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Das Kainsmal-Motiv in ausgewählten Werken der frühen Moderne

"Unter Tausenden das Zeichen an Ihrer Stirne". Manns "Tonio Kröger" und Hesses "Demian"

Titre: Das Kainsmal-Motiv in ausgewählten Werken der frühen Moderne

Thèse de Bachelor , 2016 , 41 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Nikolai Ziemer (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Nur Gott selbst weiß, was das für ein Zeichen war, das er Kain aufdrückte, nachdem dieser seinen Bruder ermordet hatte. Zwar ist es ein Zeichen „dass ihn niemand erschlüge, der ihn fände“ (Gen 4, 15), ein Schutzzeichen also. Dennoch ist es nicht näher beschrieben - ein Signifikant scheinbar ohne Signifikat, deutbar innerhalb der Diegese nur durch seine Wirkung auf andere und seinen Kontext zum Brudermord. Dieses göttliche Zeichen hat seinen Ursprung in der biblischen Geschichte um Kain und Abel, dessen Fabel sich mit Mord, Ungerechtigkeit und Schuld auseinandersetzt und nicht nur mannigfach exegiert, sondern auch dichterisch verarbeitet worden ist.

Wie kommt es, dass zwei Autoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt auf diesen biblischen Topos zurückgreifen? Zum einen waren weder Hermann Hesse noch Thomas Mann "Neutöner". Zum anderen hatte das, was unter dem Begriff ‚Kunstreligion‘ zusammengefasst wird, in der frühen Moderne Hochkonjunktur. Wie schon das epochenbestimmende Werk "Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche „die Übernahme bestimmter rhetorischer und linguistischer Topoi des Evangeliums“ durchexerziert, benutzen auch Mann und Hesse das alttestamentarische Kainszeichen in ihrem Werk speziell für ihre Zwecke, ohne sich dabei dem Christentum zu verpflichten.

Wie dieser Spagat von biblischer Determination hin zu einer Neuinterpretation in der literarischen Moderne gelingt, wie es sich mit den Gezeichneten in den Werken verhält, also was sie ‚auszeichnet‘, und inwiefern Mann und Hesse dabei gerade auf das Kainszeichen zurückgreifen, soll im Folgenden anhand der Werke "Demian" und "Tonio Kröger" behandelt werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kainsmal – eine Annäherung

3. Das Kainszeichen in Manns Tonio Kröger und Hesses Demian

3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens

3.2. Analyse von Demian unter dem Aspekt des Kainszeichens

4. Kunstreligion in der Moderne

5. Das Kainszeichen unter semiotisch-semantischen Gesichtspunkten

6. Der Einfluss Nietzsches auf Tonio Kröger und Demian

7. Abschließende Betrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion und Rezeption des biblischen Kainsmal-Motivs in Thomas Manns „Tonio Kröger“ und Hermann Hesses „Demian“ unter Berücksichtigung kulturgeschichtlicher und philosophischer Kontexte, insbesondere des Einflusses von Friedrich Nietzsche und der Kunstreligion.

  • Die literarische Transformation des biblischen Kainszeichens zum Künstlersymbol.
  • Die Rolle der Kunstreligion als Ersatz für christliche Wertesysteme in der Moderne.
  • Der Einfluss der Nietzscheschen Philosophie auf die Charakterisierung der Künstlerfiguren.
  • Die semiotische Analyse des Kainszeichens als "Zeichen ohne Signifikat" in der modernen Literatur.
  • Die Identitätsfindung und Einsamkeit der Protagonisten als notwendige "Auszeichnung".

Auszug aus dem Buch

3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens

Thomas Manns Novelle Tonio Kröger, die zum ersten Mal 1903 in der Neuen Deutschen Rundschau und kurz darauf in dem Erzählband Tristan erscheint, „erweist sich als Mittelpunkt und dichteste reflexive Ausgestaltung der durchgängigen und dominanten Künstlerthematik des Frühwerks“.

Mit diesem Werk entwirft der Schriftsteller ein Kunstprogramm, mit welchem er „nicht mehr und nicht weniger vor hatte, als sich über den Grund seines Schreibens klar zu werden“. So trägt die titelgebende Hauptfigur der Novelle auffällig autobiographische Züge, bis in die Topographie hinein finden sich Übereinstimmungen zu Lebensstationen Thomas Manns. Zentral für die Geschichte ist das vierte Kapitel, welches „[d]as gedankliche Zentrum bildet“ und „in dem sich ein innerliterarischer Diskurs entfaltet“. In diesem findet auch das Kainszeichen seine prägendste Verwendung und motivische Ausgestaltung.

Der Text ist in neun Kapitel unterteilt und beginnt mit der Schulzeit des zu diesem Zeitpunkt vierzehnjährigen Protagonisten Tonio Kröger. Das Kapitel ist in der Handlungszeit eines Spaziergangs angelegt, den Hans Hansen Kröger, beide Söhne wohlhabender Kaufleute, gemeinsam von der Schule nach Hause unternehmen. In dessen Verlauf wird in den Charakteren eine Polarität angelegt, die sich motivisch durch den gesamten Text ziehen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Ursprung des biblischen Kainszeichens und dessen literarische Transformation, insbesondere durch die Ablösung von christlichen Traditionen in der Romantik.

2. Das Kainsmal – eine Annäherung: Dieses Kapitel analysiert das vierte Kapitel der Genesis und die theologische sowie kulturgeschichtliche Deutung des Zeichens als Schutz- oder Stigmamal.

3. Das Kainszeichen in Manns Tonio Kröger und Hesses Demian: Dieser Abschnitt untersucht das Auftreten des Kainszeichens in den beiden Werken durch eine textnahe Analyse.

3.1. Analyse von Tonio Kröger unter dem Aspekt des Kainszeichens: Der Fokus liegt auf der autobiographischen Künstlerthematik und der Identitätsfindung Tonio Krögers als "vorbestimmter und verdammter" Künstler.

3.2. Analyse von Demian unter dem Aspekt des Kainszeichens: Die Analyse zeigt, wie bei Hesse das Zeichen zur Auszeichnung für Furchtlosigkeit und zum Ausdruck einer neuen, von bürgerlichen Normen losgelösten Existenz wird.

4. Kunstreligion in der Moderne: Hier wird der philosophische Kontext erläutert, in dem die Kunst in der Moderne die Funktion und Autorität des Religiösen übernimmt.

5. Das Kainszeichen unter semiotisch-semantischen Gesichtspunkten: Das Kapitel betrachtet das Kainszeichen als "Signifikant par excellence" und untersucht seine Bedeutung im Rahmen semiotischer Theorien.

6. Der Einfluss Nietzsches auf Tonio Kröger und Demian: Diese Sektion stellt die Verbindung zwischen der Nietzscheschen Philosophie, insbesondere dem "Übermenschen" und der Abkehr von der Sklavenmoral, und den Künstlerfiguren her.

7. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass das Kainszeichen als literarisches Symbol die schicksalhafte und einsame Künstlerexistenz der Moderne mystifiziert.

Schlüsselwörter

Kainszeichen, Tonio Kröger, Demian, Friedrich Nietzsche, Kunstreligion, Künstlertum, Moderne, Semiotik, Symbol, Identität, Bürgerlichkeit, Abraxas, Schuld, Literaturwissenschaft, Existenzphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Verwendung des Kainsmal-Motivs als literarisches Symbol in Thomas Manns „Tonio Kröger“ und Hermann Hesses „Demian“.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Arbeit verbindet Aspekte der Literaturgeschichte, Kunstreligion, Semiotik und der Philosophie Nietzsches, um die Charakterisierung von Künstlerfiguren zu untersuchen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, warum und wie die Autoren das biblische Kainszeichen nutzen, um die exklusive und oftmals leidvolle Position des modernen Künstlers zu definieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Der Autor verwendet eine textnahe Analysemethode in Kombination mit einer kultur- und motivgeschichtlichen Einordnung der behandelten Primärtexte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse beider Romane, die theoretische Verortung im Begriff der Kunstreligion sowie die semiotische und philosophische Betrachtung des Kains-Symbols.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Kainszeichen, Kunstreligion, Künstlerexistenz, Nietzsche, Moderne, Identität und Individualität.

Inwiefern spielt Nietzsche eine Rolle für das Verständnis des Kainszeichens bei Hesse und Mann?

Nietzsches Philosophie dient als Schlüssel zum Verständnis, warum das Kainszeichen bei den Künstlern der Moderne nicht als Stigma, sondern als Auszeichnung für Stärke und Individualität gelesen wird.

Wie unterscheidet sich die Auffassung des Künstlertums zwischen Tonio Kröger und Emil Sinclair?

Während Kröger stark unter der Trennung von bürgerlichem Leben und Künstlertum leidet ("sentimentales Selbstmitleid"), beschreitet Sinclair in "Demian" durch die Grenzüberschreitung aktiv den Weg der Selbstfindung.

Welche Funktion hat das Kainszeichen als "Symbol"?

Es fungiert als ein "Zeichen ohne Signifikat", das durch seine Einbettung in den jeweiligen Kontext der Romane eine mystifizierende und identitätsstiftende Wirkung auf die Protagonisten entfaltet.

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Résumé des informations

Titre
Das Kainsmal-Motiv in ausgewählten Werken der frühen Moderne
Sous-titre
"Unter Tausenden das Zeichen an Ihrer Stirne". Manns "Tonio Kröger" und Hesses "Demian"
Université
Christian-Albrechts-University of Kiel
Note
1,0
Auteur
Nikolai Ziemer (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
41
N° de catalogue
V386685
ISBN (ebook)
9783668608061
ISBN (Livre)
9783668608078
Langue
allemand
mots-clé
Thomas Mann Hermann Hesse Kain Nietzsche Bibel Moderne Tonio Kröger Demian Literaturwissenschaft Genesis Walter Benjamin Kunstreligion Semiotik Semantik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Nikolai Ziemer (Auteur), 2016, Das Kainsmal-Motiv in ausgewählten Werken der frühen Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386685
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