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Imagination und Legitimation des Imperiums. Evrazijstvo und "Neoeurasismus" als antiwestliche Abgrenzungsideologien mit westlichen Wurzeln

Titel: Imagination und Legitimation des Imperiums. Evrazijstvo und "Neoeurasismus" als antiwestliche Abgrenzungsideologien mit westlichen Wurzeln

Hausarbeit , 2015 , 15 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christoph Kluge (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In den 1920er Jahren stellte eine avantgardistische Bewegung von russischen Exilanten, die vor den Bolschewisten geflohen waren, die Behauptung auf, mit ‚Eurasien‘ einen dritten Kontinent zwischen Asien und Europa entdeckt zu haben. Sie glaubten, durch die Erforschung von dessen Besonderheiten – etwa in Kultur, Sprache und Geografie - ein politisches System entwickeln zu können. Ihre konservative Utopie war ein neues russisches Imperium, das sich vom Westen abgrenzt. Die Eurasier scheiterten. Ihre Ideen gerieten in Vergessenheit und sollten erst in der letzten Phase der Sowjetunion wieder auftauchen, zunächst vorrangig im rechtsradikalen Spektrum, bald aber auch in Mainstream und akademischem Milieu. Fast ein weiteres Vierteljahrhundert später, nach der Wende Putins zum Konservativismus konnte Eurasien-Rhetorik schließlich sogar Eingang in den offiziellen Duktus des Kreml finden.

Offensichtlich diente der ‚eurasische Gedanke‘ zu verschiedenen Zeiten der Konstruktion von Gruppenidentität. Welche Motive verfolgten die ‚Eurasier‘? Was war der klassische Eurasismus, wie ist er entstanden? Da es sich um eine heterogene Strömung handelt, werden zumeist Gedanken untersucht, die im Großen und Ganzen Konsens waren. Welche Entwicklungen hat der Eurasismus durchlaufen, was verbindet beziehungsweise unterscheidet ihn vom kontemporären ‚Neoeurasismus‘? In dieser Arbeit sollen wesentliche Komponenten untersucht werden, aus denen sich die diversen Theoriegebäude zusammensetzten, die unter diesem Etikett firmierten.

Die These ist, dass sowohl der klassische evrazijstvo als auch der ‚Neoeurasismus‘ versuchen, Russland von Westeuropa abzugrenzen und gleichzeitig eine eigene imperiale Politik zu legitimieren. Paradoxerweise basieren die antiwestlichen Theoriegebäude auf westlichen Denkrichtungen und wären ohne sie gänzlich undenkbar. Gerade in jüngerer Zeit vermischen sich zunehmend eurasische mit geopolitischen Argumentationen, etwa im Modell einer multipolaren Welt. Es wird zu zeigen sein, wie sich dieses Konzept entwickelte und welche Ziele seine Vertreter verfolgten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der ‚klassische‘ Eurasismus der Zwischenkriegszeit

2.1 Entstehung und Wirkung

2.2 Organisation, Infiltration und Spaltung

2.3 Ideologisch motivierte Konstruktion

3. Lev Gumilev: der ‚letzte Eurasier‘?

3.1 Biographisches

3.2 Die Theorie der Ethnogenese

3.3 Pseudo-wissenschaftliche Argumentationsmuster

4. Vom Liberalen zum ‚Neoeurasier‘: Aleksandr Panarin

4.1 Biographisches

4.2 ‚Neoeurasimus‘ als neokonservative Globalisierungskritik

4.3 Panarin als Wegbereiter Dugins

5. Der rechtsradikale ‚Neoeurasismus‘ Aleksandr Dugins

5.1 Biographischer Hintergrund und Wirken

5.2 Der ‚Dritte Weg‘

5.3 Dugins Konzept einer multipolaren Welt

6. Schlussbetrachtungen und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die ideologischen Komponenten des Eurasismus und des modernen Neoeurasismus. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese Strömungen als antiwestliche Abgrenzungsideologien fungieren, um russische imperiale Politik zu legitimieren, obwohl sie paradoxerweise selbst auf westlichen Denkmodellen basieren.

  • Ursprung und Scheitern des klassischen Eurasismus der 1920er Jahre.
  • Die Rolle von Lev Gumilev und seiner pseudowissenschaftlichen Theorie der Ethnogenese.
  • Die Entwicklung des Neoeurasismus durch Aleksandr Panarin als Globalisierungskritik.
  • Der rechtsradikale Neoeurasismus von Aleksandr Dugin und sein Konzept der multipolaren Welt.
  • Die Instrumentalisierung eurasischer Ideen im aktuellen politischen Kontext Russlands.

Auszug aus dem Buch

2.3 Ideologisch motivierte Konstruktion

Die Eurasier wandten sich gegen das eurozentrische Weltbild der Aufklärung und die Vorstellung eines linearen und universal gültigen Fortschrittskonzeptes. Hinter diesen Idealen vermuteten sie das Streben Westeuropas nach Weltherrschaft. Das hinderte sie aber nicht daran, selbst etwa das orthodoxe Christentum in den Rang eines allgemein-menschlichen Prinzips zu erheben und Thesen mit allgemeinem Geltungsanspruch zu formulieren.

Ähnlich den Slawophilen des 19. Jahrhunderts argumentierten sie mithilfe von Dichotomien wie beispielsweise:

• Lateinisches Christentum vs. Orthodoxie

• Rationalismus vs. Geistlichkeit

• Individualismus vs. Kollektivismus.

Im Gegensatz zu den Monarchisten erkannten die Eurasier die bolschewistische Revolution als Faktum an. In einer Art Adaption der dialektischen Denkweise sahen sie im Aufstieg der Bolschewiki gleichzeitig den Höhepunkt der Europäisierung Russlands als auch deren Ende und den Beginn einer Orientierung nach Asien. Die Eurasier lehnten aber den militanten Atheismus und die Klassentheorie des Marxismus als westlich ab, ebenso deren Internationalismus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Eurasismus von einem historischen Randthema zu einer politisch relevanten Rhetorik, die besonders seit dem Ukraine-Konflikt 2014 an Bedeutung gewann.

2. Der ‚klassische‘ Eurasismus der Zwischenkriegszeit: Dieses Kapitel analysiert die avantgardistische Bewegung russischer Exilanten der 1920er Jahre, die versuchte, ein russländisches Imperium jenseits westlicher Modelle zu konstruieren.

3. Lev Gumilev: der ‚letzte Eurasier‘?: Hier wird die Rolle Gumilevs untersucht, der das eurasische Denken durch seine pseudowissenschaftliche Theorie der Ethnogenese maßgeblich beeinflusste.

4. Vom Liberalen zum ‚Neoeurasier‘: Aleksandr Panarin: Dieses Kapitel widmet sich Panarin, der den eurasischen Gedanken als neokonservative Globalisierungskritik interpretierte und als moderater Wegbereiter Dugins fungierte.

5. Der rechtsradikale ‚Neoeurasismus‘ Aleksandr Dugins: Der Autor erläutert Dugins rechtsradikale Umdeutung des Eurasismus, seine Forderung nach einem ‚Dritten Weg‘ und das Konzept einer multipolaren Weltordnung.

6. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass sowohl der klassische als auch der moderne Eurasismus restaurative Projekte sind, die auf diskreditierten Modellen basieren und zur Destabilisierung einer rationalen Diskussionskultur beitragen.

Schlüsselwörter

Eurasismus, Neoeurasismus, Russland, Imperium, Antiwestliche Rhetorik, Geopolitik, Aleksandr Dugin, Lev Gumilev, Aleksandr Panarin, Ethnogenese, Multipolare Welt, Konservativismus, Identitätskonstruktion, Ideologie, Nationalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ideologischen Grundlagen und die Entwicklung des Eurasismus von den 1920er Jahren bis zum modernen rechtsradikalen Neoeurasismus unter Aleksandr Dugin.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Identitätsbildung Russlands, die Ablehnung westlicher Werte, imperialistische Legitimationsstrategien und die geopolitische Argumentation der eurasischen Strömungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die ideologische Kontinuität und die Brüche zwischen den verschiedenen eurasischen Denkschulen aufzuzeigen und deren Funktion als Abgrenzungsideologien zum Westen zu demaskieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische und ideologiekritische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Schriften, Publikationen und der einschlägigen Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entstehung des klassischen Eurasismus, die Theorie der Ethnogenese nach Gumilev, die Ansätze von Panarin sowie die radikale geopolitische Ideologie Dugins.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Eurasismus, Geopolitik, imperiale Ideologie, Anti-Westlichkeit und die kritische Auseinandersetzung mit dem modernen russischen Nationalismus.

Inwiefern beeinflussten westliche Denker die russischen Eurasier?

Paradoxerweise sind die eurasischen Theoriegebäude ohne westliche Einflüsse wie die deutsche Romantik, Naturphilosophie, Oswald Spengler oder Carl Schmitt kaum denkbar, obwohl sie explizit antiwestlich argumentieren.

Warum wird der Begriff ‚Neoeurasismus‘ als restauratives Projekt bezeichnet?

Da die Vertreter keine innovativen Ideen verfolgen, sondern in der Regel weit hinter den aktuellen Forschungsstand zurückfallen und Modelle nutzen, die in der akademischen Welt weitgehend diskreditiert sind.

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Details

Titel
Imagination und Legitimation des Imperiums. Evrazijstvo und "Neoeurasismus" als antiwestliche Abgrenzungsideologien mit westlichen Wurzeln
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Russland von Breschnew zu Putin: Wandel und Kontinuität, 1979-2000
Note
1,3
Autor
Christoph Kluge (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V387606
ISBN (eBook)
9783668617117
ISBN (Buch)
9783668617124
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dugin Eurasien Eurasimus Neoeurasimus Russland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Kluge (Autor:in), 2015, Imagination und Legitimation des Imperiums. Evrazijstvo und "Neoeurasismus" als antiwestliche Abgrenzungsideologien mit westlichen Wurzeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387606
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Leseprobe aus  15  Seiten
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