In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, wie sich das Körperbewusstsein in Deutschland im 19. Jahrhundert aufgekommen ist und sich bis zum Schulfach Turnen (Körpererziehung, später Sport) durchgesetzt hat. Als Urheber der Körperkultur in Deutschland gelten Johann Christoph Friedrich GutsMuths und Friedrich Ludwig "Turnvater" Jahn. Das beide großen Einfluss auf die Entwicklung von Sport und somit auch auf die Körperkultur hatten ist unbestritten, dass jedoch zwei unterschiedliche Ansätze Grundlage der Ideen waren soll Teil dieser Ausarbeitung sein.
Jahn und GutsMuths sind die Ersten, die die systematische Leibesertüchtigung in die Erziehung der Jugendlichen implementierten. Beide vertraten die Meinung, dass die Bildung des Körpers mit einer multisportiven Ausbildung zu erfolgen habe. Ertüchtigungen wie Schwimmen oder Laufen, die bis dahin als verpönt galten, seien fortan zwingend notwendig, um das Körperideal zu erreichen. Die weitere Implementierung von Körpererziehung in den Lehrplänen durch Spiess u.a. und das Verständnis der Körpererziehung sollen mit einem Vergleich im Laufe der Arbeit betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
PHILANTROPEN, J.C.F. GUTSMUTHS, JAHN UND DIE ERSTEN SCHRITTE ZUM KÖRPERKULT
Leibesübungen in der Geschichte
Die Philanthropen und GutsMuths - erste Schritte zur körperlichen Erziehung als pädagogisches Mittel
Jahn: Körperlichkeit durch Turnen, durch Turnen zur Nationalerziehung
Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei GutsMuths und Jahn
KÖRPERBILDUNG IN DER SCHULE
Der preußische Schulturnerlass
Spieß und das Schulturnen
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Körperbewusstseins in Deutschland während des 19. Jahrhunderts und analysiert, wie sich daraus die institutionalisierte Form des Schulsports formte. Dabei stehen die pädagogischen Ansätze und unterschiedlichen Motivationen der Protagonisten GutsMuths, Jahn und Spieß im Mittelpunkt, um deren Einfluss auf die Etablierung von Leibesübungen als Erziehungsmittel aufzuzeigen.
- Historische Herleitung des Körperkults und der Leibesübungen
- Vergleich der pädagogischen Ansätze von GutsMuths und Jahn
- Die Rolle der Philanthropen bei der Etablierung körperlicher Erziehung
- Institutionelle Verankerung durch den preußischen Schulturnerlass
- Systematische Körperbildung nach Adolf Spieß
Auszug aus dem Buch
Die Philanthropen und GutsMuths - erste Schritte zur körperlichen Erziehung als pädagogisches Mittel
Jean Jacques Rousseau gilt als Vater oder Ahnherr der Sportpädagogik. Dieser veröffentlichte jedoch nicht wie GutsMuths oder Jahn später ein Programm oder eine Theorie zur Erziehung der Jugend unter besonderer Beachtung der Körperbildung, sondern schrieb in „Emile oder über die Erziehung“ vielmehr einen Roman in dem er viele grundlegend neue Gedanken darstellte. Ganz ähnlich wie einige Jahre früher John Locke in seinem Werk „Gedanken über die Erziehung“ (1693). Die Grundlage bzw. das Bewusstsein einer Körperlichkeit als Teil der allgemeinen Entwicklung war also gegeben. Diese Tatsache verhalf auch den Philanthropen zu Anerkennung und brachte die Unterstützung für Basedow. Dieser gründete das Philanthropinum in Dessau mit Hilfe des dortigen Fürsten Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und errichtete 1774 die erste Musterschule, die als „erste große Normalschule für die Menschheit“ gefeiert wurde. Die Bewegung der Philanthropen (=Menschenfreunde) nahm hier ihren Ursprung. Weitere Personen, die diesem Kreis zugezählt werden können, sind Heinrich Campe, Chr. H. Wolke und vor allem der Pastor Christian Gotthilf. Letzterer errichtete 1784 eine eigene Erziehungsanstalt in der insbesondere J. Ch. F. GutsMuths sich der körperlichen Ausbildung der Schüler annahm. Jener GutsMuths der mit seinem systematisch-erzieherischen Werk erstmals ein reines Körperbildungskonzept vorstellte „Gymnastik für die Jugend“ (1793). Dieses Buch wurde in erster und zweiter (1803) Auflage zu Bestsellern und beruhte auf seiner Erfahrung in der praktischen Anwendung dieser Übungen an dem Edukationsinstitut in Schnepfenthal.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Einleitung legt den Fokus auf die Entwicklung des Körperbewusstseins im 19. Jahrhundert und führt in die Arbeit von GutsMuths, Jahn und Spieß ein.
PHILANTROPEN, J.C.F. GUTSMUTHS, JAHN UND DIE ERSTEN SCHRITTE ZUM KÖRPERKULT: Dieses Kapitel behandelt die geschichtlichen Wurzeln von Leibesübungen sowie die pädagogischen Konzepte der Philanthropen und deren Weiterführung durch GutsMuths und Jahn.
KÖRPERBILDUNG IN DER SCHULE: Hier wird die institutionalisierte Form des Schulturnens durch preußische Erlasse und die methodische Arbeit von Adolf Spieß detailliert dargestellt.
FAZIT: Das Fazit fasst die zentrale Rolle der drei Pädagogen zusammen und reflektiert die Trennung von körperlicher Erziehung und sportlichem Leistungsgedanken im 19. Jahrhundert.
Schlüsselwörter
Körperbildung, Leibesübungen, GutsMuths, Turnvater Jahn, Adolf Spieß, Schulturnen, Philanthropen, Pädagogik, Körperbewusstsein, Nationalerziehung, Preußischer Schulturnerlass, Sportgeschichte, 19. Jahrhundert, Leib und Seele, Erziehungswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Genese des Körperbewusstseins in Deutschland im 19. Jahrhundert und wie daraus, initiiert durch einflussreiche Pädagogen, der Schulsport als fester Bestandteil des Erziehungssystems entstand.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den pädagogischen Theorien der Körperertüchtigung, der Rolle der Philanthropen, den unterschiedlichen Ansätzen von GutsMuths und Jahn sowie der staatlichen Legitimierung des Schulturnens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entwicklung der Körperbildung nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sich durch unterschiedliche pädagogische Motivationen die Grundlage für den heutigen Schulsport formte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Literaturstudie zeitgenössischer Werke und pädagogischer Schriften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der frühen Ansätze des Körperkults durch die Philanthropen und GutsMuths, die national motivierte Bewegung Jahns und die spätere systematische pädagogische Umsetzung durch Adolf Spieß in den Schulen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Körperbildung, Turnpädagogik, Philanthropismus, Schulturnen und die Namen GutsMuths, Jahn und Spieß charakterisiert.
Warum wird GutsMuths als Wegbereiter der Körperbildung angesehen?
GutsMuths gilt als Wegbereiter, da er durch sein Werk „Gymnastik für die Jugend“ erstmals ein systematisches, wissenschaftlich begründetes Körperbildungskonzept für die pädagogische Anwendung schuf.
Inwieweit unterschied sich der Ansatz von Jahn von dem der Philanthropen?
Während die Philanthropen und GutsMuths das Individuum und die ganzheitliche Bildung in den Vordergrund stellten, sah Jahn im Turnen primär ein Mittel zur Nationalerziehung und zur Stärkung des deutschen Volkes.
Welche Bedeutung hatte der Schulturnerlass von 1842?
Der Erlass institutionalisierte das Turnen als „notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung“ in Preußen und trug somit entscheidend zur Anerkennung des Fachs bei.
Wie interpretierte Adolf Spieß das Verhältnis von Körper und Seele?
Spieß sah den Körper als ein mechanisches Ganze, das durch den Geist gelenkt wird; das Turnen sollte dabei helfen, beide Aspekte in Einklang zu bringen und den Schüler vor einer reinen Kopflastigkeit zu bewahren.
- Arbeit zitieren
- Felix Eulgem (Autor:in), 2015, Körperlichkeit und Körperbewusstsein in Deutschland im 19. Jahrhundert und die Entstehung des Schulsports, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386563