In der Hausarbeit geht es darum, eine Verbindung zwischen Kapitalismus und Religion herzustellen. Zu diesem Zweck wird erst geschaut, ob eine Verbindung besteht. Anschließend werden die Konstrukte Religion, sowie Kapitalismus und Geld definiert.
Im abschließenden Fazit wird überprüft, inwieweit eine Verbindung zwischen Kapitalismus und Religion stichhaltig ist oder nicht.
Geld kann, schon laut Luther, für manche Menschen an die Stelle eines Gottes treten. Daraus ist zu schlussfolgern, dass das stetige Streben nach mehr Geld anstelle einer Religion treten kann. Das wohl bekannteste theologische Leitbild in der Wirtschaft ist die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith, dem Begründer der klassischen Nationenökonomie. Smith meint mit dieser Metapher, dass jeder der sein Kapital dazu einsetzt, einen möglichst großen Gewinn für sich selber zu generieren, sich gleichzeitig auch dafür einsetzt, dass das Volkseinkommen in dem Jahr so hoch wie möglich ausfallen wird. „Er wird in diesem, wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat.“ Diese Weltsicht überträgt sich auch in Smiths religiöse Ansichten: Er glaubt an einen Gott, der Menschen belohnt, selbst wenn bzw. gerade wenn diese sich egoistisch verhalten haben, da sie in diesen Fällen ja das Wohl aller unterstützen. Auch wenn man sicherlich eine Rechtfertigung mit Hilfe der „unsichtbaren Hand“ nicht als religiöses „Outing“ verstehen darf, zeigt trotzdem der Einfluss, den diese Theorie der „unsichtbaren Hand“ heute noch hat, wie verwoben die beiden Felder von Religion und Kapitalismus sein können. Lässt sich also Kapitalismus als Religion bezeichnen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Annäherung an den Begriff der Religion
3 Geld & Kapitalismus
3.1 Versuch einer Definition von Geld
3.2 Versuch über Kapitalismus
4 Kapitalismus & Religion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, ob der Kapitalismus als moderne Form der Religion betrachtet werden kann. Dabei wird analysiert, inwieweit ökonomische Strukturen und Mechanismen, insbesondere Geld und Kapitalakkumulation, die identitätsstiftenden und funktionalen Aufgaben traditioneller Religionen übernommen haben.
- Definition und soziologische Einordnung des Religionsbegriffs
- Analyse von Geld als gesellschaftliches Konstrukt und soziales Phänomen
- Untersuchung der Funktionsweise des Kapitalismus und seiner Akteure
- Vergleich der Funktionen von Religion (Identitätsstiftung, Kontingenzbewältigung) mit kapitalistischen Prinzipien
Auszug aus dem Buch
3.1 Versuch einer Definition von Geld
Denkt man an Geld scheint eine Definition zuerst recht trivial zu sein. Geld ist laut dem Duden ein „in staatlichem Auftrag aus Metall geprägtes oder auf Papier gedrucktes Zahlungsmittel“ und weiter „ größere [von einer bestimmten Stelle stammende, für einen bestimmten Zweck vorgesehene] Summe“11. In „Knapps Enzyklopädischen Lexikon des Geld - , Bank – und Börsenwesens“ wird Geld schon ein bisschen komplexer definiert: „Geld sei, alles was die Geldfunktion erfülle.“12Diese Beschreibung ist natürlich noch sehr allgemein gehalten. Im weiteren Verlauf des Abschnittes wird deswegen noch die, für das allgemeine Verständnis von Geld recht wichtige, „Triade des Geldes“ eingeführt : „Geld diene als Recheneinheit, als generelles Wertaufbewahrungsmittel und schließlich als Tauschmittel.“13Die Funktionen die das Geld also damit innehat drehen sich alle mehr oder weniger um den Tausch. Damit die Tauschfunktion aber genutzt werden kann muss der Geldbesitzer ein Teil der Geldgemeinschaft sein. Ist er es nicht hat das Geld für ihn keinen Tauschwert und der Gebrauchswert ist dafür umso höher. So kam es dazu, dass in Italien kleingestückelte Münzen beschlagnahmt wurden, weil sie als Knöpfe verwendet wurden. Geld beschränkt sich somit nicht nur auf die „Triade des Geldes“, sondern ist zusätzlich dazu noch eine gesellschaftliche Institution bzw. ein soziales Konstrukt.14
Bleiben wir erstmal bei diesem Gedanken bevor ich mich auf eine etwas abstraktere Ebene begebe. Geld ist „Ausdruck und Medium einer sozialen Wechselbeziehung“15. Die Erstreckung der Geldwirtschaft in alle Lebensbereiche erweitert die Komplexität der Arbeitsteilung und vergrößert so das Netz der sozialen Abhängigkeiten. Wo man in früheren Jahren nur kurze „Abhängigkeitsketten“ hatte, sind diese durch die Arbeitsteilung wesentlich länger und verworrener geworden, was es für den Einzelnen es nur schwer macht den Überblick zu behalten. Die Individuen in der Geldwirtschaft gehen mehr Beziehungen ein, dafür sind die Geschäftspartner austauschbarer und beliebiger geworden. Dieser Umstand verschafft den Menschen ein Maximum an Freiheit. Diese Freiheit drückt sich in der Geldwirtschaft aber nicht nur so aus, sondern auch dadurch dass, Geld eine Möglichkeit bietet Freiheit zu kaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, indem sie die enge Verflechtung von Kapitalismus und religiösen Motiven anhand von Zitaten bekannter Persönlichkeiten veranschaulicht.
2 Annäherung an den Begriff der Religion: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeit einer Religionsdefinition und begründet die Wahl eines funktionalistischen Ansatzes zur Analyse gesellschaftlicher Funktionen von Religion.
3 Geld & Kapitalismus: Hier werden die Begriffe Geld und Kapitalismus zunächst definiert und anschließend als soziologische Phänomene sowie als komplexe soziale Konstrukte untersucht.
3.1 Versuch einer Definition von Geld: Dieser Abschnitt beleuchtet Geld als Tauschmittel sowie als soziales Bindeglied und Ausdruck einer sozialen Wechselbeziehung.
3.2 Versuch über Kapitalismus: Das Kapitel untersucht die Strukturen des Kapitalismus, insbesondere die Kapitalakkumulation und das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Kapitalisten.
4 Kapitalismus & Religion: Das Kapitel führt den direkten Vergleich durch und zeigt auf, wie der Kapitalismus Funktionen wie Identitätsstiftung und Kontingenzbewältigung übernimmt.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Kapitalismus religiöse Qualitäten besitzt und als eine Steigerung von Religion interpretiert werden kann.
Schlüsselwörter
Kapitalismus, Religion, Geld, Religionssoziologie, Kapitalakkumulation, Identitätsstiftung, Kontingenzbewältigung, Soziale Integration, Wert, Tauschwert, Konsum, Ideologie, Unsichtbare Hand, Soziale Konstrukte, Wirtschaftsethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Untersuchung, ob und inwiefern der moderne Kapitalismus religiöse Züge trägt und die Funktionen traditioneller Religionen in der heutigen Gesellschaft ersetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die Soziologie der Religion, die Ökonomie des Geldes sowie die strukturelle Analyse kapitalistischer Wirtschaftsformen und ihrer ideologischen Rechtfertigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Geld und Kapitalismus als sinnstiftende und strukturierende Systeme wirken, die das Individuum und die Gesellschaft ähnlich wie eine Religion beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine funktionalistische Religionstheorie nach Franz Xaver Kaufmann, um die Aufgaben von Religion zu definieren und auf ökonomische Phänomene anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Annäherung an Religion, die soziologische Definition von Geld sowie die Untersuchung der Funktionsweise des Kapitalismus und seiner Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe wie Kapitalakkumulation, Identitätsstiftung, Kontingenzbewältigung und die „unsichtbare Hand“ stehen im Zentrum der Arbeit.
Inwieweit lässt sich Geld als ein soziales Konstrukt beschreiben?
Geld wird nicht nur als Zahlungsmittel verstanden, sondern als ein Medium, das soziale Wechselbeziehungen ausdrückt und als gesellschaftliche Institution die Lebenswelt der Menschen strukturiert.
Warum wird der Kapitalismus als eine Art Ideologie bezeichnet?
Laut der in der Arbeit zitierten Perspektive von Boltanski und Chiapello dient der „Geist des Kapitalismus“ als notwendige Rechtfertigung für die Teilnehmer, um sich in einem System zu engagieren, das ansonsten als krisenanfällig oder moralisch problematisch wahrgenommen werden könnte.
Welche Funktion hat die „Kontingenzbewältigung“ im Kapitalismus?
Sie dient dazu, unerklärliche oder negative ökonomische Vorkommnisse durch einfache, scheinbar unumstößliche Prinzipien wie die „unsichtbare Hand“ zu erklären und das System damit legitim zu halten.
- Citar trabajo
- Tobias Rösner (Autor), 2016, Vergleichende Ausführung über den Geist des Kapitalismus und der Religion, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387155