Die deutsch-französische Politik und Ziele der Zusammenarbeit

Eine Analyse der deutsch-französischen Beziehungen


Hausarbeit, 2014
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
- 2 -
MILITÄRISCHE UND AUßENPOLITISCHE BEZIEHUNGEN - 3 -
Herausforderungen und die Deutsch-Französische Brigade
- 8 -
Ende des Realismus in der Sicherheitspolitik
- 8 -
DIE SOZIO-KULTURELLEN BEZIEHUNGEN
- 10 -
Ein kulturhistorischer Abriss
- 10 -
Der Schutz der eigenen Kultur
- 13 -
Unterschiede und Zusammenarbeit
- 14 -
Der Realismus in den sozial-kulturellen Beziehungen
- 15 -
DIE ÖKONOMISCHEN BEZIEHUNGEN
- 16 -
Unterschiedliche Wirtschaftssysteme
- 18 -
Wirtschaftliche Vorteile Deutschlands
- 19 -
SCHLUSS
- 21 -
LITERATURVERZEICHNIS
- 22 -

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Einleitung
Die Bundesrepublik Deutschland und die Französische Republik bilden gemeinsam mit
England das ökonomische, politische und bevölkerungstechnische Rückgrat der Europäischen
Union und Europas im Ganzen. Nach jahrhundertelanger, oft als Erbfeindschaft bezeichneter
Feindseligkeit, arbeiten Deutschland und Frankreich auf unterschiedlichsten Ebenen intensiv
zusammen.
Doch aus welchen Gründen kooperiert Deutschland nun seit geraumer Zeit mit dem ehemaligen
Feind? Dieser Frage widmet sich diese wissenschaftliche Arbeit. Um diese Frage beantworten
zu können wird in dieser Arbeit die Beziehung in drei Themenbereiche geteilt und diese
behandelt. Zu Beginn werden die politischen und militärischen Beziehungen behandelt,
daraufhin die Sozio-kulturellen und am Ende die Ökonomischen. Dies soll einen
umfangreichen Überblick über jede wichtige Form der Beziehung ermöglichen.
Auf Grundlage des Realismus versuchen wir die Frage nach den Gründen für die
Zusammenarbeit zu beantworten. Da die drei Themenbereiche sich deutlich unterscheiden,
erschließt sich jedes auf eine etwas andere Art und Weise, so wird die politische und
militärische Kooperation anhand eines Beispiels erläutert werden, die sozio-kulturellen
Beziehungen nehmen eher Bezug auf die Geschichte und die Unterschiede der beiden Kulturen
und die ökonomische Zusammenarbeit wird vor dem Hintergrund der unterschiedlichen
Wirtschaftssysteme betrachtet. Am Ende jedes Abschnittes wird ein kurzes Fazit gezogen,
welches speziell für diesen Teil die Gründe für eine Kooperation aufzeigt. Denn aus Sicht des
Realismus, ist eine Kooperation eher selten und bedarf guter Gründe für den Akteur, diese
einzugehen. Am Ende wird in einem zusammenfassenden Fazit die Kausalkette erläutert, die
zu diesen deutsch-französischen Beziehungen führt.

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Militärische und außenpolitische Beziehungen
Dieser Teil der Ausarbeitung wird sich mit den Zielen Deutschlands, die es bezüglich der
militärischen und außenpolitischen Kooperation mit Frankreich entwickelt hat, beschäftigen.
Diese Ziele werden anhand des Realismus beleuchtet. In bisherigen Analysen der deutsch-
französischen außen- und militärpolitischen Beziehungen wurden neben dem Realismus auch
der Sozialkonstruktivismus und der neoliberale Institutionalismus als Modell der
Internationalen Beziehungen verwendet.
Bis zum Zerfall des Ostblockes wurden die allermeisten Fragestellungen zu diesem Thema mit
dem Ansatz des Realismus beantwortet .Der Realismus stieß mit dem Ende des Kalten Krieges
aber an seine Grenzen. Seit den 1990er Jahren finden wir ausschließlich
sozialkonstruktivistische und liberalistische Untersuchungen zu Deutschlands außen- und
militärpolitischen Zielen. Deshalb deutet sich bereits jetzt an, dass der Realismus an seine
Grenzen stoßen wird. In dieser Ausarbeitung wird insofern anders mit dem IB-Ansatz des
Realismus umgegangen, dass der Ansatz des ,,neuen europäischen Realismus" mitbehandelt
wird. Dieser Begriff wurde durch die Stiftung Wissenschaft und Politik geprägt. Diese Stiftung
ist der Auffassung, dass durch die Entwicklungen in der EU die großen Mitgliedsstaaten wie
Deutschland und Frankreich gestärkt würden. Dadurch erhalte Deutschland die Möglichkeit,
Außenpolitik und Militär so zu gestalten, wie es dem Ausbau der deutschen Vormacht innerhalb
der EU dienlich wäre.
1
In diesem Teil der Hausarbeit werden qualitative Methoden verwendet werden. Somit liegt der
Schwerpunkt eindeutig auf einer intersubjektiv überprüfbaren Interpretationsarbeit. Da Modelle
zu dieser Thematik nicht aussagekräftig sind, wird die Analyse der deutschen Ziele in der
Militär- und Außenpolitik in Bezug auf die deutsch-französischen Beziehungen anhand von
Interviews, Fachliteratur und Beispielen erfolgen. Zunächst wird dabei die Fachliteratur im
Fokus stehen, basierend darauf werden Beispiele und Interviews aufgeführt, die die
Fragestellung verdeutlichen.
1
Vgl. German Foreign Policy, Neuer Realismus. Abruf auf:
https://www.secarts.org/journal/index.php?show=article&id=1014&PHPSESSID=31c963c1c57ce7c0e
b0a8e207420bb6e&lang=de (06.07.2014)

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Die Kernhypothese liefert einen entscheidenden Anteil an der Debatte, ob Deutschland seine
Ziele lediglich rational und machtbewusst verfolgt, oder ob die (deutsch-französische)
Völkerverständigung und die europäische Integration nicht doch die Ideale der deutschen
Militär- und Außenpolitik sind.
Zunächst ist zum Verständnis der Problematik eine Trennung von Deutschlands Zielen auf
Frankreich unerlässlich. Zum einen steht hier die Zeit bis zum Ende des Kalten Krieges mit
dem übergeordneten Ziel Deutschlands, die Bundesrepublik mit der DDR wiederzuvereinigen.
Diese Problematik soll im Folgenden kurz erläutert werden. Den Schwerpunkt dieses Kapitels
bildet jedoch die Analyse der heutigen Ziele Deutschlands in Bezug auf Frankreich. Hierbei
wird als Beispiel die Deutsch-Französische Brigade angeführt werden.
Bis zum Ende des Kalten Krieges lassen sich Deutschlands Ziele in Bezug auf Frankreich mit
dem Realismus erklären. Während der achtziger Jahre hatte Deutschland einige Funktionen der
bilateralen Kooperation mit Frankreich vor Augen.
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Zum einen musste Deutschland Frankreich in der Außen- und Militärpolitik zeigen, dass es
verlässlich war. Auf beiden Seiten herrschte Misstrauen hinsichtlich der Verlässlichkeit des
Partnerlandes. Frankreich fürchtete sich um die Westbindung Deutschlands, Deutschland
hingegen um die Berechenbarkeit des verteidigungspolitischen Engagements Frankreichs.
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Deutlich lässt sich hier eine Politik des Realismus aufzeigen. Deutschland war besorgt um die
eigene nationale Sicherheit, die durch das Eintreten einer französischen Aggression gefährdet
worden wäre. Das Ziel der Vertrauensbildung mit der Methode der bilateralen Kooperation
entspricht hierbei traditionellem nationalstaatlichem Handeln. Deutschlands Ziel war es bis
zum Ende des Kalten Krieges, die Wahrung der nationalen Sicherheit durch eine engere
militärische Zusammenarbeit und eine außenpolitische Abstimmung mit Frankreich zu
erreichen.
4
Des Weiteren strebte die Bundesrepublik nach einer »sicherheitspolitischen Selbstbindung
durch die Kooperation mit Frankreich.«
5
Durch die Zusammenarbeit mit Frankreich lieferte
Deutschland den Beweis für die Treue zum Westen. Deutschland stimmte sich mit Frankreich
2
Vgl. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz. Deutsch-französische sicherheitspolitische
Zusammenarbeit 1982 - 1989, Baden-Baden 1992, 270.
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Vgl. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz, 270/271.
4
Vgl. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz, 271.
5
Zit. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz, 271.

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über die Ostpolitik ab und somit avancierte Frankreich neben den USA zum wichtigsten
Unterstützer Deutschlands in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik.
Nicht zu vernachlässigen ist zudem die Funktion der politischen Rückenstärkung. Deutschland
konnte sich durch eine Annäherung an Frankreich einen außenpolitischen Handlungsspielraum
erhalten, welchen die USA einschränken wollten. Immer dann, wenn die USA von Deutschland
einen politischen Kurs verlangte, welcher entgegen des Eigeninteresses stand, lehnte sich
Deutschland an Frankreich an. Im Gegenzug dazu schirmte Deutschland Frankreichs
Atomstreitkraft gegen rüstungskontrollpolitische Forderungen ab.
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Zuletzt war es ein Ziel Deutschlands, durch die Bindung an Frankreich der europäischen
Sicherheitspolitik einen größeren Stellenwert zu ermöglichen. Die Sowjetunion sollte dazu
veranlasst werden, die europäischen Interessen in größerem Umfang zu berücksichtigen als zu
diesem Zeitpunkt geschehen.
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Es ist deutlich zu sehen, dass Deutschland vielfältige Ziele hatte, die es nur mit einer
Kooperation mit Frankreich zu verwirklichen sah. Deutschland benötigte Frankreich während
der Nachkriegszeit, um seine verlorene demokratische Legitimität zu erneuern. Frankreich war
zudem Garant für die Sicherheit Deutschlands gegenüber der russischen Bedrohung.
Zusammen trieben beide Länder die Europäische Gemeinschaft voran, welche Deutschland
einen immer größer werdenden Handlungsspielraum ermöglichte.
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Bis zum Ende des Kalten Krieges lassen sich somit die deutschen Ziele in Bezug auf Frankreich
mit dem Realismus erklären. Deutschland sah in Frankreich das Mittel zum Zweck. Durch die
Bindung an das bedeutendste Land auf dem europäischen Festland sorgte Deutschland dafür,
dass es einen mächtigen Fürsprecher hatte. Durch beidseitige Rücksichtnahme schuf sich
Deutschland einen erweiterten Handlungsspielraum und eine Ausweitung der Befugnisse
bezüglich der Militär- und Außenpolitik. Der Realismus besagt, dass Nationalstaaten durch
Machttriebe handeln. In diesem Falle hat das stark geschwächte Deutschland der
Nachkriegszeit im Schatten Frankreichs nach einer Machtvermehrung gestrebt und dieses Ziel
auch erreicht. Deutschland handelte in dem Streben nach nationaler Sicherheit und stellte sich
hierbei sogar einige Male gegen die USA und an die Seite Frankreichs. Hiermit zeigt sich
6
Vgl. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz, 272-274.
7
Vgl. Lothar Rühl, Der Aufschwung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit seit 1982, in: Karl
Kaiser / Pierre Lellouche (Hg.), Deutsch-französische Sicherheitspolitik. Auf dem Wege zur
Gemeinsamkeit?, Bonn 1986, 45.
Vgl. Philip H. Gordon, Die Deutsch-Französische Partnerschaft und die Atlantische Allianz, Bonn
1994, 84.

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deutlich, dass die Macht eines Staates abhängig von der Größe, der Wirtschaft und des Militärs
ist. Mit dem Realismus lässt sich die Bindung an Frankreich demnach deutlich nachvollziehen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Zerfall des Ostblockes änderten sich dich
deutschen Ziele in der Sicherheitspolitik in Bezug auf Frankreich einschneidend. Nach der
Wiedervereinigung Deutschlands gibt es andere Probleme, die in der Bundesrepublik gelöst
werden müssen. Hier wird der Ansatz des Realismus seine Grenzen aufzeigen.
Deutschland hat sich in seiner Verfassung, dem Grundgesetz, in mehreren Artikeln dem Ziel
der zwischenstaatlichen Kooperation verschrieben. In Artikel 23 des Grundgesetzes heißt es,
,,Zur Verwirklichung eines vereinten Europas wirkt die Bundesrepublik Deutschland bei der
Entwicklung der Europäischen Union mit..."
8
. Demnach hat Deutschland keine rigorose
Machterweiterung im Sinn, sondern eine Stärkung der Zusammenarbeit mit Frankreich und der
EU.
Weiterhin heißt es in Artikel 24 Absatz 2 des Grundgesetzes, dass sich Deutschland ,,zur
Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit"
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anschließen kann,
was mit dem NATO-Beitritt Deutschlands 1955 bereits geschah. All diese Fakten führen dazu,
dass nach dem Ende des Kalten Krieges der Ansatz des Realismus nicht mehr verwendet wird,
wenn es um die deutsch-französischen Beziehungen in der Außen- und Militärpolitik geht. Bis
1994 wurden schließlich alle französischen Truppen auf deutschem Hoheitsgebiet abgezogen
und heutzutage bildet allein die Deutsch-Französische Brigade das Kernstück der militärischen
Zusammenarbeit. Die militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten scheint zwar
weniger geworden zu sein, sie wurde jedoch in den letzten Jahren intensiviert. Das Prinzip der
gemeinsamen Sicherheit mit einem geteilten Risiko ist jedoch auch in der Gegenwart ein
wichtiger Bestandteil der Sicherheitspolitik Deutschlands.
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Deutschland ist seit dem Inkrafttreten des Zwei-Plus-Vier-Vertrages 1991 außenpolitisch ein
gleichberechtigter Akteur. Somit haben sich auch die Ziele Deutschlands bezüglich Frankreichs
verändert. Deutschland musste nun einen Weg finden, um die Bindung an den wichtigsten
Partner Europas aufrecht zu erhalten. Als neue Methode bot und bietet sich die Europapolitik
an. Deutschland band Frankreich politisch an sich und so wurde die Europäische Union
maßgeblich durch die Achse Berlin-Paris geprägt.
8
Art. 23 Abs. 1 S. 1 GG
9
Art. 24 Abs. 2 S. 1 GG
10
Vgl. Urs Leimbacher, Die unverzichtbare Allianz, 278.
Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die deutsch-französische Politik und Ziele der Zusammenarbeit
Untertitel
Eine Analyse der deutsch-französischen Beziehungen
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
2,0
Autoren
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V387477
ISBN (eBook)
9783668615342
ISBN (Buch)
9783668615359
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Frankreich, Zusammenarbeit, Ziele, Kooperation, Beziehung
Arbeit zitieren
M.A. Fabian Sauer (Autor)Laurits Weitkamp (Autor)Florian Wiedemann (Autor)Kai Hildebrandt (Autor), 2014, Die deutsch-französische Politik und Ziele der Zusammenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387477

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