Zwei konträre Definitionen von Kommunikation. Die Debatte zwischen Jürgen Habermas und Niklas Luhmann


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jürgen Habermas
2.1. Die vier Phasen des kommunikativen Handelns
2.2. Geltungsansprüche und Weltbezüge in der Sprache
2.3. Der Diskurs

3. Niklas Luhmann
3.1 Doppelte Kontingenz
3.2 Kommunikationsbegriff nach Luhmann
3.3 Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
3.4 Bildung von Systemen durch Kommunikation

4. Vergleich beider Theorieansätze

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem klassischen Sender-Nachricht-Kanal-Empfänger Model beginnen Claude Shannon und Warren Weaver in den 40er Jahren die Kommunikation fassbar zu machen um die Kommunikation im nachrichtentechnischen Sinne zu optimieren. Diese aus praktischen Beweggründen entstandene theoretische Feststellung bildet das klassische Model von Kommunikation. Aus dem Urvater der Kommunikationsdefinition haben sich verschiedenste Formen, Definitionen und Theoretische Auffassungen von Kommunikation entwickelt. Auch die neueren wissenschaftlichen Beiträge die von Rogers, Schulz von Thun und Watzlawick in die Debatte eingebracht wurden sind oft zitierte Definitionen der Kommunikationswissenschaft. Die Soziologie entwickelt sich im Verlauf der Zeit und maßgeblich auch durch die Arbeiten von George Herbert Mead, weg von einer reinen Handlungswissenschaft. Der soziologische Begriff der Kommunikation entwickelte sich von der reinen Handlung hin zum Grundprinzip gesellschaftlicher Organisation. Jürgen Habermas und Niklas Luhmann schafften mit ihren Arbeiten in den 70er Jahren den Einzug der Kommunikationsbegriffe in die soziologische Theoriebildung allerdings tragen sie auch zu einer weiteren Pluralisierung der Soziologie und der Krise der westlichen Soziologie bei, die Alvin Gouldner in seinem 1910 erschinenen Werk „The Coming Crisis of Western Sociology“ ankündigt[1]. Habermas und Luhmanns theoretischen Ansätze verfolgen konträre Auffassungen und Positionen und führen die Debatte um die Kommunikationsforschung an. Aus diesem Grund werden beide Ansätze besonders in Deutschland heftig diskutiert. Luhmann und Habermas haben sich deshalb ebenfalls in eine Debatte begeben und in der „Frankfurt-Bielefeld-Kontroverse“ ihre Positionen und Ansätze ins Rennen geführt und gegeneinander gestellt.

Der durch die Arbeiten von Habermas und Luhmann entstandene Paradigmenwechsel in der Soziologie und die Tatsache, dass die Ansätze grundverschiedenen Auffassungen folgen macht es besonders interessant das kommunikative Handeln von Habermas mit Luhmanns Systemtheorie zu vergleichen, die Unterschiede aufzuzeigen und Gemeinsamkeiten zu finden. Deshalb soll die Zielsetzung meiner Arbeit das Herausarbeiten der konträren Ansichten sein um diese zu vergleichen und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu beleuchten. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit erhebe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit meiner Ausführungen. Es sollen lediglich die für mich eingängigsten Bestandteile der beiden Theorien verglichen werden.

2. Jürgen Habermas

Während der Weimarer Zeit bildete sich in Frankfurt 1924 ein bemerkenswerter Focus und es etablierte sich das erste empirisch arbeitende Sozialforschungsinstitut. In dieser Tradition steht auch Jürgen Habermas mit seinen Arbeiten. Das von ihm entwickelte Konzept des kommunikativen Handelns bildet dabei eine theoretische Konzeption, welche in der Soziologie als innovativer Ansatz gilt. Durch sein Werk hat Habermas eine Verschiebung des Fokus von der Handlung zur Kommunikation erreicht. Die bis dahin ausschließlich betrachteten Ergebnisse der Kommunikation rückten immer weiter in den Hintergrund und der wissenschaftliche Gehalt der Kommunikation an sich findet verstärkt Beachtung in der Soziologie. Habermas arbeitet in seiner Theorie mit einem relativ eng gefassten Kommunikationsbegriff und beschränkt sich fast ausschließlich auf die Sprache als Kommunikation. Die Sprache ist nach Habermas essenziel wichtig für die Organisation der Gesellschaft. Der immer wieder auftauchende Begriff der Subjekte einer Gesellschaft sieht Habermas in ein Sprachennetz eingesponnen: „Sprache muss als Gespinst durchschaut werden, an dessen Fäden die Subjekte hängen und an ihnen zu Subjekten sich erst bilden.“[2] Die Vergesellschaftung der Subjekte geschieht demnach vor allem über die Sprache. Sprache soll dabei von den Strukturen des Gespräches her verstanden werden und die Gesellschaft baut auf die Sprache als Fundament auf. Also entsteht die Gesellschaft nur aus dem Gespräch.

Aber wie gelangt Habermas jetzt von der Handlung zur Kommunikation? Dies geschieht dadurch, dass Habermas den Begriff der Handlung aufrechterhält, allerdings die Kommunikation der Handlung zu Grunde legt. Habermas definiert Handlung wie folgt: Handeln ist „(…) das Bewältigen von Situationen bzw. die aktive Auseinandersetzung eines konstruktiv lernenden Subjekts mit seiner Umwelt (…)“.[3] Die Handlungskoordination gründet dabei auf zwei Varianten. Erstere ist das erfolgsorientierte Handeln, welches auf der Koordination zweier egozentrischer Nutzenkalküle basiert, die durch normative Komponenten stabilisiert werden. Zweite ist das verständnisorientierte Handeln, welches auf intersubjektiv anerkannten Mechanismen der Handlungskoordinierung basiert, die der sprachlichen Verständigung entspringen.[4] Die Sprache bzw. das Gespräch als Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Subjekten hat also die koordinierende Funktion, um als Medium für Handlungen zu dienen. Die Kommunikation geht der Handlung eines Subjektes voraus. Aus diesem Grund kann man sagen, dass Habermas keine Trennung zwischen Kommunikation und Handlung vorsieht. Im Gegenteil, er sieht die Kommunikation an sich bereits als eigenständige Handlung an. Charles Taylor hat in seinem Beitrag „Sprache und Gesellschaft“ in „Kommunikatives Handeln – Beiträge zu Jürgen Habermas“ versucht die Theorie in vier aufeinander aufbauende Ansätze zu unterteilen.

2.1. Die vier Phasen des kommunikativen Handelns

Erstens der fundamentale Ansatz, in dem er sagt, dass die Sprache sich nur im Gespräch entwickle und die Fähigkeit zu sprechen nur als Gesprächspartner erlernt werden könne. Es sei zwar möglich neue Ausdrücke zu erfinden, allerdings nur auf Basis und durch Erklärungen auf der bereits bestehenden gemeinsamen Sprachen. Damit steht Habermas Theorie entgegen der Auffassungen von Gesellschaft wie sie Hobbes und Locke vertraten. Die Gesellschaft ordnet sich nicht aus dem Handeln des Individuums heraus, vielmehr schöpft das Individuum seine Handlungen aus der Sprachgemeinschaft. Demzufolge ordnet sich die Gesellschaft aus den in der Sprachgemeinschaft als rational angesehenen Werten und Normen.[5]

Zweitens die Komplementarität von Struktur und Praxis. Sprache gleicht einer Struktur oder einem Code, und sei gegenüber Sprechakten normativ. Die Struktur ist damit allerdings nicht als festes Konstrukt zu sehen, sondern viel mehr als lebendiges Gebilde, welches ständig durch die Sprachpraxis geprüft und erneuert wird. Es besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Struktur und Praxis. Dieses Struktur-Praxis Prinzip findet nun Anwendung in der Gesellschaftstheorie. Gesellschaft entsteht und entwickelt sich aus der Sprachpraxis heraus. Wenn man also die Sprache vom Gespräch her versteht, könne man auch die Gesellschaft von der Sprache her verstehen. Das Individuum spielt dabei eine untergeordnete Rolle und ist lediglich dazu in der Lage durch Sprache die gesellschaftlichen Traditionen zu erneuern.[6]

Drittens das Hintergrundwissen. Die Sprachpraxis, welche durch eine Struktur geleitet wird greift im Gespräch mit Hilfe der Sprache auf das Hintergrundwissen des Individuums zurück. Die für selbstverständlich gehaltene Struktur der Sprachpraxis wird ständig durch innovatives Hintergrundwissen erschüttert. Dieses Hintergrundwissen kann somit Einfluss nehmen und die Struktur erneuern. Einmal mehr ist zu sagen, dass die Struktur kein feststehendes Konstrukt ist, welches lediglich durch die Sprache abgerufen werden muss. Die Struktur oder der Code der Sprache entsteht aus dem Hintergrundwissen der Individuen.

[...]


[1] vgl. Habermas 1991: 184

[2] vgl. Horster 1999: 39

[3] Habermas 1983: 145

[4] Vgl. Berndsen 1994: 14f

[5] vgl. Honeth/Joas 1986: 36ff

[6] vgl. ebd.: 36ff

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zwei konträre Definitionen von Kommunikation. Die Debatte zwischen Jürgen Habermas und Niklas Luhmann
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V386920
ISBN (eBook)
9783668609563
ISBN (Buch)
9783668609570
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwei, definitionen, kommunikation, debatte, jürgen, habermas, niklas, luhmann
Arbeit zitieren
Thore Mnich (Autor), 2017, Zwei konträre Definitionen von Kommunikation. Die Debatte zwischen Jürgen Habermas und Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386920

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