Extreme und gemäßigte politische Positionen. Wie unterscheiden sich Bürger hinsichtlich ihrer politischen Beteiligung?


Hausarbeit, 2016

37 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
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2 Grundbegriffe
3
2.1 Political Efficacy . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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2.2 Ideologie - Das Links-Rechts-Schema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
4
2.3 Politische Partizipation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6
3 Theorien zur politischen Partizipation
10
3.1 Rational-Choice-Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3.2 Das Wählerparadox . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.3 Expressiver Wähler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
3.4 Civic Voluntarism Model . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
21
24
31
32
4 Methoden
5
Ergebnisse
6
Kritik und Fazit
7
Literaturverzeichnis

1 Einleitung
In den letzten Jahren ist sowohl bei Landtagswahlen, als auch bei Bundestagswahlen ein starker
Rückgang der Wahlbeteiligung zu verzeichnen gewesen. Beispielsweise in Baden- Württemberg
fiel die Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen seit 1972 stetig und erreichte ihren traurigen
Tiefpunkt 2006 bei ca. 53,4% (Statistisches Landesamt Baden- Württemberg). Seitdem ist
jedoch wieder eine Zunahme der Wahlbeteiligung zu verzeichnen, was beispielsweise an den
aktuellen weltpolitischen Themen liegen könnte. Betrachtet man zum Beispiel die Wählerwan-
derung der eben erwähnten Landtagswahl 2016 in Baden- Württemberg, so wird nicht nur
deutlich, dass die großen Parteien der Mitte einen starken Stimmverlust zu verzeichnen haben
(CDU -12,0%; SPD -10,4%), sondern auch, dass eine neue Partei das Feld aufmischt (Sta-
tistisches Landesamt Baden - Württemberg). Die AfD kann ganze 15,1% der Wählerstimmen
für sich gewinnen. Doch woran könnte das liegen? Die Partei, welche offiziell der Mitte zuge-
ordnet ist, warb auf ihren Wahlplakaten beispielsweise mit Sätzen wie ,,Sichere Grenzen statt
grenzenloser Kriminalität" und rief dazu auf die Politik mit seiner Wahlstimme zu verändern.
Es besteht die Möglichkeit, dass die Partei durch den Aufruf der Wahlbeteiligung und durch
die klare, ideologisch besetzte Meinung zu bestimmten Themen Nicht- Wähler akquirieren
konnte. Auch Bürger, welche ihre Meinung durch die großen Parteien nicht mehr vertreten
sehen könnten zur AfD übergelaufen sein. Doch was hat es mit dem eben genannten star-
ken Anstieg der Wahlbeteiligung auf sich? Und warum gingen in den letzten Wochen so viele
Bürger auf Demonstrationen, welche stark rechts ideologisch geprägt sind (Bsp.: Pegida)?
Diese Arbeit untersucht, ob es einen Unterschied zwischen der Wahlbeteiligung und anderen
Formen der politischen Partizipation zwischen Bürgern gibt, welche starke rechte oder linke
Meinungen vertreten und Personen welche eher die Mitte vertreten gibt. Angesichts der letzten
Wahlen könnte es sein, dass Personen, welche stakt ideologisch geprägt sind, eher politisch
aktiv werden als andere Bürger.
Zu Beginn dieser Arbeit wird eine kurze Einführung in die relevanten Begriffe gegeben. Mit Hilfe
der Rational -Choice- Theorie werden Kosten und Nutzen einer Wahl gegenübergestellt und im
Anschluss wird das Wählerparadox beschrieben. Durch die Theorie des expressiven Wählers,
welche eine Erweiterung des RC- Ansatzes ist, wird der vermutete Zusammenhang von Ideologie
und Partizipation hergeleitet und die Hypothesen abgeleitet. Auch das Konstrukt der internal
efficacy spielt in dieser Arbeit eine Rolle und wird als mögliche Ursache für den vermuteten
Unterschied überprüft. Zu Ende des Theorieteils wird das Civic Voluntarism Modell vorgestellt,
welches die Hypothesen unterstützt und die mögliche Rolle motivationaler Faktoren bei der
politischen Partizipation verdeutlicht. Nun folgen Methode und Ergebnisse. Im Anschluss an
die Interpretation der Ergebnisse, wird ein kurzes Fazit gezogen und Kritik geäußert.
2

2 Grundbegriffe
2.1 Political Efficacy
Im Folgenden wird der Begriff der ,,political efficacy" beschrieben. Eine genauere Einbettung
und der mögliche Zusammenhang mit politischer Partizipation wird am Anfang des Theorieteils
erläutert. Der Begriff, welcher als politisches Kompetenzbewusstsein der Bürger verstanden
werden kann, stammt ursprünglich aus der Sozialpsychologie. Zu Beginn der fünfziger Jahre
wurde das Konzept der ,,political efficacy", unter anderem von Campbell (1960), in die Politik-
wissenschaften zur Einstellung- und Verhaltensforschung übernommen (Gabriel, 1990: 17 nach
Campbell 1960). Die Forscher waren überzeugt, dass das Gefühl von politischer Effektivität
wichtig sei, um die politische Partizipation der Bürger zu erklären (Gabriel, 1990: 17). Das
Konzept der ,,political efficacy" kann wie folgt definiert werden:
,,Political efficacy is the feeling that one is capable of influencing the public decision-making
process. When a person believes that he can influence government officials or public issues, he
is said to be subjectively efficacious or competent. " (Milbrath & Goel, 1977: 57).
Laut dieser Definition von Milbrath und Goel speist sich also ,,political efficacy" aus dem
bloßen Gefühl eines Individuums einen Einfluss auf Politik bzw. öffentliche Entscheidnungen zu
haben. Wenn ein Bürger also dieses Gefühl der Einflussnahme hat, wird ihm Selbstwirksamkeit
unterstellt.
Heute unterscheidet man zwischen ,,internal efficacy" und ,,external efficacy" (Van Deth in
Kaina & Römmele, 2009: 165). ,,External political efficacy" meint die Einschätzung der System-
und Politiker-Responsivität und das Vertrauen, dass politische Institutionen (wie etwa Parteien)
auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen. Wobei der heutige ,,Internal political efficacy"
Begriff sehr ähnlich zu dem ,,efficacy" Begriff von Milbrath und Goel ist, denn ,,Internal political
efficacy" kann mit dem Begriff der politischen Selbstwirksamkeit gefasst werden. Es ist also
das Vertrauen in die eigene Fähigkeit die Politik zu verstehen und teilnehmen zu können
(Rottinghaus, 2016: 138). Im Beitrag von Verba et al. (1995: 268ff.) wird unter anderem
,,Internal political efficacy" verwendet um politische Partizipation bzw. die Entscheidung gegen
Partizipation zu erklären. ,,Internal political efficacy" bildet eine Motivationskomponente bei
der Entscheidung für oder gegen politische Beteiligung und wird eine partizipationsfördernde
Wirkung unterstellt (Tausendpfund & van Deth, 2013: 395; Van Deth, in Kaina & Römmele,
2009: 165).
Im Laufe dieser Arbeit wird der vermutete Zusammenhang von politischer Selbsteinstufung (auf
3

der Links-Rechts-Skala) und politischer Partizipation untersucht. Die meisten Bürger können
sich auf der Skala selbst einstufen, jedoch müsste dem ein gewisses Maß an Vertrauen in
seine eigenen Fähigkeiten Politik zu verstehen voraus gehen. Zur Einstufung müsste es jedoch
nicht zwingend notwendig sein in politische Institutionen zu vertrauen. Deshalb wird in dieser
Arbeit external political efficacy vernachlässigt und der Fokus auf einen möglichen Einfluss von
internal political efficacy gelegt. Im folgenden wird daher kurz erläutert wie Bürger Vertrauen
in Ihre eigenen Fähigkeiten im Bezug auf Politik erwerben.
Kompetenzbewusstsein wird durch die primäre und sekundäre Sozialisation gebildet. Dies ge-
schieht durch die Herausbildung von Persönlichkeitsmerkmalen wie beispielsweise Selbstver-
trauen, welches das Maß an politischer Selbstwirksamkeit beeinflussen kann. Für den Erwerb
von politischen Kompetenzen sind tatsächliche politische Erfahrungen während der primären
Sozialisation von großer Bedeutung. Diese ersten Erlebnisse im Bereich der Politik vermitteln
ein Gefühl von politischer Kompetenz. Wiederholte Erfahrungen stabilisieren das Kompetenz-
bewusstsein und tragen dazu bei, dass die Kinder auch im Erwachsenenalter mehr Vertrauen
in ihre eigene Fähigkeit Politik zu verstehen haben (Gabriel, 1990: 17).
Auch im Laufe der sekundären Sozialisation ist die Auseinandersetzung mit politischen Themen
von großer Bedeutung für die internal efficacy, denn mehr Wissen bedeutet zugleich die Wahr-
nehmung einer höheren political efficacy. Generell haben höher Gebildete geringere Kosten bei
der politischen Partizipation, da sie eine höhere Informationsverarbeitungsfähigkeit vorweisen
und sich somit die Kosten zur Informationsbeschaffung minimieren. Wie eben erwähnt hat
diese Auseinandersetzung mit politischen Informationen einen großen Einfluss auf internal po-
litical efficacy (Hadjar &Becker, 2006: 175ff.). Zusammenfassend ist zu sagen, dass schon im
Kindesalter ein Grundstein für internel efficacy gelegt wird. Jedoch können Erwachsene ihr
Ausmaß an internal efficacy steigern, indem sie sich politisch informieren. Dem müsste jedoch
ein gewisses Maß an politischem Interesse vorausgehen. Internal political efficacy wird also
durch politische Partizipation gestärkt bzw. geschaffen. Ein hohes Maß an internal political
efficacy führt dann wieder zu mehr politischer Partizipation (Rottinghaus, 2016: 138). Wie bei
vielen Mechanismen, welche so eng miteinander verzahnt sind, ist es auch hier nicht möglich
die Kausalität zweifelsfrei zu bestimmen.
2.2 Ideologie - Das Links-Rechts-Schema
Nahezu jeder Bürger hat im Zusammenhang mit der Politiklandschaft in Deutschland schon
von der Zuordnung zu ,,rechts" und ,,links" gehört. Obwohl die Unterscheidung von ,,rechts"
und ,,links" zunächst unabhängig von Inhalten ist, kann sich jeder etwas unter den Begrifflich-
keiten vorstellen. Das führt zu einer abstrakten Einordnung und Reduktion unterschiedlicher
politischer Positionen auf einer Skala, welche lediglich eine Dimension hat. Die Links-Rechts-
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Skala (oder auch Links-Rechts-Schema) wird aufgrund dieser Funktion auch als ,,super- issue"
bezeichnet (Inglehart & Klingemann, 1976: 244). Die eben erwähnte Komplexitätsreduktion
politischer Positionen, ist notwendig um eine politische Identität zu entwickeln und diese von
anderen Standpunkten abzugrenzen (Fuhse, 2004: 212). Dieses Links-Rechts-Schema spielt
bis heute eine wichtige Rolle bei der politischen Selbsteinstufung. Es hilft politischen Akteuren
bei der Orientierung und bildet durch das Sichtbarmachen von Wertkonflikte zwischen ver-
schiedenen Parteien einen wichtigen Baustein für den demokratischen Parteienwettbewerb in
Deutschland (Roßteutscher & Scherer, 2013: 67). Zudem ermöglicht das Schema den Bürgern
einen Überblick über die Parteienlandschaft zu gewinnen und stellt in letzter Konsequenz eine
wichtige Grundlage für die Wahlentscheidung jedes Einzelnen dar (Murphy et al., 1981: 399ff.).
Politische Parteien lassen sich hinsichtlich ihrer Grundwerte und politischen Weltanschauung
vor diesem Hintergrund einordnen (Roßteutscher & Scherer, 2013: 67). Die Grundsätze der
Parteien kann jeder Wähler individuell bewerten und seine Wahlentscheidung darauf begrün-
den.
Zurückzuführen ist das Links-Rechts-Schema auf die Zeit der französischen Revolution. Hier
gab es bei Nationalversammlungen zuerst keine Sitzordnung. Während einigen inhaltlichen Aus-
einandersetzungen des Dritten Standes entstand eine politische Ordnung. Im Sommer 1789
setzten sich die Advokaten der alten Ständegesellschaft, welche für die Gültigkeit vererbter Vor-
rechte und eine hierarchisch-traditionale politische Ordnung eintraten (also konservative Werte
vertraten) auf die rechte Seite des Parlaments. Links saßen hingegen Abgeordnete, welche für
anti- monarchistische und pro-demokratische Werte eintraten (Roßteutscher & Scherer, 2013:
67). So saßen politisch Gleichgesinnte beieinander und eine Sitzordnung entstand. Als Folge
dessen wurden die Bezeichnungen rechts und links im politischen Sprachgebrauch verwen-
det. Bis heute wird die so entstandene Links-Rechts-Achse als symbolische Ordnungsbildung
verwendet (Fuhse, 2004: 212).
Mit dem eben beschriebenen Vorteil, dass sich fast jeder unter dem abstrakten Konstrukt
von rechts und links etwas vorstellen kann geht jedoch auch ein Problem einher. So wird das
Links-Rechts-Schema oft unterschiedlich interpretiert. Die gängigen Zuschreibungen zu links
und rechts bilden jeweils auch Gegensatzpaare. So ist von progressiven und konservativen Über-
zeugungen, Kollektivismus und Individualismus und Sozialismus versus Kapitalismus die Rede
(Fuhse, 2004: 212). Eine sehr verbreitete Definition des Links-Rechts-Schemas stammt von
Bobbio (1994). Links steht hier ,,für die Überzeugung, dass Menschen grundsätzlich gleich sind
und Strukturen sozialer Ungleichheit mit guten Gründen legitimiert werden müssen" (Fuhse,
2004: 213 nach Bobbio, 1994). Der Begriff rechts, welcher bei allen Interpretationen inhaltlich
den Gegensatz zu links bildet, beinhaltet in dieser Definition also die Ansicht, dass Menschen
grundsätzlich ungleich sind. Eine Selbstverortung zwischen den beiden Extremen, also in der
Mitte, kann als Überzeugung des Festhaltens am Status quo interpretiert werden (Rottinghaus,
2016: 195).
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Im Rahmen dieser Arbeit spiel das gerade beschriebene Problem jedoch keine allzu große Rolle.
Viel wichtiger ist hier ein anderes Konstrukt, welches mit dem Links-Rechts-Schema einhergeht.
Es kann davon ausgegangen werden, dass eine weitere Abstarkationsebene, welche unabhän-
gig vom Inhalt ist, besteht. Die Rede ist von politischer Ideologie (Rottinghaus, 2016: 533).
Hier spielt es keine Rolle, ob das Individuum, welches sich auf der Skala selbst einstuft die-
se als progressiv/konservativ, kollektivistisch/individualistisch oder sozialistisch/kapitalistisch
interpretiert. Das Konzept der Ideologie könnte also als eine Art Makro- Perspektive gesehen
werden, bei der die Ränder der Skala jeweils die extremsten Werte von Ideologie annehmen.
Lüdemann (2001: 53) bezeichnet diese Ränder als ideologisch extrem. Auch in der vorliegen-
den Arbeit wird der Begriff des ,,ideologischen Extremismus" für den rechten und linken Rand
des Schemas verwendet. Hier wird davon ausgegangen, dass beide Seiten im selben Ausmaß
ideologisch extrem sind. In dieser Arbeit wird der Ideologie Begriff von Arzheimer (2009: 86)
verwendet. Arzheimer definiert im Zusammenhang mit den Links-Rechts-Schema den Begriff
folgendermaßen:
,,Systeme von Ideen, Werten und Überzeugungen, die (a) eine gewisse Stabilität aufweisen,
(b) von relevanten gesellschaftlichen Gruppen geteilt werden, (c) eine bestimmte Diagno-
se der sozialen und politischen Realität beinhalten, (d) relativ abstrakte Aussagen über eine
wünschenswerte soziale und politische Realität treffen, (e) einen Katalog von konkreteren poli-
tischen Maßnahmen implizieren, mit deren Hilfe sich die Lücke zwischen (c) und (d) schließen
lässt, (f) Handlungsappelle an bestimmte soziale Gruppen richten und (g) eine Legitimation
für die Verteidigung, die Reform oder die radikale Veränderung der grundlegenden sozialen und
politischen Verhältnisse einer gegebenen Gesellschaft bieten".
Diese Definition wird dieser Arbeit zugrunde gelegt, da sie im Vergleich zu anderen Definitio-
nen von Ideologie frei von Inhalten ist. Bei den späteren Analysen zum vermuteten Zusam-
menhang von 1) ideologischem Extremismus und interner political efficacy und 2) ideologi-
schem Extremismus und informeller politischer Partizipation, spielt lediglich die Links-Rechts-
Selbsteinstufung eine Rolle.
2.3 Politische Partizipation
Der Partizipationsbegriff ist früher wie heute nicht einheitlich definiert. Stellt man sich also
wie Verba und Nie (1972) die Frage: ,,Was ist Partizipation?", bekommt man unterschiedliche
Antworten. Bis Ende der 70er Jahre fasste man unter politische Partizipation die Teilhabe
an institutionalisierten Formen, wie beispielsweise die Wahlbeteiligung. Durch eine Studie von
Barnes et al. (1979) wurde der Partizipationsbegriff erweitert. Die Forscher definierten politi-
sche Beteiligung als freiwillige Aktivitäten von Bürgern und Bürgerinnen durch die sie direkt
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oder indirekt politische Entscheidungen beeinflussen. Sie unterschieden zwischen konventio-
neller und unkonventioneller sowie zwischen legaler und illegaler Partizipation. Konventionelle
Formen der politischen Partizipation umfassten alle institutionalisierten Formen der Beteiligung
und als unkonventionell galten alle Partizipationsformen, welche außerhalb der sozialen Norm
waren und somit auch nicht institutionalisiert waren. Schnell wurde jedoch klar, dass die Teil-
habe an neue soziale Bewegungen und Bürgerinitiativen immer beliebter wurden. Diese Arten
von Partizipation hätten zur unkonventionellen Partizipation gezählt, waren jedoch sehr beliebt
bei den Bürgern und wurden als akzeptabel gesehen. Somit wurde der Begriff der politischen
Partizipation Ende der 80er Jahre (beispielsweise von Uehlinger, 1988) weiter ausgebreitet.
Doch auch diese Ansätze konnten sich nicht längerfristig durchsetzen. Zwischenzeitlich wurde
das Konzept der politischen Partizipation so weit gefasst, dass die eigentliche Intention (das
Konstrukt zur wissenschaftlichen Analyse zu verwenden) verloren ging (Geißl & Pensore, 2003:
2ff.).
Auch heute gibt es noch sehr starke Unterschiede in der Definition von politischer Partizipation.
So unterscheidet beispielsweise van Deth (2013: 41) zwischen drei Formen der Partizipation:
Protest, Wahlbeteiligung und konventionelle Partizipation. Unter Protest fasst er beispielsweise
Demonstrationen und Produktboykotte. Seine zweite Dimension (konventionelle Partizipation)
beinhaltet z.B. Medienkontakte und Parteimitgliedschaften. Davon grenzt er die tatsächliche
Wahl ab (van Deth 2013: 41). Niedermayer (2005:1 94) unterscheidet sogar sechs Formen
partizipativer Aktivitäten: Teilnahme an Wahlen, parteibezogene Aktivitäten, Gemeindewahl-
kampf/ Politiker bezogene Aktivitäten, legaler Protest, ziviler Protest und politische Gewalt.
In der Mainstreamforschung wird heute zwischen konventionellen und unkonventionellen, un-
mittelbaren und mittelbaren bzw. direkten und indirekten, institutionalisierten und nicht-
institutionalisierten, verfassten und nicht-verfassten, sowie zwischen legalen und illegalen For-
men der politischen Partizipation unterschieden.
Als konventionell gelten Partizipationsformen, welche weit verbreitet und üblich sind (wie et-
wa der Wahlakt). Unkonventionell sind hingegen alle Formen, welche weniger verbreitet sind.
Wie bereits beschrieben finden wir heutzutage jedoch unkonventionelle Formen, wie beispiels-
weise Demonstrationen, recht häufig. Deshalb ist diese Unterscheidung etwas problematisch.
Als direkt/unmittelbar (z.B.: Referendum, Demonstration) wird politische Teilhabe verstan-
den, welche auf eine sach-spezifische oder personelle Entscheidung wirkt. Im Gegensatz dazu
bezieht sich indirekte/mittelbare Partizipation (z.B. Parteimitgliedschaft, Wahlen) auf eine
generalisierende politische Handlungsvollmacht. Die Formen der institutionalsierten bzw. ver-
fassten Teilhabe sind relativ ähnlich. So sind mit institutionalisierter politischer Partizipation
alle Arten gemeint, welche innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen stattfinden. Verfass-
te Partizipation ist rechtlich verankert und geregelt, beispielsweise in der Verfassung und findet
somit auch im rechtlichen Rahmen statt. Ähnlich verhält es sich auch bei dem Gegenstück der
nicht-institutionalisierten bzw. unverfassten politischen Teilhabe. Beide Begriffe beschreiben
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Details

Titel
Extreme und gemäßigte politische Positionen. Wie unterscheiden sich Bürger hinsichtlich ihrer politischen Beteiligung?
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V387696
ISBN (eBook)
9783668618398
ISBN (Buch)
9783668618404
Dateigröße
1217 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
extreme, positionen, bürger, beteiligung
Arbeit zitieren
Lisa Nagel (Autor), 2016, Extreme und gemäßigte politische Positionen. Wie unterscheiden sich Bürger hinsichtlich ihrer politischen Beteiligung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387696

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