"Lützen ist eine kleine Stadt in Sachsen-Anhalt, deren Name in Schweden wohl bekannter ist als in Deutschland", schrieb Maik Reichel, ehemaliger Bürgermeister und Museumsleiter der Stadt Lützen. Nach julianischem Kalender, der von Schweden zum Teil bis in das 18. Jahrhundert verwendet wurde, fand am 06. November 1632, nord-östlich angelehnt an Lützen und der nach Leipzig führenden Via Regia, eine bedeutende Schlacht des dreißigjährigen Krieges statt.
Sie ist weniger aus militärischer Sicht für die lebhafte Erinnerungskultur bedeutend. Inger Schuberth sieht auch nicht darin die Bedeutung Lützens, dass sich die beiden herausragenden Persönlichkeiten des dreißigjährigen Krieges, Gustav II. Adolf König von Schweden und Retter der Protestanten und Albrecht von Wallenstein Generalissimus der kaiserlichen Truppen, zum ersten Mal in einer offenen Feldschlacht gegenüberstanden. Sie sieht in dem Tod des lutherischen König Schwedens in dem protestantischen Kernland die Bedeutung, die der Schlacht beizumessen ist. Wohingegen Lützen kaum in Deutschland bekannt ist, ist es aus der schwedischen Erinnerungskultur nicht wegzudenken. Verwunderlich ist es nicht, dass die ereignisorientierte schwedische Geschichtswissenschaft, sich den Todesumständen dieser Ikone verschrieben hatte. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erweiterter Forschungsstand
2.1. Historiographische Quellen
2.2. Historiographische Forschungsliteratur
2.3. Der Wert von Schlachtfeldern als historische Quelle
2.4. Schlachtfeldarchäologischer Forschungsstand
2.5. Ausgrabungen Lützen
3. Historischer Rahmen
3.1. Gustav II. Adolf und die Schweden
3.2. Albrecht Wallenstein
3.3. Bis zur Schlacht bei Lützen
4. Heerwesen und Taktik des 17. Jahrhunderts
4.1. Handfeuerwaffen
4.2. Infanterie
4.2.1. Pikeniere
4.2.2. Musketiere
4.3. Kavallerie
4.4. Artillerie
5. Wesentliche Strömungen
5.1. Spanisch-mediterrane Schule
5.2. Die kaiserlich-/ lingistische Armee
5.3. Oranische Heeresreform
5.4. Die Armee Gustav Adolfs
6. Die Schlacht bei Lützen
6.1. Beschreibung Schlachtfeld
6.2. Archäologische Funde
6.3. Anmarsch , Aufstellung
6.4. Spielen mit Stücken
6.5. Kavallerie gegen Kavallerie
6.6. Infanterie gegen Kavallerie
6.7. Infanterie gegen Infanterie
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schlacht bei Lützen im Dreißigjährigen Krieg, um durch die Verknüpfung von traditioneller Historiographie mit den modernen Erkenntnissen der Schlachtfeldarchäologie ein tieferes Verständnis für das militärische Heerwesen und die tatsächlichen Kampfweisen des 17. Jahrhunderts zu gewinnen.
- Analyse historiographischer Quellen und deren Aussagekraft.
- Methodische Potenziale der Schlachtfeldarchäologie als ergänzende Quelle.
- Vergleichende Untersuchung der Taktiken und Waffentechnik des 17. Jahrhunderts.
- Rekonstruktion des historischen Rahmens und der Akteure (Gustav II. Adolf und Wallenstein).
- Auswertung spezifischer archäologischer Funde zur Schlacht bei Lützen.
Auszug aus dem Buch
2.4. Schlachtfeldarchäologischer Forschungsstand
Schlachtfeldarchäologie ist ein noch junger Forschungszweig in Deutschland und zählte hingegen schon seit den 1980er Jahren zu den etablierten Wissenschaftsbereichen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. 1984 waren die Forschungen durch Douglas D. Scott am Little Bighorn maßgebend und durch bahnbrechende Erkenntnisse beschert. Fortsetzend beschäftigten sie die Großbritannier, Schweden und Franzosen intensiver mit der Thematik. Aus den schlechten Erfahrungen, die aus den Weltkriegen gezogen wurden, war es nicht sehr populär, sich mit Schlachten und Schlachtfelder in Deutschland zu beschäftigen. „Vielmehr blieb dieses Feld den Heimatforschern, Militärsammlern und Raubgräbern überlassen“.
Achim Rost sieht in der Beschäftigung mit Plätzen wo militärische Konflikte ausgetragen wurden keinesfalls einen neuen Forschungszweig der Archäologie. Jedoch sieht er den Einsatz und die Weiterentwicklung von Metalldetektoren als Maßgebend für die neuere Forschung. Damit können überhaupt erst großflächig Schlachtfelder systematisch prospektiert werden. Thomas Brock markiert den Begin der Kriegsarchäologie, wie er es bezeichnet, mit den Sensationsfunden, 2006 aus dem Tal der Tollense und Lützen, 2007 bei Wittstock und 2008 bei Alerheim und am Harzhorn. Sie sorgten nicht nur für einen medialen Fokus, sondern seit dem widmete sich die deutsche Wissenschaft vermehrt diesem Thema, was anhand von Tagungen, Büchern und Publikationen seit 2008 zu bemerken ist. Dabei unterscheidet er die Erforschung von Kriegsstätten, wie dem Schlachtfeld bei Lützen zu der Erforschung von Relikten, welches auch in Deutschland schon seit dem 18. Jahrhundert vorgenommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Schlacht bei Lützen ein und thematisiert den Mangel an detaillierten militärgeschichtlichen Darstellungen in der deutschen Literatur.
2. Erweiterter Forschungsstand: Hier werden die Quellenlage, historiographische Forschung und die Möglichkeiten der modernen Schlachtfeldarchäologie kritisch beleuchtet.
3. Historischer Rahmen: Das Kapitel erläutert die politischen Hintergründe des Dreißigjährigen Krieges sowie die Rolle und Motivation der Akteure Gustav II. Adolf und Albrecht Wallenstein.
4. Heerwesen und Taktik des 17. Jahrhunderts: Es erfolgt eine Analyse der militärischen Umwälzungen, insbesondere hinsichtlich Infanterie-, Kavallerie- und Artillerietaktiken in der frühen Neuzeit.
5. Wesentliche Strömungen: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene militärische Strömungen wie die spanische Schule und die oranische Heeresreform als Grundlagen für das schwedische System.
6. Die Schlacht bei Lützen: Die empirische Kernanalyse der Schlacht, die archäologische Funde und taktische Abläufe wie Aufstellung und konkrete Kampfverläufe kombiniert.
7. Schluss: Fazit zur Bedeutung der Schlacht und zum Erkenntniswert, den die archäologische Untersuchung von Schlachtfeldern für das militärgeschichtliche Verständnis liefert.
Schlüsselwörter
Schlacht bei Lützen, Dreißigjähriger Krieg, Schlachtfeldarchäologie, Gustav II. Adolf, Albrecht Wallenstein, Militärgeschichte, Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Taktik, Oranische Heeresreform, Frühneuzeitliche Kriegsführung, Munition, Metallfunde, Historische Quellenanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der militärhistorischen Rekonstruktion der Schlacht bei Lützen unter Einbeziehung archäologischer Erkenntnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die historische Ausgangslage, die Entwicklung des Heerwesens, taktische Strömungen der Zeit und die spezifische Auswertung des Schlachtfeldes von Lützen ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, welchen konkreten Forschungsgewinn die Schlachtfeldarchäologie für das Verständnis der Kampfweisen und des Heerwesens im 17. Jahrhundert liefert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der schriftliche Quellen und historiographische Literatur mit archäologischen Daten (Systematische Prospektion, Fundkartierung) abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt das Heerwesen, taktische Reformen, die Aufstellung der Armeen sowie die detaillierte archäologische Spurensuche auf dem Lützener Schlachtfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Schlacht bei Lützen, Dreißigjähriger Krieg, Schlachtfeldarchäologie, Waffentechnik, Taktik und militärische Revolution.
Warum spielt die Schlachtfeldarchäologie für die Analyse eine besondere Rolle?
Sie dient als objektives Korrektiv zur oft subjektiven oder lückenhaften schriftlichen Überlieferung, indem sie materielle Spuren des Kampfes im Boden direkt auswertet.
Welche Rolle spielten die "kroatischen Reiter" in der kaiserlichen Armee?
Sie wurden primär für Aufklärungsaufgaben, das Stören feindlicher Truppen und als mobile Verteidigungseinheiten eingesetzt.
Wie wurde die schwedische Armee durch die Oranische Heeresreform beeinflusst?
Die schwedische Armee übernahm und perfektionierte deren Grundsätze, wie die Verwendung kleinerer, beweglicherer Formationen und die strikte Anwendung von Drill und Disziplin.
Welche Erkenntnisse lieferte die Untersuchung der Bleifunde?
Die Analyse der Bleigussreste und Geschosse half dabei, Kampfzonen, Rückzugsgefechte und die Verwendung spezifischer Waffentypen (Musketen vs. Pistolen) lokal einzugrenzen.
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- Alexander Gebelein (Autor), 2017, Darstellung der Schlacht bei Lützen. Welchen Forschungsgewinn liefert die Archäologische Forschung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386972