Die Gärten in Adalbert Stifters Erzählung "Der Hagestolz". Sinnbilder für Charaktere und Lebensweisen der handelnden Personen


Seminararbeit, 1990

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS
SEITE
1
EINLEITUNG
1.1
Auswahl des Themas...1
1.2
Ziel der Untersuchung...1
2
HAUPTTEIL
Vorbemerkungen...2
2.1
Erste Eindrücke der beiden Gärten...3
2.1
.
1
Garten Victor...
3
2.1
.
2
Äußerer Garten Hagestolz...4
2.1
.
3
Innerer Garten Hagestolz
...
6
2.1
.
4
Zusammenfassung der ersten Eindrücke
...7
2.2
Ausführliche Beschreibung der beiden Gärten ...8
2.2
.
1
Garten Victor...8
2.2
.
2
Innerer Garten Hagestolz
...10
3
SCHLUSS
3.1
Zusammenfassung ...12
3.2
Offene Fragen / Weitere Forschungsmöglichkeiten ...13
4
ANMERKUNGEN ...14
5
LITERATURVERZEICHNIS ...14
I

1 EINLEITUNG
1.1 Auswahl des Themas
Stifters Erzählung beeindruckt vor allem durch zwei Dinge: zum einen fasziniert
die großartige Naturschilderung, vor allem aber lebt die Erzählung von zahlreichen
Kontrasten und Parallelen. Stifter stellt Charaktere und Lebensweise der
handelnden Personen auf verschiedenste Weise dar und einander gegenüber. Es
ist bei mehrmaligem Lesen immer wieder interessant festzustellen, aus wievielen
einzelnen `Kontrastpaaren' diese Erzählung besteht. Mich hat interessiert, auf
welche Weise und mit welchen Mitteln Stifter aus diesen Gegensätzen ein so
harmonisches Ganzes zusammengefügt hat.
Im Rahmen des Seminarthemas möchte ich die Schilderung der beiden Gärten
untersuchen, die in der Erzählung beschrieben werden: den Garten bei Victor zu
Hause und den Garten des Oheims, des `Hagestolzes'. Es fällt auf, daß die erste
Begegnung mit den Bewohnern der beiden Häuser jeweils in Zusammenhang mit
den Gärten stattfindet: Victor betritt sein Elternhaus nach dem Abschiedsausflug
mit seinen Freunden erst einmal durch den Garten; ebenso lernt er das Haus des
Oheims durch erste Eindrücke des Gartens kennen.
Die Schilderung dieser beiden Schauplätze ist mehr als nur ein Rahmen für die
Erzählung; die beiden Gärten repräsentieren sehr deutlich die Charaktere ihrer
Bewohner bzw. Benutzer. Dies ist im folgenden zu interpretieren und darzustellen.
Es ist notwendig, an manchen Stellen auch die Schilderung der beiden
zugehörigen Häuser zu berücksichtigen, da diese den Eindruck der äußeren
Umgebung abrunden.
1.2 Ziel der Untersuchung
Ziel der Untersuchung soll sein, welche Rückschlüsse aus der Ausstattung und
dem Gesamteindruck der Gärten auf deren Bewohner zulässig oder sinnvoll sind,
unter Berücksichtigung der Zeit, in der die Erzählung spielt.
1

2 HAUPTTEIL
Vorbemerkungen:
Innerhalb der Erzählung finden sich zahlreiche inhaltliche und formale Parallelen
und Kontraste, insbesondere in Zusammenhang mit den beiden Hauptpersonen,
Victor und seinem Oheim. Das erste Kapitel stellt Victor auf einem Ausflug mit
Kameraden vor: offenbar ist er in gewisser Weise ein introvertierter Sonderling,
der den weitreichenden Entschluß ausruft, daß er nie heiraten werde, während
seine Freunde sorglos und fröhlich lärmend durch den Wald ziehen.
Hier findet sich die erste Parallele zu seinem Oheim, dem Hagestolz: dieser hat
nämlich tatsächlich nie geheiratet und fristet auf seiner Insel ein von aller Welt
abgeschlossenes Dasein. In der Person des Oheims wird anschaulich geschildert,
wie eigenbrötlerisch und weltfern ein Mensch dann tatsächlich werden kann, der
ohne Lebenspartner, ohne Nachwuchs nur sich selbst und seine Lebensweise
kennt. Am Schluß des ersten Kapitels wird ganz eindeutig auf den Oheim
angespielt und darauf, daß dieser nie verheiratet war und nun einsam, ohne
Gefährtin, das Ende seiner Tage erwartet. So also könnte es Victor ergehen, wenn
er seinen Entschluß in die Tat umsetzt.
Eine weitere, formale Parallele findet sich im Aufbau der Schilderung der beiden
Gärten. Beide werden in Aussehen, Ausstattung und Wirkung auf Victor zunächst
nur in wenigen Bestandteilen geschildert, dann folgt jeweils die Beschreibung des
Hauses und der Bewohner, bevor die Schilderung der Gärten wieder
aufgenommen, vertieft und erweitert wird. Beide Gärten werden aus der Sicht von
Victor dargestellt, der vom heimischen Garten Abschied nimmt und den des
Oheims kennenlernt.
2

2.1 Erste Eindrücke der beiden Gärten
2.1
.
1 Garten Victor
Victors Zuhause ist nicht sein eigentliches Elternhaus: er lebt mit seiner
Pflegemutter und deren Tochter aber seit seiner frühesten Kindheit zusammen, so
daß er die beiden als seine Familie betrachtet und die Gemeinschaft dieser drei
Menschen hier auch so bezeichnet werden soll.
Victors Zuhause wird zum ersten Mal geschildert, als er am Morgen nach dem Ab-
schiedsausflug mit seinen Freunden nach Hause kommt. Das Haus, in dem er und
seine Familie leben, liegt eingebettet in eine liebliche Tallandschaft, und selbst hier
offenbar ein wenig versteckt, denn Victor biegt vom Wege ab, um zwischen einem
großen Fliederbusch und anderen Büschen den Garten zu betreten.
Die erste, kurze Schilderung des Gartens seines Zuhauses beschränkt sich auf
wenige Aussagen: Die "aschgraue Gartenplanke, die ihre Farbe von den
unzähligen Regen und Sonnenstrahlen erhalten hatte" (S.10), ein niederes Haus
mit glänzenden Fenstern und weißen Vorhängen, Holundergesträuche,
Obstbäume, Brunnen, ein bejahrter Apfelbaum, "an den sich wieder Stangen und
allerlei andere Dinge lehnten", Hühner, ein Hund.
Diese nur kurze Beschreibung verrät schon viel über die Bewohner. Haus und Gar-
ten scheinen einigermaßen betagt zu sein. Die Gartenplanke ist im Laufe der Zeit
völlig verwittert; der Apfelbaum wird ebenfalls als `bejahrt' beschrieben. Andere
Anzeichen deuten darauf hin, daß das Anwesen insgesamt aber offenbar gut ge-
pflegt ist: die Fenster glänzen, die dahinter befindlichen Vorhänge sind weiß, am
Apfelbaum lehnen Stangen und "andere Dinge", offenbar Gerätschaften zur
Gartenarbeit.
Stifter beschreibt hier einen für Zeit und Gegend typischen Nutzgarten: Holunder
ist zum Beispiel vielseitig verwendbar: die Blüten sind ein altes Hausmittel gegen
Erkältungen, die Beeren lassen sich in vielfältigster Weise zu Süßspeisen, Saft,
Marmelade etc. verarbeiten. Die nicht näher definierten Obstbäume und der
Apfelbaum dienen ähnlichen Zwecken. Weiterhin spricht auch die Haltung der
Hühner für einen Nutzgarten; der Hund, ein Spitz, fungiert allerdings wohl mehr
als Mitglied der Familie denn als Wachhund.
3

Einziger Kontrast in diesem Bild ist die Gartenplanke (= Gartenzaun), die als
aschgrau und verwittert beschrieben wird und sonderbarerweise offenbar nicht
regelmäßig gestrichen oder auf eine andere Weise gepflegt oder ansprechend
gestaltet wird.
Der Grund ist vermutlich, daß sie von den Bewohnern nicht mehr als eigentlich
zugehörig zum Anwesen, sondern mehr bereits als Bestandteil der Außenwelt
angesehen wird. Die Bewohner leben in ihrer eigenen, kleinen Welt und scheinen
sich kaum um die `große' außerhalb dieser kleinen Welt zu kümmern.
2.1
.
2 Äußerer Garten Hagestolz
Bei der Beschreibung des Gartens des Hagestolzes muß berücksichtigt werden,
daß es sich um zwei Gärten handelt: außerhalb des eigentlichen, mit einer hohen
Mauer umgebenen Innengartens befinden sich zumindest Reste eines Außen-
gartens, der aber für die Deutung wichtig ist. Es werden also Außen- und Innen-
garten berücksichtigt werden.
Der Außengarten beginnt mit einem Pfad, dem Victor vom Landeplatz der Insel
aus folgt, an dem ihn das Boot des Fährmanns abgesetzt hat. Zunächst führt
dieser Pfad ihn zwischen Bäumen und Büschen hindurch, also mehr durch eine
Naturlandschaft, die aber bald von Merkmalen oder auch Überresten einer ge-
wissen Kultivierung abgelöst wird.
Deren erste Merkmale sind "ungemein starke Ahorne" (S.53), die auf einer dunk-
len Wiese "fast nach einer gewissen Ordnung und Regel" (S.53) umherstehen,
eine verkümmerte und von wuchernden Krüppelgesträuchen eingeengte Fahr-
straße, weiteres Buschwerk und eine weitere Wiese, "auf der kleine und zum Teil
verkommene Obstbäume" (S.54) stehen. Weiterhin befinden sich auf dieser Wiese
eine runde steinerne Brunneneinfassung, "graue steinerne Zwerge" (S.54), von
denen manche verstümmelt sind und die verschiedene Musikinstrumente in den
Händen halten. Über eine steinerne Treppe, die durch einen Graben hinab- und
wieder hinaufführt, gelangt Victor schließlich an eine hohe Mauer, hinter der der
Innengarten beginnt.
Diese scheinbar wahllos angeordneten Gegenstände lassen Rückschlüsse sowohl
auf die ehemaligen als auch auf den oder die derzeitigen Bewohner der Klause zu.
Zunächst ist die eigentliche oder möglicherweise frühere Funktion der versammel-
4
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Gärten in Adalbert Stifters Erzählung "Der Hagestolz". Sinnbilder für Charaktere und Lebensweisen der handelnden Personen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Der Garten in der Literatur
Note
1
Autor
Jahr
1990
Seiten
16
Katalognummer
V388118
ISBN (eBook)
9783668621725
ISBN (Buch)
9783668621732
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stifter, Garten, Hagestolz
Arbeit zitieren
Sabine Kern (Autor), 1990, Die Gärten in Adalbert Stifters Erzählung "Der Hagestolz". Sinnbilder für Charaktere und Lebensweisen der handelnden Personen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388118

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Gärten in Adalbert Stifters Erzählung "Der Hagestolz". Sinnbilder für Charaktere und Lebensweisen der handelnden Personen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden