Sprachliche Förderung im Fachunterricht in Bezug auf den Zweitspracherwerb

Herausforderungen und Lösungsansätze des sprachsensiblen Fachunterrichts


Seminararbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Spracherwerb und Fachunterricht ... 2
2.1 Begriffliche Annäherung ... 2
2.2 Kognition und Zweitspracherwerb ... 5
3 Bedeutung der Sprache für den Fachunterricht ... 8
3.1 Fachsprache als Herausforderung für den Fachunterricht ... 8
3.2 Konsequenzen ... 9
3.3 Lösungsansätze ... 10
3.3.1 Scaffolding ... 11
3.3.2 SIOP ... 11
3.3.3 CLIL ... 11
4 Praktische Sprachförderung im Fachunterricht am Beispiel des ,,Methoden-
Werkzeugkasten" von Joseph Leisen ... 12
5 Fazit ... 15
Literaturverzeichnis ... 16

1
1 Einleitung
Die Fähigkeit zur angemessenen Kommunikation über fachliche Inhalte stellt heute
einen wichtigen Bestandteil der schulischen, akademischen und beruflichen
Karriere dar. Entsprechend ist die Förderung der sprachlichen Kompetenz längst in
die Bildungsstandards der Sachfächer eingeflossen. Doch insbesondere für Kinder
und Jugendliche mit Migrationshintergrund kann der Fachunterricht in der
Zweitsprache Deutsch eine besondere Herausforderung darstellen, die ohne
Berücksichtigung durch die Lehrenden nicht immer gelöst werden kann. Auch auf
die Lehrkräfte des Fachunterrichts kommen in diesem Zusammenhang neue
Aufgabenbereiche zu, wenn sie neben ihren fachlichen Inhalten in der Zukunft noch
mehr auf die sprachliche Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen
sollen.
Diese wissenschaftliche Arbeit soll die Wichtigkeit der Sprachförderung im
schulischen Fachunterricht aufzeigen und Möglichkeiten zum Umgang mit den
neuen Herausforderungen darstellen. Zu diesem Zweck wird zunächst eine
begriffliche Annäherung vorgenommen, um eine Abgrenzung zwischen Alltags-,
Fach- und Bildungssprache zu vollziehen und im weiteren Verlauf auf die
Zusammenhänge von Kognition und Spracherwerb einzugehen, um auf diese Weise
eine theoretische Grundlage zu schaffen. Im darauffolgenden Kapitel werden die
erarbeiteten Grundlagen der Sprachforschung auf den zweitsprachlichen
Fachunterricht angewendet. Dabei sollen einerseits mögliche Probleme mit ihren
Herausforderungen und Konsequenzen dargestellt, aber auch bereits bekannte
Lösungsansätze präsentiert werden. Neben den theoretischen Konzepten zur
Umgehung der Schwierigkeiten wird zudem der von Josef Leisen entwickelte
,,Methoden-Werkzeugkasten" zur praktischen Sprachförderung im Fachunterricht
vorgestellt, der ein integraler Bestandteil seines Konzepts des sprachsensiblen
Fachunterrichts ist. Im abschließenden Kapitel dieser Arbeit soll zudem ein Fazit
gezogen werden, welches die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal
zusammenfasst, um die Bedeutung der Sprachförderung im Fachunterricht
gebündelt darzulegen.

2
2 Spracherwerb und Fachunterricht
2.1 Begriffliche Annäherung
Wenn die Bedeutung des sprachsensiblen Fachunterrichts für den Unterrichtsalltag
untersucht werden soll, sollte zunächst eine begriffliche Annäherung an die
unterschiedlichen Sprachformen vollzogen werden. Relevant für die
Forschungsfrage ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Bedeutung der
Bildungssprache in Abgrenzung zur Alltags-, Fach-, oder Wissenschaftssprache.
Bei diesem Vorhaben muss die Tatsache Beachtung finden, dass keine einheitliche
Definition des Terminus Fachsprache existiert. Stattdessen wird sie als Gegenstand
zahlreicher sprachwissenschaftlicher Untersuchungen, in Abhängigkeit zum
jeweils vorliegenden Verständnis, unterschiedlich gedeutet. Im Rahmen dieser
wissenschaftlichen Arbeit kann kein Gesamtüberblick über den Forschungsstand
der Verhältnisse zwischen Alltags-, Fach- oder Bildungssprache gegeben werden,
dennoch sollen hier einige der bedeutendsten Annäherungen vorgestellt werden.
Während die Umgangssprache von Jürgen Habermas als die Sprache, die
Mitglieder einer sprachlichen Gemeinschaft im täglichen Miteinander verwenden
und die vor allem durch die Sozialisierung eines Kindes geprägt wird, definiert
wird, kann eine Fachsprache durch den Erwerb spezieller beruflicher oder
fachlicher Kenntnisse angeeignet werden (vgl. Habermas 1981: 342). Auch Jürg
Niederhauser definiert die Fachsprache als eine sprachliche Erscheinungsform, die
zur Verständigung innerhalb der unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereiche
und über deren Inhalte dient (vgl. Niederhauser 1999: 23). Dabei unterscheidet sie
sich insbesondere durch ihren speziellen Wortschatz von der Alltags- oder
Umgangssprache (Bergmann et. al. 2005: 127). Die Ansätze der modernen
Sprachwissenschaft weisen allerdings darauf hin, dass Fachsprachen nicht nur auf
eine Ansammlung von Terminologien reduziert werden dürfen, sondern in ihrer
Gesamtheit betrachtet werden sollten (vgl. Niederhauser 1999: 25). Für Lothar
Hoffmann besteht eine Fachsprache aus der ,,[...] Gesamtheit aller sprachlichen
Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet
werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen
zu gewährleisten." (Hoffmann 1987: 53) Die Wissenschaftssprache ist somit ein

3
Bestandteil der Fachsprache. Einerseits stellt sie die Fachsprache einer bestimmten
wissenschaftlichen Disziplin dar, andererseits wird sie häufig als Oberbegriff für
die charakteristischen sprachlichen Eigenheiten und Bedingungen aller
Fachsprachen verstanden (vgl. Niederhauser 1999: 31). In Abgrenzung zur reinen
Wissenschaftssprache spielt für die schulische Sprachförderung im Fachunterricht
insbesondere die Bildungssprache eine bedeutende Rolle. Auch hier existieren
unterschiedliche Ansätze. Das heute vorherrschende Konzept der Bildungssprache
geht dabei aber vor allem auf die Definition von Jürgen Habermas zurück, der 1977
formulierte:
,,Sie [die Bildungssprache] unterscheidet sich von der Umgangssprache durch die Disziplin
des schriftlichen Ausdrucks und durch einen differenzierteren, Fachliches einbeziehenden
Wortschatz; andererseits unterscheidet sie sich von der Fachsprache dadurch, dass sie
grundsätzlich für alle offensteht, die sich mit den Mitteln der Schulbildung ein
Orientierungswissen verschaffen können." (Habermas 1981: 345)
Dabei greift er auf Max Schelers Konzept des Bildungswissens zurück. Für diesen
ist Bildungssprache das Mittel, mit dessen Hilfe ,,[...] Bestandteile der
Wissenschaftssprache von der Umgangssprache assimiliert [...]" (ebd.) werden
können. Demzufolge steht die Bildungssprache als Mittler zwischen
Wissenschaftssprache und Umgangssprache und spielt somit insbesondere für den
Schulunterricht eine bedeutende Rolle. In diesem Kontext kann Bildungssprache
nach Ingrid Gogolin als ,,Bildungssprache der Schule" (Gogolin 2006: 79f)
konkretisiert werden. Diese versteht darunter einen ,,Modus der konzeptionellen
Schriftlichkeit" (Kniffka & Roelcke 2016: 44), der sich besonders durch die
Entkopplung von bestimmten Situationen, einen hohen Informations- und
Verweisgrad sowie ausdifferenzierte und merkmalsreiche Lexik vom mündlichen
Sprachgebrauch der Umgangssprache unterscheidet (vgl. ebd.). Feilke erweitert den
Begriff der Bildungssprache um den Gebrauch bestimmter Sprachhandlungen,
welche in der schulischen und akademischen Didaktik unterstützend verwendet
werden können (vgl. ebd.). Dazu zählen unter anderem Sprachkompetenzen aus den
Bereichen des Erörtern, Analysieren, Beschreiben, Vergleichen oder Erklären (vgl.
Feilke 2012: 5). Die Aufgaben der Bildungssprache lassen sich laut Morek und
Heller in drei Gebrauchsaspekten zusammenfassen (vgl. Morek & Heller 2012: 70).
Dabei handelt es sich um die kommunikative, die epistemische und die
sozialsymbolische Funktion, die im Folgenden näher erläutert werden sollen (vgl.

4
ebd.). Die kommunikative Funktion begreift Fachsprache als ,,Medium von
Wissenstransfer" (ebd.). In diesem Fall ist Bildungssprache vom konkreten Kontext
der wissenschaftlichen Kommunikation abhängig, da die Darstellung komplexer
Inhalte durch das Vorhandensein einer Sprache bedingt wird, die die
Kommunikation eben dieser komplexer Inhalte möglich macht (vgl. ebd.: 74).
Ähnlich wie in Habermas` Definition der Bildungssprache fungiert diese in ihrer
kommunikativen Funktion als ,,[...] innersprachliche Verkehrssprache zwischen
den Fachsprachen" (ebd.). Neben der konkreten Kommunikation kann
Bildungssprache auch als Werkzeug komplexer kognitiver Operationen dienen,
was besonders im Hinblick auf den Zweitspracherwerb eine Rolle spielen kann
(vgl. ebd.: 75). Vorgänge wie Abstraktionen, Verallgemeinerungen oder das
Erkennen von kausalen Zusammenhängen können durch das Erlernen von
abstrakten, kontextunabhängigen Sprachmitteln vereinfacht werden (vgl. ebd.).
Durch die Aneignung der Bildungssprache wird demnach gleichzeitig die
wissenschaftliche Auseinandersetzung und Kommunikation erst möglich gemacht
(vgl. ebd.):
,,Indem Lernende bildungssprachliche Mittel und Strukturen produktiv und/oder rezeptiv
als Medium der Wissensdarstellung und -vermittlung immer umfassender zu nutzen lernen,
eignen sie sich ­ im erfolgreichen Falle ­ auch das System bildungssprachlichen Handelns
an, wachsen sie in die kognitiven und kommunikativen Praktiken bestimmter fachlicher
Gemeinschaften hinein." (ebd.: 76)
Darüber hinaus kann Bildungssprache als ,,Eintrittskarte" verstanden werden, in
diesem Fall erfüllt sie eine ,,ungleichheitsreproduzierende Funktion" (ebd.: 77).
Unter kultursoziologischen Aspekten betrachtet, kann der bildungssprachliche
Habitus in Abgrenzung zu anderen Sprachstilen, wie beispielsweise der Sprache
der Arbeiterklasse, gesetzt werden (vgl. ebd.). Dies ist insbesondere für den
schulischen Alltag relevant, da hier implizite Erwartungen an die sprachlichen
Fähigkeiten der Schülerschaft gestellt werden, die Niederschlag in Bewertung und
Zensuren finden (vgl. ebd.: 78). Da diese Erwartungen meist implizit gestellt
werden, kann eine mangelnde außerschulische, sprachliche Sozialisation den Zutritt
zu Bildungschancen und einer akademischen Laufbahn verwehren.
Ist diese Kompetenz jedoch vorhanden, kann sie als ,,Visitenkarte" (ebd.: 79)
begriffen werden, die ein wichtiges Mittel zur Selbst- und Fremddarstellung bietet.
Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sprachliche Förderung im Fachunterricht in Bezug auf den Zweitspracherwerb
Untertitel
Herausforderungen und Lösungsansätze des sprachsensiblen Fachunterrichts
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V387837
ISBN (eBook)
9783668621183
ISBN (Buch)
9783668621190
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Förderung, Sprache, Fachunterricht, Zweitsprachenerwerb
Arbeit zitieren
Bachelor Kamila Cyrulik (Autor), 2017, Sprachliche Förderung im Fachunterricht in Bezug auf den Zweitspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387837

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