Die Auswirkungen der Waschmaschine auf die Hausarbeit in der deutschen Nachkriegsgesellschaft


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

2
1. Einleitung
Die frühen Jahrzehnte der Bundesrepublik Deutschland waren eine Zeit voller
gesellschaftlicher Veränderungen. Das Wirtschaftswachstum als Motor der im
Aufschwung befindlichen Konsumgesellschaft war ein wichtiger Faktor dafür, dass
immer mehr Menschen in den Genuss von Haushaltsgeräten und anderen
Konsumobjekten kamen, die bislang für sie unerschwinglich waren
1
. Zudem stellten
die noch präsenten Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und die Veränderung der
Jugendkultur durch eine stärkere Distanzierung und Skepsis der Jugend gegenüber der
Elterngeneration die Gesellschaft vor Herausforderungen
2
. Jedoch vor allem durch die
deutlich breitere Verfügbarkeit von Haushaltsgeräten kam es in der frühen Zeit der
Bundesrepublik zu einer Veränderung des Gesellschaftsbildes. Vor allem die Reklame
für diese neuen Gerätschaften wurde zu einem Erkennungsmerkmal für jene Jahre.
Von besonderem Interesse für diese Arbeit ist jedoch, welche Implikationen diese
Maschinen und Haushaltsgeräte für ihre Benutzer hatten, beziehungsweise inwiefern
sich das abstrakte, gesellschaftliche Bild von ihren Benutzern veränderte und somit
auch die Rolle, die diese Benutzer in der Gesellschaft einnahmen.
Wenn hier von Benutzern die Rede ist, so sind überwiegend Frauen oder genauer
Hausfrauen gemeint. Es stellt sich also die Frage, welchen Einfluss die starke
Verbreitung von Haushaltsgeräten auf die Rolle der Frau in der bundesdeutschen
Gesellschaft hatte. Um dem Rahmen dieser Hausarbeit Genüge zu tun, soll sich die
Untersuchung dieser Frage auf das Beispiel der Waschmaschine beschränken. Zur
Beantwortung der Forschungsfrage müssen vorher jedoch die Begriffe festgelegt
werden, von denen diese Untersuchung ausgehen soll. Daher soll zuerst die Rolle der
Frau in der Bundesrepublik Deutschland der 1950er Jahre näher beleuchtet werden.
Anschließend wird die Waschmaschine an sich näher betrachtet. Zunächst hinsichtlich
ihrer Entstehungsgeschichte und anschließend hinsichtlich ihrer Verbreitung in der
Nachkriegsgesellschaft der BRD. Daraufhin sollen die Auswirkungen dieser
Verbreitung in den westdeutschen Haushalten auf die Rolle der Frau in der
1
Vgl. Görtemarker, Manfred, Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 1999, S.174.
2
Vgl. Schildt, Axel, Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und Zeitgeist in der Bundesrepublik der
50er Jahre (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 31), Hamburg 1995, S. 152-
154.

3
Gesellschaft untersucht werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden dann im
Fazit abschließend zusammengefasst und gebündelt präsentiert.
2. Rolle der Frau in der BRD der 1950er Jahre
Um das in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er Jahren
vorherrschende Frauenbild und die Rolle der Frau skizzieren zu können, müssen
zunächst die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit betrachtet werden. So existierte
als Folge der großen Zahl von Männern, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen,
eine ungleich höhere Anzahl von Frauen im Verhältnis zu Männern, besonders im
Alter zwischen 15 und 45 Jahren
3
. Dies führte oftmals dazu, dass sich Frauen einem
gewissen Druck ausgesetzt fühlten einen Partner zu finden und zu heiraten, da das
Rollenbild vom Mann als Ernährer der Familie noch deutlich präsent war. Dies schlägt
sich in den Bevölkerungsstatistiken nieder, wo sich erkennen lässt, dass Frauen in den
1950er Jahren in einem jüngeren Alter heirateten als es zuvor der Fall war
4
. Die Rolle
der Frau in dieser Gesellschaft lässt sich mit der Rolle der Hausfrau beschreiben.
Damit ist die Rollenverteilung impliziert, dass der Mann einem Beruf nachgeht, also
das Einkommen des Haushalts erwirtschaftet, während die Frau die Arbeiten im
Haushalt erledigt und sich gegebenenfalls um die gemeinsamen Kinder kümmert.
Obwohl diese Rolle der Hausfrau in der heutigen Zeit oftmals mit dem Ausdruck
,,Heimchen am Herd" umschrieben wird, was die Arbeit einer Hausfrau der
Erwerbstätigkeit des Mannes unterordnet und somit eine relative Minderwertigkeit
dieser Arbeit impliziert, so kann diese Arbeit keineswegs als minderwertig oder
minder aufwändig beschrieben werden. Im Gegenteil, denn die Belastungen der
Hausfrau durch die Arbeiten im Haushalt waren mitunter enorm. Hier ist vor allem der
sogenannte Waschtag zu nennen. Diese Bezeichnung ist keineswegs ein
Euphemismus, denn ohne einen Waschvollautomaten nahm der Waschvorgang einen
vollen Tag in Anspruch und war mit aufwendiger Handarbeit verbunden
5
. Die
3
Vgl. Schildt, Axel, Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und Zeitgeist in der Bundesrepublik der
50er Jahre (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 31), Hamburg 1995, S. 65.
4
Vgl. Schildt, Axel, Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und Zeitgeist in der Bundesrepublik der
50er Jahre (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 31), Hamburg 1995, S. 65f.
5
Vgl. Hausen, Karin, Große Wäsche. Technischer Fortschritt und sozialer Wandel in Deutschland
vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 13 (1987), S. 273.

4
Verankerung des Rollenbildes der Frau als Hausfrau und Mutter lässt sich nicht zuletzt
in der zeitgenössischen Werbung feststellen. So waren beispielsweise Reklameplakate
für Haushaltsgeräte in der Bundesrepublik vorwiegend mit weiblichen Werbefiguren
versehen
6
.
3. Geschichte der Waschmaschine
3.1 Entwicklung
Um die Geschichte der Waschmaschine nachvollziehen zu können, muss zunächst
definiert werden, was eigentlich unter dem Begriff Waschmaschine zu verstehen ist.
So datiert Marion Steinhart die Erfindung der ersten Waschmaschine auf das Jahr
1767
7
. Steinhart spricht hier allerdings von einem handbetriebenen, hölzernen
Waschapparat und nicht von einer Waschmaschine, wie man sie im modernen Sinne
definieren würde. Jedoch ist auch bei einer Eingrenzung des Begriffes
,,Waschmaschine" auf den vollständig ausgereiften Waschvollautomaten
festzustellen, dass es bei der Festlegung auf ein konkretes Datum der Erfindung keinen
Konsens gibt. So sagt beispielsweise Reinhold Sackmann, die Erfindung der
Waschmaschine sei am Ende der 1940er Jahre erfolgt
8
. Steinhart hingegen bezeichnet
das Jahr 1956 als Datum der Erfindung des Waschvollautomaten
9
.
Diese Diskrepanz lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass es zur Mitte des 20.
Jahrhunderts in relativ kurzer Zeit zur Entstehung einer breiten Palette von
verschiedenen Waschmaschinenarten kam
10
. Es lässt sich also feststellen, dass die
Erfindung der Waschmaschine nicht an einem einzigen Datum festgemacht werden
kann, sondern viel eher als ein Prozess beschrieben werden muss, dessen Ursprünge
ins 18. Jahrhundert zurückreichen und der Mitte des 20. Jahrhunderts seinen
Höhepunkt fand.
6
Wirtschaftswundermuseum, das Frauenbild der Wirtschaftswunderzeit im Spiegel zeitgenössischer
Zeitschriften und alter Werbeanzeigen, 2017, online verfügbar unter:
http://www.wirtschaftswundermuseum.de/frauenbild-50er-1.html (Stand: 17.07.2017).
7
Vgl. Steinhart, Marion, Carl Miele, München 2000, S. 25.
8
Vgl. Sackmann, Reinhold, Weymann, Ansgar, Die Technisierung des Alltags. Generationen und
technische Innovationen, Frankfurt am Main 1994, S. 26.
9
Vgl. Steinhart, Marion, Carl Miele, München 2000, S. 81.
10
Vgl. Köster, Hans, Haushaltsträume. Ein Jahrhundert Technisierung und Rationalisierung im
Haushalt, Königsstein im Taunus 1990, S. 88.

5
Aus den verschiedenen Waschmaschinentypen setzten sich dann bis 1950 die
Quirlmaschine und die Trommelwaschmaschine durch und existierten nebeneinander
auf dem Markt
11
. Auch wenn das Waschen mit diesen frühen Waschmaschinen zwar
den bisher anstrengendsten Teil des manuellen Wäschewaschens, nämlich das
Schrubben und Bürsten mit einem Waschbrett, ersparte, blieb das Wäschewaschen
weiterhin eine anstrengende körperliche Arbeit und nahm trotz der Unterstützung
durch eine Waschmaschine einen vollen Tag in Anspruch
12
.
3.2 Verbreitung
Die Verbreitung der Waschmaschinen beschränkte sich bis in die 1950er Jahre hinein
hauptsächlich auf große Wäschereien, Waschmaschinen wurden bis dahin vor allem
als Industriemaschinen angesehen und weniger als Haushaltsgerät. Diese
Wahrnehmung änderte sich erst, als im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung
Westdeutschlands immer mehr junge Frauen in Fabriken Arbeitsplätze fanden.
Dadurch entstand in der bürgerlichen Schicht das sogenannte Dienstmädchenproblem,
denn diese Frauen, die nun in Fabriken arbeiteten, waren zu einem bedeutenden Teil
vorher in bürgerlichen Haushalten als Dienstmädchen unter anderem für das Waschen
zuständig gewesen. In den Fabriken verdienten sie allerdings mehr Geld, weshalb nun
viele bürgerliche Hausfrauen dazu gezwungen waren, ihren Haushalt selbst zu
führen
13
. Somit entstand eine Nachfrage vorwiegend wohlhabenderer Hausfrauen nach
Haushaltsgeräten, die diese ungewohnte und mit Sicherheit auch als nicht
standesgemäß angesehene Arbeit des Wäschewaschens, das wie bereits erwähnt mit
traditionellen Methoden durchgeführt einen vollen Tag in Anspruch nahm, erleichtern
konnten.
Dies lässt sich auch an der Werbung der Waschmaschinenhersteller ablesen, so warb
Miele beispielsweise mit dem Slogan, die Waschmaschine sei ,,die beste Helferin der
Hausfrau am Waschtag" oder ,,Die Miele Elektro-Waschmaschine übernimmt die
11
Vgl. Sinn, Adalise, Wäschepflege im Haushalt. Eine Fachkunde über Waschen, Bügeln und
Fleckenentfernen, Hamburg
3
1962, S. 68.
12
Vgl. Hausen, Karin, Große Wäsche. Technischer Fortschritt und sozialer Wandel in Deutschland
vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 13 (1987), S. 273.
13
Vgl. Hausen, Karin, Große Wäsche. Technischer Fortschritt und sozialer Wandel in Deutschland
vom 18. bis ins 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft 13 (1987), S. 279.
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der Waschmaschine auf die Hausarbeit in der deutschen Nachkriegsgesellschaft
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Staat, Wirtschaft und Gesellschaft im historischen Wandel
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V387233
ISBN (eBook)
9783668614499
ISBN (Buch)
9783668614505
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Waschmaschine Feminismus Frau Nachkriegszeit
Arbeit zitieren
Jonas Kürten (Autor), 2017, Die Auswirkungen der Waschmaschine auf die Hausarbeit in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387233

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