Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche. Gestaltungsmöglichkeiten für Deutschlehrer


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition Behinderung und Sprachbehinderung

3. Begriffsklärung Lernstörung, Legasthenie und LRS
3.1 Lernstörung
3.2 Legasthenie und LRS
3.3 Ursachen
3.4 Symptome

4. Gestaltungsmöglichkeiten für Deutschlehrer

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Halo Mami halo Vati ich bien bei Marco ich hab schon geessen und wahr mit dem Hont drausen wier sint bie der hüte ich kome umsibn surück! Flo“ (LRS-Zentrum, 2010).

So oder so ähnlich sieht die Rechtschreibung eines Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) oder Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) Betroffenen aus (ebd.). Legasthenie ist eine Lese-Rechtschreibstörung, welche im vorschulischen und schulischen Bereich auftreten kann (WHO 2005). Dabei ist das Erlenen von Lesen und Rechtschreibung auf Grund verschiedener Faktoren erschwert (ebd.). Laut dem Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie (2007a) ist Deutschland nahezu das einzige Land, in dem solch eine Sprachverwirrung, bezüglich der Begrifflichkeit, herrscht. Schätzungsweise drei bis sechs Prozent der Schüler und Schülerinnen sind nach einer aktuellen Studie von Professor Dr. med. Schulte Körne (2014) von einer Lese-Rechtschreibstörung oder Schwäche betroffen.

Doch wie kann es sein, dass in unserer modernen Welt es immer noch Probleme gibt, eine der wichtigsten Kulturtechniken zu erlenen? In der Hausarbeit wird sich mit dem Thema, spezieller der Forschungsfrage: ‚Welche Gestaltungsmöglichkeiten haben Deutschlehrer, um Schüler mit Legasthenie und LRS im Unterricht nicht zu benachteiligen und wie wird es möglich diese Lernstörung nachzuvollziehen?‘ auseinandergesetzt. Dabei ist es wichtig, einen Überblick für den Leser zu schaffen und die Lernstörung in verschiedenen Gliederungspunkten zu beschreiben, um wissenschaftliche Erkenntnisse herauszufinden. Dazu werden anfangs ein paar Begriffsdefinitionen vorgenommen, die Grundlagen des Themas sind. Ebenso wird die Lese-Rechtschreibstörung von der Lese-Rechtschreibschwäche abgegrenzt. Schließlich soll der Leser einen Überblick über Ursachen, Symptome und Gestaltungsmöglichkeiten für Deutschlehrer bekommen.

Aufgrund des gegeben Rahmens dieser Ausarbeitung kann das Thema jedoch nicht detailliert bearbeitet werden.

2. Definition Behinderung und Sprachbehinderung

Allgemein wird der Begriff Behinderung selten hinterfragt, da es üblich ist, sich über dessen Zuschreibung im Klaren zu sein. Personen, denen es aufgrund genetischer oder körperlicher Bedingungen nicht möglich ist zu laufen, benötigen zur Fortbewegung einen Rollstuhl und gelten in der Gesellschaft als behindert. Ebenso werden Menschen mit angeborener Gehörlosigkeit, Blindheit oder erblichen Erkrankungen, wie das Down-Syndrom, als behindert deklariert. (Dörr & Günther, 2003, S.32)

Anders ist es bei Fällen wie Stottern, einer Lese-Rechtschreibschwäche oder Sitzenbleibern. Hier wird nicht sofort das Wort ‚Behinderung‘ gebraucht und es wird deutlich, warum man den Begriff genauer hinterfragen sollte (ebd.).

Eine allgemeingültig geltende Definition ist kaum möglich, da es medizinische, psychologische, pädagogische, soziologische und bildungspolitische Anhaltspunkte gibt, welche sich nur schwer vereinen lassen (Dederich & Jantzen, 2009, S.15). Demnach gibt beispielsweise Ulrich Bach (1999) den Aspekten Störung, Behinderung und Gefährdung den Oberbegriff „Beeinträchtigung“ (Dörr & Günther, 2003, S. 34).

Aufgrund der Notwendigkeit dieser Textarbeit wird eine pädagogische Definition von Behinderung bevorzugt, welche erstmals im Jahr 1974 unter dem Deutschen Bildungsrat erschien (Dörr & Günther, 2003, S.32).

Demnach liegt eine Behinderung bei Menschen vor, wenn Lernkompetenz, Sprachkompetenz, soziale Kompetenz und kognitive Fähigkeiten nicht für eine unbeschwerte Teilhabe am Leben ausreichen und eine pädagogische Förderung verlangen. Außerdem gilt ein Mensch als behindert, insofern er an einer körperlichen, geistlichen, sinnlichen, emotionalen oder chronischen Beeinträchtigung leidet. (Deutscher Bildungsrat, 1974, S.32)

Um einen Sprachbehinderung definieren zu können, sollte zuerst die `Sprache´ selbst erklärt werden. Sprache ist artspezifisch und eine menschliche Ausdrucksform mit der Einzigartigkeit zur Abstraktion und Reflexion (Bußmann, 1983, S. 475). Sie hilft uns kommunikative, bildende, kognitive, regulative und persönlichkeitsbildende Funktionen wahrzunehmen und auszudrücken (Borchert, 2007, S.263f.). Differenziert wird zwischen einer Sprachstörung und einer Sprachenbehinderung. Menschen, die beeinträchtigt sind ihre Muttersprache ihrem Entwicklungsstand angemessen in Schrift und Laut zu gebrauchen, werden als sprachbehindert definiert. Dies kann zu Beeinträchtigungen in Persönlichkeits- und Sozialentwicklung, wie auch in Lern- und Leistungsfähigkeit führen. (Knura, 1980, S.3) Sprachstörungen beziehen sich nur auf die beeinträchtigte Verwendung der Muttersprache und sind ein Teilgebiet der Sprachbehinderung (Borchert, 2007, S.263f.). Sprechen wird als störend empfunden, wenn es sich stark vom Sprechen anderer unterscheidet, das Zuhören als stressig und belastend erscheint und die Kommunikation unterbrochen wird (ebd.). Sprachstörungen können wiederum unterteilt werden in Störungen der Sprachenentwicklung (z. B. Störungen im Erlenen des Lesens und Schreibens) und in früh- und späterworbene Störungen der Sprache (z. B. Behinderung der Sprachentwicklung infolge von Hirnschädigungen) (Knura, 1974, S.109 ff.).

3. Begriffsklärung Lernstörung, Legasthenie und LRS

Bevor im Hauptteil der Hausarbeit nach Ursachen, Symptomen, Möglichkeiten und Maßnahmen der Deutschlehrer in Unterrichtsituationen, um die Lese- und Rechtschreibschwächen bei Schülern zu mindern, gefragt wird, ist im Folgenden noch definitorisch zu klären, was unter Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung), bzw. unter einer LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) zu verstehen ist, wobei diese Differenzierung laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (2007a) auf unterschiedlichen Ursachen und Dauer der Beeinträchtigung basiert.

3.1 Lernstörung

Vorerst sollte geklärt werden, was unter Lernen zu verstehen ist. „Lernen ist ein lebensnotwendiger Vorgang und zugleich eine wundervolle Möglichkeit für den Menschen“ heißt es, wenn man nach Göhlich und Zirfas (2007, S.180) geht. Lernen ist ein pädagogischer Grundbegriff und verhält sich als „Erfahrungsreflexive“ (Göhlich & Zirfas, 2007 S.180) gegenüber dem Lernenden, dass heißt gegenüber seiner Lebensweise und Lernfähigkeit (ebd.). Die Aneignung von Wissen, Können und Fähigkeiten sind Resultate dieses Prozesses. Lernen unterteilt sich in vier Arten und kann demnach erfahrungsbezogen, dass heißt durch gemachte Erfahrungen mehr Kenntnis für die Zukunft zu erlangen oder dialogisch, z.B. durch gemeinsames Lernen, sein (ebd.). Weiterhin existiert das sinnvolle Lernen, wodurch vom Lernenden erwartet wird die Informationen zu verstehen und nicht nur auswendig wiedergeben zu können (ebd.). Die vierte Form ist das ganzheitliche Lernen, wobei Lernen unter Einbeziehung möglichst vieler Sinneskanäle von statten gehen (ebd.).

Menschen werden tagtäglich mit Lernen konfrontiert, vor allem aber Kinder und Jugendliche während ihrer schulischen Ausbildung. Dabei tritt nicht selten das Phänomen Lernstörungen auf. Gekennzeichnet ist diese durch Defizite in den Lernvoraussetzungen und Vorkenntnissen, mangelnde Lernaktivität, sowie problematische Umweltbedingungen in Schule und Elternhaus. Der Lernende ist demzufolge an der Aufnahme von Wissen, Können und Fähigkeiten gestört. (Lauth & Mackowiak, in: Zeitschrift für klinische Kinderpsychologie, 2006)

3.2 Legasthenie und LRS

Nach der Weltgesundheitsorganisation (2005) ist eine umschriebene Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie) vorhanden, wenn Schwachstellen in Wahrnehmung, Motorik oder sensorische Integration, die wegen Anlagebedingungen oder äußerlicher schädigender Einwirkungen, Auswirkungen auf entstandene Entwicklungsstörungen haben und so förderlich für Legasthenie sind. Keinen direkten Einfluss auf diese Störung haben: Beeinträchtigungen der Entwicklung, unterdurchschnittliche Intelligenz, mangelnde Unterrichtsvermittlung und psychische oder körperliche (Hirnschäden) Erkrankungen (Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie, 2007a,b). Die Weltgesundheitsorganisation zählt Legasthenie zu den Erkrankungen und führt sie im `Internationalen Klassifikationsschema der Krankheiten´ (ICD 10) im Bereich der psychischen Störungen auf (ebd.). Legasthenie bleibt auch bis ins Erwachsenenalter bestehen (ebd.).

Kontroverse gibt es jedoch, ob die Intelligenz eines Kindes bei der Diagnose berücksichtigt werden sollte oder nur die Kinder als betroffen gelten sollten, deren Intelligenz deutlich über ihrem Lese-/Rechtschreibniveau basiert. Experten, die letzteres Konzept befürworten reden meist von Legasthenie. Personen, die die Intelligenz nicht berücksichtigen, von LRS. Unterscheidungen gibt es außerdem darin, dass Legasthenie sich auf aktuelle Probleme im Lernprozess konzentriert, wobei LRS das Problem stärker als Eigenschaft des Kindes konstruiert. (Scheerer- Neumann, 2015, S.18f.)

Zusammengefasst ist die Legasthenie eine genbedingte Lernstörung im Schreiben wie Lesen und LRS eine vorrübergehende Schwäche (Sprachstörung) in diesen Fähigkeiten, begründet auf Unterrichtsversäumnis oder falscher Lehr-/Lernmethoden, welche im Folgenden noch näher betrachtet werden.

3.3 Ursachen

Wie in der Begriffserklärung schon erwähnt, weißen Legasthenie und LRS zwar ähnliche Symptome auf, begründen sich jedoch in unterschiedlichen Ursachen. Für Legasthenie werden Wahrnehmungsstörungen angenommen, wobei LRS auch ohne diese Störungen auftreten kann, da beispielsweise Unterricht versäumt wurde. Im Folgenden wird ein Umriss von möglichen Ursachen gegeben, wobei diese in komplexer Kombination vorliegen.

Angefangen mit den Faktoren für Legasthenie ist die genetische Ursache zu nennen. Hierbei ist es möglich, dass die Lese-Rechtschreibstörung auf Grund von einem betroffenen Elternteil vererbt wurde. Familienuntersuchungen in den USA, England und der BRD zeigten, dass Legasthenie familiär gehäuft auftritt. Diese Untersuchung wurde durch weitere Forschungen an eineiigen und zweieiigen Zwillingen gestützt, um den genetischen Einfluss zu begründen. Das Ergebnis: 60% bei Rechtschreibstörungen und 50% bei Lesestörungen. (Schulte-Körne, 2001, S. 985-997)

Der neurobiologische Faktor geht nach aktuellen Forschungen davon aus, dass die Fähigkeit im Gehirn, visuelle und auditive Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten, bei der Sprachstörung beeinträchtigt ist. Somit könnte erklärt werden, dass das schnelle aufeinanderfolgende Erkennen von Wörtern und Buchstaben (visuell) eine Schwierigkeit für Betroffene darstellt. Ebenso ist die Annahme groß, dass eine unzureichende auditive Wahrnehmung Probleme bei der Verarbeitung von Sprachlauten und der sprachlichen Reizaufnahmen verursacht. (Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, 2016)

Weiterhin wird das mangelnde phonologische Bewusstsein als mögliche Ursache in Betracht gezogen, welches eine „Fähigkeit ist, die Struktur der Lautsprache zu erkennen und mit Sprachelementen zu operieren“ (Stangl, W., 2017). Dieses Bewusstsein ist nicht angeboren und sollte früh erlernt werden, da es hilft Silben zu unterscheiden, um später lesen und schreiben zu können (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche. Gestaltungsmöglichkeiten für Deutschlehrer
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V386127
ISBN (eBook)
9783668928350
ISBN (Buch)
9783668928367
Sprache
Deutsch
Schlagworte
LRS, Lesen, Rechtschreibung, Lehrer, Schule, Schwäche, Legasthenie, Lernstörung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche. Gestaltungsmöglichkeiten für Deutschlehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386127

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