bei seiner Betrachtung geht er von der Annahme nach unten starrer Löhne und Preise aus. Während im Gebiet A eine entsprechende Erhöhung der Einkommen und gegebenenfalls (bei Kapazitätsengpässen) Preissteigerungstendenzen zu verzeichnen hat. Zusätzlich entsteht ein Leistungsbilanzdefizit, falls die Verminderung der Gesamtausgaben hinter der Verringerung der Produktion zurückbleibt. Es muss davon ausgegangen werden, dass die in Land A hervorgerufene Einkommenserhöhung sich nicht vollständig in einer Ausgabenerhöhung niederschlägt. Sondern, es ist zu erwarten, dass Teile des Einkommens gespart werden und es somit zu einem Leistungsbilanzüberschuss in Land A kommt. Eine notwendige Änderung zur Anpassung ist unter der Annahme rigider Löhne in Land B nicht möglich. Folglich muss auf andere Anpassungskanäle zurückgegriffen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Entstehung der Theorie optimaler Währungsräume seit den 1960er Jahren ein und definiert das Ziel der Arbeit.
2 Begriffsbestimmung optimaler Währungsraum: Es wird geklärt, was unter einem Währungsraum zu verstehen ist und welche Bedeutung der Wahl des Wechselkurssystems in diesem Zusammenhang zukommt.
3 Traditionelle Kriterien optimaler Währungsräume bei mikroökonomischen Störungen: Dieses Kapitel stellt die klassischen Ansätze von Mundell, McKinnon, Kenen und Ingram vor und analysiert deren theoretische Fundierung sowie Kritikpunkte.
4 Kosten-Nutzen-Konzept: Hier wird der Übergang von den traditionellen Kriterien hin zu einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse beschrieben sowie die einzelnen Faktoren beider Seiten dargelegt.
5 Optimale Währungsräume im alten und neuen Umfeld: Dieses Kapitel behandelt neuere theoretische Aspekte, wie Glaubwürdigkeit und politische Reformfähigkeit, als Erweiterungen der ursprünglichen Debatte.
Schlüsselwörter
Theorie optimaler Währungsräume, Währungsunion, Faktormobilität, Offenheitsgrad, Produktdiversifikation, Kapitalmarktintegration, asymmetrische Schocks, Wechselkurssysteme, Kosten-Nutzen-Analyse, Preisniveaustabilität, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Arbeitskräftemobilität, wirtschaftliche Anpassung, Reformfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Theorie optimaler Währungsräume, die untersucht, unter welchen Bedingungen Gebiete am besten durch eine einheitliche Währung verbunden werden sollten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die klassischen Anpassungskriterien (wie Faktormobilität und Offenheit), die Analyse von Kosten und Nutzen einer Währungsunion sowie modernere Beurteilungskriterien wie Glaubwürdigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die theoretischen Grundlagen zu geben, die verschiedenen Kriterien für die Abgrenzung von Währungsräumen kritisch zu bewerten und die Entwicklung hin zu einer Kosten-Nutzen-Betrachtung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Optimalität von Währungsräumen chronologisch und inhaltlich zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Mundell, McKinnon, Kenen und Ingram analysiert, gefolgt von einer detaillierten Kosten-Nutzen-Analyse für Währungsunionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Währungsunion, Faktormobilität, Wechselkurspolitik, asymmetrische Schocks und Kosten-Nutzen-Analyse.
Warum spielt die Faktormobilität eine so zentrale Rolle bei Mundell?
Mundell sieht in der hohen Mobilität von Arbeitskräften den entscheidenden Mechanismus, um regionale Nachfrageverschiebungen auszugleichen, ohne dass eine Wechselkursänderung notwendig wird.
Was unterscheidet das Kosten-Nutzen-Konzept von den klassischen Ansätzen?
Im Gegensatz zu den älteren, oft auf einem Einzelkriterium basierenden Modellen, versucht das Kosten-Nutzen-Konzept eine umfassendere ökonomische Bewertung der Vor- und Nachteile einer Währungsunion zu operationalisieren.
Welche Bedeutung hat die "politische Reformfähigkeit" nach Heinemann?
Dieses Kriterium ergänzt die ökonomische Theorie um die politische Dimension: Länder mit hoher interner Reformfähigkeit eignen sich besser für eine Währungsunion, da sie bei asymmetrischen Schocks flexibler reagieren können.
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- Maja Plasaj (Author), Julijana Franjic (Author), 2004, Theorien optimaler Währungsräume, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38588