David Humes Ausführungen des Skeptizismus in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung

3. Begriffsabgrenzungen
3.1 Die Skepsis im Allgemeinen
3.2 Der Skeptizismus als Methode

4. Der vorhergehende Skeptizismus

5. Der konsequente Skeptizismus gegen die Evidenz der Sinne

6. Der konsequente Skeptizismus in Bezug auf die Vernunft
6.1 Einwände gegen die abstrakten Denkakte
6.2 Einwände gegen Tatsachenurteile
6.3 Humes Einwand gegen den extremen Skeptizismus

7. Humes gemäßigter Skeptizismus

8. Zusammenfassung und Fazit
8.1 Zusammenfassung
8.2 Kritik und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 – Humes Struktur des Skeptizismus

1. Einleitung

David Hume war ein schottischer Philosoph und gilt als einer der Hauptvertreter des Empirismus. Er machte es sich in erkenntnistheoretischer Weise zur Aufgabe das Zustandekommen von Erkenntnis aus Erfahrung zu analysieren. Dabei war er gegenüber dem menschlichen Erkenntnisvermögen stets skeptisch eingestellt.[1] Humes Wirkungs- und Schaffenszeit war die Epoche der Aufklärung. Zu dieser Zeit wird ein neues, naturwissenschaftliches Weltbild mittels Vernunft, Erfahrung und Wahrnehmung begründet.[2] Der Skeptizismus ist dabei eine wichtige Methode der Aufklärung, welche den herrschenden Dogmatismus kritisiert. In seinem Buch An Enquiry Concerning Human Understanding (1758) beschäftigt er sich im zwölften Abschnitt mit dem Skeptizismus. Unter dem Titel Über die akademische oder skeptische Philosophie bringt er in drei Teilen seine Überzeugungen über die Definition und Abgrenzung verschiedener Arten des Skeptizismus zum Ausdruck und stellt außerdem seinen eigenen gemäßigten Skeptizismus dar. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Humes Ausführungen zum Skeptizismus als philosophischer Methode und untersucht seine subjektive Differenzierung unterschiedlich starker Ausprägungen dessens.

Zu Beginn wird der Begriff des Skeptizismus als Methode von Skeptizismus im Allgemeinen abgegrenzt. Darauf folgt eine detaillierte Untersuchung Humes vorgenommener Unterscheidung in Bezug auf den methodischen Skeptizismus. Grundlegend unterscheidet er einen der Forschung vorhergehenden von einem der Forschung nachfolgen. Den nachfolgenden Skeptizismus nennt er den Konsequenten, welchen er wiederum einerseits in Bezug auf die Sinneswelt und andererseits auf die Vernunft untersucht. Außerdem versucht er, anhand von Beispielen und mit Anlehnungen an andere Philosophen seine Differenzierung zu beweisen. Nach diesen Unterscheidungen schließt er den, seiner Ansicht nach, besten Skeptizismus an und beschreibt seinen eigenen gemäßigten oder auch akademischen Skeptizismus. Abschließend folgt diesen Darstellungen eine Zusammenfassung David Humes Ausführungen über den Skeptizismus, sowie ein kritisches Fazit.

2. Problemstellung

David Hume stellt im zwölften Abschnitt seines Werkes An Enquiry Concerning Human Understanding detailliert dar, welche verschiedene Ausprägungen des Skeptizismus existieren und wie sich diese zueinander verhalten. Hume nennt einige Widersprüche in Verbindung mit dem Sein einer Gottheit und dem Atheismus,[3] welche auf den Skeptizismus zurückzuführen sind und die er gerne in seinen Ausführungen aufklären möchte. Er kann nicht verstehen, wie etwas, dass bewiesen ist, immernoch in Zweifel gezogen werden kann. Sein Ziel ist es in diesem Abschnitt aufzuzeigen, was man unter einem Skeptiker versteht und wieweit sich die philosophischen Prinzipien des Zweifels und der Unbestimmbarkeit treiben lassen.[4] Um in das Thema einzuleiten besteht also die Frage nach der Anwendung der Skepsis, welche Rolle spielt diese allgemein in der Geschichte der Philosophie und wie muss der Begriff der Skepsis verstanden werden, bzw. wie versteht ihn Hume? Das Ziel dieser Arbeit ist, Humes Vorgehensweise in Beantwortung dieser Frage darzustellen, seine Struktur der verschiedenen Arten des Skeptizismus aufzuzeigen und dabei seine Argumentationsweise herauszuarbeiten.

3. Begriffsabgrenzungen

Die Begriffe Skepsis und Skeptizismus werden in der Regel als Synonyme verwendet. Dennoch gibt es Ansätze, welche die Skepsis als den allgemeinen Zweifel und den Skeptizismus als einen zum philosophischen System entwickelten Zweifel deklarieren.[5] Daher soll an dieser Stelle zwischen einer allgemeinen Skepsis, die jeder Mensch persönlich an jeder Tatsache äußern kann und einem historisch beziehungsweise methodischen Skeptizismus, der seit der Antike gewachsen ist, unterschieden werden.

3.1 Die Skepsis im Allgemeinen

Der Begriff Skepsis, oder des Zweifels stammt aus dem griechischen und bedeutet ‚Untersuchung’ oder ‚Überlegung’.[6] Allgemein kann zwischen einer positiven und einer negativen Skepsis unterschieden werden. Die negative Skepsis stellt die Welt grundsätzlich in Frage, die positive Skepsis hat hingegen das Ziel, Behauptungen zu überprüfen und erst dann als gültig anzuerkennen.[7] Die Anhänger des Skeptizismus äußern ihren Zweifel am allgemein Anerkannten, scheinbar Feststehenden sowie ungeprüft Übernommenen.[8] Als Skepsis bezeichnet man daher die argumentative Tätigkeit, welche eine umfassende Enthaltung des Urteils erzielen möchte.

3.2 Der Skeptizismus als Methode

Der Skeptizismus als Methode entspricht einer zurückhaltenden sowie zweifelnden Einstellung, deren Vertreter auf der Suche nach einer Wahrheit sind. Er wird in verschiedene Phasen sowie Ausprägungen unterteilt. Die Art des Philosophierens, die den grundsätzlichen und methodischen Zweifel an der Möglichkeit der Erkenntnis der Wahrheit und Wirklichkeit zum Prinzip erhebt und diese Wirklichkeit leugnet, versteht man unter dem absoluten Skeptizismus. Werden die Zweifel nur auf bestimmten Gebieten angebracht, nennt man dies den partiellen Skeptizismus, wie zum Beispiel der religiöse Skeptizismus, der ethische Skeptizismus oder der theoretische Skeptizismus.[9]

Die Anwendung des Skeptizismus als Methode des Philosophierens entstand innerhalb der antiken hellenistischen Philosophie.[10] Erste Anfänge sind bei den griechischen Denkern Heraklit, Paramenides, Protagoras, Gorgias und den Megarikern zu finden. Die Entwicklung der methodischen Skepsis ist nach Aristoteles in drei Phasen zu beobachten: Zuerst den älteren Skeptizismus des Pyrrhon v. Elis und des Timon v. Philus, dann folgte der Skeptizismus in der mittleren und neueren Akademie[11] durch Arkesilaos. Die dritte Phase der jüngeren Skepsis wurde geprägt durch Aenesidemus und Sextus Empiricus. In der Moderne wurde der Begriff durch Philosophen wie Montaigne, Bayle und David Hume erneuert. Timon v. Philus begründete das Prinzip des Skeptizismus, die Isosthenie: „Die Idee, dass die Gründe für jede Behauptung und für ihr kontradiktorisches Gegenteil gleich stark sind.“[12] In der zweiten Phase der jüngeren Skeptiker entstanden die zehn skeptischen Tropen oder Wendungen, auf welche sich deren Argumentationen stützten. Die antike Skepsis richtete sich hauptsächlich gegen die Gewissheit der sinnlichen Erkenntnis. Der moderne Skeptizismus untersuchte hingegen die Gesamtzusammenhänge des Wissens.[13]

Als besonders wertvoll wird die Betätigung des Skeptizismus zur Selbstbeschränkung und Selbstkritik betrachtet. Ebenso wie Descartes Anwendung des methodischen Zweifels als Mittel zur Erstellung einer fundierten Philosophie.[14] Descarte verwendete den Skeptizismus erstmals nicht nur als Einstellung sondern als Instrument philosophischer Forschung. Fortan verwendeten Philosophen wie Hume, Kant, Wittgenstein und Th. Clarke ähnlich wie Descarte den Skeptizismus instrumentell als Methode zur Findung ihrer Argumente.[15]

David Hume behandelt in seinen Ausführungen über die skeptische Philosophie nicht eine allgemein getätigte Skepsis, sondern welche Ausprägungen der methodische Skeptizismus annehmen kann.

4. Der vorhergehende Skeptizismus

Die erste Unterscheidung die Hume in seinen Ausführungen über den Skeptizismus trifft ist die zwischen einem vorhergehenden und einem nachfolgenden Skeptizismus. In seinem ersten Teil des zwölften Kapitels beschreibt er einen extremen vorhergehenden Skeptizismus näher. Dieser ist dadurch charakterisiert, dass er vor der Forschung und dem Philosophieren stattfindet. Als wichtigen Vertreter dieser Methode nennt er René Descartes. Dieser hätte die Betätigung des vorhergehenden Skeptizismus empfohlen um sich gegen Irrtümer und Vorurteile selbst zu schützen. Diese Skepsis als Selbstschutz wird daher als der Cartesianische Zweifel bezeichnet. Der Cartesianische Zweifel empfiehlt einen allgemeinen Zweifel an früheren Meinungen, Prinzipien und den eigenen Fähigkeiten. Deren Glaubwürdigkeit kann durch die Suche nach dem ursprünglichen Prinzip von welchem sie abstammen und dass unmöglich trügerisch oder falsch sein kann, bewiesen werden.[16] Es bedarf also einem unumstößlichen Fundament, welches Sicherheit und Richtigkeit garantieren kann. Descartes ist sich der trügerischen Sinne und verworrenen menschlichen Gedanken bewusst und entwickelt daher den methodischen Zweifel.[17] Für Descartes entspricht Gott diesem ursprünglichen Prinzip. Hume bringt zwei Einwände zum Cartesianischen Zweifel vor: Zum einen sagt er, gebe es kein solches ursprüngliche Prinzip, welches Vorrang vor anderen evidenten und überzeugenden Prinzipien habe. Zum anderen, wenn es ein solches ursprüngliches Prinzip gäbe, wären doch eben diese angezweifelten Fähigkeiten nötig, um es weiter zu entwickeln.[18] Hume vertritt die Ansicht, dass Denkoperationen auf der Grundlage sinnlicher also empirischer Erfahrungen basieren, daher entspricht Descartes Argumentationsweise, seiner Ansicht nach, einem performativen Widerspruch.[19] Der Cartesianische Zweifel kann daher von Menschen nicht in Gänze angewandt werden. Ferner sagt Hume sogar, dass wenn es doch so wäre, wäre dieser Zweifel wie eine unheilbare Krankheit, denn „kein Denken könnte uns jemals in einen Zustand der Gewißheit und Überzeugung von irgendeiner Sache bringen.“[20] Das ständige Zweifeln an allen Dingen raubt also jegliche Konstante und Gewissheit die man in seinem Leben hat und könnte daher einen Menschen in den Wahnsinn treiben.

Hume sagt aber auch, dass der Cartesianische Zweifel in einer abgemilderten Form vernünftig sein kann. So könnte dieser als notwendige Vorbereitung für die philosophische Forschung dienlich sein, indem er eine angebrachte Sorgfalt, Unvoreingenommenheit im Urteil bewahrt und vor unangebrachten Vorurteilen im Geiste schützt. Denn dieses seien die einzigen Methoden, welche zu einer gefestigten und gewissen Wahrheit dienen können.[21] Damit spricht er seinen

[...]


[1] Vgl. Krüger, 2002, S.180.

[2] Vgl. Schmidt, 2012. Zeit Online: http://blog.zeit.de/schueler/2012/04/27/thema-literatur-der-aufklarung/

[3] Hume hält den ontologischen Gottesbeweis für richtig in welchem Anselm von Canterbury den Schluss zieht, dass durch den Gedanken an Gott auf seine Existenz geschlossen werden kann und dadurch, dass man sich nicht größeres erdenken kann, ist bewiesen, dass Gott das höchste Wesen ist.

[4] Vgl. Hume, 2013, S. 188.

[5] Vgl. Prechtl/Burkard, 1999, S. 546.

[6] Vgl. Kirchner/Michaelis, 1998, S. 609.

[7] Vgl. Rehfus, 2003, S. 618.

[8] Vgl. Kirchner/Michaëlis, 1998, S. 609.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Rehfus, 2003, S. 618.

[11] Platonische Akademie= Eine einst von dem Philosophen Platon gegründete antike Philosophenschule in Athen.

[12] Zitiert nach Kirchner/Michaëlis, 1998, S. 610.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Rehfus, 2003, S. 618.

[15] Vgl. Prechtl/Burkard, 1999, S. 547.

[16] Vgl. Hume, 1982, S. 189.

[17] Vgl. Rehfus, 2003, S. 96.

[18] Vgl. Hume, 1982, S. 189.

[19] Vgl. Hume, 1999, S. 199.

[20] Zitiert nach Hume, 1982, S. 189.

[21] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
David Humes Ausführungen des Skeptizismus in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand"
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V386848
ISBN (eBook)
9783668608733
ISBN (Buch)
9783668608740
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
david, humes, ausführungen, skeptizismus, werk, eine, untersuchung, verstand
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Betriebswirtschaftslehre Juliane Koch (Autor), 2015, David Humes Ausführungen des Skeptizismus in seinem Werk "Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386848

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