"Tatort“ in der öffentlichen Medien- und Kommunikationskultur. Public Viewing und Social TV. Rezeptionsformen einer deutschen Krimiserie


Bachelorarbeit, 2016
75 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Kontext der Untersuchung
1.1 Der „Tatort“
1.2 Rezeptionsformen
1.2.1 Public Viewing
1.2.2 Social TV
1.3 Forschungsstand

2 Methode
2.1 Datenerhebung Public Viewing
2.1.1 Teilnehmende Beobachtung
2.1.2 Der qualitative Fragebogen
2.1.3 Auswertungsmethode
2.2 Methode Social TV

3 Darstellung der Ergebnisse
3.1 Ergebnisse der Untersuchung zum Public Viewing
3.1.1 Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtungen
3.1.2 Ergebnisse des qualitativen Fragebogens
3.2 Ergebnisse der Untersuchung zum Social TV

4 Interpretation der Ergebnisse
4.1 Interpretation der Ergebnisse zum Public Viewing
4.2 Interpretation der Ergebnisse zum Social TV
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang.

Einleitung

Für viele Fernsehzuschauer in Deutschland gilt der „Tatort“ am Sonntagabend in der ARD als Pflichttermin. Feuß (2011) schreibt hierzu: „[Es gilt] als Pflicht und Kür zu­gleich, [,..]jeden Schritt der Charaktere undjede Wendung der Geschichte zu kom­mentieren“ (Feuß 2011: 52). Es ist für manche schon fast ein Ritual geworden, sich am Montagmorgen am Arbeitsplatz mit der Frage: „Wie fandet ihr den 'Tatort'?“ zu begrüßen.

Die Bedeutung dieser Krimiserie wird auch in der Vielzahl der Veröffentlichungen, die sich mit dem Phänomen „Tatort“ beschäftigen, deutlich. Den größten Anteil in der Literatur haben dabei Untersuchungen, die den Inhalt und Aufbau analysieren (vgl. Hißnauer/Scherer/Stockinger 2014: 7ff). Nur eine geringe Zahl behandelt die Rezeptionsformen dieser Krimiserie.

In dieser Arbeit sollen nun zwei moderne Rezeptionsformen im Mittelpunkt stehen: Public Viewing und Social TV. Die Rezeption vom „Tatort“ findet nicht mehr zwangsläufig in der eigenen Wohnung statt, sondern es wird sich vermehrt an öffent­lichen Orten, beispielsweise in Kneipen, getroffen, um den „Tatort“ gemeinsam zu schauen. Zudem erfolgt auch durch die neuen Technologien und Medien ein Wandel der Rezeption und des femsehbegleitenden Sprechens. Insbesondere bei alleiniger Rezeption, erfolgt dieses zunehmend über das Internet und die Soziale Netzwerke, besonders Twitter ist hier Mittelpunkt der Kommunikation, (vgl. Schoft 2015: 109)

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt zum einen in der Untersuchung, wodurch die Teilnahme am Public Viewing vom „Tatort“ motiviert ist und zum anderen darin, die Kommunikation mittels Twitter während der Tatortrezeption inhaltlich zu analy­sieren. Ziel ist es, die beiden ausgewählten Rezeptionsformen und ihre Faszination zu entschlüsseln.

Im Folgenden soll zunächst der Kontext der Untersuchung beschrieben werden. Hier­bei geht es anfänglich um die theoretischen Grundlagen der Krimiserie und die bei­den Rezeptionsformen, Public Viewing und Social TV. Es werden hier die elementa­ren Aspekte dargestellt und einige Arbeitsdefintionen entwickelt. Im Anschluss dar­an soll derjetzige Forschungsstand kurz vorgestellt werden. Nach dem theoretischen

Teil folgt der methodische Teil unter Punkt 2. Darin werden sowohl Erhebungs- als auch Forschungsdesign vorgestellt sowie das genaue Vorgehen der Datenerhebung erklärt. Den dritten Teil der Arbeit bilden Darstellung und Interpretation der durch die Untersuchungen gewonnenen Ergebnisse.

In einem Fazit werden die Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst und reflek­tiert. Zudem wird ein kurzer Ausblick zur möglichen Weiterführung dieser Untersu­chung gegeben.

1 Kontext der Untersuchung

In dieser Arbeit sollen zunächst die theoretischen Grundlagen dieser Untersuchung und ihr Kontext beschrieben werden. Hierbei geht es als erstes um eine kurze Dar­stellung der Krimiserie „Tatort“, bevor anschließend der theoretische Rahmen der zu untersuchenden Rezeptionsformen behandelt wird. Zum Schluss wird der For­schungsstand zum Thema kurz dargestellt.

1.1 Der „Tatort“

Seit dem Jahr 1970 wird die Femsehfilmanthologie „Tatort“ von der ARD produziert und ausgestrahlt. Unter Anthologie versteht man eine Fernsehsendung, die „keine Kontinuität von Thema, Personal und Handlungsort“ (Mously 2007: 62) aufweist. Die regionalen Sendeanstalten der ARD in Deutschland sowie das ORF und SF DRS produzieren und strahlen abwechselnd in regelmäßigen Abständen eine „Tatort“-Fol- ge aus. Die einzelnen Sendeanstalten produzieren ihre eigenen Reihen in einer oder mehreren Städten und Regionen, so wie beispielsweise der NDR in Hamburg, Han­nover und Kiel. (vgl. ebd.: 61) Dabei werden unterschiedliche Autoren und Regis­seure eingesetzt, wobei die Kommissare, bis zu ihrer eventuellen Absetzung, in ihrer Stadt bzw. Region die gleichen bleiben (vgl. Vogt 2005: llOff). Die Einheit der Serie bzw. der Zusammenhang aller „Tatort“-Folgen wird also lediglich durch den Titel, den über Jahrzehnte unveränderten Vor- und Abspann sowie den traditionellen Sen­deplatz am Sonntagabend gestiftet (vgl. ebd.: 111).

Ursprünglich war der „Tatort“ auf einen Sendezeitraum von zwei Jahren begrenzt und sollte hauptsächlich eine Konkurrenz zur ZDF-Serie „Der Kommissar“ darstel­len. Inzwischen zählt der „Tatort“, auch aufgrund seines langen Bestehens, zu den er­folgreichsten deutschen Sendeformaten, (vgl. Karczmarzyk 2010: 11)

Jede Folge dieser Krimi-Reihe hat eine Länge von 90 Minuten und stellt traditionell eine in sich abgeschlossene Handlung da. Durchschnittlich wird der „Tatort“ dreimal monatlich, hier meistens am Sonntagabend um 20:15 Uhr, in der ARD ausgestrahlt. Hinzukommen diverse Wiederholungen älterer „Tatort“-Folgen auf den Dritten Pro­grammen. (vgl. Mously 2007: 61)

Die Beliebtheit der Krimireihe spiegelt sich in der großen Zuschauerzahl und ihrem hohen Marktanteil wieder: Im Sendejahr 2015 wurden insgesamt 39 Krimifolgen ausgestrahlt, die von durchschnittlich 9,61 Millionen Zuschauern verfolgt wurden und der „Tatort“ zählt damit zu den meistgesehenen Krimis im deutschen Fernsehen (vgl. Tatort-Fundus, Focus Online).

Grundsätzlich werden bei der Krimiserie und dementsprechend auch beim „Tatort“ Unterhaltung und Emotionen in Form von Spannung, Angst, Wut und Trauer einge­setzt, um den Zuschauer an die Sendung und an die Geschichte zu binden (vgl. Mi­kos 2002: 18ff). Im Fall der „Tatort“-Anthologie kommen neben der Unterhaltung und Emotions-, noch die Identifikations- und Gemeinschaftserzeugung hinzu. Diese wird durch die bereits erwähnte regionale Produktion und die Verbundenheit der Darsteller mit der Region erzeugt, indem sich die Kommissareje nach Drehort durch Dialekte oder regionale Klischees unterscheiden. Diese regionale Identifikation wird durch die Programmdirektion bewusst erzeugt, um die Integration und Identifikation des Rezipienten zu fördern, (vgl. Mously 2007: 64)

1.2 Rezeptionsformen

Im Folgenden werden die beiden Rezeptionsformen der „Tatort“-Reihe, deren Unter­suchung die Grundlage der vorliegenden Arbeit bildet, kurz dargestellt und definiert. Hierbei geht es zunächst um die Form des Public Viewings und anschließend um die des Social TVs.

1.2.1 Public Viewing

In diesem Punkt soll zunächst der Begriff „Public Viewing“ kurz beleuchtet werden, bevor anschließend näher auf das Public Viewing der „Tatort“-Reihe, das sogenannte „Tatort“ Viewing eingegangen wird.

Zur Definition des Begriffes „Public Viewing“ wird die Dissertation „Emotionen und Erlebnisse beim Public Viewing“ der Soziologin Britta Ufer (2010) herangezogen. Public Viewing heißt aus dem Englischen übersetzt öffentliches (engl.: public) an­oder zusehen (engl.: viewing) und wurde ursprünglich zur Fußballweltmeisterschaft 2006 eingeführt (vgl. Ufer 2010: 24f). Aber nicht nur für Fußballevents greift der Be­griff des Public Viewing. So zieht Ufer den Eintrag von Meyers Lexikonverlag (2007) zum Public Viewing heran, der dieses als „öffentliche Liveübertragung von publikumswirksamen Großereignissen“ definiert (Ufer 2010: 25). Die Definition wird also auf weitere Bereiche als die des Sports ausgeweitet und bezeichnet generell die öffentliche Übertragung eines Events.

Ein solches Event bildet seit einigen Jahren auch der „Tatort“ und wird neben der Ausstrahlung im privaten Bereich auch im öffentlichen Raum gezeigt. Das Public Viewing dieser Femsehanthologie, das sogenannte „Tatort“ Viewing hat sich vor al­lem in deutschen Großstädten etabliert. Die ARD stellt im Internet (http://www4.da- serste.de/publicviewing/) eine Liste mit deutschlandweiten und sogar einigen europa­weiten Lokalitäten zur Verfügung, die das „Tatort“ Viewing anbieten. Ingesamt wer­den dort ca. 300 Orte aufgelistet. Allein in Berlin gibt es 56 Lokalitäten, die den „Tatort“ am Sonntag zeigen. In Hamburg sind es 15, in Köln 12 und in München elf. (vgl. ebd.)

Ein genaues Datum des ersten öffentlichen „Tatort“ Viewing lässt sich aufgrund feh­lender Publikationen nur schwer feststellen. Hinweise lassen sich in einem Artikel des Berliner Tagesspiegels von 2009 finden, nach dem das erste „Tatort“ Viewing 2004 in Hamburg stattgefunden haben soll (vgl. Berliner Tagesspiegel 2009). Für dieses Datum gibt es zwar keine wissenschaftlichen Belege, allerdings lässt sich das erste „Tatort“ Viewing grob in diesen Zeitraum verorten.

1.2.2 Social TV

Social TV ist ein bis jetzt noch nicht wissenschaftlich gesicherter Begriff. Jedoch ha­ben die in der Fachliteratur kursierenden Definitionen gemeinsam, dass die digitale Kommunikation über Inhalte von Bewegtbildem im Fokus steht (vgl. Heß/Hauptmei­er 2008: 129; Dinter/Pagel 2014: 3). Auch wenn sich die Definitionen in einigen an­deren Aspekten unterscheiden, bildet diese Gemeinsamkeit das Grundgerüst für die Arbeitsdefinition dieser Untersuchung.

Eine wichtige Dimension des Social TV ist folglich die klare Abgrenzung zur direk­ten, persönlichen Face-to-Face-Kommunikation während des Fernsehens. Die Beson­derheit des Social TV entsteht dadurch, dass das femsehbegleitende persönliche Ge­spräch nun über die Grenzen von persönlichen Bekanntschaften, Familie, Freunden, etc., hinaus und unabhängig von den räumlichen Rahmenbedingungen, also dem ge­meinsamen Femsehkonsum im selben Raum, mit Hilfe digitaler Medien möglich wird. (vgl. Buschow/Schneider2015: 12)

Die zweite Dimension, die Social TV entscheidend charakterisiert, ist die der be­wegtbildbezogenen Kommunikation. Hiermit wird Social TV zur generellen paralle­len Nutzung von Zweitgeräten abgegrenzt. Diese kann parallel zur Femsehnutzung erfolgen, steht aber nicht im Zusammenhang mit dem Fernsehprogramm, zum Bei­spiel Online-Banking oder Online-Shopping. Im Gegensatz hierzu umfasst Social TV die bewegtbildbezogene Kommunikation über dieselbe Fernsehsendung, (vgl. ebd.)

Neben diesen beiden grundlegenden Dimensionen, müssen laut Buschow/Schneider auch fünf weitere Aspekte beachtet werden, um eine abgrenzende Begriffsdefinition für den weiteren Verlauf der Arbeit und der Forschung zu benennen.

1. Zeitpunkt: Hierbei wird die Frage behandelt, ob unter Social TV nur die par­allele Kommunikation oder auch die Vorab- und Anschlusskommunikation gefasst wird. Auch wenn die Vorab- und Anschlusskommunikation einige in­teressante Untersuchungsperspektiven bieten, soll in dieser Arbeit die eng ge­fasste Definition von Social TV greifen und die Parellelkommunikation eine wichtige Dimension bilden.
2. Verbreitungsweg: Hierbei geht es um die Frage, ob nur das klassische Fernse­hen über ein Fernsehgerät oder auch nicht-lineare Angebote wie Videoporta­le, Mediatheken oder Streaming Dienste als Quelle der kommunikationsstif­tenden Inhalte Berücksichtigung finden. Mit der Entwicklung eben dieser nicht-linearen Angebote verliert der TV-Begriff zunehmend an Schärfe. Fern­sehsendungen, über die sich die Zuschauer austauschen, erreichen diese heut­zutage auf vielfältige Verbreitungswege (vgl. Godefroid 2015: 254ff). In die­ser Arbeit sollen diese nicht-linearen Quellen mit in die Definition von Social TV einbezogen werden. Gerade beim Tatort gibt es zusätzlich zum klassi­schen Fernsehgerät noch den von der ARD angebotenen Verbreitungsweg des Video-on-Demand-Services sowie den der Mediathek.
3. Grad der Öffentlichkeit: Hierbei wird der Frage nachgegangen, ob nur der Kommunikation Betrachtung geschenkt wird, die öffentlich abläuft oder auch solcher, die teilöffentlich bzw. ausschließlich in geschlossenen Benutzergrup­pen geschieht. Aufgrund der Zugangshürden zum privaten Umfeld, sind diese teilöffentlichen oder privaten Kommunikationen schwer zu erfassen. In dieser Arbeit soll sich auf das Soziale Netzwerk Twitter als Datenquelle beschränkt werden. Folglich wird nur die öffentliche Kommunikation als Dimension für die Definition von Social TV benannt.
4. Teilnehmende: Hierbei wird die Frage behandelt, ob Social TV nur die Kom­munikation zwischen Privatpersonen oder auch auch die zwischen ihnen und Sendungs- und Sendervertreter umfasst. Da es in dieser Arbeit um die Unter­suchung der Rezeptionsformen gehen soll, werden hier nur die Zuschauer als Privatpersonen berücksichtigt.
5. Tätigkeiten: Hierbei geht es um die Fragen, ob nur der kommunikative Aus­tausch über eine Sendung unter dem Begriff Social TV fällt oder ob dieser auch weitere Online-Tätigkeiten einschließt. Die große Frage hierbei: Findet Social TV nur statt, wennjemand zu der Sendung schreibt oder genügt es, zu lesen, was die anderen schreiben? Stipp unterscheidet hierfür beispielsweise zwischen aktiven (schreibenden) und passiven (lesenden) Nutzem und kann so beide in seine Analyse einbeziehen (vgl. Stipp 2015: 205). In dieser Arbeit soll es jedoch primär um die aktiven Nutzer und ihre Kommentare als Daten­quelle gehen. Hier greift erneut die enge Definition von Social TV, in der nur die Erstellung von sendungsbezogenen Kommentaren berücksichtigt wird.

Aus oben genannten Dimensionen ergibt sich für die vorliegende Arbeit folgende Definition:

Social TV ist die Nutzung eines öffentlichen Social Media-Kanals parallel zur Sendezeit, um mit einem oder mehreren Rezipienten über dieselbe Fern­sehsendung. die über lineare und nicht-lineare Quellen konsumiert werden kann, zu kommunizieren.

Diese Definition deckt alle relevanten Aspekte und Begrifflichkeiten im Zusammen­hang mit Social TV ab und ist die Grundlage der Arbeit.

1.3 Forschungsstand

Zum „Tatort“ gibt es diverse wissenschaftliche Veröffentlichungen, allerdings be­schäftigen sich diese nur bedingt mit den Rezeptionsformen der Krimiserie.

Den „Tatort“ in seiner Gesamtheit in den Blick nimmt beispielsweise Dennis Graf (2010) in seiner Arbeit „Tatort- ein populäres Medium als kultureller Speicher“, in der er den „Tatort“ in seiner Entwicklung und hinsichtlich von historischen Mentali­täten untersucht (Gräf 2010: 11-28). Auch Christian Hissnauer, Stefan Scherer und Claudia Stockinger geben in dem von ihnen herausgegebenem Sammelband „Zwi­schen Serie und Werk: Femseh- und Gesellschaftsgeschichte im 'Tatort'“ von 2014 einen interdisziplinären Überblick über den „Tatort“ und bündeln hierbei femsehwis- senschaftliche, literaturwissenschaftliche sowie sozialwissenschaftliche Beobachtun­gen (vgl. Hissnauer/Scherer/Stockinger2014: 5ff).

Björn Otte (2013) beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Milieus im „Tatort“ und Nicole Karczmarzyk (2010) stellt sich in ihrer Arbeit „Der Fall Tatort- Die Ent­schlüsselung eines Kultkrimis“ der Herausforderung, den „Tatort“ strukturell zu er­gründen und zu erklären.

Hinsichtlich der hier zur Untersuchung stehenden Rezeptionsformen, bietet Ame Freya Zillichs Arbeit (2013) eine Basis. Sie analysiert in ihrer Veröffentlichung „Fernsehen als Event- Unterhaltungserleben bei der Femsehrezeption in der Gruppe“ die „Tatort“-Rezeption in der Gruppe. Sie vergleicht hierfür die alleinige Rezeption der „Tatort“-Reihe mit der in der Gruppe. Hierbei untersucht sie sowohl Gruppen beim „Tatort“ Viewing als auch die Gruppenrezeption im häuslichen Umfeld.

Auch Sören Berkowicz (2012) untersucht in seiner Abschlussarbeit das „Tatort“

Schauen im öffentlichen Raum. Er vergleicht hierbei die Zuschauer des „Tatort“ Viewings mit denen des Public Viewings von Sportevents und versucht sich ferner an einer Erklärung, weshalb die Menschen vermehrt an solchen Veranstaltungen teil­nehmen.

Mit dem Phänomen des Social TV speziell beim „Tatort“ beschäftigt sich Anika Schoft (2015) in ihrer Arbeit „Über die Faszination am Tatort-Twittem. Eine qualita­tive Analyse zur Gemeinschaftsrezeption beim Tatort“. Ihr Augenmerk liegt darin, die Motive der „Tatort“-Twitterer zu beschreiben (Schoft 2015: 110f). Hierfür hat sie einige regelmäßig twittemde Tatortrezipienten interviewt und zudem anschließend eine Gruppendiskussion durchgeführt. Sie stellt fest, dass die „Tatort“-Twitterer in verschiedenen Konstellationen eine öffentliche Diskussion über den „Tatort“ führen. Dadurch entstünden virtuelle Gemeinschaften zu dieser Sendung. Auch wenn die Re­zeption räumlich getrennt stattfindet, wird das fernsehbegleitende Sprechen als Ge­meinschaftserlebniswahrgenommen. (vgl. ebd.: 118)

Besonders bei den Veröffentlichungen zum Social TV beim „Tatort“ fällt auf, dass dieser relativ neue Aspekt zum jetzigen Zeitpunkt nur rudimentär behandelt wurde. Im Gegensatz zu Schofts Analyse soll es in dieser Arbeit nicht um die Motive der „Tatort“-Twitterer gehen, sondern um eine Analyse der Tweets und somit der Kom­munikation an sich.

Auch bei den Veröffentlichungen zum Thema „Tatort“ Viewing lassen sich noch ei­nige unbehandelte Aspekte finden. Durch die Kombination einer teilnehmenden Be­obachtung und einer Befragung, kann zugleich auf die Motive der Rezipienten sowie auf das beobachtete Setting und die Kommunikation eingegangen werden.

2 Methode

Für die Untersuchung der beiden ausgewählten Rezeptionsformen des „Tatort“ wur­den verschiedene Methoden verwendet, um möglichst differenzierte und aufschluss­reiche Ergebnisse zu bekommen. Für die Rezeptionsform des Social TVs wurde die qualitative Inhaltsanalyse eingesetzt. Für die Rezeptionsform des Public Viewings wurde sich für eine Triangulation der Methoden entschieden. Unter dem Begriff der „Triangulation“ versteht man Folgendes:

„Triangulation beinhaltet die Einnahme unterschiedlicher Perspektiven auf

einen untersuchten Gegenstand oder allgemeiner: bei der Beantwortung von Forschungsfragen. Diese Perspektiven können in unterschiedlichen Metho­den, die angewandt werden, [...] konkretisiert werden [...]. Gleichermaßen sollte durch die Triangulation [...] ein prinzipieller Erkenntniszuwachs mög­lich sein, dass also bspw. Erkenntnisse auf unterschiedlichen Ebenen gewon­nen werden, die damit weiter reichen, als es mit einem Zugang möglich wäre“ (Flick 2004: 12).

Da die Rezeptionsform möglichst vielfältig untersucht werden sollte, habe ich mich für einer Triangulation von Methoden entschieden. Die in dieser Arbeit verwendete Triangulationsform bezeichnet Flick als „between-method“ (ebd.: 15), was bedeutet, dass man verschiedene qualitative Methoden heranzieht, um somit bestmöglich auf seinen Forschungsgegenstand hinzuarbeiten. Ich habe mich für die Methoden der teilnehmenden Beobachtung und die des qualitativen Fragebogens entschieden.

Im Folgenden werden die für die Datenerhebung verwendeten Methoden erläutert.

2.1 Datenerhebung Public Viewing

2.1.1 Teilnehmende Beobachtung

Das „Tatort“ Viewing soll teilweise mit Hilfe der teilnehmenden Beobachtung unter­sucht werden.

Der ethnografische Ansatz versteht unter teilnehmender Beobachtung zunächst „alle Formen der Wahrnehmung unter Bedingung der Ko-Präsenz: also die Sinneswahr­nehmungen, die sich per Teilnahme erschließen.“ (Breidenstein et al. 2013: 71). Die Daten werden im Vergleich zum Interview zeitgleich mit dem sozialen Geschehen erhoben und aus seiner sozialen Verortung heraus produziert. Zudem ist es als wich­tig anzusehen, dass die Forscher bei der teilnehmenden Beobachtung nicht unbedingt sofort als Beobachter auszumachen sind, sondern sich viel mehr auf gleicher Ebene mit den anderen im Feld der Forschung aufhalten, (vgl. ebd.)

Zur Dokumentation der Beobachtungen wurde die klassische Art der Feldnotizen ge­wählt. Sie ist nach wie vor eine elementare Dokumentationstätigkeit in der Feldfor­schung. Auch wenn sie eventuell im Vergleich zu Ton- und Bildaufnahmen lücken­haft erscheinen mag, liegt ihr besonderer Vorteil in ihren leichteren Einsatzmöglich­keiten. Ton- und Bildaufnahmen können die natürliche Situation durchaus zerstören und den Beobachter klar und deutlich als Beobachter kenntlich machen und so unter Umständen die Situation verfälschen. Zudem bleibt Raum für die Beschreibungen von nonverbalen Ereignissen sowie von Beobachtungen im ganzen Raum. So ist die Dokumentationstätigkeit der Feldnotizen hinsichtlich des Beobachtungsfokus sehr flexibel und bietet so einen Vorteil gegenüber technischen Aufzeichnungsformen, (vgl. ebd.: 86ff)

Für die teilnehmende Beobachtung wurden zwei „Tatort“ Abende an zwei unter­schiedlichen Örtlichkeiten in Hamburg besucht, um ein möglichst differenziertes Bild zu erlangen und zudem eventuelle Ortsunterschiede festzustellen. Der erste Be­such fand in der „Pony Bar“ statt, bei dem auch die Fragebögen verteilt wurden. Auf­grund dessen war eine vollständige „unsichtbare“ teilnehmende Beobachtung nicht möglich, da den Teilnehmern bekannt war, dass ich als Forscher anwesend war. Beim zweiten Besuch des „Tatort“ Viewings im „Kulturhaus 73“ war eine vollkom­men teilnehmende Beobachtung möglich. Den Teilnehmern war nicht bekannt, dass ich als Forscher anwesend war und es wurde probiert, sich groß möglichst unter das Feld zu mischen. Hierbei handelt es sich um „den Partizipationsgrad des Beobachters an der sozialen Situation, die er beobachtet“ (Atteslander 2003: 102). Bei der vorge­stellten Datenerhebung war dieser Grad der Teilnahme relativ hoch. Deshalb wurde auch größtenteils darauf verzichtet, direkt vor Ort Notizen zu machen sondern diese wurde im Nachhinein aus dem Gedächtnis verfasst. Beobachtet wurde jeweils aus ei­ner der hinteren Reihen, um einen Überblick über die Situation und die Rahmenbe­dingungen zu erlangen.

2.1.2 Der qualitative Fragebogen

Der Fragebogen ist eine schriftliche, stark strukturierte Befragungsmethode. Im Ge­gensatz zum Interview fehlt hierbei die direkte Interaktion zwischen Befragtem und Forschendem. Die Fragen sind standardisiert und werden bei jedem Befragten in gleicher Form und in gleicher Reihenfolge gestellt. Im Gegensatz zu Interviews sind die Fragen des Fragebogens häufig auf Skalen zu beantworten. Ausnahme bildet hier allerdings die qualitative Sozialforschung und somit auch die Untersuchung dieser Arbeit, bei der ausschließlich offene Fragen verwendet werden, (vgl. Bortz/Döring 2006: 253ff.)

Bei der Konstruktion eines Fragebogens ist eine exakte und sorgfältige Vorgehens- weise besonders wichtig, da der Fragebogen die Spielräume des Interviewers und des Befragten stark einschränkt (vgl. Atteslander 2003: 147f.). Aufgabe des Fragebogens ist es, den Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge der Fragen festzulegen. Hierbei sollte besonderer Wert auf die Verständlichkeit und Eindeutigkeit der Frageformulie­rungen liegen, da diese in der Erhebungsphase nicht mehr verändert werden können, (vgl. ebd.: 144)

Um auch bei dem Untersuchungsinstrument des Fragebogens gewährleisten zu kön­nen, dass qualitativ geforscht wird, habe ich mich, wie bereits schon erwähnt, für of­fene Fragen ohne Antwortkategorien entschieden.

Durch das Einsetzen eines Fragebogens entsteht ein deutlicher Organisationsvorteil und aufwändige Terminabsprachen entfallen. Zudem sind die Befragten häufig eher bereit, einen Fragebogen auszufüllen als einem Interview zuzustimmen. Außerdem lässt sich mit Hilfe des qualitativen Fragebogens leichter eine höhere Anzahl von Re­zipienten befragen und es kann so ein noch besserer Überblick entstehen und gegebe­nenfalls eine größere Auswahl von Antwortkategorien entstehen.

Der verwendete Fragebogen umfasst 13 Fragen. Es handelt sich hierbei um themen­fokussierte offene Fragestellungen und die Befragten wurden aufgefordert, von ihren Erfahrungen beim „Tatort“ Viewing zu berichten. Dadurch wird Raum für Antwor­ten geschaffen, die möglicherweise eine individuelle Variationsbreite aufweisen kön­nen. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf die Frage nach dem Motiv für den Be­such des „Tatort“ Viewings gelegt. Allerdings sollten auch andere Aspekte nicht un­terschlagen werden. Am Anfang wurden statistische Angaben zu Alter, Geschlecht und Familienstand erfragt. Zudem wurden die Wohnsituation, der höchste Bildungs­abschluss sowie der Besitz eines Fernsehgeräts erfragt. Anschließend folgten sechs Fragen, die sich explizit mit dem „Tatort“ Viewing beschäftigen. Die letzte Frage­stellung beschäftigt sich dem Besuch von Public Viewings unabhängig vom „Tatort“. Die Befragten wurden direkt bei einem „Tatort“ Viewing in der „Pony Bar“ in Ham- burg generiert. Vor dem Beginn des Krimis, als nahezu alle Plätze besetzt waren, wurden die Teilnehmer mit der Bitte, den Fragebogen auszufüllen, angesprochen. Ih­nen wurde mitgeteilt, dass die Befragung im Rahmen einer Abschlussarbeit durchge­führt werde und zudem die anonyme und vertrauliche Behandlung der Daten zugesi­chert. Von den ca. 30 Teilnehmern füllte die Hälfte den Fragebogen aus und ließ ihn anschließend ausgefüllt an ihrem Platz zurück.

2.1.3 Auswertungsmethode

Teilnehmende Beobachtung:

Für die teilnehmende Beobachtung gibt es keine standardisierte Auswertungsverfah­ren. Die Auswertungsformen werden viel mehr in den konkreten Studien entwickelt (vgl. ebd.: 11). Allerdings werden in Breidenstein et al. Eckpunkte und Prinzipien vorgestellt, nach denen bei der Auswertung verfahren wurde.

Zur Auswertung wurden die einzelnen Protokolle zunächst von der handschriftlichen Form in eine digitale Form übertragen und anschließend ausgedruckt. Im Anschluss wurden die Protokolle und Notizen durchgegangen, sortiert sowie geordnet und so­mit codiert, um die Notizen thematisch ordnen zu können. Zur Hilfe wurden Katego­rien gebildet, unter denen die einzelnen Fragmente aus den Notizen geordnet und so aus ihrer chronologischen Reihenfolge herausgebrochen wurden, (vgl. Breidenstein et al.: 124ff)

Qualitativer Fragebogen:

Das Material aus den Fragebögen wurde anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet. Hierbei wird sprachliches Material, in diesem Fall die Antworten aus den Fragebögen, systematisch analysiert, indem dieses zum einen zer­gliedert und Schritt für Schritt bearbeitet wird und zum anderen, indem am Material Kategoriensysteme entwickelt werden (vgl. Mayring 2010: 12f).

In dieser Arbeit wurden diese Kategoriensysteme induktiv entwickelt. Das bedeutet, dass die Kategorien direkt aus dem Material herausgebildet werden und nicht bereits vorher feststehen (vgl. ebd: 49f.).

Zur Kategorienbildung gibt es laut Mayring drei verschiedene Analyseschritte: Zu­sammenfassung, Explikation und Strukturierung. Diese schließen sich nicht aus, son­dern können sich ergänzen. Die Zusammenfassung hat laut Mayring die Reduktion des Materials als Ziel, wobei die wesentlichen Inhalte des Materials erhalten bleiben. Bei der Explikation werden unverständliche Textstellen erklärt, wobei zusätzliches Material verwendet wird. Bei der Technik der Strukturierung sollen aus dem Materi­al bestimmte Aspekte oder eine bestimmte Struktur herausgefiltert werden, (vgl. ebd.: 65)

Bei der Auswertung der Fragebögen wurde das Material zunächst zusammengefasst und abstrahiert, um so induktiv die Kategorien bilden zu können. Dieser Schritt lässt sich in der Beschreibung und Darstellung der einzelnen Rezipienten in Punkt 3.1.2 wiederfinden. Auf die Erklärung einzelner Textstellen mit weiterem Material konnte bei den Fragebögen verzichtet werden, da die Antworten aus den Fragebögen keinen weiteren Erklärungen bedurften. Als letzter Schritt fand die Strukturierung statt. Die Fragebögen wurden demnach im Bezug auf die im ersten Schritt entstandenen Kate­gorien strukturiert. Ähnliche Paraphrasen, die bei der Zusammenfassung entstanden sind, wurden gebündelt und den Kategorien zugeordnet. Diejenige Textstelle, die die Bedeutung der Kategorie am besten wiedergab, wurde als Ankerbeispiel gewählt, um so den Zusammenhang zwischen Text und Kategorie nicht zu vernachlässigen. Eini­ge Kategorien sind bereits im Vorfeld durch die einzelnen Fragen des Fragebogens gebildet worden. Die restlichen Kategorien wurden induktiv mit Hilfe der Antworten aus den Fragebögen gebildet. Das Kategoriensystem in Form von Tabellen wurde der Arbeit angehängt. Die Kategorien wurden zur Interpretation der Ergebnisse in 4.1 ge­nutzt.

2.2 Methode Social TV

Auch bei der Untersuchung der Rezeptionsform des Social TV wurde die bereits dar­gestellte qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt.

Zuvor musste jedoch die Kommunikationsplattform ausgewählt werden, aus der die Statusmeldungen extrahiert und analysiert werden sollen. Die Auswahl des Sozialen Netzwerkes sollte zum Ziel haben, eine möglichst hohe Anzahl und Vielfalt an ana­lysierbaren Kommentaren erreichen. Hierbei war auch der Grad der Barrierefreiheit des Zugangs zu Sozialen Netzwerken ein Kriterium für die Auswahl. Twitter gilt grundsätzlich als barrierearm. Zudem ist Twitter im Vergleich beispielsweise zu Fa- cebook auf die Social TV relevante Parallelkommunikation während der Fernsehsen­dung spezialisiert:

„Insgesamt wird im Jahresverlauf 2012 deutlich, dass die Social TV-Apps und Twitter [...] stärker in der Parallelnutzung sind, also zeitgleich zur lau­fenden Sendung eingesetzt werden. Facebook hingegen wird eher vom Sen­dezeitpunkt unabhängig genutzt.“ (Penzel 2013).

Aus diesen Gründen wurde Twitter als Kommunikationsplattform zur Extraktion der Statusmeldungen, sogenannter Tweets, ausgewählt.

Als Analyseeinheit wurde jeder einzelne Tweet festgelegt, der unter dem offiziellen Hashtag #tatort während der Sendezeit der „Tatort“-Folge am Sonntag zwischen 20.15Uhr und 21:45Uhr verfasst wurde, gewählt. Da es sich um eine qualitative In­haltsanalyse handelt, geht es nicht darum, Ergebnisse zu finden, die im statistischen Sinne repräsentativ für die Grundgesamtheit sind. Vielmehr sollen explorativ bei­spielhaft einige Tweets und ihre Inhalte analysiert werden. Es handelt sich hierbei le­diglich um eine Stichprobe, da eine Vollerhebung aus forschungsökomischen Grün­den nicht sinnvoll erscheint.

Anschließend wurde im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse wie bei der Auswer­tung der Fragebögen verfahren.

3 Darstellung der Ergebnisse

3.1 Ergebnisse der Untersuchung zum Public Viewing

Im Folgenden sollen die Ergebnisse der Untersuchung zum Public Viewing vorge­stellt werden. Hierbei werden zunächst die Ergebnisse der teilnehmenden Beobach­tungen und anschließend die der Datenerhebung mit Hilfe des qualitativen Fragebo­gens dargestellt.

3.1.1 Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtungen

Es soll hier zunächst eine Zusammenfassung des Materials der beiden Beobachtun­gen erfolgen.

Der grundsätzliche Ablauf eines „Tatort“ Viewing Abends unterschied sich in den besuchten Lokalitäten kaum. Die benutzte Technik, ein Beamer und eine Leinwand, war dabei in den Lokalitäten gleich. Bei der ersten Beobachtung in der „Pony Bar“ wurde der „Tatort“ in einem Hinterzimmer mit ungefähr 30 Plätzen mit gemütlichen Stühlen gezeigt, welche in Reihen ähnlich wie im Kino angeordnet waren. Der Raum war ab ca. 20 Uhr komplett gefüllt und die „Tagesschau“ wurde gezeigt. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde kaum gesprochen. Getränke wurden zuvor an der Bar ge­holt, damit während der Filmvorführung keine Störungen durch das Verlassen des Raumes entstehen konnten.

Pünktlich zum Start der „Tatort“-Folge gab es plötzlich technische Probleme. Zu­nächst funktionierte das Bild nicht. Nachdem der Kellner dies reparieren konnte, gab es Probleme beim Ton, die sich nicht umgehend beheben ließen. Die Zuschauer wa­ren bemüht, dem „Tatort“ auch ohne Ton zu folgen. Nach einer Weile wurde die Technik repariert und die Rezeption des Krimis konnte fortgesetzt werden. Ab die­sem Zeitpunkt wurden die Gespräche komplett eingestellt und der Fokus lag auf dem Femsehinhalt. Mit dem Abspann verließen die ersten Besucher die Location und auch die anderen Teilnehmer folgten ihrem Beispiel, nachdem der Abspann beendet war.

Bei der zweiten teilnehmenden Beobachtung im „Kulturhaus 73“ gab es einige Un­terschiede. Zunächst wurde der „Tatort“ in zwei Räumlichkeiten auf einer Leinwand gezeigt. Die erste Leinwand befand sich in einer Art Vorraum, die zweite in einem abgeschlossenen Raum mit Tür. Auch hier waren die Stühle in mehreren Reihen an­geordnet und es waren auch hier ca. 30 Plätze auf eben diesen Stühlen sowie noch ei­nige weitere auf gemütlichen Bänken dahinter gegeben. 20 Zuschauer waren anwe­send, von denen sich die meisten vor dem Beginn der „Tatort“-Folge im Raum ein­gefunden hatten. Einige Nachzügler betraten den den Raum erst fünf Minuten nach Beginn der Ausstrahlung und ernteten dafür missbilligende Blicke der Anwesenden. Auch hier war zuvor die „Tagesschau“ gezeigt worden.

Bei den Besuchen der beiden Lokalitäten wurde ein vergleichsweise junges Publi­kum wahrgenommen. Das Alter der Besucher lag schätzungsweise zwischen 18 und 40 Jahren. Die Geschlechterverteilung hielt sich die Waage.

Mit dem Beginn des Vorspanns wurden die Gespräche eingestellt, auch während der kompletten Sendung wurde kaum miteinander geredet. Höchstens mit dem Sitznach- bam oder der -nachbarin, mit denen die jeweiligen Personen auch das „Tatort“ View­ing besucht hatten, wurde sich kurz und leise ausgetauscht. Nach dem Ende des „Ta­torts“ leerte sich der Raum deutlich und schnell. Auch hier gab es nur verhältnismä­ßig wenig und kurzen Austausch zwischen den Kleingruppen, die zusammen zum „Tatort“ Viewing gekommen waren.

Bei beiden Besuchen war es auffällig, dass die meisten Besucher in Kleingruppen von mindestens zwei Personen den „Tatort“ Abend besuchten. Der Anteil an Perso­nen, die den Abend ohne Begleitung besuchten, war mit zwei bzw. drei Personen sehr gering. Bis auf eine Ausnahme in der „Pony Bar“, wo eine Kontaktaufnahme zu anderen Besuchern erfolgte, haben sich diese nicht in die Kleingruppen integriert.

3.1.2 Ergebnisse des qualitativen Fragebogens

Im Folgenden sollen die Ergebnisse des qualitativen Fragebogens vorgestellt werden. Die Fragebögen wurden zunächst digitalisiert und sind der Arbeit angehängt. Da es sich mit 15 Fragebögen um eine vergleichsweise geringe Anzahl von Fragebögen handelt, solljeder einzelne Fragebogen für sich kurz dargestellt werden, um so beim späteren Schritt der Interpretation besser auf individuelle Unterschiede eingehen zu können. Dafür wurden die Antworten der Teilnehmer paraphrasiert und zusammen­gefasst. Die Namen der Teilnehmer wurden geändert und sind somit fiktiv.

1. TeilnehmerinLaura:

Laura ist 21 Jahre alt, weiblich und ledig. Sie wohnt teilweise bei ihren Eltern und teilweise in ihrer Zweitwohnung. Ihr höchster Bildungsabschluss ist das Abitur und sie besitzt ein Fernsehgerät. Sie besucht den „Tatort“ Abend in Begleitung einer wei­teren Person ein oder zwei Mal im Monat. Als Gründe nennt sie die Gesellschaft und dass niemand geme alleine ist. Andere Public Viewings, beispielsweise bei Sporte­vents, besucht sie nicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
"Tatort“ in der öffentlichen Medien- und Kommunikationskultur. Public Viewing und Social TV. Rezeptionsformen einer deutschen Krimiserie
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
75
Katalognummer
V386530
ISBN (eBook)
9783668606074
ISBN (Buch)
9783668606081
Dateigröße
2435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tatort, medien-, kommunikationskultur, public, viewing, social, rezeptionsformen, krimiserie
Arbeit zitieren
Wenka Kasper (Autor), 2016, "Tatort“ in der öffentlichen Medien- und Kommunikationskultur. Public Viewing und Social TV. Rezeptionsformen einer deutschen Krimiserie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386530

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