Welche Gefahren ergeben sich aus Bitcoins für die mikro- und makro-prudentielle Aufsicht?

Eine Perspektive aus Sicht der Zentralbank


Seminararbeit, 2017
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

- I -
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... II
Tabellenverzeichnis ... III
1 Einleitung ... 1
2 Virtuelle Währungen... 2
2.1 Klassifikation von virtuellen Währungen ­ Spezielle Betrachtung
von Bitcoin ... 2
2.2
Erfüllung der Geldfunktionen durch Bitcoin ... 3
3 Gefahren und Regulierung von virtuellen Währungen ... 5
3.1
Notwendigkeit der Regulierung ­ Risiken von Bitcoin ... 5
3.2
Gefahren für die Preis- und die Finanzstabilität ... 8
3.3
Reaktion der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ... 10
4 Fazit und Ausblick ... 12
Anhang... 14
Literaturverzeichnis ... 19

- II -
Abkürzungsverzeichnis
AEUV
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht
BBankG
Gesetz über die Deutsche Bundesbank
BoE
Bank of England
BTC
Bitcoin
EBA
Europäische Bankenaufsicht
EMD
Electronic-Money Directive
EP
Europäisches Parlament
EZB
Europäische Zentralbank
FATF
Financial Action Task Force
FinCEN
Financial Crimes Enforcement Network
HM Treasury
Her/His Majesty's Treasury
MtGox
Magic the Online Gathering Exchange
PSD
Payment Service Directive
USD
United States Dollar
VC
Virtuelle Währungen (engl: Virtual currencies)

- III -
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Übersicht der Regulierung innerhalb der Europäischen Union
14

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1
Einleitung
,,Der technologische Fortschritt und Erneuerungen im Zahlungsverkehr führen zu einer er-
heblichen Senkung der Transaktions- und Informationskosten [...], (wodurch) die Alterna-
tive der Nutzung unterschiedlicher Währungseinheiten wieder aus wirtschaftlichen Grün-
den eine Renaissance erlebt" (Krüger & Godschalk, 1998, S. 46). Eine dieser Erneuerun-
gen ist Bitcoin. Dieser wurde 2008 von einer unbekannten Person vorgestellt (Nakamoto,
2008) und hat seitdem ein hohes mediales Interesse erzeugt. Dennoch ist die Idee von vir-
tuellen Währungen (kurz: VC, ,,virtual currencies") nichts Neues. Das Innovative am Bit-
coin-System ist die dezentrale Struktur, die es ermöglicht elektronischen Wert ,,peer to
peer" transferieren zu können. Konkret wird in diesem Fall die Intermediation einer dritten
Partei nicht mehr benötigt und somit die Einflussmöglichkeiten einer zentralen Instanz, der
Zentralbank, abgebaut (Boel, 2016).
Verschiedene Zentralbanken und Aufsichtsbehörden haben bereits Berichte über VC pu-
bliziert und Warnungen über deren Nutzung als Tauschmittel ausgesprochen. Dies begrün-
den sie hauptsächlich daran, dass VC nicht reguliert sind und Nutzern keinerlei Verbrau-
cherschutz geboten wird. Außerdem sei die Nutzung von VC so gering, dass diese keine
Auswirkung auf die Preis- bzw. Finanzstabilität hätte (BoE, 2014; EZB, 2015).
Die erste Transaktion mit Bitcoins erfolgte 2010 mit dem Kauf einer Pizza für 10.000 Bit-
coins (circa 25 USD) (Bitcointalk, 2010). Der aktuelle Wert dieser Pizza liegt bei 56,7
Millionen USD.
1
Diese Anekdote zeigt sowohl das gestiegene Interesse als auch die Er-
wartungen der Nutzer über die Entwicklung von VC.
Das Ziel dieser Seminararbeit ist die Untersuchung der potentiellen Risiken von VC für die
Zentralbank und ihrer Aufsichtspflicht. Hierfür wird in Kapitel 2 zunächst VC klassifiziert
und anschließend die Funktionsweise des Bitcoins näher beschrieben. Darauf aufbauend
wird geprüft, ob Bitcoin die Geldfunktionen erfüllt. In Kapitel 3 wird die Notwendigkeit
der Regulierung herausgestellt und auf einige Gefahren für die Preis- und Finanzstabilität
hingewiesen. Hierbei wird besonders die Wichtigkeit der Begrenzung von illegalen Akti-
vitäten mit VC hervorgehoben. Darauffolgend wird gezeigt wie verschiedene Institutionen
mit der Regulierung umgehen, um einen Vergleich zwischen Ländern zu ermöglichen.
1
Der Preis wurde am 19.10.2017 um 13:35 Uhr (MESZ) mit einem Wechselkurs von 5.675,02 BTC/USD errechnet. Vgl.
Yahoo Finance (2017).

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2
Virtuelle Währungen
2.1
Klassifikation von virtuellen Währungen ­ Spezielle Betrachtung von
Bitcoin
In der Literatur wird strikt zwischen digitalen und virtuellen Währungen unterschieden.
Digitale Währungen sind jene, die elektronisch gehalten und transferiert werden (z. B.
Paypal) (Boel, 2016). Die Europäische Zentralbank liefert in ihrer weiterführenden Ana-
lyse des Virtual Currency Scheme für VC folgende Definition:
,,A digital representation of value, not issued by a central bank, credit institution or e-
money institution, which, in some circumstances, can be used as alternative to money"
(EZB, 2015).
Im Gegensatz zu der Definition aus dem ersten VCS (EZB, 2012) verzichtet die EZB auf
das Wort ,,unregulated" bei der Definition von virtuellen Währungen. Dennoch gibt die
EZB in ihrem aktuellsten Bericht (EZB, 2015) bekannt, dass innerhalb der EU virtuelle
Währungen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unreguliert sind und von der Zahlungs-
dienstrichtlinie (PSD) und der E-Geld-Richtlinie (EMD) nicht umfasst werden. Das Finan-
cial Crimes Enforcement Network (FinCEN) definiert VC als Tauschmittel die ähnlich wie
gesetzliche Währungen fungieren, aber nicht alle Attribute dieser erfüllen. Diese seien
ebenso unreguliert und gelten nicht als gesetzliches Zahlungsmittel (Financial Crimes En-
forcement Network, 2013). Die European Banking Authority (EBA) kommt zu einer ähn-
lichen Definition und definiert VC als eine digitale Repräsentation eines Wertes, der nicht
von einer Zentralbank herausgegeben wird. Weiterhin betont die EBA VC von elektroni-
schem Geld zu differenzieren, da elektronisches Geld im Gegensatz zu VC eine Repräsen-
tation von Fiatgeld ist und somit auch von der EMD reguliert wird (EBA, 2014). Folglich
deuten die Definitionen daraufhin, dass VC als Vermögenswert und nicht als Geld angese-
hen werden können.VC unterscheiden sich dadurch von digitalen Währungen, dass Letz-
tere direkt mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel verbunden sind und in Folge dessen regu-
liert werden (EU, 2009). Zum einen erfüllen VC den Zweck einer Tauscheinheit, um z. B.
Güter zu erwerben und zum anderen nutzen sie ein eingebautes peer-to-peer Zahlungssys-
tem (Boel, 2016; EZB, 2015).
Aufgrund der hohen Komplexität von Bitcoin wird das Konzept des Bitcoins auf wenige
Punkte reduziert. Im Folgenden wird Bitcoin (BTC) als Referenz für VC genutzt, da dieser

- 3 ­
aktuell mit 53,6 % (Stand: 12.10.2017) den Markt der VC dominiert
2
und die erste erfolg-
reiche virtuelle Währung ist (Raskin & Yermack, 2016). Als Ziel verfolgt Bitcoin die De-
zentralisierung des Zahlungssystems sowie das Verhindern von Doppeltbuchungen (Naka-
moto, 2008). Ein eingebautes Zahlungssystem ermöglicht es, Transaktionen ,,peer to peer",
d. h. von einer Person direkt zu einer anderen durchzuführen, ohne, dass ein Intermediär
die Transaktion prüfen muss. Das Bitcoin-Netzwerk ist vollständig dezentral und bietet
Zugriff für alle Teilnehmer, die eine Internetverbindung haben, wobei alle Teilnehmer
gleichgestellt sind (Nakamoto, 2008). In der Dezentralität liegt auch die Innovation des
Bitcoin-System gegenüber dem Zahlungssystem mit zentralen Instanzen, wie z. B. dem
Zahlungssystem der Zentralbanken des Eurosystems. Die Transaktionen per se bzw. die
Historie eines Bitcoins werden in einer sogenannten ,,Blockchain" gespeichert, welche als
öffentliches Register gesehen werden kann. Um das Legitimitäts-Kriterium erfüllen zu
können, müssen ,,Miner" einen Arbeitsnachweis (engl. Proof-of-Work) erbringen, um ei-
nen Block für die Blockchain freigeben zu können. Dieser Arbeitsnachweis liegt in der
Lösung eines mathematischen Problems, welches von Hochleistungsrechnern gelöst wird
(Nakamoto, 2008). Der erste Miner, der es schafft, das mathematische Problem zu lösen,
wird mit aktuell 12,5 Bitcoins belohnt, wobei die Belohnung hierfür sich alle 210.000
Blocks halbiert (Bitcoin Block Reward, 2017).
Nach Nakamoto (2008) dauert der Arbeitsnachweis für einen Block circa 10 Minuten.
Diese Verzögerung ist notwendig, um Informationssymmetrie unter allen Teilnehmer des
Bitcoin-Netzwerks gewährleisten zu können, wodurch folglich dem Problem der Doppelt-
buchungen entgegengewirkt wird (Luther & Olson, 2013).
2.2
Erfüllung der Geldfunktionen durch Bitcoin
Nachdem die Funktionsweise von Bitcoins erklärt wurde, wird in diesem Abschnitt ge-
prüft, ob Bitcoin die Geldfunktionen erfüllt. Diese Prüfung ist notwendig, um anhand des
Ergebnisses die potentiellen Folgen für die Realwirtschaft abschätzen zu können. Die
Volkswirtschaftslehre definiert Geld anhand seiner zugeschriebenen Funktionen. Geld be-
sitzt demnach die Funktionen als Zahlungs- bzw. Tauschmittel, Rechenmittel und Wer-
taufbewahrungsmittel (Deutsche Bundesbank, 2015; Krugman, 1984; Mankiw, 2010). Die
Zahlungs- bzw. Tauschmittelfunktion ermöglicht den Teilnehmern einer Ökonomie den
2
Die aktuelle Marktkapitalisierung und der relative Marktanteil können auf
https://coinmarketcap.com/
aufgerufen wer-
den. Demnach gibt es aktuell 1159 Kryptowährungen. Das Gros dieser basiert auf dem Konzept des Bitcoins, wobei
die Unterschiede in der Blockgenerierung und im Mining liegen.

- 4 ­
direkten Austausch von Gütern gegen das allgemein anerkannte Tauschmittel (Deutsche
Bundesbank, 2015). Die Recheneinheitsfunktion erlaubt den direkten Vergleich aller Güter
in derselben Rechengröße und verringert somit die Informationskosten relativ zu einer
Tauschwirtschaft ohne Geld. Die Wertaufbewahrungsfunktion wird dazu verwendet um
Kaufkraft von heute in die Zukunft zu transferieren und fordert eine gewisse Wertstabilität,
um diese Funktion erfolgreich erfüllen zu können (Berentsen & Schär, 2017, S. 15­17).
Um überprüfen zu können, ob VC die Geldfunktionen erfüllen und somit als Geld betrach-
tet werden können, ist die Definition von Geld Nöten.
3
Nach Menger ist dasjenige Gut als anerkanntes Tauschmittel zu definieren, welches die
höchste Akzeptanz (Absatzfähigkeit) hat (Menger, 1871, S. 272­274). Eine hohe Komple-
xität des Bitcoin-Systems macht es für die Nutzer schwierig in dieses ein Vertrauen aufzu-
bauen (Berentsen & Schär, 2017, S. 244). Auch wenn die Anzahl der Akzeptanzstellen für
Bitcoins und die Transaktionen eine steigende Tendenz haben, besteht aktuell keine recht-
liche Annahmepflicht wie bei staatlichen Währungen (EZB, 2015). Ein Vergleich des
Transaktionsvolumens mit etablierten Zahlungsmöglichkeiten wie Visa, MasterCard,
Paypal und Western Union zeigt, dass die Anzahl der Bitcoin-Transaktionen gering ist. So
wurden im Jahr 2014 durchschnittlich 69.000 Transaktionen mit Bitcoins und in der glei-
chen Periode durchschnittlich 274 Millionen unbare Transaktionen innerhalb der Europäi-
schen Union durchgeführt (EZB, 2015). Eine Analyse des Bitcoin-Nutzerverhalten zeigt
ebenso, dass besonders Erstnutzer von Bitcoins diese zu Spekulationszwecken halten und
nicht die Intention haben, Güter zu erwerben (Glaser et al., 2014; Yermack). Aufgrund der
oben aufgeführten Erläuterungen kann man aktuell Bitcoin die Zahlungs- bzw. Tauschmit-
telfunktion nicht zuschreiben.
4
Die Wertaufbewahrungsfunktion dient dazu. um Geld von heute in die Zukunft transferie-
ren zu können. Hierfür ist sowohl eine stabile Wertentwicklung notwendig als auch eine
sichere Aufbewahrung der Werteinheiten. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass
die Preisentwicklung von Bitcoin eine hohe Volatilität aufweist und somit der Funktion als
Wertaufbewahrungsmittel nicht gerecht werden kann (BoE, 2014; EZB, 2015; Yermack).
3
Gemäß der Österreichischen Schule hat Geld lediglich die Funktion als Tauschmittel zu erfüllen, da die übrigen Funk-
tionen auf die Tauschmittelfunktion zurückgeführt werden können Vgl. Mises (1912, S. 12). Nach Carl Menger hat
Geld lediglich die Funktion als Tauschmittel und die Funktionen als Wertaufbewahrung und Recheneinheit seien
lediglich zufälliger Natur. Vgl. Menger (1871, S. 279)
4
Diese Schlussfolgerung basiert auf der aktuell herrschenden Literatur und die Entwicklung des Bitcoins könnte sich in
der Zukunft ändern. Weiterhin ist zu beachten, dass im Rahmen dieser Seminararbeit der Bitcoin als Referenzwährung
für Kryptowährungen, aufgrund der oben aufgeführten Gründe, gewählt wurde und sämtliche Alternativen vernach-
lässigt wurden.
Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Welche Gefahren ergeben sich aus Bitcoins für die mikro- und makro-prudentielle Aufsicht?
Untertitel
Eine Perspektive aus Sicht der Zentralbank
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Geld und Internationale Finanzmärkte)
Veranstaltung
Seminar: International Banking
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V387937
ISBN (eBook)
9783668621138
ISBN (Buch)
9783668621145
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bitcoin, virtuelle Währungen, digitale Währungen, Kryptowährungen, EZB, Regulierung
Arbeit zitieren
Fatih Karaagac (Autor), 2017, Welche Gefahren ergeben sich aus Bitcoins für die mikro- und makro-prudentielle Aufsicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387937

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