Historisch-kritische Bibelexegese. Exodus 2,1-10 (Mose Geburt und Rettung)


Seminararbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalts

1 Einleitung in die Thematik

2 Übersetzungsvergleich

3 Strukturanalyse

4 Erzähltextanalyse

5 Literar- und Redaktionskritik

6 Gattungs- und Traditionskritik

7 Ausblick

8 Literaturverzeichnis

In den folgenden Kapiteln wird die Bibelstelle Exodus 2,1-10 bezüglich verschiedener Aspekte, synchron als auch diachron, beleuchtet. In dieser Perikope wird die Geburt und Rettung von Mose thematisiert. Da Moses eine Schlüsselfigur des Buches Exodus und auch des gesamten Pentateuch ist, hat dieser Text einen besonderen Stellenwert für die Exodustradition und die Fünf Bücher Mose in ihrer Gesamtheit.

Mit Hilfe der unterschiedlichen Herangehensweisen soll sich eine Gliederung des Bibelauszugs und vertieftes Verständnis des Inhalts und dessen Hintergründen ergeben. Die Gliederung kann sich von Methode zu Methode verändern aber auch bestätigt werden. Zuerst werden drei verschiedene Übersetzungen der Perikope verglichen um die passendste Grundlage für die Weiterarbeit zu finden. Dann werden Ergebnisse zu Form und Inhalt des Auszugs in der Strukturanalyse festgehalten. Im darauffolgenden Kapitel wird die Textgestalt bezüglich ihres literarischen Wertes als Erzähltext untersucht. In der Literarkritik, der nächsten Methode, geht es darum, die bisherigen Ergebnisse anders auszuwerten. Die bereits gefundenen Brüche aus dem Übersetzungsvergleich, der Struktur- und Erzähltextanalyse können sich hier auf verschiedene Urheberschaft unterschiedlicher Textfragmente zurückführen lassen. Die Geschehnisse vor und nach der Bibelstelle können auch entscheidende Auswirkungen auf den betreffenden Auszug haben. Warum hat der Auszug die Berechtigung eine eigenständige Texteinheit zu sein? Die Redaktionsgeschichte versucht die Entstehung der vorliegenden, endgültigen Texteinheit nachzuvollziehen und diesbezüglich die theologiegeschichtlichen Hintergründe mit einzubeziehen. Darauf folgt der Methodenschritt der Gattungskritik, welcher versucht die Gattung des biblischen Textes zu bestimmen und andere Beispiele dieser Art zu finden. In der Traditionskritik wird näher auf die übergreifende Motivik und Symbolik eingegangen. Diesbezüglich wird auch versucht Parallelen zu anderen Werken oder Bibelstellen zu finden.

Nachdem diese Schritte durchgeführt wurden, sollte die Gliederung und Essenz der Perikope herausgestellt sein.

Für den Übersetzungsvergleich von Exodus 2, 1-10 werden die Elberfelder Bibel, die Zürcher Bibel und die Gute-Nachricht-Bibel[1] verwendet. Diese drei Versionen werden bezüglich Differenzen in Semantik und Syntax untersucht. Diese Kontraste können auf Schwierigkeiten in der Übersetzung aus dem Hebräischen hinweisen. Am Ende der Durchleuchtung wird die Übersetzung für die folgende Exegese verwendet, die die beste Basis für weitere Ausarbeitungen bietet.

An erster Stelle sei festzuhalten, dass alle Versionen sehr parataktisch aufgebaut sind. Darüber hinaus fällt allgemein auf, dass sie alle gut verständlich sind und die GNB besonderen Fokus auf leichte Verständlichkeit legt, da diese sich einer modernen, teils umgangssprachlichen, Ausdrucksweise bedient. In der Elberfelder und der Zürcher Bibel hingegen ist ein eher altertümlicher Sprachgebrauch zu erkennen.

Direkt im ersten Vers sind zwei entscheidende Unterschiede auszumachen. In der Zürcher und der Elberfelder Bibel ist die Rede von einem Mann aus dem „Hause Levi“, wo die GNB von „einem Mann aus der Nachkommenschaft Levis“ spricht. Die GNB will womöglich mit dieser Abweichung vom hebräischen Ausgangstext die Verständlichkeit fördern, verliert jedoch dadurch an Authentizität. Außerdem wird in Vers eins in der GNB und in der Elberfelder Bibel die Frau nicht, wie in der Zürcher Bibel, als „die Tochter Levis“ bezeichnet. In den anderen beiden Übersetzungen wird der unbestimmte Artikel für die Frau verwendet, was den Alleinstellungscharakter dieser Frau nicht deutlich werden lässt. Im zweiten Vers, indem unter anderem das Aussehen des Kindes beschrieben wird, fällt die nächste Differenz zwischen den verschiedenen Versionen auf. Die Elberfelder und Zürcher Bibel belassen es bei der Bezeichnung „schön“. Die GNB aber erweitert die Beschreibung noch um das Adjektiv „gesund“. Die Zürcher Übersetzung hat im dritten Vers die Besonderheit, dass das Behältnis, dass die Mutter baut als „Korb“ und nicht, wie in den anderen beiden Bibeln, als „Kästchen“ bezeichnet wird. Außerdem besteht es nach der Zürcher Bibel aus „Papyrus“, nach der Elberfelder Bibel aus „Schilfrohr“ und nach der GNB aus „Binsen“. In der GNB ist außerdem noch der Zusatz über die Dichtigkeit des Behältnisses gegeben („sodass es kein Wasser durchließ“), welche die Wassermotivik (s.Strukturanalyse) der Perikope aufgreift. In Vers fünf, wo einmalig die „Dienerinnen“, welche in jeder Übersetzung als Kollektiv als solche bezeichnet werden, auftreten wird jedoch diejenige, die das Behältnis holt jeweils unterschiedlich bezeichnet. In der Elberfelder wird sie „Magd“, in der GNB „Dienerin“ und in der Zürcher Bibel „Sklavin“ genannt. Der Begriff den die Elberfelder Bibel verwendet wirkt am positivsten, wobei die Bezeichnung aus der Zürcher Bibel die negativsten Konnotationen hat. Die Begriffswahl der GNB ist zwischen den anderen beiden Begriffen einzuordnen, da sie auch negativ behaftet ist. Ein weiterer Kontrast der Wortsemantik ist in Vers sechs auszumachen. Die Elberfelder Bibel wählt die Ausdrücke „Kind“ und „weinender Junge“ für Mose, wohingegen die GNB die Begriffe „weinende[r] Säugling“ und „kleine[r] Junge“ als passender empfindet. Eine nochmals andere Version ist in der Zürcher Bibel zu finden, in der Mose als „Kind“ und weinender Knabe“ bezeichnet wird. Im selben Vers noch, wird das Mitgefühl der Tochter des Pharao mit dem ausgesetzten Kind geschildert. Hierbei wählen Zürcher und Elberfelder Übersetzung den gleichen Ausdruck („Da hatte sie Mitleid“). Die GNB jedoch wählt an dieser Stelle eine intensivere Umschreibung („Voller Mitleid“). Direkt danach wird das Kind von der Elberfelder und Zürcher Bibel als „eins von den Kindern der Hebräer“ bezeichnet, wobei die GNB auf das Geschlecht des Kindes eingeht und es als „eine[n] von den Hebräerjungen“ beschreibt. Die GNB möchte somit den Bezug zur Vorgeschichte (Ex 1, 1-22) aufbauen, in der ausdrücklich gesagt wird, dass alle männlichen, hebräischen Neugeborenen in den Nil geworfen werden sollen (vgl.Ex 1,22). In Vers sieben wählen alle drei Übersetzungen unterschiedliche Bezeichnungen für die hebräische Frau die das Kind stillen soll. Die Elberfelder Bibel beschreibt sie als „stillende Frau“, die GNB nennt sie nur „hebräische Frau“ und in der Zürcher Bibel wird sie „hebräische Amme“ genannt, womit sie die beiden, für die weitere Erzählung elementaren, Eigenschaften der Frau nennt. Die nächste Differenz ist erst in Vers neun auszumachen. Dort wird die Entlohnung der hebräischen Frau thematisiert, welche das Kind stillen soll. Die Aussage „und ich werde dir deinen Lohn geben.“, welche von Elberfelder als auch Zürcher Bibel verwendet wird ist nicht so eindeutig zu verstehen wie die Aussage „Ich werde dich dafür bezahlen.“, welche in der GNB vorzufinden ist. Die Formulierung aus der GNB beschränkt die Art des Lohns auf eine monetäre Form. Im darauffolgenden Vers wird das Alter des Kindes umschrieben. An dieser Stelle wählen Elberfelder („groß geworden war“) und Zürcher Bibel („wuchs heran“) eine neutralere Ausdrucksweise, wohingegen die GNB mit der Beschreibung „groß genug“ Fragen aufwirft. Die Adoption und Namensgebung, welche beide im weiteren Verlauf des zehnten Verses stattfinden, werden in den verschiedenen Übersetzungen unterschiedlich wiedergegeben. Die Elberfelder und Zürcher Bibel wählen ähnliche Formulierungen für die Adoption („wurde ihr zum Sohn“; „wurde ihr Sohn“). Bei der GNB jedoch steht die Tochter des Pharao aktiv im Vordergrund, welche „ihn als ihren Sohn an[nimmt]“. Bei der Namensgebung verwenden Elberfelder und GNB die gleiche Formulierung („sie gab ihm den Namen Mose“). In der Zürcher Bibel hingegen wird das Verb nennen für die Namensgebung verwandt. Das Wort „ja“ am Ende des letzten Verses ist in der Elberfelder als auch der Zürcher Bibel zu finden und deutet an, dass die Tochter des Pharao den Namen Mose aufgrund ihres Rettungsakts wählt. In der GNB wird diese Kausalität durch die Konjunktion „Darum“ besonders deutlich.

Insgesamt fällt auf, dass die GNB die Geschehnisse besonders detailliert ausführt, was aufgrund ihres bekannten Abstands zum hebräischen Ausgangstext[2] auf nicht gegebene Erweiterungen schließen lässt. Die GNB nutzt diese lediglich um den Text besonders auszuschmücken und berücksichtigt dabei nicht immer den ursprünglichen Sinn.

Die Elberfelder und Zürcher Bibel sind sich in vielen Punkten der Übersetzung einig und sind dem hebräischen Ausgangstext bedeutend näher. Die Elberfelder Übersetzung ist außerdem besonders bedacht auf die Konkordanz[3].

Im weiteren Verlauf der Analyse wird die Zürcher Übersetzung verwendet, da diese nah am hebräischen Ausgangstext ist und einfache Verständlichkeit bietet[4] und somit den anderen insgesamt überlegen ist.

Grundlegend ist zur Oberfläche der Perikope zu sagen, dass es bei der ersten Sichtung des Textes offenbar einen Bruch innerhalb seiner Struktur gibt. Diese Zäsur ist in Vers 6 vorzufinden, da in diesem Vers das erste mal im Text ein Sprachanteil eines Akteurs („[…] und sagte: Das ist eines von den Kindern der Hebräer.“) vorzufinden ist. Ab Vers sechs wird bis zum Ende der Perikope immer wieder die wörtliche Rede verwendet (V.7,8,9,10). Auch wenn dem Leser der Inhalt noch nicht bekannt ist, kann er an der Struktur des Textes festmachen, dass im vorliegenden Bibelauszug, ab Vers sechs, eine gewisse Kraft die Geschehnisse vorantreibt.

Auffällig ist, dass in der vorliegenden Bibelstelle besonders viele Verben vorkommen, welche, bestätigend zur wörtlichen Rede, Dynamik im Verlauf der Erzählung nahelegen. Das Verb „gehen“ ist mehrmals im Text vorzufinden (V.5,7,8), was, die Beweglichkeit der Textgestalt zusätzlich fördert. In der Peikope kommen außerdem noch andere Verben der Bewegung (z.B.: „nehmen“ und „legen“) vor, welche dies bestärken. Auf Satzebene ist es auch zu erkennen, da der Text insgesamt sehr parataktisch ist, und die Hauptsätze vorrangig durch ein „und“ oder „da“ eingeleitet werden und dann direkt durch ein Verb die Aktion der jeweiligen Person beschrieben wird (V.1,2,3,5,6,8,9,10). Die syndetische Struktur der Sätze trägt außerdem zur Kohäsion des Textes bei.

Exemplarisch, für die Rekurrenz auf Wortebene, sei noch der Begriff „Frau“ zu nennen, welcher in Vers eins, zwei, acht und neun auftaucht. Indem der Bogen vom Anfang zum Ende der Perikope geschlagen wird bildet er eine Art Rahmen. Der Begriff „Sohn“ muss auch entscheidend für den Text sein, da dieser lediglich einmal zu Beginn (V.2) und einmal am Schluss (V.10) auftaucht und folglich auch einen Rahmencharakter darstellt.

Darüber hinaus wirkt es, als sei die „Tochter des Pharao“ eine zentrale Figur im Laufe der Geschichte, da sie zum Ende des Textes gehäuft auftaucht. Diese Annahme wird durch die Betrachtung der Pronomina im Text bestätigt, da für die Tochter des Pharao fast nie Pronomen verwendet werden, sondern immer der volle Name ausgeschrieben wird.

Bezüglich ihres Charakters fällt außerdem auf, dass sie mehrfach den Imperativ verwendet (vgl. V.8,9). Dadurch wird veranschaulicht, dass die Tochter des Pharao in der Hierarchie höher steht als die Schwester des ausgesetzten Kindes, wobei die Tochter des Pharao stellvertretend für die Ägypter steht und die Schwester für die Hebräer. Die Befehlsstruktur wird durch einen Fragesatz der Schwester des Mose eingeleitet, womit zusätzlich deutlich wird, dass sie sich für ihren Bruder einsetzt und mutig ist. Außerdem ist dies der einzige Interrogativsatz in der ganzen Perikope. Dies unterstreicht, dass die Schwester die Einzige ist, die mit der Tochter des Pharao direkt kommuniziert.

Bezüglich der genannten Passage sind außerdem die phorischen Bezüge zu nennen, da diese zu Kohäsion oder Inkohäsion der betrefflichen Stelle und der gesamten Perikope beitragen können. Wie bereits genannt wird der Dialog zwischen den beiden Frauen, in Vers sieben, durch eine Frage der Schwester eingeleitet, welche somit eine kataphorische Funktion hat. (gehen, rufen, stillen, nehmen). Außerdem folgt auf jede Aufforderung der Tochter des Pharao, die Ausführung des Befehls durch die Schwester des Mose (z.B.: „Geh!“ -„Da ging […]“). Die Aufforderungen der Tochter des Pharao sind somit auch kataphorische Elemente, wohingegen die Handlungen der Schwester eine anaphorische Funktion erfüllen. Zudem kommen nach der einleitenden Frage (V.7), bis Vers neun, die gleichen Verben (gehen, rufen, stillen, nehmen) im gleichen Zusammenhang vor. Diese Gegebenheiten zusammen führen zu starker Kohäsion im genannten Textteil.

Abgesehen von den Befehlen der Tochter des Pharao ist ein weiterer Imperativ (V.6: „siehe“ ) auszumachen, welcher jedoch einmalig, ohne Zusammenhang zu den Anderen, erscheint. Er hat das Alleinstellungsmerkmal, den Bezug zum Leser herzustellen, da er kein Bestandteil eines Sprachanteils ist, sondern vom Verfasser selbst ausgeht. Außerdem ist auffällig, dass im vorliegenden Bibelauszug noch weitere Verben der Wahrnehmung (sehen, erfahren, erblicken) auszumachen sind, welche immer in Zusammenhang mit dem Kind stehen und somit besonderen Fokus auf es richten. Es wird der Anschein erweckt, dass dieses Kind auf eine Weise besonders oder einzigartig ist.

Ein weiteres Beispiel für das Prinzip der Rekurrenz ist das Wort „Kind“, welches im gesamten Bibelauszug acht Mal vorkommt (V.3,6,7,8,9,10). Diese Häufung lässt darauf schließen, dass die Figur des Kindes, Mose, in der Perikope eine zentrale Rolle spielt.

Darüber hinaus wird die Phrase „Seine Schwester aber […]“ im Bibelauszug mehrmals verwendet (vgl. V.4,7) und könnte zum einen als Gliederungsmarker fungieren, jedoch auch deutlich machen, dass die Schwester des Kindes eine polarisierende Funktion in der Erzählung hat (s. Konjunktion „aber“). Diese Besonderheit ist auf Satzebene zu bewerten, als dass der hergestellte Gegensatz durch die Konjunktion Spannungen im Text zur Folge hat. Die Konjunktion „aber“ ist in der Perikope insgesamt drei Mal auszumachen (vgl.V.3,4,7), davon zwei Mal im Zusammenhang mit der Schwester des Mose und einmal in Zusammenhang mit seiner Mutter. Zudem ist in Vers drei, in Verbindung mit der Konjunktion, eine Verneinung vorzufinden, welche den Vers besonders auffallen lässt und den Gegensatz, welcher durch das „aber“ hervorgerufen wurde, verstärkt. Außerdem kann die Aussage „Länger aber […] nicht“ als Junktion angesehen werden, da im gleichen Vers ein Ortswechsel stattfindet, sie das Ende von etwas ankündigt und somit zur Strukturierung der gesamten Bibelstelle beiträgt. Darüber hinaus ist dies die einzige Verneinung in der gesamten Perikope. Sie thematisiert, dass der Sohn der levitischen Familie nicht mehr versteckt gehalten werden kann, und wirkt somit formal als auch inhaltlich gliedernd.

Abgesehen davon sind im Text noch weitere Junktionen vorzufinden. Zum einen in Vers zwei: „[…] drei Monate lang“. Durch diesen Ausdruck lässt sich eine vorläufige zeitliche Einteilung vornehmen, da es die erste Zeitangabe in der Bibelstelle ist. Außerdem ist in Vers zehn ein weniger präziser zeitlicher Gliederungsmarker vorzufinden („[…] wuchs heran“), welcher Aufschluss über die Entwicklung des Kindes gibt.

Insgesamt bleibt zur Form anzumerken, dass die Stimmigkeit der Pronomina zur Kohäsion auf Textebene beiträgt.

Wenn man den Text näher unter dem Gesichtspunkt des Inhalts analysiert, lassen sich weitere zielführende Ergebnisse herausarbeiten. In der Perikope sind vier verschiedene Leitwörter auszumachen: „Kind“, „stillen“, „Frau“ und „Tochter des Pharao“. Ihre Berechtigung ließ sich durch Rekurrenz und andere Merkmale hinreichend belegen (s.o.). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das „Kind“ und die „Tochter des Pharao“ durch ein überlappendes Vorkommen in der Perikope (V.7,8,9,10), förmlich verknüpft sind. Das Leitwort „Frau“ ist inhaltlich durch das Leitwort „stillen“ mit dem „Kind“ verbunden. Insgesamt wird dadurch veranschaulicht, dass es im Text zwei wichtige Bezugspersonen des Kindes gibt. Durch die Leitworte werden außerdem die Hauptcharaktere des Bibelauszugs und ihre Verbindung deutlich.

Des Weiteren spielen auch Wortfelder eine entscheidende Rolle für die Analyse der Bibelstelle. Diese können Aufschluss über die Thematik der Perikope und ihre Entwicklung geben. Ebenfalls wie die Leitworte, können Wortfelder zu neuen Erkenntnissen zu Figuren der Bibelstelle und ihren Beziehungen führen. Insgesamt sind drei, beziehungsweise vier verschiedene im Text zu finden: Einmal das Wortfeld „Wiege des Kindes“ wozu die Wörter „Asphalt“, „Pech“ und „Korb“ zählen. Dann das Wortfeld „Wasser“ zu welchem „Schilf“, „Ufer“, „Nil“, „waschen“ und „Wasser“ gehören. Das dritte Wortfeld „Familie“ lässt sich in „Ehemalige Familie“ und „Adoptiv-Familie“ unterteilen, da in der Erzählung zum einen die biologischen Eltern und zum anderen die Adoptivmutter des Mose als seine Familie gilt. Die Begriffe „Mann“, „Tochter“, „Hause Levi“, „Frau“, „Sohn“, „Kind“ und „Schwester“ gehören zur „Ehemaligen Familie“ und das Wortfeld der „Adoptiv-Familie“ setzt sich aus „Tochter des Pharao“, „Kind“, „Sohn“ und „Mose“ zusammen. Es wird an dieser Stelle wieder deutlich, dass das ausgesetzte Kind in der Handlung die Hauptrolle spielt, da jedes Wortfeld engen Bezug zu Mose hat. Des Weiteren zeigt die Zweiteilung des Wortfeldes „Familie“ hier noch einmal die Zerrissenheit des Kindes zwischen den verschiedenen Bezugspersonen (s.o.).

In der Perikope lassen sich insgesamt vier verschiedene Bezeichnungen für das ausgesetzte Kind finden: „Sohn“,„Kind“, „Knabe“ und „Mose“. Es ist in fast jedem Vers des vorliegenden Bibelauszugs eine dieser Begrifflichkeiten auszumachen, was den Anschein erweckt, dass das Kind die Hauptrolle in der Erzählung spielt. Zu Beginn (V.2) wird das Neugeborene als „Sohn“ eines levitischen Paares vorgestellt, womit der direkte Bezug zum Elternhaus, durch die Begrifflichkeit als auch den Kontext der Erzählung, gegeben ist. Im darauffolgenden Vers wird der neutralere Begriff „Kind“ verwendet, was in Bezug auf die Handlung als sinnvoll erscheint, da der Bezug zwischen Kind und Mutter aufgrund der Aussetzung schwindet. Im ersten Teil von Vers sechs wird das „Kind“ von der Tochter des Pharao aufgefunden, es besteht aber zu diesem Zeitpunkt noch keine direkte Bindung zwischen den beiden Figuren, sodass Begrifflichkeit und Inhalt auch hier stimmig sind. Zusätzlich ist im ersten Teil des sechsten Verses der Ausdruck „Knabe“ zu finden, welcher einmalig vorkommt. Der „Knabe“ wird als „weinend[ ]“ beschrieben, was passend wirkt, da das Kind von seinen Eltern verlassen wurde. Der Hintergrund dieser Bezeichnung für das Kind scheint an dieser Stelle aber noch nicht nachvollziehbar. Im zweiten Teil des sechsten Vers ist erneut der Begriff „Kind […]“ verwendet, jedoch nicht neutral, sondern mit dem Zusatz der Herkunft : „Kind[ ] der Hebräer“. Diese nähere Beschreibung stellt einen indirekten Bezug zur biologischen Familie des Kindes her und bestärkt die Annahme, dass die Herkunft des Kindes entscheidend ist, da die Tochter des Pharao diese klare Abgrenzung vornimmt. Im folgenden Vers wird wieder der Begriff „Kind“ gewählt, aber in Zusammenhang mit seiner Schwester, welche ihn zu seiner biologischen Mutter bringen möchte. Diese wird aber an dieser Stelle, neutral, als „Frau“ bezeichnet. Hier wird wieder durch die nüchterne Begrifflichkeit (Kind, Frau) deutlich, dass Kind nicht mehr als das Ihre gesehen wird. In Vers acht jedoch taucht die Bezeichnung „Mutter“ in Verbindung mit dem Begriff „Kind“ auf, wodurch der Anschein einer Wiedervereinigung geweckt wird. Dies wird in Vers neun, durch die neutrale Bezeichnung der Tochter des Pharao („dieses Kind“) verstärkt, da offensichtlich noch keine Bindung zwischen ihr und dem Kind besteht. Die in Vers acht generierte Verbindung zwischen der biologischen Mutter und ihrem Kind wird im neunten Vers jedoch schon zerstört, da es dort um den intimen Vorgang des Stillens geht, aber der Begriff „Kind“ nicht mehr im Zusammenhang mit „Mutter“, sondern mit „Frau“ verwendet wird. Im letzten Vers des Bibelauszugs sind drei verschiedene Bezeichnungen für das ausgesetzte Kind zu finden: „Kind“ , „Sohn“ und „Mose“. Vers neun a ist sinngemäß noch einmal in den Teil vor dem ersten Komma und den Teil danach zu unterteilen. Es erscheint sinnvoll, dass am Anfang vom genannten Vers der Begriff „Kind“ verwendet wird, weil dadurch deutlich wird, dass er zu dem Zeitpunkt weder zu seiner biologischen Mutter, noch zur Tochter des Pharao gehört. Im zweiten Teil jedoch wird die Adoption des Jungen thematisiert, wodurch das Kind unumstreitbar in Verbindung mit der Tochter des Pharaos steht, welche nun seine „neue“ Mutter ist. In diesem Zuge ist auch die Begriffswahl („Sohn“) nachvollziehbar. Im Vers neun b wird dieser Mutter-Sohn Bezug vertieft. Die Tochter des Pharao gibt ihrem Sohn einen Namen, den Namen „Mose“. Darüber hinaus wird die besondere Stellung des Kindes thematisiert, da der Name Mose ägyptisch ist und „Kind des...“ bedeutet. Dieser wurde früher als Suffix für ägyptische Königsnamen („-mses“) verwendet und ist der einzige Eigenname in der Perikope. Die Differenzierung zwischen „Sohn“, „Kind“ und „Mose“ ist für die Perikope offensichtlich entscheidend, da jede Begrifflichkeit ihre Berechtigung und ihren Zweck für die Erzählung hat. Lediglich die Bezeichnung des Kindes als „Knabe“ kann eine Kohäsionsstörung oder Zäsur sein, da es keine schlüssige Erklärung für diesen begrifflichen Unterschied gibt. Es wirkt außerdem als würde das Kind passiv durch die Geschichte leiten, da es keine handelnde Figur ist, aber doch die Figur, welche am häufigsten auftaucht. Insgesamt tragen alle Bezeichnungen zur Strukturierung des Textes bei.

Bezüglich der Wortsemantik sticht die Kombination der Wörter „Nil“ (V.3,6) und „Hebräer“ (V.6), beziehungsweise „hebräisch[ ]“ (V.7) heraus. Sie veranschaulichen die oben genannte Hierarchie auf metaphorischer Ebene. Diese ergänzenden Begrifflichkeiten sind Parallelen zu den Figuren der Tochter des Pharao und der Schwester des Mose. In diesem Kontext stünde der Fluss als Symbol für Ägypten um den Gegensatz zwischen den Nationen zu verdeutlichen. Durch diesen Gegensatz liegt zudem auch nah, dass die Herkunft des Kindes eine wichtige Rolle für den Verlauf der Erzählung spielen muss.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass die thematische Reduktion und Progression zu Kohärenz auf Textebene führt, da die Propositionen so in logischem Zusammengang stehen und als eine gesamte Einheit wirken. Es viel außerordentlich leicht Makropropositionen für die einzelnen Abschnitte zu finden, da der Text eindeutig formuliert scheint und die Unterthemen für sich stehen. Das insgesamte Textthema ist die Geburt, Aussetzung und Adoption Mose.

Bis zu diesem Punkt der Beleuchtung der Perikope sind verschiedene Unstimmigkeiten in der Textgestalt aufgetreten, welche Kohäsion und Kohärenz des Textes behindern. In Vers zwei wird einmalig über das Aussehen des Neugeborenen berichtet („und sie sah, dass er schön war“), was sich nicht logisch in den Kontext einordnen lässt. Warum ist es wichtig wie das Kind aussieht? Das Aussehen des Jungen wird in der Perikope nicht weiter thematisiert und scheint an dieser Stelle nicht nachvollziehbar. Eine weitere Störung ist die Verbform „siehe“ in Vers sechs, welche offensichtlich eine Bindung zum Leser aufbaut. Warum diese Beziehung an dieser Stelle hervorgerufen wird ist nicht zu erklären. Im selben Vers ist noch eine Unstimmigkeit in Relation zum restlichen Text zu finden. Das Kind wird einmalig als „Knabe“ tituliert. Diese Bezeichnung steht nicht in logischem Zusammenhang mit den anderen. Der Tochter des Pharao wird in Vers sechs die Eigenschaft des Mitgefühls zugeschrieben („Da hatte sie Mitleid […]“), was nicht stimmig mit der Beschreibung ihrer Person im Rest des Textes wirkt, da besonderer Fokus auf der Hierarchie zwischen den beiden Nationalitäten liegt und das Kind hebräisch ist. Überdies ist eine Störung in der Wortsemantik in Vers acht auszumachen. Die Schwester des ausgesetzten Kindes wird dort als „junge Frau“ beschrieben, was im Kontext weniger sinnvoll erscheint, da der Begriff „Frau“ sonst nur im Zusammenhang mit der Mutter verwendet wird und sie im Text sonst immer als „Schwester“ bezeichnet wird. Eine weitere Kohäsionsstörung ist das phorische Element in Vers neun („[…] ich werde dir deinen Lohn geben.“), welches im Text keine Auflösung findet. Der Lohn für die hebräische Frau wird nicht wieder erwähnt und bleibt folglich aus. Der letzte Satz in Vers zehn steht zwar in Zusammenhang mit den vorherigen Geschehnissen, jedoch ergibt der Satz wenig Sinn, da das Kind nicht „aus dem Wasser gezogen“ wurde und die Tochter des Pharao nur indirekt in seine Rettung involviert war, da ihre Dienerinnen den Korb aus dem Schilf geholt haben. Durch diese Störungen der Kohäsion und Kohärenz verliert die Perikope, an den spezifischen Stellen, an Zusammenhang. Ihr Ursprung und ihre Wirkung werden im weiteren Verlauf noch erörtert.

Alle aufgeführten Punkte tragen zur Gliederung der Perikope in kleinere Sinnabschnitte bei. Demzufolge kann die Perikope in fünf Abschnitte gegliedert werden:

[...]


[1] Von nun an GNB anstatt Gute Nachricht Bibel

[2] Vgl. https://www.die-bibel.de/bibeln/bibelkenntnis/wissen-bibeluebersetzung/deutsche-bibeluebersetzungen-im-vergleich/; 03.03.2017.

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Historisch-kritische Bibelexegese. Exodus 2,1-10 (Mose Geburt und Rettung)
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V387510
ISBN (eBook)
9783668629219
ISBN (Buch)
9783668629226
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exodus Exegese Moses
Arbeit zitieren
Greta Deinert (Autor), 2017, Historisch-kritische Bibelexegese. Exodus 2,1-10 (Mose Geburt und Rettung), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387510

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