Das Ziel dieser Arbeit ist den komplexen frühkindlichen Bindungsaufbau zwischen ausländischen Adoptivkindern und ihren Adoptiveltern zu erfassen und zu beschreiben. Es sollen dabei die Erfahrungen des Kleinkindes vor der Adoption, die Adaptation des Kindes nach der Adoption und einige Situationen im Leben der Familie aus der Bindungsperspektive beschrieben werden. Ich habe mich ganz bewusst für den Bindungsaufbau von ausländischen Kindern entschieden. Der Bindungsaufbau gestaltet sich bei diesen Kindern aufgrund der vielen Einflussfaktoren, wie beispielsweise andersartige kulturelle Identität, Deprivationserfahrungen, pränatale Schädigungen durch Mangel- und Unterernährung viel komplexer als bei Inlandsadoptionen. Weiterhin habe ich speziell den frühkindlichen Bindungsaufbau gewählt, dieser umfasst in meiner Arbeit das Lebensalter von null bis zwei Jahren. Denn in dieser Altersspanne hat das Kleinkind eine feste Bindung zu seiner primären Bezugsperson aufgebaut, wenn es unter normalen Bedingungen aufwächst. In dieser Zeit, die von Jean Piaget als sensumotorisches Stadium bezeichnet wird, entwickelt sich die Objektpermanenz, die Selbstregulation, das Ich-Bewusstsein, die Sprache, selbst bezogene Emotionen und das internale Arbeitsmodell. Des Weiteren erkennt das Kind, dass sich emotionale Reaktionen anderer von den eigenen unterscheiden können und die erworbene Trennungsangst nimmt ab.
Meine Bachelorarbeit gliedert sich in zwei Teile, die theoretischen Grundlagen und den empirischen Teil.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Adoption
2.2. Differenzierungen zwischen Auslands- und Inlandsadoptionen
2.3. Frühkindliche Bindung
2.3.1. Bindungstheorie und Phasen der Bindungsentwicklung
2.3.2. Konzept der Feinfühligkeit
2.3.3. Konzept der Bindungsqualitäten
2.3.4. Konzept der Bindungsrepräsentation
2.4. Filiationsbruch
2.5. Bindungsstörungen
2.5.1. Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters
2.5.2. Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung
2.6. Bindungsaufbau ausländischer Adoptivkinder im Alter von null bis zwei Jahren
2.7. Probleme beim Bindungsaufbau ausländischer Adoptivkinder im Alter von null bis zwei Jahren
3. Empirie
3.1. Darstellung des Forschungsvorhabens
3.2. Forschungsmethode
3.3. Feldzugang
3.4. Auswertungsverfahren
3.5. Auswertung des Interviews
3.6. Ergebnisse der Auswertung
4. Fazit und Ausblick
5. Anhang
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Abkürzungen
5.3. Transkriptionsregeln
5.4. Transkription des Interviews
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den komplexen frühkindlichen Bindungsaufbau zwischen ausländischen Adoptivkindern und ihren Adoptiveltern wissenschaftlich zu erfassen und zu beschreiben. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie sich diese Bindungen entwickeln, welche Einflussfaktoren (wie Deprivationserfahrungen oder kulturelle Identität) relevant sind und wie subjektive Erfahrungen von Adoptiveltern als Informationsgrundlage für die Adoptionsvermittlungspraxis dienen können.
- Frühkindliche Bindungstheorie und ihre Phasen
- Herausforderungen durch Adoptionstriangel und Filiationsbruch
- Qualitative Analyse (narratives Interview) des Bindungsaufbaus in einer Adoptivfamilie
- Einfluss von Bindungsstörungen und institutionellen Vorerfahrungen
- Verbesserungspotenziale für die Adoptionsvermittlungs- und Nachbetreuungspraxis
Auszug aus dem Buch
2.3. Frühkindliche Bindung
Das Bindungsbedürfnis des Säuglings ist von Geburt an vorhanden und sichert ihm das eigene Überleben. Durch das Bindungsverhalten wird Bindung beobachtbar und dient dazu Nähe zur Bindungsperson herzustellen, um das Gefühl von Sicherheit zu erlangen (vgl. Grossmann/Grossmann 2012, S. 74). Dies zeigt sich durch das Kommunikationsverhalten des Kleinkindes, wie Rufen, Schreien, Weinen, Lachen und durch Lautäußerungen, die alle die gleiche Intention haben, nämlich die Bindungsperson in die Nähe des Kindes zu führen (vgl. ebd., S. 75). Auch Verhaltensweisen wie Anklammern, Festhalten und Trennungsprotest oder Nachfolgen und Suchen signalisieren, dass das Kind die direkte Nähe zur Bindungsperson sucht (vgl. ebd., S. 75). „Dabei ist das Kind immer ein aktiver Interaktionspartner, der seinerseits signalisiert, wann Bedürfnisse nach Nähe und Schutz auftauchen und befriedigt werden wollen“ (Brisch 2009a, S. 36). Der Säugling wird in der Entwicklungspsychologie als soziales Wesen angesehen, der seine kommunikativen Fähigkeiten an das Pflegeverhaltenssystem seiner primären Bindungsperson anpasst. Die Bindungsentwicklung zu einer Person ist nicht durch genetische Verwandtschaft bedingt, deshalb kann sich der Säugling an Personen binden, die ihm völlig fremd sind und das über einen längerfristigen Entwicklungsverlauf (vgl. Brisch 2009b, S. 235).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der frühkindlichen Bindung ein und definiert die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die rechtlichen und psychologischen Aspekte der Adoption sowie zentrale Bindungskonzepte wie Feinfühligkeit und Bindungsrepräsentation.
3. Empirie: Hier wird das qualitative Forschungsvorhaben mittels narrativer Interviews und deren Auswertung durch die Objektive Hermeneutik detailliert dargelegt.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über den individuellen Bindungsaufbau zusammen und gibt konkrete Empfehlungen für die Praxis der Adoptionsvermittlung.
5. Anhang: Der Anhang bietet ergänzende Materialien, einschließlich Literaturverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis und der vollständigen Transkription des Interviews.
Schlüsselwörter
Frühkindliche Bindung, Adoption, Auslandsadoption, Adoptiveltern, Bindungsaufbau, Bindungsstörung, Filiationsbruch, Feinfühligkeit, Bindungsqualität, Narrative Interviews, Objektive Hermeneutik, Bindungsrepräsentation, Entwicklungspsychologie, Kindeswohl, Adoptionsvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Prozessen des Bindungsaufbaus bei ausländischen Adoptivkindern im Alter von null bis zwei Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Bindungstheorie, die spezifischen Belastungen durch Auslandsadoptionen sowie die Bedeutung von Feinfühligkeit und emotionaler Sicherheit für das Adoptivkind.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die frühkindliche Bindung zwischen ausländischen Adoptivkindern und ihren Adoptiveltern aufbaut und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für den empirischen Teil verwendet?
Die Autorin führte ein narratives Interview mit einem Adoptiveltern-Paar durch und wertete dieses mithilfe der Methode der Objektiven Hermeneutik nach Ulrich Oevermann aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Bindungsmodelle und einen empirischen Teil, der die subjektiven Erfahrungen der Adoptiveltern analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Frühkindliche Bindung, Adoption, Filiationsbruch, Bindungsstörungen und Objektive Hermeneutik.
Wie beeinflusst die Wartezeit vor der Adoption den Bindungsaufbau laut der Analyse?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine lange Wartezeit und der Verlust der frühen Säuglingsphase, insbesondere durch äußere Umstände wie Adoptionsstopps, das Bindungsempfinden der Adoptiveltern und den Prozess der Kontaktaufnahme zum Kind erheblich erschweren können.
Welche Rolle spielt die "Kinderfrau" im untersuchten Fallbeispiel?
In dem analysierten Fall wird die vor der Adoption bestehende Bindung zur Betreuungsperson im Heim als ein Faktor beschrieben, der den neuen Bindungsaufbau zu den Adoptiveltern vorübergehend durch konkurrierendes Trennungsverhalten beeinflusst hat.
- Citar trabajo
- Florine Scherer (Autor), 2013, Wie baut sich die frühkindliche Bindung von ausländischen Adoptivkindern auf?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387972