m den Symbolgehalt und die Deutung von Wundergeschichten mit den Schülern und Schülerinnen im Unterricht herauszuarbeiten, bedarf es der Klärung einiger Fragen, welche sich als roten Faden durch die Arbeit ziehen und mittels einer wissenschaftlichen Interpretation des Textes beantwortet werden sollen. Zum einen muss der Kontext der Erzählung der Sturmstillung innerhalb des MkEv und innerhalb der biblischen Schriften verdeutlicht werden. Ebenso wichtig ist die Untersuchung, welche Intention der Autors des MkEv mit seinen Schriften verfolgt und welchen Mehrwert Wundergeschichten für Schüler und Schülerinnen bringen können, letzteres kann dabei wie bereits erwähnt mittels der Symboldidaktik erschlossen werden. So stellt sich weiterhin die Frage, welche Symbole uns in der Erzählung der Sturmstillung begegnen, mit denen eine Unterrichtseinheit aufgebaut werden kann. Zur Beantwortung dieser Fragen nutze ich die methodischen Schritte der historisch-kritischen Exegese unter Einbeziehung des Fachbuches von Klaus-Michael Bull und Eckart Reinmuth mit dem Titel „Proseminar Neues Testament“, welches Hauptbestandteil unseres Seminars darstellt. Ich werde meinen Fokus während der kompletten Exegese auf die synchrone und diachrone Betrachtung des Texts setzen.
Als Grundlage der vorliegenden Exegese dient das Textstück aus dem Novum Testamentum Graece, welches ich zu Beginn in Abschnitt A ins Deutsche übersetze. Es folgt Abschnitt B, welcher den exegetischen Teil der Proseminararbeit darstellt. Eingeleitet wird der exegetische Teil mittels einer Textkritik des Verses 40, indem verschiedene Lesarten des einzelnen Verses vorgestellt werden. Damit das Textstück exegetisch aufbereitet werden kann, bediene ich mich der synchronen und diachronen Betrachtung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Begründung der Textauswahl
Teil A: Übersetzung
2. Grundtext aus dem Novum Testamentum Graece
3. Eigene Übersetzung
Teil B: Exegese
4. Textkritik am Bsp. Mk 4,40
5. Synchrone Betrachtung des Textes
5.1 Kontextanalyse – Abgrenzung und Aufbau des Textes
5.2 Narrative Analyse
5.3 Form- und Gattungskritik
5.4 Öffnung der semantischen Begriffe
πλοίῳ
ἀνέμου
γαλήνη
πίστιν
Teil C: Diachrone Betrachtung
6. Quellenkritik
6.1 Synoptischer Vergleich Markus und Matthäus
6.2 Synoptischer Vergleich Markus und Lukas
7. Literargeschichtliche Analyse
7.1 Externe Kohärenz
7.2 Interne Kohärenz
7.3 Redaktionsgeschichtliche Analyse
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Wundergeschichte der Sturmstillung (Mk 4,35-41) einer umfassenden exegetischen Untersuchung zu unterziehen, um deren Symbolgehalt und Bedeutung für den schulischen Religionsunterricht zu erschließen.
- Historisch-kritische Exegese des Textes (synchron und diachron)
- Narrative Analyse und formgeschichtliche Einordnung als Rettungswunder
- Semantische Untersuchung zentraler Begriffe (z.B. πλοίῳ, ἀνέμου, πίστιν)
- Synoptischer Vergleich mit Matthäus und Lukas zur Redaktionsgeschichte
- Didaktische Perspektiven zur Symboldidaktik im Unterricht
Auszug aus dem Buch
5.4 Öffnung der semantischen Begriffe
Um die Erzählung der Sturmstillung im Religionsunterricht symboldidaktisch mit den Schülern und Schülerinnen erarbeiten zu können, soll im Folgenden das Augenmerk auf den autosemantischen Begriffen liegen, mit denen der Autor des MkEv einen gewissen Hintergrund anklingen lässt. Prägnante Wörter in dem Textstück des MkEv sind πλοίῳ, μεγάλη ἀνέμου, μεγάλη und πίστιν. Neben den autosemantischen Begriffen ist der Terminus des Wassers prägnant in der Erzählung der Sturmstillung, da der Ort der Sturmstillung auf dem Meer bzw. Wasser stattfindet. Das Element Wasser begegnet uns bereits im Alten Testament im Schöpfungsbericht sowie in der Sintflut Erzählung. Das Wasser ist omnipräsent auf der Welt und gehört wie Feuer, erde und Wind zu den fundamentalen Elementen auf der Erde, daher hat es auch eine hohe religiöse Bedeutung. Die unentbehrliche Bedeutung des Wassers hat neben seiner reinigenden Wirkung auch einen bedrohlichen Charakter (bspw. in Form von Flutwellen, Überschwemmungen oder starken Regenfällen), somit ergeben sich verschiedene religiöse Diskurse, welche oftmals ambivalent zu betrachten sind, da das Wasser auf der einen Seite lebensspendend, auf der anderen Seite lebensbedrohlich sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Begründung der Textauswahl: Vorstellung des Themas und Erläuterung der Motivation, die Sturmstillung exegetisch und symboldidaktisch aufzubereiten.
2. Grundtext aus dem Novum Testamentum Graece: Wiedergabe des griechischen Urtextes von Markus 4,35-41.
3. Eigene Übersetzung: Deutsche Übersetzung der Perikope als Basis für die weitere Arbeit.
4. Textkritik am Bsp. Mk 4,40: Analyse verschiedener Lesarten des Verses 40 und Begründung der Wahl der ursprünglichsten Variante.
5. Synchrone Betrachtung des Textes: Untersuchung der Textkomposition, der Erzählstruktur und der Gattung des Textes sowie Analyse zentraler Begriffe.
6. Quellenkritik: Vergleich der Markuserzählung mit den parallelen Berichten bei Matthäus und Lukas zur Feststellung redaktioneller Abhängigkeiten.
7. Literargeschichtliche Analyse: Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des Textes durch Untersuchung von Kohärenzstörungen und redaktionellen Einschüben.
8. Schlussbetrachtung: Bündelung der exegetischen Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung der Erzählung für heutige Lebenssituationen.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Sturmstillung, Exegese, Wundergeschichte, Rettungswunder, Synoptischer Vergleich, Redaktionsgeschichte, Symboldidaktik, Religionsunterricht, Glaube, Wasser, Wind, Stille, Jesus, Jünger
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der exegetischen Analyse der biblischen Perikope der Sturmstillung (Markus 4,35-41).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die historisch-kritische Textanalyse, die Untersuchung von Glaubensvorstellungen und die didaktische Anwendbarkeit der Erzählung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Symbolgehalt der Erzählung durch wissenschaftliche Methoden zu erschließen, um sie für den schulischen Unterricht nutzbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt methodische Schritte der historisch-kritischen Exegese, insbesondere die synchrone und diachrone Betrachtung des Textes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst Textkritik, narrative Analyse, Form- und Gattungskritik, die Klärung semantischer Begriffe sowie eine quellen- und literargeschichtliche Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Markusevangelium, Sturmstillung, Rettungswunder, Glaube, Redaktionsgeschichte und Symboldidaktik.
Warum wird Vers 40 als problematischer Einschub bewertet?
Der Vers wird als redaktionell angesehen, da er den chronologischen Erzählfluss unterbricht und Jesus erst nach der Rettung tadelnd Bezug auf die vorangegangene Situation nimmt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Angst bei Markus und Lukas?
Markus fokussiert stärker auf die existenzielle Angst der Jünger (ἐφοβήθησαν φόβον μέγαν), während Lukas dies durch das Element des Staunens (ἐθαύμασαν) erweitert.
- Citation du texte
- Marie S. (Auteur), 2017, Exegese von Markus 4,35-41. Wundergeschichte der Sturmstillung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385982