In Deutschland vollzieht sich aufgrund der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen ein rasanter Wandel in der Arbeitswelt und den damit einhergehenden beruflichen Anforderungen. Ausdruck findet diese Entwicklung insbesondere in einem Anstieg der erlebten Arbeitsintensität, in veränderten hochflexiblen Arbeitszeitsystemen sowie in einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit und Privatleben. Um die Chancen erodierender Grenzen zwischen Beruf und Privatleben nutzen zu können, ist zunächst ein gesunder Umgang mit sich selbst und den individuellen Bedürfnissen Voraussetzung.
Jeder Mensch ist im beruflichen Alltag einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Laut aktuellem Stand der Forschung sind 15–20 % der Bevölkerung weltweit hochsensibel und verarbeiten Umweltreize auf einer tiefer gehenden kognitiven Ebene.
Hochsensibilität bezeichnet demnach ein neurologisches Phänomen und ist gleichzeitig als stabiles, individuelles Persönlichkeitsmerkmal anzusehen. Im betriebswirtschaftlichen Kontext wurde das Persönlichkeitskonstrukt bislang noch nicht umfassend untersucht.
Ziel der vorliegenen Untersuchung ist zu analysieren, ob und inwiefern das Persönlichkeitskonstrukt Hochsensibilität den Arbeitsstresslevel beeinflusst und somit als Risikofaktor für die Entstehung beruflicher Gratifikationskrisen angesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Begriffsdefinition Hochsensibilität
2.1.1 Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal
2.2 Hochsensibilität und Stress
2.2.1 Stressoren im beruflichen Alltag
2.2.2 Theoretische Stressmodelle
2.3 Arbeit und Gesundheit
2.3.1 Arbeits- und organisationspsychologische Aspekte und Tätigkeitsmerkmale
2.3.2 Arbeitsstress und seine Folgen für Unternehmen und Beschäftigte
2.3.3 Hochsensibilität als gesundheitlicher Risikofaktor
2.3.4 Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht
2.4 Hochsensibel im Beruf
2.4.1 Arbeitsengagement und Sinnerfüllung
2.5 Hochsensibilität als Ressource
2.6 Fragestellungen und Hypothesenbildung
3. METHODIK
3.1 Untersuchungsdesign und Setting
3.2 Beschreibung der Versuchsgruppe
3.3 Beschreibung des eingesetzten Verfahrens
3.4 Ablauf der Untersuchung
3.5 Statistische Analyse
4. ERGEBNISSE
4.1 Daten
4.2 Deskriptive Auswertung der Risikofaktoren für Hochsensibilität
4.3 Deskriptive Auswertung der soziodemografischen Daten
4.3.1 Verteilung der Stichprobe nach Beschäftigungsbranche
4.4 Darstellung Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis nach Branche
4.5 Inferenzstatistische Auswertung der Komponenten von Arbeitsstress
4.5.1 Ergebnisse der Hauptkomponentenanalyse
4.5.2 Ergebnisse des t-Tests auf Mittelwertunterschiede
4.6 Deskriptive Auswertung des Zusammenhangs von Arbeitsstress und Leistungsmotivation
4.7 Interpretation der Ergebnisse
4.8 Zusammenfassung
5. DISKUSSION
5.1 Reflexion und Interpretation der Hauptergebnisse
5.2 Methodik
5.3 Limitationen
5.4 Implikationen für das Management
5.5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität und der Entstehung beruflicher Gratifikationskrisen. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss von Hochsensibilität auf den Arbeitsstresslevel zu analysieren und zu klären, ob hochsensible Erwerbstätige eine risikobehaftete Gruppe innerhalb der Erwerbsbevölkerung darstellen.
- Hochsensibilität als Persönlichkeitskonstrukt
- Modell der beruflichen Gratifikationskrise nach Siegrist
- Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und Leistungsmotivation
- Methodische Ansätze zur Stressprävention
Auszug aus dem Buch
1. EINLEITUNG
Ausgangspunkt für die Wahl des Themas war mein persönliches Interesse an der Verbreitung des Wissens über die Existenz des Persönlichkeitsmerkmals Hochsensibilität und dessen Außenwirkung. Die vorliegende Arbeit soll sowohl bei Fach- und Führungskräften als auch bei betroffenen Personen Aufmerksamkeit erzeugen, um den Auswirkungen beruflicher Gratifikationskrisen auf die individuelle Gesundheit hochsensibler Erwerbstätiger entgegenzuwirken und einen gesundheitsbewussten Umgang mit sich selbst im Sinne einer ausgeglichenen Work-Life-Balance fördern.
Eine Gratifikation bezeichnet eine „Sonderzuwendung, die dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber neben der eigentl. Arbeitsvergütung (Lohn/Gehalt) aus bestimmten Anlässen gewährt wird [...]“ (Die Zeit Lexikon 2005, S.13). Als Sonderzuwendung kann die entgegengebrachte Anerkennung beziehungsweise Wertschätzung seitens des Vorgesetzten oder des Kollegenkreises angesehen werden, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund von hohem Engagement oder überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit zuteilwird. Eine Gratifikationskrise entsteht dann, wenn die individuelle Einsatzbereitschaft die entgegengebrachte Belohnung übersteigt. Ein unausgeglichenes Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis führt auf Dauer zu chronischem Disstresserleben bis hin zu Burn-out.
In Deutschland vollzieht sich aufgrund der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen ein rasanter Wandel in der Arbeitswelt und den damit einhergehenden beruflichen Anforderungen. Ausdruck findet diese Entwicklung insbesondere in einem Anstieg der erlebten Arbeitsintensität (Kubicek et al. 2014), in veränderten hochflexiblen Arbeitszeitsystemen (Böhn et al. 2004) sowie in einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit und Privatleben (Brannen 2005). Um die Chancen erodierender Grenzen zwischen Beruf und Privatleben nutzen zu können, ist zunächst ein gesunder Umgang mit sich selbst und den individuellen Bedürfnissen Voraussetzung. Jeder Mensch ist im beruflichen Alltag einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. Laut aktuellem Stand der Forschung sind 15–20 % der Bevölkerung weltweit hochsensibel und verarbeiten Umweltreize auf einer tiefer gehenden kognitiven Ebene.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema Hochsensibilität und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie des Untersuchungsgegenstands.
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Definition und Abgrenzung von Hochsensibilität sowie Erläuterung relevanter Stressmodelle und des Modells beruflicher Gratifikationskrisen.
3. METHODIK: Detaillierte Beschreibung des Untersuchungsdesigns, der Versuchsgruppe und des eingesetzten ERI-Fragebogens nach Siegrist.
4. ERGEBNISSE: Quantitative Auswertung der Daten sowie deskriptive und inferenzstatistische Analyse der Arbeitsstresslevel und Verausgabungsneigungen.
5. DISKUSSION: Reflexion der Hauptergebnisse, methodische Limitationen und Implikationen für das Management sowie ein Ausblick auf weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Hochsensibilität, Arbeitsstress, berufliche Gratifikationskrise, ERI-Modell, Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht, Overcommitment, psychische Gesundheit, Arbeitsengagement, Sinnerfüllung, Resilienz, betriebliches Gesundheitsmanagement, Persönlichkeitskonstrukt, Leistungsmotivation, Stressprävention, Arbeitswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Untersuchung, wie sich das Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität auf den Arbeitsstresslevel auswirkt und inwiefern dies das Risiko für eine berufliche Gratifikationskrise erhöht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Hochsensibilität als Persönlichkeitsmerkmal, Stressmodelle in der Arbeitswelt, das Modell beruflicher Gratifikationskrisen nach Siegrist sowie die Auswirkungen von Arbeit auf die psychische Gesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel besteht darin, zu analysieren, ob hochsensible Erwerbstätige eine risikobehaftete Gruppe für die Entstehung beruflicher Gratifikationskrisen sind, um daraus Empfehlungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein explorativer, quantitativer Ansatz gewählt. Die Datenerhebung erfolgte mittels eines modifizierten Effort-Reward-Imbalance-Fragebogens nach Siegrist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen zum Konstrukt Hochsensibilität, die detaillierte Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, die deskriptive und inferenzstatistische Auswertung der empirischen Ergebnisse sowie eine kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hochsensibilität, Gratifikationskrise, ERI-Modell, Arbeitsstress und psychische Gesundheit im beruflichen Kontext charakterisieren.
Warum spielt die Sinnhaftigkeit der Arbeit für Hochsensible eine so große Rolle?
Für hochsensible Erwerbstätige ist die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit eine wichtige Ressource; fehlt diese, kann selbst ein hohes berufliches Engagement bei gleichzeitig geringer Wertschätzung schneller in eine Erschöpfung oder Gratifikationskrise führen.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur für hochsensible Mitarbeiter?
Die Unternehmenskultur ist entscheidend, da eine Anerkennungskultur, die Wertschätzung und Unterstützung aktiv fördert, das Risiko für Gratifikationskrisen bei Hochsensiblen signifikant senken kann.
- Arbeit zitieren
- Christiane Lieb (Autor:in), 2017, Hochsensibilität und Gesundheit. Eine explorative Studie über den Einfluss der Wahrnehmungsverarbeitungssensibilität auf die Entstehung beruflicher Gratifikationskrisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386628