Soziale Ungleichheiten. Lebenswelten türkischer MigrantInnen in Österreich


Bachelorarbeit, 2017

45 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

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Abstract
In der vorliegenden Arbeit werden die sozialen Ungleichheiten für türkische Migranten und
Migrantinnen in Österreich geschildert. Weiters werden die Dimensionen beschrieben und
erläutert, in denen die Ungleichheiten stattfinden.
In der Arbeit wird Rücksicht auf die Ungleichheiten in verschiedenen Aspekten, wie im
Bildungssystem, aber auch im Arbeitsmarkt geschildert, während der Punkt Familie auch eine
wichtige Rolle spielt, einbezogen. Es werden verschiedene Alltagserlebnisse beziehungsweise
Lebensgeschichten von drei Österreicherinnen und Österreichern mit türkischen Wurzeln, die
interviewt wurden, geschildert, die einen Einblick in ihr Leben zeigen und die
Schwierigkeiten, die sie in verschiedenen Bereichen erlebt haben.
Für die Bachelorarbeit wird die qualitative Biografieforschung benutzt, narrative Interviews
durchgeführt und mit Hilfe der Narrationsanalyse analysiert und interpretiert. Schlussendlich
wird ein Vergleich zwischen den drei Interviews beschrieben, indem ein theoretisches Modell
konstruiert wird.

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,,Heute jedoch sind die Völker der Erde so eng zusammengerückt,
dass ein Überleben auf unserem Planeten davon abhängt, inwieweit
die Menschen genügend Kenntnis voneinander, genügend Verständnis
füreinander haben und inwieweit sie auch denen Achtung
entgegenbringen, deren Lebensweise sich von der eigenen
unterscheidet." (Brown 1968, 9)

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
1.1. Themenfindung ...5
1.2. Aktueller Forschungsstand ...6
1.3. Fokus der Forschung...6
1.4. Forschungsfrage ...7
2. Begriffsdefinition ...8
2.1. Migration ...8
2.2. Integration ...8
2.3. Ungleichheit ...9
2.4. Subkultur ...9
2.5. Bildung, Einkommen, Geschlecht...9
3. Forschungsmethode ...10
3.1. Biografieforschung ...10
3.2. Narratives Interview nach Schütze ...12
3.3. Feldzugang ...13
3.4. Demografische Merkmale ...14
3.5. Einstiegsimpuls ...15
3.6. Vorgangsweise der Interviews ...17
3.7. Analyseverfahren ...18
3.8. Transkriptionsverfahren ...19
3.9. Beobachtungsprotokoll ...22
4. Empirischer Teil
4.1. Analyse 1. Interview ...23
4.2. Analyse 2. Interview ...32
4.3. Analyse 3. Interview ...39
4.4. Vergleich der Interviews ...42
5. Reflexion ...42
6. Conclusio und weitere Schritte ...43
7. Literaturverzeichnis ...45

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Einleitung
1.1. Themenfindung
Beginnend mit den 1990er-Jahren, noch stärker aber seit der Jahrtausendwende, wird das Bild
der Migrantinnen und Migranten in Österreich immer vielfältiger (vgl.
Statistik Austria 2009).
Seit vielen Jahren ist Österreich ein Einwanderungsland. Die BewohnerInnen haben
verschiedene Nationalitäten, die wiederum ein multikulturelles und auch ein multiethnisches
Land darstellen. Österreich beheimatet rund
116.838 Menschen mit türkischem
Migrationshintergrund (vgl. Statistik Austria, 2016). ,,Zu den Merkmalen jeder Gesellschaft
zählt ein gewisses Maß an sozialer Ungleichheit, so auch in der modernen
Wohlstandsgesellschaften" (Lang, Gert: 2017, zit. nach Lepsius 2008: 1).
Da sich die heutige Politik, die Gesellschaft und auch die Medien sehr oft mit türkischen
Migranten und Migrantinnen beschäftigen, wollte ich das Thema ,,Soziale Ungleichheit bei
türkischen Migranten und Migrantinnen der zweiten Generation" aufgreifen.
Warum ich mich für dieses Thema entschieden habe, hat mehrere Gründe. Einerseits lebe ich
in Österreich und bin über einige Vorfälle und Berichte über türkische Migranten und
Migrantinnen informiert und andererseits habe ich auch einen türkischen
Migrationshintergrund. Deshalb habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Ich habe die sozialen Ungleichheiten mit Hilfe der Biografieforschung, die ich auch mit der
Intersektionalität verknüpft habe, analysiert. Dabei bin ich auch auf den Begriff der Subkulturen
gestoßen und habe diese in meine Analyse miteinbezogen.
Es geht mir darum, die Formen von sozialen Ungleichheiten genauer zu definieren,
aufzudecken, welche Konsequenzen es für Betroffene gibt und schließlich auch Wege
aufzuzeigen, wie diese reduziert oder ganz vermieden werden können.

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1.2. Aktueller Forschungsstand
Um aufzuzeigen, in welchen Themengebieten Forschungen durchgeführt wurden, erschien es
mir hilfreich, anhand einer Recherche
mithilfe der Literatur einen Überblick über die jeweiligen
Schwerpunkte zu geben.
Eine Vielzahl an Werken und Texten zu diesem Themengebiet, die Schwierigkeiten von
türkischen Migranten und Migrantinnen, gibt es bereits. Das Werk ,,Migration, soziale
Ungleichheit und ethnische Konflikte" von Hans-Joachim Hoffmann beispielweise erörtert,
dass unter anderem ,,Migration" ein Thema der Gegenwart ist und dies auch in Zukunft sein
wird. Der Autor geht davon aus, dass das Thema Migration jeden gesellschaftlichen Bereich
berührt und unsere Welt ohne diese nicht mehr vorstellbar wäre (vgl. Hoffmann-Nowotny,
Hans-Joachim. 2000: 156).
Ein weiteres Werk, das sehr gut geschrieben ist und die soziale Ungleichheit analysiert, ist von
Anne Juhasz und Eva Mey, ,,Migration und soziale Ungleichheit", aus dem Jahr 2003. Das
Buch behandelt die Frage, wie die Ungleichheiten oder auch die Gleichheiten von Jugendlichen
erfasst werden. Dabei sind die Schichtzugehörigkeit beziehungsweise die
Klassenzugehörigkeit, aber auch andere Faktoren wichtige Aspekte. Die Kategorien, wie
Klasse, Alter, Geschlecht und Nationalität werden in der sozialen Ungleichheit festgelegt und
ebenfalls miteinbezogen (vgl. Juhasz, Anne und Mey, Eva 2003).
Der aktuellste Forschungsstand über die Ungleichheit bei türkischen Migranten und
Migrantinnen
allgemein ist speziell zu der Forschung, die analysiert wird, nur beschränkt
vorhanden. Er bezieht sich hauptsächlich auf die Ungleichheit im Bildungssystem, aber auch
auf die ökonomische Ungleichheit, die Migranten und Migrantinnen
generell erleben.
1.3. Fokus der Forschung
Natürlich versucht man sich dem Thema zu widmen, das eine komplett andere Seite des
Forschungsstands zeigt, auch den Horizont erweitert. Viele türkischstämmige Migranten und
Migrantinnen leben seit Jahren in Österreich.

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Die zweite Generation, die hier geboren beziehungsweise als Kind mit den Eltern eingewandert
ist, hat dennoch mit verschiedenen Dingen zu kämpfen. Sie zweite Generation wird nicht mehr
als ,,Gastarbeitergeneration" angesehen. Obwohl dieser Begriff seit den 1950er Jahren an
Bedeutung gewonnen hat, wird er nicht gerne von Migranten und Migrantinnen gehört. Man
versteht darunter die Bezeichnung für ausländische Arbeitnehmer in der Bundesrepublik
Deutschland. Man ist derzeit bemüht, diesen negativ bewerteten Begriff durch den neutralen
des ausländischen Arbeitnehmers abzulösen, damit zugleich auch der -»Status als Gast
geringeres Gewicht erhält (vgl.
Lamnek, Siegfried et al. 2007:.196).
Diese Ungleichheit wird in verschiedenen Dimensionen erlebt, wobei in dieser Arbeit drei
Bereiche fokussiert wurden.
Diese Dimensionen wären:
x Die soziale Dimension: Darunter versteht man die Gesellschaft, in welcher Art und
Weise Menschen miteinander leben.
x Die ethnische Dimension ist das Volk selbst, mit seiner kulturellen Ausprägung.
x Die Geschlechterdimension, darunter ist das männliche und weibliche Geschlecht zu
verstehen und in welchen Bereichen sich die Geschlechter voneinander unterscheiden.
1.4. Forschungsfrage
Um eine gelungene Forschungsfrage zu formulieren, ist eine zeitintensive Vorarbeit notwendig.
Nach langer Überlegung und Versuchen, die Forschungsfrage präziser und genauer zu
formulieren, aber dennoch alle Bereiche, die in dieser Forschung durchgenommen werden
sollen, hervorzuheben, wurde die Forschungsfrage aufgestellt.
Dadurch, dass das Themengebiet auf Migration basiert und dabei eine ethnische Gruppe
untersucht wird, stellte sich die Frage, inwieweit die Formulierung angepasst werden kann.
Daher die Forschungsfrage:
Mit welchen sozialen Ungleichheiten haben türkische Migranten und Migrantinnen der zweiten
Generation, die in Wien leben, zu kämpfen?

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Als besonders herausfordernd empfand ich diesbezüglich, das Interessengebiet auf eine Ebene
zu bringen, die sowohl die soziale, ethnische als auch die geschlechtliche Dimension beinhalten
sollte. Somit war es eine Herausforderung, auch für dritte Personen nachvollziehbare Fragen
aufzustellen, welche verständlich wiedergeben, worauf der Schwerpunkt in der folgenden
Arbeit gelegt wurde.
2. Begriffsdefinitionen
In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit den Begriffen Migration, Integration, aber auch mit
Ungleichheiten und Subkulturen beschäftigt, die ich genauer definieren möchte.
2.1.
Migration
In einem nächsten Punkt steht die Definition aller zentralen Begriffe im Vordergrund.
Zuerst werde ich den Begriff Migration definieren: ,,Migration bedeutet Wanderung. In einem
ersten Zugriff spricht man von Migration, wenn Menschen ihren Lebensmittelpunkt über einen
längeren Zeitraum hinweg verlagern. Touristische Aufenthalte oder Studienzeiten mit eindeutig
befristetem Charakter fallen nicht unter Migration" (vgl. Schroer, Markus (Hrsg.) 2008, zit.
nach. Treibel 2008a: 295).
2.2.
Integration
Ein weiterer Begriff, der mit Migration verknüpft ist, ist die Integration.
Integration beschreibt den Prozess der Eingliederung von Individuen, Gruppen oder Teilen der
Gesellschaft in das Gefüge von Werten und Normen von Gruppen, Gemeinschaften oder
Gesellschaften.
(http://hochschulforschung.uni-kassel.de)
2.3. Ungleichheit
In meiner Arbeit befasse ich mit dem Thema Ungleichheit, wobei sich diese in zwei Bereiche
gliedert: die soziale Ungleichheit und die ökonomische Ungleichheit.
Ungleichheit selbst ist in zwei Bereichen zu unterscheiden. Unter Ungleichheit ist die soziale
Ungleichheit und sie soziale Schichtung zu verstehen, wobei die soziale Ungleichheit in meiner
Forschung die Grundbasis darstellt.

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,,Unter sozialer Ungleichheit (s. U.) versteht man die asymmetrische Verteilung knapper und
begehrter Güter auf gesellschaftliche Positionen und so entstehende vorteilhafte bzw.
nachteilige Lebensbedingungen von Menschen. S. U. meint demnach nicht bloße
Verschiedenartigkeit, sondern Verschiedenwertigkeit von Lebensbedingungen" (Lamnek et al.
2017:
590, 692).
2.4.
Subkultur
Ein weiterer Begriff, der sich in meiner Arbeit definieren lässt, ist die Subkultur.
,,Als Subkultur wird eine in sich geschlossene gesellschaftliche Teilkultur verstanden, die sich
in ihren Institutionen, Werten, Normen, Bedürfnissen, Verhaltensweisen und Symbolen von der
gesellschaftlich dominierenden Kultur unterscheidet, aber auch in Klassenlage, Alter, Beruf
oder Herkunft. Diese Teilkulturen führen innerhalb der Gesamtkultur ein Eigendasein. Die
Abweichungen einzelner Subkulturen von einer Normkultur können hinsichtlich der Intensität
ihrer Ausprägungen variieren, weshalb sie sich auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz
unterscheiden". (http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at)
In der folgenden Arbeit werden auch die Begriffe Bildung und Einkommen sowie Geschlecht
zu definieren sein.
2.3.
Bildung
Unter Bildung versteht man den Prozess, in dem und durch den der Mensch Kenntnisse,
Fähigkeiten, Fertigkeiten, aber und gerade auch Normen und Werte vermittelt bekommt und
Einstellungen und Werthaltungen entwickelt (vgl. Lamnek, Siegfried/Recker Helga /Reinhold
Gerd 2017: 63).
Einkommen
Einkommen wird definiert als die Gesamtheit der Geldbeträge, die einem Wirtschaftssubjekt
während eines Zeitraumes zukommen. Die Soziologie definiert das Einkommen als Merkmal
der sozialen Lage von Individuen oder Gruppen einer Gesellschaft, das deren Status ausmacht
(vgl. Lamnek et al. 2017: 126).

10
Geschlecht
Das Geschlecht spielt in allen Bereichen der Ungleichheit sowie in der Gesellschaft selbst eine
wichtige Rolle. Der Begriff Wird folgendermaßen definiert:
Geschlecht ist eine zentrale sozialstatistische oder demographische Variable bei praktisch allen
soziologischen Analysen, weil das Geschlecht nicht nur durch die biologischen Unterschiede
bestimmt ist, sondern weil es eine soziale Definition erfährt, die in allen gesellschaftlichen
Bereichen handlungsrelevant und differenzierend, manchmal auch diskriminierend wird (vgl.
Lamnek et al. 2017: 214).
3.1. Forschungsmethode
Die Biografieforschung ist ein Forschungsansatz der Qualitativen Methode.
Als elaborierte Methode mit einer angebbaren theoretischen Legitimation wurde die
Erforschung von Biographien aus der Perspektive der Biographieträgerinnen erst ab den späten
1970er Jahren vor allem durch den damals in Bielefeld wirkenden Soziologen Fritz Schütze
etabliert (vgl. Strübing, Jörg 2013: 155).
Unter Biografieforschung werden alle Forschungsansätze und -wege in den
Sozialwissenschaften verstanden, die als Datengrundlage Lebensgeschichten haben, also
Darstellungen der Lebensführung und der Lebenserfahrung aus dem Blickwinkel desjenigen,
der sein Leben lebt (vgl. Fuchs-Heinritz, Werner 2005: 9).
Sie beschäftigt sich mit autobiografischen Äußerungen und Subjekten, die analysiert werden
und damit einen Fokus auf das Erlebte setzten.
Bei der Biografieforschung geht es nicht um theoretische Konzepte, methodologische
Grundpositionen oder einzelnen Verfahrensvarianten, sondern vom Charakter der Daten her-
erzählte Lebensgeschichten (vgl. Fuchs-Heinritz 2005: 128).
Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheiten. Lebenswelten türkischer MigrantInnen in Österreich
Hochschule
Universität Wien  (Soziologie)
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
45
Katalognummer
V387460
ISBN (eBook)
9783668619975
ISBN (Buch)
9783668619982
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, ungleichheiten, lebenswelten, migrantinnen, österreich
Arbeit zitieren
Burcu Özcan (Autor), 2017, Soziale Ungleichheiten. Lebenswelten türkischer MigrantInnen in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387460

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