Familie und Migration in Deutschland


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Einleitung

1. Migranten in Deutschland

1.1. Türkische Migranten

1.2. Aussiedler

2. Integration von Migrantenfamilien

2.1. Die Sprache

2.2. Die Bildung

2.3. Das soziale Umfeld

3. Fazit

Literaturverzeichnis


Einleitung

 

Täglich fliehen Menschen auf der ganzen Welt vor Bedrohung, Krisen, Armut und Krieg. Dabei verlassen sie nicht selten ihre Heimat und ziehen in ein anderes Land. Sowohl für die Migranten, als auch die Aufnahmegesellschaft, bringt dies einige Herausforderungen mit sich. Viele Menschen sind verunsichert, da ihnen die neue Kultur fremd ist und sie die Sprache nicht verstehen oder sprechen können. Auch ein Teil der Bevölkerung des Aufnahmelandes ist beunruhigt, da sie die neuen Mitbürger nicht kennen und leider teilweise von Vorurteilen und Stereotypen beeinflusst werden. Zurzeit kommen viele Menschen nach Deutschland, weil sie Schutz und Asyl suchen. Auf nicht absehbare Zeit werden sie Teil unserer Gesellschaft sein. Um Konflikte zwischen den Einheimischen und den Migranten zu vermeiden, ist es wichtig, sie gut zu integrieren. Dazu ist ein gewisser Beitrag von beiden Seiten nötig. Denn ein Migrant kann sich nur integrieren, wenn er von der Gesellschaft akzeptiert und aufgenommen wird. In der Geschichte Deutschlands kam es bereits zu Einwanderung größerer Migrantengruppen in einem relativ kurzen Zeitraum. Im Folgenden sollen die zwei größten in Deutschland lebenden Migrantengruppen und ihre Integration in die deutsche Gesellschaft untersucht werden. Welche Hürden gab es damals und was sollte heute möglichst vermieden werden? Welche Maßnahmen sind hilfreich und welche erschweren die Integration? Dabei wird insbesondere auf Familien eingegangen, denn sie stellen für Migranten in der Regel das wichtigste soziale Netzwerk dar.

 

1. Migranten in Deutschland

 

In Deutschland leben 82 Millionen Menschen. Die Bevölkerungszahl wächst trotz Geburtenrückgang. Möglich ist dies durch den Zuzug von Migranten. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Dies war nicht immer so. Zumindest hat die Politik das nicht immer wahrhaben wollen. Heute leben zirka 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dazu zählen alle seit 1950 Zugewanderten und alle in Deutschland geborenen Ausländer. Ebenso wie alle hier geborenen Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund hat einen deutschen Pass. Etwa 3 Millionen sind türkischer, 1,5 Millionen sind polnischer, 1,2 Millionen sind russischer und 0,9 Millionen kasachischer Herkunft. Die meisten Nicht-Deutschen kommen aus dem europäischen Ausland. Migration kommt vom lateinischen Wort migratio und lässt sich übersetzen mit Wanderung. Menschen verlassen aus verschiedensten Gründen ihre Heimat (vgl. Meier-Braun, 2013, S. 15f).

 

Was alle Familien ausländischer Herkunft gemeinsam haben ist, dass sie, neben den gewöhnlichen Familienaufgaben, der Herausforderung gegenüberstehen sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Die Familie als Einheit, sowie jeder Einzelne hat seinen Beitrag zu einer gelingenden Integration und Findung der eigenen Identität zu leisten. Dabei gelten in jeder Familie unterschiedliche Auffassungen von einer Gestaltung des Familienlebens (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2000, S. XII). „[N]ationale, ethnische und kulturelle Herkunft mit unterschiedlichen Leitbildern und Normen (prägen) das Leben dieser Familien, ihre Chancen in der deutschen Gesellschaft und ihrer Integration in diese Gesellschaft“ (ebd., S. XIII). Dabei sind mehrere Generationen im Prozess beteiligt. Während die erste Generation die Zugewanderten beschreibt und deren Kinder sowie weitere Nachkommen die Folgegenerationen darstellen.

 

Durch die Migration kommt es zu veränderten Gestaltungen im Familienleben. Das Leben der Familien in und mit der deutschen Gesellschaft wird durch anhaltende Bedeutung von Werten der Herkunft und einer damit verbundenen Wirkung der ursprünglichen Gesellschaft bedingt (vgl. ebd., S. XVI). Kulturelle Werte dienen als Orientierungssystem für eine Gesellschaft und verbinden die einzelnen Mitglieder miteinander (vgl. Thomas, 2013, S. 41ff). Je unterschiedlicher die Kulturen der Herkunfts- und der Aufnahmegesellschaft sind, desto beanspruchter sind die Migranten. „Theorien folgen meist der Vorstellung einer Akkulturation, einem langsamen Hineinwachsen in die neue Kultur, wobei ein individueller Wertewandel von den Erziehungsvorstellungen der Heimatkultur hin zu denen der Aufnahmegesellschaft angenommen wird“ (Hofer, Klein-Allermann & Nauck, 1992, S. 49). Akkulturation meint den Prozess von kultureller und psychologischer Veränderung durch Interaktionen zwischen zwei kulturell unterschiedlichen Gruppen. Dabei kommt es zur kulturellen Berührung der Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft (Integration), woraufhin die Anpassung an die Mehrheitskultur (Assimilation) sowie der Reduktion auf die eigene Gruppe (Segregation) bis hin zu keiner erkennbaren Identifikation (Marginalisierung) erfolgt (vgl. Berry, 2005, S. 698ff). Die zwei größten in Deutschland lebenden Migrantengruppen sind türkischer Herkunft und Aussiedler. Deshalb wird sich im Folgenden auf diese beiden Gruppen bezogen. Innerhalb dieser zwei Gruppen bestehen viele gemeinsame Voraussetzungen und ähnliche Migrationsmotive. Diese sollen verglichen und in Bezug zur Integration in die deutsche Gesellschaft gesetzt werden. Dabei ist zu beachten, dass es sich ausschließlich um Tendenzen und Mittelwerte handelt, die nicht repräsentativ für alle Familien sind.

 

1.1. Türkische Migranten

 

Um im Nachkriegsdeutschland den Wiederaufbau voranzutreiben und den Bedarf an Arbeitskräften während der guten wirtschaftlichen Phase zu decken, wurden zwischen 1955 und 1973 "Gastarbeiter“ aus dem Mittelmeerraum angeworben. Mit dem Anwerbeabkommen mit der Türkei am 30. Oktober 1961 wurde der Grundstein für die Einwanderung der türkischen Arbeitsmigranten gelegt, die schon bald die größte Migrantengruppe in Deutschland darstellten (vgl. Thelen, 2012, S. 64ff). Zunächst kamen hauptsächlich Männer zwischen 20 und 40 Jahren, später aber auch immer mehr Frauen, ohne Familie. Somit stieg der Anteil ausländischer Mitbürger in der deutschen Bevölkerung schnell an. 1973 kamen    23 % der Ausländer aus der Türkei (vgl. Bundesministerium des Innern, 2014). Die hauptsächliche Motivation für die Auswanderung war die schlechte Wirtschaftssituation im Herkunftsland. Es mischten sich allerdings auch Neugier und Abenteuerlust zur wirtschaftlichen Not und der Möglichkeit Geld zu verdienen. Das verdiente Geld wurde dann meist an die in der Türkei gebliebenen Familien geschickt.  Die „Gastarbeiter“ waren niedrig qualifizierte Menschen aus Arbeiterfamilien und ihre Tätigkeiten erforderten keine hohen Qualifikationen (vgl. Hofer, Wild & Noack, 2002, S. 85). Nur 30 % von ihnen verfügten über eine Ausbildung, doch waren sie bereit Arbeit zu übernehmen, „die andere nicht wollten“ und erhielten durch Schicht- und Nachtarbeit zusätzliche Boni. Meist waren sie gemeinsam in Heimen, abgeschnitten von der deutschen Bevölkerung, untergebracht. Als 1973 ein Anwerbestopp auf eine schlechte Wirtschaftskonjunktur folgte, befanden sich etwa 600.000 erwerbstätige Türken in Deutschland. Da es ihre Absicht war zum Arbeiten zu kommen und bald wieder in die Heimat zurückzukehren, kamen die Arbeitsmigranten, hauptsächlich Männer, ohne Frauen und Familien. In Deutschland wurde davon ausgegangen, dass die Gastarbeiter nun zurückkehren würden. Doch wurden bis dato viele Familien nachgeholt und deren Wunsch, dauerhaft in Deutschland zu leben, war gewachsen. Nach 1980 wurde die Türkei aufgrund von Konflikten und dem Militärputsch politisch instabil, weshalb auch Asylbewerber ihren Weg nach Deutschland fanden (vgl. Thelen, 2012, S. 66). Der größte Teil der gebliebenen Gastarbeiter und ihrer Familien kommt auch heute noch ursprünglich aus der Türkei (vgl. Hofer et al., 2002, S. 85). Um ihrer Heimat und Kultur ein Stück weit nahe zu sein, finden bis heute türkische Lebensmittelläden, Zeitungen, Musik und Fernsehen Zuspruch bei den hier lebenden Migranten türkischer Herkunft (vgl. Thelen, 2012, S. 66). Was sie von vielen anderen Migrantengruppen unterscheidet ist ihre Religionszugehörigkeit. Die meisten Menschen türkischer Herkunft sind Muslime. Im Integrationsprozess spielt dies eine nicht unbedeutende Rolle. Festgestellt wurde, dass in Deutschland lebende junge Muslime aus der Türkei unterdurchschnittlich gebildet sind. Zudem identifizieren sie sich im Vergleich zu anderen Migranten, teilweise trotz deutscher Staatsangehörigkeit und langjährigem Aufenthalt, weniger als Deutsche. Ihre familiären Werte und Normen sind dabei meist konservativ (Brettfeld & Wetzels, 2007, S. 25ff). Mittlerweile leben viele dieser Familien seit einigen Generationen in Deutschland. Ihre Lebensweisen und ihre Identifikation sowohl mit Deutschland als auch ihrer Herkunft sind sehr unterschiedlich. Die Migranten türkischer Herkunft zeichnen sich durch verschiedene ethnische Wurzeln und religiöse Überzeugungen aus. Es bestehen sowohl viele gleichethnische als auch verschiedenethnische Ehen zwischen Menschen türkischer und anderer Herkunft. 2011 besaß etwa jeder dritte Türkischstämmige die deutsche Staatsbürgerschaft (vgl. Thelen, 2012, S. 65).

 

1.2. Aussiedler

 

Nach Deutschland kamen von 1950 bis 1987 die meisten Aussiedler aus Polen. In den 90er Jahren, nach Zerfall der Sowjetunion, folgten über zwei Millionen Aussiedler, die überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion kamen. Somit sind seit 1950 4,5 Millionen Aussiedler nach Deutschland gekommen. Ihre Vorfahren waren Deutsche, die wegen schlechter wirtschaftlicher Umstände Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert den Rücken kehrten. Meist als Bauern oder Handwerker ließen sie sich z.B. in Rumänien, Ungarn und Russland nieder. Hier lebten sie häufig in deutschen Dörfern zusammen, wo sie ihre Sprache, Kultur und Religion pflegen konnten. Bis zum ersten Weltkrieg lebten sie im Einklang mit den Einheimischen. Danach wurden ihnen mehr und mehr Minderheitenrechte verwehrt und so beispielsweise ihre deutschsprachigen Schulen geschlossen. Nach dem Grundgesetz Artikel 116 sind sie Deutsche. 1953 wurde das Bundesvertriebenengesetz erlassen wonach Aussiedlern ein besonderer Rechtsstatus zugesprochen wurde. Bis 1987 kamen 1,4 Millionen Aussiedler vor allem aus Polen und Rumänien. Den Deutschen, die in der ehemaligen Sowjetunion lebten, wurde die Ausreise bis zum Zerfall des kommunistischen Staates fast unmöglich gemacht. Im einwanderungsreichsten Jahr 1990 reisten 400.000 Aussiedler ein.  Ihr Motiv war der Wunsch nach jahrelanger Unterdrückung „als Deutsche unter Deutschen“ zu leben (vgl. Tröster, 2012, S. 78ff). Vorteile gegenüber anderen Migranten haben Aussiedler insofern, dass sie vielseitige Integrationshilfen, wie Sprachkurse und Hilfen zur beruflichen Eingliederung wahrnehmen können. Trotz ihrer Deutschstämmigkeit brachten nur wenige gute Sprachkenntnisse mit und auch die vorgefundene deutsche Kultur war ihnen fremd, sodass sie sich in einer vergleichbaren Situation wie andere Migranten befanden (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2000, S. 58ff). Zwar mussten viele von ihnen einen beruflichen Statusverlust in Kauf nehmen, dennoch stieg ihr materieller Wohlstand im Vergleich zum Besitz in den Herkunftsländern an. Zwischen 1991 und 2006 traten zirka 1,9 Millionen Aussiedler und ihre Familien, eingeschlossen Ehepartner nicht-deutscher Vorfahren, den Weg nach Deutschland an. Somit stieg die Wahrnehmung der „neuen Deutschen“ in der Aufnahmegesellschaft zu dieser Zeit stark an und ihre Akzeptanz sank. Seit 1993 kamen nahezu ausschließlich Russlanddeutsche, die aufgrund der politischen Verhältnisse ihrer Herkunftsländer kaum bis keine deutschen Sprachkenntnisse mitbrachten. 2011 wurden lediglich 2148 Einwanderungen von Aussiedlern registriert und es ist anzunehmen, dass es immer weniger werden. Von den etwa vier Millionen in Deutschland lebenden Aussiedlern im Jahr 2013 wurden zirka 80 % nicht hier geboren. „Aussiedler gehören zu den am besten integrierten Migrantengruppen in Deutschland. Sie kamen – verglichen mit anderen Zuwanderungsgruppen – mit einem relativ hohen Bildungsstand  nach Deutschland, finden sich relativ gut auf dem Arbeitsmarkt zurecht und bemühen sich aktiv um Integration“ (Tröster, 2012, S. 80).

 

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Familie und Migration in Deutschland
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V387744
ISBN (eBook)
9783668622760
ISBN (Buch)
9783668622777
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Familie, Aussiedler, Gastarbeiter, Sprache, Integration, türkischer Herkunft, Deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Familie und Migration in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387744

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