Die Prothese. Ein würdiges Ersatzteil?


Facharbeit (Schule), 2017
33 Seiten, Note: 15 Punkte
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Was ist eine Prothese?
2.1 Erfolgsgeschichte Prothese
2.2 Arten von Beinprothesen

3. Die unteren Extremitäten
3.1 Die unteren Extremitäten als Teil des menschlichen Körpers
3.2. Die Prothese als künstlicher Ersatz

4. Psychische und soziale Auswirkungen

5. Die ethischen Fragen
5.1. Vom Heilen und Wiederherstellen zum Verbessern

6. ,,Techno-Doping“ im Fall Markus Rehm

7. Die Prothese im Einsatz

8. Fazit – Beantwortung der Leitfrage

9. Nachwort

10. Literaturliste

1. Vorwort

Die Werbekampagne „Meet the Superhumans“ für die Paralympics im Jahr 2012 in London inszeniert das Training von acht paralympischen Sportler, davon tragen drei eine Prothese. Diese Kampagne könnte das Weltbild vieler Menschen verändern. Eine Minderheit, die wegen ihrer Handicaps von einer Gesellschaft aus sogenannten Nichtbehinderten lange unterschätzt oder sogar als störend empfunden wurde, wird plötzlich als Übermenschlich bezeichnet. Die Kampagne präsentiert eine neue Qualität der Forderung nach mehr Teilhabe, aber auch den Versuch, die Präsenz der neuesten Technologien bei Prothesen in die Öffentlichkeit zu rücken.[1]

Die Prothese kann als technisches Ersatzteil für Knochen und Gelenke dienen, darüber hinaus aber vor allem auch fehlende Körperteile wie die unteren und oberen Extremitäten ersetzen. Mithilfe von verbesserten Operationstechniken und rasanten technischen Fortschritten konnte in den letzten Jahren eine wichtige Entwicklung im Bereich der Prothetik ausgelöst werden. Die Mehrzahl der Prothesenträger besitzen zwar noch einfache Prothesen, welche die fehlende Gliedmaße nur zu einem Bruchteil ersetzen. Es gibt bereits wenige Exemplare auf dem Markt, die soweit optimiert wurden, dass sie in einigen Bereichen sogar besser sein könnten als die menschlichen Vorbilder. Das wirft gerade im Sport große Diskussionen auf.

Was aber eine Prothese eigentlich ist und was ein Ersatzteil dieser Art mit sich bringt, das alles erfahren Sie in meiner Seminararbeit. Vorher möchte ich Ihnen aber als Erstes mitteilen, warum ich mich gerade für dieses Thema entschieden habe. Irgendwie weiß jeder Bescheid über die Sache der Prothetik, doch tiefer gehen diese Kenntnisse dann eben doch nicht. Genau daraus erschließt sich die Problematik eines so heiklen Themas, die sich auf den ersten Blick gar nicht genau definieren lässt. Erst bei genauem Befassen mit dem Thema entstehen Fragen und Probleme, die oftmals eine Prothesenversorgung erschweren oder hinterfragen.

Durch den aktuellen Fall des Leichtathleten Markus Rehm, der mit seiner Prothese einen unglaublichen Weitsprung schaffte, wurde ich auf das Thema Prothesen im Sport und im alltäglichen Leben aufmerksam. Außerdem bin im Weiteren durch meine Großmutter auf das Thema gestoßen. Sie hatte eine Krankheit, bei der die Hüftknochen so porös und spröde wurden, dass sie zu verfallen drohten. Die letzte Hoffnung, die blieb, war ein künstlicher Ersatz der Hüfte durch eine Prothese. Sie erhielt eine passende Prothese, mit der sie bis heute ein ganz normales Leben führen kann.

Genau solch ein Schicksal, kann jeden treffen, jeder Mensch kann auf eine Prothese angewiesen sein, um wieder richtig und schmerzfrei leben zu können.

Als ich mich auf die Suche nach einem passenden Seminarkursthema gemacht habe, war es mir wichtig, dass es ein Thema ist, mit dem ich mich lange Zeit beschäftigen kann und auch möchte. Vor allem aber wollte ich ein Thema bearbeiten, das mich selbst auch betreffen könnte und welches verschiedene Sichtweisen und Meinungen miteinbezieht.

Ich hoffe, dass sich der ein oder andere durch meine Seminararbeit eine Minute Zeit nimmt, um über die Angelegenheit der Prothesenversorgung nachzudenken und die für ihn richtige Einstellung zu finden. Denn die Zahl der Prothesenträger steigt auch in Deutschland, weshalb jeder sich mit dem Thema auseinandersetzen sollte, um sich eine eigene Meinung über den Umgang mit der Prothetik zu bilden.

2. Was ist eine Prothese?

Durch eine technische Prothese, ein künstlich hergestelltes Ersatzstück aus unbelebtem Material für verloren gegangene oder geschädigte Körperteile, kann die Mobilität und die ästhetische Körpersymmetrie der Patientinnen und Patienten wieder hergestellt werden. Die Prothesen sollen das Ziel ermöglichen wieder sicher stehen und gehen zu können, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bodenbeschaffenheiten. [2]

Die Voraussetzung für eine Prothesenversorgung ist eine Amputation eines bestimmten Bereichs des menschlichen Körpers. Eine Amputation ist als eine Abtrennung einer Gliedmaße im knöchernen Bereich zu definieren. Der Amputation gehen wiederum unterschiedliche Gründe voraus: In den meisten Fällen handelt es sich um chirurgische Eingriffe, die nicht mehr zu vermeiden sind, ohne das Leben der Patientin oder des Patienten in Gefahr zu bringen. Ist es medizinisch nicht mehr möglich ein Körperteil wiederherzustellen, stirbt das Gewebe an der betroffenen Stelle ab, und kann möglicherweise auf weitere Körperteile übergreifen und diese beschädigen. Ursachen dafür sind neben Tumoren, Fehlbildungen oder Infektionen am häufigsten arterielle Durchblutungsstörungen, welche durch Nikotin und Diabetes ausgelöst werden können. Weitere Gründe für die Amputation von Gliedmaßen zu amputieren sind Verkehrsunfälle und sehr häufig Sportunfälle. In einigen Ländern, nicht in Deutschland, wird die Amputation als sogenannte Vergeltungsmaßnahme praktiziert, um Straftaten zu rächen. In Kriegsgebieten verlieren Soldaten des Öfteren Gliedmaßen aufgrund von Bomben und Granaten.[3]

Grundsätzlich ist das Ziel einer medizinischen Amputation, weitere Schädigungen im Körper zu vermeiden, um dann im Laufe der Rehabilitation mit Hilfe der Prothesenversorgung das fehlende Körperteil zu ersetzen.

Prothesen können in unterschiedlichen Formen als Ersatzteile im Körper dienen. Die im Körper eingesetzten Prothesen oder implantierte Prothesen werden als Endoprothesen beschrieben. Dazu zählen alle künstlichen Gelenke, die sich verpflanzen lassen, wie das künstliche Kniegelenk sowie die Hüftprothese. Diese Prothesen kommen hauptsächlich aufgrund von Gelenkverschleiß in Einsatz. Neben den Endoprothesen spielen die kosmetischen Prothesen in der Medizin eine große Rolle. Hierzu gehören nicht nur ein kosmetischer Ersatz für einen Teil der Haut, sondern auch große Teile der Gesichtspartien können kosmetisch ersetzt werden. Kosmetische Prothesen ersetzen beispielsweise das Auge im äußerlichen Erscheinungsbild, können aber dessen Funktion nicht übernehmen. Im Gegensatz dazu haben die Exoprothesen die Aufgabe, möglichst viele Funktionen des fehlenden Körperteils zu ersetzten. Sie sind sozusagen außerhalb des Körpers angebracht und kommen hauptsächlich nach Amputationen der oberen und unteren Extremitäten zum Einsatz.[4]

2.1 Erfolgsgeschichte Prothese

Den vollständigen und erfolgreichen Ersatz fehlender Gliedmaßen und Körperteile von einem Menschen allein durch unbelebte und künstlich herstellbare Hilfen gehörte in der gesamten Menschheitsgeschichte zu den großen Träumen. Seit Jahrtausenden wird versucht, dieses medizinische Kunstwerk nicht nur bei einer Wunschvorstellung zu belassen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich abzuzeichnen, dass aus dem langersehnten Wunsch Wirklichkeit werden würde. Nur wenige andere medizinische Fachdisziplinen können auf solch einen rasanten Fortschritt und die spektakulären Erfolge zurückblicken wie die Prothetik.

Die älteste bekannte Prothese ist eine Zehenprothese aus dem alten Ägypten, die vermutlich um 800 v. Chr. entstand, und an einer Mumie gefunden wurde. Auch eine Unterschenkelprothese wurde schon 300 Jahre v. Chr. in Capua, Italien, entdeckt.[5] Wissenschaftler fanden heraus, dass diese Prothese hauptsächlich aus Holz bestand, aber ein Bronzeblech als Hülle für Stabilität sorgte. Im Altertum und in der Antike konnten Patientinnen und Patienten nur mit einfachen Stockstelzen aus Holz versorgt werden. Insgesamt wurden damals aber nur wenige Fälle einer Prothesenversorgung übermittelt. Von moderner Medizin war zu dieser Zeit noch nichts zu sehen und die Betroffenen verloren in den meisten Fällen schon bei der Amputation ihr Leben. Die Narkose war noch nicht erfunden, weshalb die unerträglichen Schmerzen und der hohe Blutverlust für die Patientinnen und Patienten zur Todesursache wurden. Die Mehrheit der Menschen starb also schon während der Operation und benötigte keine prothetische Versorgung mehr. Die Prothesen für diejenigen, die überlebten, hatten den einzigen Zweck, dass die Patientin oder der Patient stehen konnte. Lockeres gehen, laufen oder sogar rennen war noch lange nicht möglich. Auch Prothesen für die oberen Extremitäten wurden kaum angefertigt, aufgrund ihrer komplizierten Bauweise. Prothesen des Altertums sind deshalb noch weit davon entfernt, von einem erfolgreichen Ersatz des fehlenden Körperteils zu reden.[6]

Fast ausschließlich die Handwerker waren für die Herstellung und Anfertigung der Prothesen zuständig, bis im 19. Jahrhundert das Wissen über Technik und Anatomie in großen Zügen erweitert wurde. Ab diesem Zeitpunkt hatten auch Wissenschaftler und Mediziner einen großen Einfluss auf die Herstellung und den Aufbau der Prothesen. Die Prothesen konnten verbessert werden, aber nur wohlhabende Patientinnen und Patienten konnten sich derartige Hilfsmittel überhaupt leisten. Arme Leute hatten damals kaum die Chance, an eine bessere Prothese zu kommen, und mussten immer noch mit den Prothesen des Altertums klar kommen.

Nachdem 1846 die Narkose erfunden wurde, überlebte eine große Zahl der Menschen den risikoreichen Eingriff der Amputation. Außerdem führte die Unfallversicherung in Deutschland dazu, dass auch die untere Bevölkerungsschicht mit Hilfsmitteln versorgt werden konnte. Es wurden hauptsächlich Prothesen hergestellt, die optisch den verlorenen Gliedmaßen ähnelten und nicht auffielen. Auf die Wiederherstellung der Funktionen der Gliedmaßen wurde kaum Wert gelegt.

Die ,,Materialschlachten“ des Ersten Weltkriegs führten dazu, dass fast 70 000 Soldaten einen Teil ihrer Gliedmaßen verloren. Dadurch wurde die Prothetik einer großen Herausforderung gegenübergestellt, denn nie zuvor gab es so viele Amputierte zu versorgen wie in dieser Zwischenkriegszeit. Die Prothetik wurde zu einem wichtigen Industriezweig, denn von nun an war sie nicht mehr nur eine ,,Krüppelfürsorge“. Die Soldaten, die den Verlust von Gliedmaßen erlitten hatten, mussten versorgt werden, denn in der Nachkriegszeit wurden in Deutschland alle Arbeitskräfte gebraucht. Einfache Prothesen, mit denen beispielsweise das Stehen geradeso ermöglicht wurde, mussten also durch Prothesen ersetzt werden, mit denen die Kriegsheimkehrer so uneingeschränkt arbeiten konnten wie möglich.

Während in den letzten Jahrhunderten der Fokus der Prothetik hauptsächlich auf den unteren Extremitäten lag, wurde nun viel Wert auf die prothetische Versorgung der oberen Extremitäten gelegt. Hierzu gewannen die sogenannten „Arbeitsarme“ an Bedeutung, welche die Funktionen der Gliedmaßen wieder herstellten, optisch aber den verlorenen Gliedmaßen in keiner Weise ähnelten, um höchste Produktivität am Arbeitsplatz herzustellen.

Der zweite Weltkrieg endete 1945 und hinterließ insgesamt über 295 000 Männer, die den Verlust eines ihrer Gliedmaßen erlitten. Davon war etwa die Hälfte beinamputiert. Frauen und Kinder sind von derartigen Kriegsverletzungen kaum betroffen. Nie zuvor konnte man in Deutschland so viele Kriegsverletzte zählen. Deshalb war das Ziel, der damaligen Politik, wie schon nach dem Ersten Weltkrieg, diese Männer in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das sollte erreicht werden, indem man die „Menschen so verändert, dass sie wieder den funktionalen Erwartungen von Expertenschaft und Politik genügen“ und die Behinderungen sollten mit Hilfe der prothetischen Versorgung verbessert werden.

Die 1960er Jahre standen für einen großen Entwicklungsschub im Bereich der Prothetik und Orthopädie. Weiterentwickelte Verfahren in der Prothesenherstellung führten zu verbesserten Funktionen und Tragekomfort. Auch die Kosmetik von Orthesen wurde mit Hilfe von neuen Werkstoffen deutlich angepasst. Außerdem ermöglichte das Material Kunststoff wasserfeste Prothesen, mit denen die Patientinnen und Patienten schwimmen gehen konnten. In dieser Zeit wurden erstmals Prothesen verwendet, die in den Körper eingesetzt werden konnten, da sie aus Silikon und Titan bestanden.[7]

Prothesen sollen Behinderungen eines Menschen erleichtern beziehungsweise den leistungsfähigen Körper bestmöglich wiederherstellen. Damit soll das Bild eines normalen und gesunden Menschen wieder aufgebaut werden. Im 21. Jahrhundert wenden sich die Ansichten der Prothetik: Der Mensch soll nicht nur geheilt werden, er soll mit Hilfe der Technik sogar verbessert und optimiert werden. Auf jeden Fall sollen die Prothesen den Patientinnen und Patienten ermöglichen ein unbeschwertes Leben zu führen, selbständig zu sein, Hobbies nachzugehen und einfach uneingeschränkt zu leben.

„Ob Prothetik auf Ausgleich oder Verbesserung zielt – sie ermöglicht Teilhabe.“[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Bild zeigt die älteste Prothese (eine Zehenprothese) die bis heute gefunden wurde, und aus Leder und Holz besteht.[9]

Diese Fotografie zeigt eine Holzprothese aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, welche hauptsächlich bei kriegsversehrten eingesetzt wurde.[10]

Abbildung 2 musste aus urheberrechtlichen Gründen gelöscht werden.

Quelle: http://www.mdr.de/zeitreise/prothese116_v-variantBig16x9_w-576_zc-915c23fa.jpg?version=39961

Abbildung 3 musste aus urheberrechtlichen Gründen gelöscht werden.

Quelle: http://www.mayer-rexing.de/produkte/orthopaedietechnik/prothesen/

Diese Prothesen, hergestellt von der Firma Otto Bock, gehören zu den modernsten Exemplaren, die es heutzutage auf dem Markt zu finden gibt.[11]

2.2 Arten von Beinprothesen

Es gibt nicht die eine oder die beste Prothese: Jede Patientin und jeder Patient hat unterschiedliche Ansprüche und Vorstellungen, denen die Prothese gerecht werden muss. Während ältere Menschen mit Amputation großen Wert auf Sicherheit und möglichst schmerzfreies Gehen legen, haben jüngere Menschen hohen Anspruch an die Dynamik und die Funktion der Prothese.[12] Das bedeutet, die perfekte Prothese muss individuell an die Patientinnen und Patienten angepasst werden. Aus diesem Grund gibt es auch verschiedene Arten in der Herstellung und Gestaltung der Prothese, um allen Wünschen gerecht zu werden.

Jeder Amputierte wird von seinem behandelndem Arzt oder dem Orthopädietechniker in eine Mobilitätsklasse beziehungsweise einen Mobilitätsgrad eingeordnet. Damit werden die Amputierten mit den richtigen Passteilen versorgt, und die jeweiligen Bedürfnisse und Therapieziele können besser beachtet werden. Bei der Einteilung in die fünf Mobilitätsgrade werden Faktoren wie Schmerzen, Begleiterkrankungen oder sonstige Besonderheiten berücksichtigt.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[14]

In diesem Bild werden die Mobilitätsklassen am Beispiel des Fußpassteils visualisiert.[15]

Die Einteilung der Patientinnen und Patienten in eine der Mobilitätsklassen ist aber nur ein Teil um die individuelle Prothese für jeden Menschen zu finden. Wichtig ist unter anderem, die richtige Bauart einer Prothese zu wählen. Bei der Bauweise von Arm- und Beinprothesen kann zwischen zwei Arten entschieden werden: Die Schalenbauweise und die Modularbauweise.

Die Schalenbauweise ist die traditionellere Art von beiden. Das tragende Element der Prothese ist außen angebracht in Form einer ,,Prothesenwandung“[16]. Ihre Funktion ist es, der Prothese die Form zu geben und das Gewicht des Menschen als Ersatz zu tragen. Diese Bauweise zeichnet vor allem ihre Robustheit und die einfache Mechanik aus. Außerdem ist die Haltbarkeit im Gegensatz zu allen anderen Bauweisen deutlich höher und preisgünstiger. Aufgrund der einfachen Art des Aufbaus werden die Änderungen von Länge oder der Austausch von Passteilen erschwert und können nur unter großem zeitlichem Aufwand durchgeführt werden. Die Grenzen dieser Prothesen findet man auch in der kosmetischen Ausgestaltung. Das bedeutet diese Ersatzteile können ihrem menschlichen Vorgänger optisch nicht angepasst werden.

Heutzutage wird die Schalenbauweise weitgehend durch die Modularbauweise verdrängt. Auch in Entwicklungsländern werden die Prothesen hauptsächlich mit dieser Bauweise hergestellt. Im Gegensatz zu der Schalenbauweise befindet sich das tragende Element innen und besteht aus einer Rohrkonstruktion. Das ist auch der Grund, warum diese Art der Prothese häufig Rohrskelettbauweise genannt wird. Die Passteile der Prothesen werden über Adapter und Module verbunden und ermöglichen damit verschiedene Kombinationen der Passteile. Die Modulartechnik ermöglicht das leichte Austauschen der Passteile, und auch die Länge kann ohne Probleme verändert werden. Allerdings ist diese Bauweise, verglichen mit der Schalenbauweise, weniger robust und dauerhaft, außerdem sind für die Prothesen aufgrund der vielen technischen Merkmale höhere Preise angesetzt.

Ein kosmetischer Überzug, der in den meisten Fällen aus Schaumstoff besteht, sowie eine weiterer Überzug aus Kunststoff darüber ermöglichen täuschend echte Nachstellungen des verlorenen Körperteils.[17]

Die Kosmetik im Bereich der Prothetik bietet die Möglichkeit, Ästhetik und Funktion in Einklang zu bringen. Es gibt, neben den oben genannten kosmetischen Überzügen auch reine Kosmetikprothesen. Diese versuchen einzig und allein das äußere Erscheinungsbild wiederherzustellen - hauptsächlich dann, wenn auch die Prothese die Funktionen des fehlenden Körperteils, beispielsweise aufgrund von medizinischen Problemen, nicht ersetzen kann. Die Prothesen bestehen weitgehend aus Silikonen, da diese wasserbeständig sind und keine Empfindlichkeit gegenüber Temperatur und Sonne zeigen. Um ein natürliches Erscheinungsbild zu schaffen, werden nicht nur Form und Farbe angepasst sondern auch Details wie Adern, kleine Härchen oder sogar lackierbare Nägel nachempfunden. Die individuell abgestimmten Prothesen machen es möglich, dass keine der noch vorhandenen Bewegungen von anderen Gliedmaßen, zum Beispiel der Finger, beeinträchtigt werden.[18]

Die Art der Prothese ist des Weiteren abhängig von der individuellen Amputationshöhe. Diese hat eine gravierende Auswirkung auf die spätere Prothesenversorgung, denn „je weiter oben die Amputation erfolgt, umso schwieriger wird die Rehabilitation“ der Patientin oder des Patienten.[19]

Wird ein Teil des Fußes oder gegebenenfalls alle Knochenelemente entfernt, so reichen oft einfach kosmetische Prothesen im Schuh, welche den fehlenden Teil ersetzen. Die Unterschenkelamputation wird unterhalb des Knies durchgeführt, und ermöglicht somit eine gute prothetische Versorgung mittels einer Kurzprothese, da das eigene Knie vollständig funktionsfähig ist. Amputationen, die im Knie durchgeführt werden, nennt man Knieexartikulation. Hier ist eine Prothese nötig, die auch die Funktion des Knies ersetzt. Das Knie wird als weiteres Passteil hinzugefügt. Bei der Oberschenkelamputation werden die Oberschenkelknochen an einer individuellen Stelle durchtrennt. Mit dem heutigen Stand der Technik ist aber trotzdem eine gute prothetische Versorgung im Sinne von Oberschenkelprothesen möglich. Die Amputation im Hüft- und Beckenbereich ist medizinisch gesehen am schwierigsten prothetisch zu versorgen. Die Entfernung von Teilen des Hüftgelenks oder schlimmstenfalls sogar die vollständige Entfernung des Beckens mit den unteren Extremitäten führt zu erheblichen Einschränkungen auch mit Prothese.[20]

[...]


[1] Harrasser, Karin: Körper 2.0 – Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen, transcript- Verlag, 2013, Seite 36

[2] S.Beringer, B.Sibbel, D.Kekegei: Exoskelettale Prothesen der unteren Extremität, Bundesfachschule für Orthopädie-Technik, 2007

[3] https://www.myhandicap.de/amputation-prothese/

[4] http://wiki.ifs-tud.de/biomechanik/projekte/ws2012/beinprothese

[5] http://medizinwelt.blogspot.de/2011/06/historischer-exkurs-die-altesten.html

[6] Seeland, Adrian: Prothetik. Die Chance auf neue Mobilität und Lebensqualität, Grin-Verlag, 2013

[7] Seeland, Adrian: Prothetik. Die Chance auf neue Mobilität und Lebensqualität, Grin-Verlag, 2013, Seite 4 bis 10

[8] Seeland, Adrian: Prothetik. Die Chance auf neue Mobilität und Lebensqualität, Grin-Verlag, 2013

[9] Abbildung 1: http://medizinwelt.blogspot.de/2011/06/historischer-exkurs-die-altesten.html

[10] Abbildung 2: http://www.mdr.de/zeitreise/prothese116_v-variantBig16x9_w-576_zc-915c23fa.jpg?version=39961

[11] Abbildung 3: http://www.mayer-rexing.de/produkte/orthopaedietechnik/prothesen/

[12] https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Oberschenkelprothesen.110326.0.html

[13] http://www.stolperstein.com/wp-content/uploads/2015/09/Ratgeber-Beinamputation-plus-Servicepass-low.pdf

[14] S.Beringer, B.Sibbel, D.Kekegei: Exoskelettale Prothesen der unteren Extremität, Bundesfachschule für Orthopädie-Technik, 2007

[15] Abbildung 4: http://www.bmap.de/dder-weg-zur-prothese/

[16] http://eurocom-info.de/orthopaedische-hilfsmittel/prothesen/

[17] Baumgartner, René: Grundkurs Technische Orthopädie, Thieme-Verlag, 2002, Seite 127-128

[18] Silikontechnik, Brillinger Orthopädie – das Gesundheitshaus, Informationsprospekt

[19] Magazin Stolperstein, Ausgabe 13, Seite 8 folgende Magazin Stolperstein, Ausgabe 17, Seite 16 folgende

[20] Beinamputation – Wie geht es weiter?, eurocom e.V., 2015, Seite 18-23

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Prothese. Ein würdiges Ersatzteil?
Note
15 Punkte
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V386030
ISBN (eBook)
9783668648081
ISBN (Buch)
9783668648098
Dateigröße
1040 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prothese, ersatzteil
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Prothese. Ein würdiges Ersatzteil?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386030

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