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Rituelle Gewalt an Frauen am Beispiel der weiblichen Beschneidung

Título: Rituelle Gewalt an Frauen am Beispiel der weiblichen Beschneidung

Tesis de Máster , 2018 , 69 Páginas , Calificación: 1,1

Autor:in: Anonym (Autor)

Ciencias sociales (General)
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Die weibliche Beschneidung ist eine folgenreiche Menschenrechtsverletzung und Ausdruck von Unterdrückung, Erniedrigung, Fremdbestimmung und ökonomischer Ausbeutung von Mädchen und Frauen. Gleichzeitig hat sie aber in praktizierenden Gesellschaften eine wichtige soziale Bedeutung. Die Beschneidung stellt einen traditionellen Brauch dar – als dieser kann er jedoch nicht mehr nur betrachtet werden. Die World Health Organization (WHO) nimmt an, dass ihre globalen Auswirkungen ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheitsvorsorge darstellen: Die Beschneidung von Mädchen und Frauen ist somit zu einem Problem modernen Gesellschaften geworden.

Lange Zeit wurde darüber diskutiert, ob man überhaupt eingreifen darf. Inzwischen hat sich das Augenmerk von dieser Frage zu dem Problem verlagert, wie man die Praxis beenden kann. Zentrale Voraussetzung für den Versuch, Strategien für die Aufklärung und Abschaffung der Beschneidung zu entwickeln, ist ein Verständnis dafür, welche persönliche und eine ganze Gemeinschaft umfassende Dynamik herrscht, die dazu führt, dass die Beschneidung an jungen Mädchen und Frauen gefordert und durchgeführt wird. Dies schließt auch die Frage ein, wie physische, strukturelle und symbolische Gewalt miteinander verknüpft sind und welche Gründe es für Frauen gibt, die Praxis zu unterstützen und durchzuführen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Beweggründe der Frauen detailliert herauszuarbeiten, um nachvollziehen zu können, warum der Brauch, der ihre eigene Gesundheit derart gefährdet, von ihnen akzeptiert und reproduziert wird. Dazu werden zunächst grundlegende Erkenntnisse zum Zusammenhang von Macht, Gewalt und dem Körper im Geschlechterverhältnis dargelegt und anschließend mit Bourdieus Habituskonzept verknüpft. Die symbolische Gewalt, die eng mit der Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit und der männlichen Herrschaft zusammenhängt, wird darüber hinaus näher betrachtet. Anschließend erfolgt die Betrachtung des Phänomens der weiblichen Beschneidung: Zunächst werden die verschiedenen Formen der Beschneidung beschrieben, um daran anknüpfend ihre unterschiedlichen Folgen für die Betroffenen darzulegen. Im Anschluss werden die verschiedenen Begründungsmuster ausführlich – mit Bezug auf die Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil – analysiert. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird abschließend skizziert, was Aufhebungsstrategien leisten müssen, um eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Betroffenen zu erreichen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Körper, Gewalt und Macht im Geschlechterverhältnis

2.1 Interpersonale Machtbeziehungen

2.2 Gesellschaftliche Machtverhältnisse

2.3 Habituskonzept

2.3.1 Herkunft und Ausarbeitung des Begriffs

2.3.2 Praktischer Sinn und soziale Felder

2.3.3 Das Habituskonzept in der Körpersoziologie

2.3.4 Praktische Anerkennung

2.3.5 Symbolische Gewalt

2.3.6 Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit als soziale Praxis

2.3.7 Die männliche Herrschaft

2.3.8 Geschlechtslogik männlichen Gewalthandelns

3 Die weibliche Beschneidung

3.1 Begrifflichkeit

3.2 Beschreibung der Praxis

3.3 Formen von weiblicher Genitalbeschneidung

4 Folgen der Beschneidung für betroffene Mädchen und Frauen

4.1 Körperliche Komplikationen

4.2 Psychologische und sexuelle Folgen

4.3 Die Klitoris und ihre Bedeutung für die weibliche Sexualität

5 Begründungsmuster weiblicher Genitalbeschneidung

5.1 Die Bedeutung von Tradition und Religion

5.2 Sexualität und Heiratsfähigkeit

5.3 Die weibliche Beschneidung als Übergangsritus

5.4 Die weibliche Beschneidung als Form von Gewalt an Frauen

5.5 Abschaffungsstrategien

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die tief verwurzelten Beweggründe von Frauen für die Durchführung weiblicher Genitalbeschneidung, indem sie soziologische Machttheorien mit der gelebten Praxis verknüpft, um zu verstehen, warum dieses Phänomen trotz gesundheitlicher Gefahren reproduziert wird und welche Ansätze für eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände existieren.

  • Zusammenhang von Macht, Gewalt und Körper im Geschlechterverhältnis
  • Anwendung des Bourdieu'schen Habituskonzepts auf das Phänomen der Beschneidung
  • Analyse von soziokulturellen und ökonomischen Begründungsmustern
  • Untersuchung der weiblichen Beschneidung als Übergangsritus und Instrument der Identitätsbildung
  • Diskussion von Strategien zur Überwindung der Praxis unter Berücksichtigung der Betroffenenperspektive

Auszug aus dem Buch

2.3.4 Praktische Anerkennung

Das Konzept des Habitus beschreibt die „soziale Ordnung als eine Ordnung zivilisierter Körper“ und stellt dar, wie gesellschaftliche Verhältnisse und Strukturen in die Körper der Individuen eingeschrieben werden (Meuser 2017). Die Menschen werden „in eine soziale Welt hineingeboren und wenden kognitive Strukturen auf sie an, die aus eben diesen Strukturen der Welt hervorgegangen sind“ (Funder/Sproll 2012: 53). Als Folge ergibt sich eine Übereinstimmung von objektiven und kognitiven Strukturen als eigentliche Basis einer realistischen Theorie von Herrschaft und Politik (ebd.). Die Wirkung gesellschaftlicher Machtverhältnisse verknüpft Bourdieu in dem Begriff der „symbolischen Gewalt“, die von ihm als „Zwang durch den Körper“ beschrieben wird; „alle Macht hat eine symbolische Dimension“ (Bourdieu 1997: 158; 165). Zusätzlich stellt er fest, dass Machtverhältnisse auf die Zustimmung der Beherrschten angewiesen sind; eine freiwillige Entscheidung ist diese Zustimmung allerdings nicht, sondern die Konsequenz aus „der unmittelbaren und vorreflexiven Unterwerfung der sozialisierten Körper“ (ebd.). Zwang und Zustimmung schließen einander nicht aus; durch Inkorporierung werden vielmehr „habituelle Dispositionen“ hervorgebracht, „die ein vorreflexives Einverständnis der Beherrschten mit ihrer Lage erst ermöglichen“ (Meuser 2017: 70). Bourdieu (1997b: 217) bezeichnet dies als „praktische Anerkennung“:

„Die praktische Anerkennung, durch die die Beherrschten oft unwissentlich und manchmal unwillentlich zu ihrer eigenen Beherrschung beitragen, indem sie stillschweigend und im vorhineindie ihnen gesteckten Grenzen akzeptieren, nimmt häufig die Form einer körperlichen Empfindung an (Scham, Schüchternheit, Ängstlichkeit, Schuldgefühl), die nicht selten mit dem Gefühl eines Regredierens auf archaische Beziehungen, auf Kindheit oder familiäre Umgebung einhergeht. Sie setzt sich in sichtbare Symptome wie Erröten, Sprechhemmung, Ungeschicklichkeit, Zittern um: Weisen, sich dem herrschenden Urteil, sei es auch ungewollt, ja, widerwillig zu unterwerfen, Weisen, das unterirdische Einverständnis – wenngleich manchmal in innerem Konflikt, ’innerlich gespalten’ – zu erfahren, das einen Körper, der sich den Anweisungen des Bewußtseins und des Willens entzieht, mit der Gewalt der den Gesellschaftsstrukturen inhärenten Zensuren solidarisiert.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem der weiblichen Beschneidung als Menschenrechtsverletzung und Ausdruck von Herrschaftsstrukturen, wobei das Ziel der Arbeit, die Beweggründe der Frauen zu verstehen, hervorgehoben wird.

2 Körper, Gewalt und Macht im Geschlechterverhältnis: Dieses Kapitel legt den theoretischen Rahmen dar, indem Macht, Gewalt und der menschliche Körper mittels Bourdieus Habituskonzept und Foucaults Theorien analysiert werden.

3 Die weibliche Beschneidung: Es erfolgt eine begriffliche Einordnung sowie eine detaillierte Beschreibung der Praxis und ihrer verschiedenen medizinischen Ausprägungen.

4 Folgen der Beschneidung für betroffene Mädchen und Frauen: Das Kapitel beleuchtet die akuten und chronischen körperlichen sowie die psychologischen und sexuellen Auswirkungen der Beschneidung.

5 Begründungsmuster weiblicher Genitalbeschneidung: Hier werden die gesellschaftlichen, religiösen und traditionellen Motive analysiert, die zur Legitimierung und Aufrechterhaltung des Brauchs führen.

6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Beschneidung tief in ein System aus symbolischer Gewalt und sozialem Druck eingebettet ist, das erst durch umfassende sozioökonomische Veränderungen aufgelöst werden kann.

Schlüsselwörter

Weibliche Beschneidung, Genitalverstümmelung, Habituskonzept, Pierre Bourdieu, symbolische Gewalt, Geschlechterverhältnis, Machtstrukturen, Tradition, Religion, körperliche Folgen, psychologische Auswirkungen, Heiratsfähigkeit, Patriarchat, Fremdbestimmung, Identitätsbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der weiblichen Genitalbeschneidung und analysiert, warum dieser Brauch, obwohl er mit gravierenden gesundheitlichen Risiken verbunden ist, in vielen Gesellschaften aufrechterhalten wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung deckt ein breites Spektrum ab: von den theoretischen Grundlagen zu Macht und Gewalt (u.a. nach Bourdieu), über die medizinischen und psychologischen Folgen bis hin zu den soziokulturellen Begründungsmustern.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Beweggründe der Frauen herauszuarbeiten, die den Brauch aktiv unterstützen oder reproduzieren, um eine tiefere Einsicht in die sozialen Zwangslagen und Machtstrukturen zu erlangen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der soziologischen Fundierung durch das Habituskonzept, körpersoziologischen Analysen und der Auswertung von vorhandener Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst Macht- und Herrschaftsverhältnisse theoretisch hergeleitet, dann die Praxis der Beschneidung und ihre Folgen diskutiert und abschließend die verschiedenen Begründungsmuster analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind unter anderem weibliche Beschneidung, symbolische Gewalt, Habitus, Machtverhältnisse, Tradition, soziale Kontrolle und Gender.

Wie unterscheidet sich die Auffassung der Autorin vom Begriff "Genitalverstümmelung"?

Die Autorin verwendet durchgängig den Begriff "weibliche Beschneidung", um eine voreingenommene, eurozentrische Bewertung zu vermeiden und die Perspektive der betroffenen Frauen respektvoll zu integrieren.

Welche Rolle spielt der Übergangsritus bei der Beschneidung?

Die Beschneidung fungiert als soziale Markierung des Erwachsenwerdens, die erst den Zugang zu gesellschaftlichen Rechten und Pflichten ermöglicht und somit für die Betroffenen zur Voraussetzung für einen akzeptierten sozialen Status wird.

Final del extracto de 69 páginas  - subir

Detalles

Título
Rituelle Gewalt an Frauen am Beispiel der weiblichen Beschneidung
Universidad
University of Cologne  (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschafen)
Calificación
1,1
Autor
Anonym (Autor)
Año de publicación
2018
Páginas
69
No. de catálogo
V388016
ISBN (Ebook)
9783668640702
ISBN (Libro)
9783668640719
Idioma
Alemán
Etiqueta
rituelle gewalt frauen beispiel beschneidung bourdieu macht herrschaft geschlecht
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anonym (Autor), 2018, Rituelle Gewalt an Frauen am Beispiel der weiblichen Beschneidung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388016
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