Validation nach Naomi Feil, personenzentrierter Ansatz nach Tom Kitwoo und ein möglicher Transfer in der häuslichen Pflege


Studienarbeit, 2016
43 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

B.A.
Jahrgang 2014/2017
Validation, personenzentrierter Ansatz und ein möglicher Transfer
in der häuslichen Pflege
Verfasser/in:
Simone Keller
Zeitraum der Studienarbeit:
01.07.2016 bis 19.09.2016

Studienarbeit
Simone Keller
Steinbeis-Hochschule Berlin
Seite IV
Vorwort
Während meiner Ausbildung zur Krankenschwester Ende der 80iger Jahre war
Demenz lediglich ein Randthema. Mittlerweile wurde die Prägnanz des Themas er-
kannt. Nichts desto trotz hat die medizinische Perspektive die Oberhand. Die nachfol-
gende Arbeit möchte mit der Vorstellung zweier nichtmedikamentöser Interventionen
eine andere Perspektive eröffnen. Beide Ansätze beinhalten eine zutiefst menschliche
Herangehensweise. Schließen möchte ich mit einem chinesischen Sprichwort:
,,Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut,
sondern auch für das, was man nicht tut."
Kreimbach-Kaulbach, den 25.09.2016

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Simone Keller
Steinbeis-Hochschule Berlin
Seite V
Inhaltsverzeichnis
Seite
Eigenständigkeitserklärung ... I
Erklärung zur Archivierung der Studienarbeit ... II
Vorwort ...IV
Inhaltsverzeichnis ... V
Abbildungsverzeichnis ... VI
Tabellenverzeichnis ... VII
Abkürzungen ... VIII
1
Einleitung ... 1
2
Pathologisierung der Demenz ... 2
2.1
Was ist Demenz? ... 3
3
Umgangsformen mit Personen mit Demenz ... 4
3.1
Validation nach Naomi Feil ... 5
3.1.1
Carl Rogers und sein Therapiemodell ... 6
3.1.2
Erik Eriksons Theorie der Lebensstadien ... 7
3.1.3
Weitere Theorien, die die Validation beeinflusst haben ... 10
3.1.4
Gründe zur Desorientiertheit ... 11
3.1.5
Feils distanzierte Perspektive zur Pathologisierung der Demenz ... 12
3.1.6
Zielgruppe der Validation ... 14
3.1.7
Die vier Phasen der Aufarbeitung ... 14
3.1.8
Eigenschaften des Validationsanwenders ... 17
3.1.9
Anwendung ... 18
3.2
Der personenzentrierte Ansatz nach Tom Kitwood ... 23
3.2.1
Der Begriff des "Personseins"... 23
3.2.2
Maligne Sozialpsychologie... 25
3.2.3
Bedürfnisse von Personen mit Demenz ... 26
3.2.4
Positive Arbeit an der Person ... 28
3.2.5
Grundsätze des personenzentrierten Ansatzes ... 29
3.2.6
Dementia Care Mapping (DCM) ... 30
4
Übertragbarkeit in das häusliche Pflegesetting ... 31
5
Resümee ... 32
Literaturverzeichnis ... 35

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Steinbeis-Hochschule Berlin
Seite VI
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Tagesdecke zum Nesteln für Menschen mit Demenz ... 20
Abbildung 2: Negativspirale ... 25
Abbildung 3: Psychische Bedürfnisse von Personen mit Demenz...26

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Seite VII
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1: Entwicklungsstufe nach Erikson ... 8

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Seite VIII
Abkürzungen
DCM
Dementia Care Mapping
FpfZG
Familienpflegezeitgesetz
PflegeZG
Pflegezeitgesetz
SGB
Sozialgesetzbuch
VA
Validationsanwender

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Seite 1
1
Einleitung
,,Jeder Mensch hat uneingeschränkten Anspruch auf Respektierung seiner Würde und
Einzigartigkeit. Menschen, die Hilfe und Pflege benötigen, haben die gleichen Rechte
wie alle anderen Menschen und dürfen in ihrer besonderen Lebenssituation in keiner
Weise benachteiligt werden (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend)."
Das Wort Demenz stammt aus dem Lateinischen ,,de-mens" und bedeutet so viel wie
,,ohne Geist". In der Öffentlichkeit wahrgenommene Bilder lassen sich in Äußerungen
zusammenfassen wie ,,Abschied vom Ich", ,,Tod im Leben" oder ,,menschenunwürdiges
Siechtum". Das Thema ist zugleich sehr emotional besetzt. Betroffene und Angehörige
sehen sich einer persönlichen Tragödie gegenüber, stellen doch Autonomie und
Selbstbestimmung ein hohes anzustrebendes Gut unserer Gesellschaft dar (vgl. Wetz-
stein 2005, S. 11).
Zurzeit leben in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen, die an einer Demenz lei-
den. Prognosen zufolge verdoppelt sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 (vgl. Berlininsti-
tut 2011, S. 8). Gleichzeitig steht der steigenden Anzahl der Erkrankten eine immer
geringere Zahl an Betreuenden und Pflegenden gegenüber. Der Ausbau von immer
mehr stationären Pflegeplätzen mit immer weniger qualifiziertem Personal, welches zur
Verfügung steht, bietet keine zufriedenstellende Perspektive. Familien und die Gesell-
schaft als Ganzes werden mit einer sich verschärfenden Problemlage konfrontiert. Es
gilt, die zur Verfügung stehenden Ressourcen, auch unter dem Gesichtspunkt der Kos-
teneffizienz, optimal zu nutzen. Der Einzug in ein Pflegeheim wird mit fortschreitender
Demenz immer wahrscheinlicher. Umso mehr gilt es Bedingungen und Betreuungs-
konzepte zu entwickeln, die eine menschenwürdige Versorgung der Betroffenen in
ihrer häuslichen Umgebung ermöglichen. Dies entspricht sowohl dem im Gesetz einge-
räumten Vorrang der ambulanten Versorgung als auch dem persönlichen Wunsch der
meisten Menschen (vgl. Schäufele et al. 2008, S. 103).
In den letzten Jahren wurden mehrere Ansätze zur Betreuung und Pflege von Men-
schen mit Demenz entwickelt. Die Umsetzung erfolgt jedoch vorwiegend im stationären
Bereich. Die nachfolgende Arbeit beleuchtet Validation nach Naomi Feil und den per-
sonenzentrierten Ansatz nach Tom Kitwood. Im Anschluss folgen Überlegungen, wel-
che Konditionen förderlich sind, um diese Ansätze in den häuslichen Bereich zu über-
tragen.

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Seite 2
2
Pathologisierung der Demenz
Früher wurde der geistige Abbau als natürliche Folge des Alterns angesehen, man galt
als ,,verkalkt". Nachdem die senile Form der Alzheimer vor 30 Jahren als Krankheit
bestimmt wurde, erhielt die Medizin das Deutungsmonopol. ,,Alzheimer-Demenz" oder
,,Morbus Alzheimer" wurden zum Inbegriff eines pathologischen geistigen Abbaus.
Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen, eine eindeutige Ursache zuzu-
ordnen oder eine kausale Therapie anzuwenden. Eine eindeutige Diagnose lässt sich
erst postmortem stellen. Aufgabe der Medizin ist es, kranke Menschen zu heilen oder
deren Leiden zu lindern. Weil der Erforschung der Demenz im Sinne einer Erkrankung
und der damit verbundenen Hoffnung auf Heilung bzw. Linderung so viel Aufmerksam-
keit zuteil wurde, wurden Forschungen, die auf die Steigerung von Lebensqualität der
Betroffenen abzielen, vernachlässigt.
,,Der schleichende Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, die unaufhaltsamen Ver-
änderungen in der Persönlichkeit bis hin zum Verlust der verbalen Kommunikationsfä-
higkeit sind die Momente, die der Demenz ihren dämonischen Charakter verleihen. In
einer Umwelt, die die Leistungsfähigkeit des Menschen bis ins Alter hinein als ,normal`
voraussetzt, müssen demente Menschen als krank erscheinen" (Wetzstein 2005, S.
112).
Der Begriff Demenz wird im Allgemeinen als Überbegriff verwendet. Kurzfristig muss
sich von der Vorstellung verabschiedet werden, wissenschaftlicher Fortschritt habe auf
alle körperlichen und geistigen Funktionsstörungen eine Antwort. Menschen mit De-
menz brauchen ab einem gewissen Stadium der Erkrankung vor allem Zuwendung,
Einfühlungsvermögen und Zeit. Hier ist es insbesondere eine Aufgabe der Pflege, den
Bedürfnissen der Betroffenen und deren Angehörigen gerecht zu werden.
,,Forschungsergebnisse zeigen, dass auch noch in Spätstadien der Erkrankung reiche
emotionale Ressourcen erschlossen werden können. Unsere Haltung Menschen mit
Demenz gegenüber schafft die Rahmenbedingungen, die darüber entscheiden, ob die-
ses Krankheitsbild mit Ängsten und Vorurteilen besetzt bleibt oder als eine von vielen
Facetten des Lebens akzeptiert wird und damit leichter für alle zu bewältigen ist" (Ber-
lininstitut 2011, S. 5).
Dieser Blickwinkel eröffnet eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen und reduziert
ihn nicht auf die Ansammlung von Defiziten und Symptomen.
Zunächst wird eine kurze Übersicht über das Krankheitsbild der Demenz gegeben.

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Seite 3
2.1
Was ist Demenz?
,,Mit Demenz wird ein Krankheitssyndrom bezeichnet, das gewöhnlich fortschreitend
verläuft, und das durch schwere Einbußen der höheren kognitiven Funktionen, ein-
schließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsver-
mögen charakterisiert ist" (Schäufele et al. 2009, S. 159).
Neben den Störungen des Gedächtnisses und der Abnahme der kognitiven Fähigkei-
ten kann es im weiteren Verlauf zu Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Agitiertheit, Aggres-
sion) und neuropsychologischen Symptomen (z.B. Wahnvorstellungen) kommen. Die-
se werden als nicht-kognitive Symptome bei Demenz oder als herausforderndes
Verhalten bezeichnet (vgl. ebd. S. 178). Das Bewusstsein ist nicht beeinträchtigt und
die Einschränkungen bestehen seit mindestens 6 Monaten.
Unterteilt wird Demenz in Primäre und Sekundäre Demenzformen. Menschen mit Se-
kundärer Demenz weisen demenzspezifische Symptome auf, deren Ursache allerdings
in einem anderen Körperorgan begründet ist. So leiden diese Personen bspw. unter
Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenfunktionsstörungen. Auch eine mangelnde Flüs-
sigkeitszufuhr kann Auslöser sein. Wird die Ursache kausal behandelt, sind die de-
menziellen Ausprägungen reversibel. Das ist der Grund, dass bei jeglichem Verdacht
auf Demenz zunächst eine Sekundäre Demenz ausgeschlossen werden sollte.
Primäre Demenzen sind nicht heilbar. Die häufigste Form ist die Demenz vom Typ Alz-
heimer. Hier kommt es zu einer Ansammlung von Amyloid-Protein-Ablagerungen und
dem Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Der Beginn ist schleichend.
Die zweithäufigste Form ist die Vaskuläre Demenz. Durch häufige, kleinere Hirninfarkte
(Multiinfarktsyndrom) entstehen Schädigungen im Hirngewebe. Hier lässt sich der Be-
ginn eindeutiger definieren.
Eine dritte Form ist die Mischform zwischen Demenz vom Alzheimer Typ und der Vas-
kulären Demenz. Hier liegen sowohl degenerativer Abbau als auch Hirninfarkte vor
(vgl. Lind 2007, S. 36-39).
Unterteilt wird die Demenz in drei Stadien. Im ersten Stadium kommt es zu Störungen
im Kurzzeitgedächtnis. Neue Informationen können nicht mehr verarbeitet werden.
Manche entwickeln Wortfindungsstörungen. In einer fremden Umgebung fällt die Orien-
tierung zunehmend schwer. Das Verhalten ist bestimmt durch verminderte Eigeninitia-
tive oder Stimmungslabilität. Diese Personen sind noch in der Lage sich selbst zu ver-
sorgen und alleine oder mit dem Partner zusammenzuleben.
Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Validation nach Naomi Feil, personenzentrierter Ansatz nach Tom Kitwoo und ein möglicher Transfer in der häuslichen Pflege
Note
1,4
Autor
Jahr
2016
Seiten
43
Katalognummer
V387964
ISBN (eBook)
9783668618725
ISBN (Buch)
9783668618732
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz Validation häusliche Pflege
Arbeit zitieren
Simone Keller (Autor), 2016, Validation nach Naomi Feil, personenzentrierter Ansatz nach Tom Kitwoo und ein möglicher Transfer in der häuslichen Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387964

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