Exzerpt aus Jean Jacques Rousseaus Klassiker "Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts"


Exzerpt, 2016

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

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1 Erstes Buch
1.1 Freiheit und Band
Gleich zu Beginn seines ersten Buches stellt Rousseau fest, dass jeder Mensch frei geboren
wird, jedoch überall in Ketten liegt. Gesellschaftliche Ordnungen haben ihre Gültigkeit, sind
jedoch nicht von der Natur ableitbar, sondern eine Art Vereinbarung. Wird ein Volk unterdrückt,
so ist es ihr legitimes Recht nach Freiheit zu trachten. (vgl.: Rousseau 1977: 5f)
Die Vereinbarung zur gesellschaftliche Ordnung lässt sich an ihrer (einzig) natürlichsten
Ausprägung erkennen, der Familie. Die starren Rollen von Gehorsam und Fürsorge erlischen
mit dem Erwachsenwerden der Kinder. Auch wenn die liebevolle Bande zwischen den
Familienmitgliedern aufrechterhalten bleibt, so ist diese willentlich und nicht von der Natur
gegeben. (vgl.: ebd: 6f)
Vergangene Philosophen und Vordenker wie Hobbes, oder Aristoteles, folgerten die natürliche
Ordnung von Herrschern und Beherrschten von der Natur ab, laut Rousseau kann dies aber
nur durch Gewalt geschehen. (vgl.: Rousseau 1977: 7f)
1.2 Unterordnung und Unterwerfung
,,Das Recht des Stärkeren" (Rousseau 1977: 9) gilt dieser Annahme ebenfalls nicht von der
Natur gegeben, sondern als ein Akt der Klugheit des Benachteiligten. Sich der Stärke zu
beugen ist demnach ein Akt der Notwendigkeit, ganz gleich ob die Gewalt von einem Räuber
mit Pistole, oder auch von der Herrschergewalt eines Monarchen, ausgeht. Jedoch ist diese
Gewalt kein Recht (vgl. ebd.: 9f).
Der Mensch und auch jedes Volk hat das Recht sich jemandem zu unterwerfen. Dieses Recht
bedeutet allerdings, dass diese Wahl frei und nicht willkürlich zu sein habe. Das Volk müsste
demnach zu jedem Zeitpunkt frei über ihre Herrschenden entscheiden können. Die
Natürlichkeit dieses Zustandes erklärt auch, dass es nicht möglich sein kann, dass Menschen
sich vollkommen herschenken. Die Inbesitznahme von Menschen ist nicht möglich, da dies ein
nicht wieder änderbarer Zustand wäre und so mit der natürlichen Freiheit in Konflikt stehen
würde. Auch der Krieg ist eine Folge dieses fälschlichen in Besitz nehmen von Menschen.
Denn Krieg kann nur zwischen Staaten und nicht zwischen Menschen stattfinden, da diese,
voneinander unabhängig, keinen Vorteil darin hätten (vgl. Rousseau 1977: 11ff).
1.3 Vom Gesellschaftsvertrag
Manche Hindernisse erfordern gebündelte Kräfte von Menschen. Jedoch braucht es eine
geregelte Form des Zusammenschlusses, welches die Freiheit jedes einzelnen Mitglieds

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definiert und bei Auflösung die ursprüngliche Freiheit als Ganzes wiederherstellt (vgl. ebd.:
15f).
Der Gesellschaftsvertrag kann nur bei der vollkommenen Veräußerung der Individuen
funktionieren. Bleiben einzelne Freiheiten den Individuen überlassen, besteht die Gefahr eines
tyrannischen bzw. eines sinnlosen Zusammenschlusses. Dieser Zusammenschluss schafft
eine öffentliche Person, welche durch die Auflösung aller Einzelpersonen entsteht. Diese Form
nennt man Republik, oder Staat. Früher wurde sie Polis genannt (vgl. ebd.: 18f).
1.4 Vom Souverän
Verpflichtung betreffen alle Mitglieder des Staates, so auch den Souverän. Es kann daher auch
kein Gesetz beschlossen werden, das man nicht brechen könnte. Da der Souverän aus der
Gesamtheit der Einzelpersonen besteht, ist es demnach auch nicht möglich, ein den
Einzelpersonen gegenüber widersprechendes Interesse zu haben. Umgekehrt aber kann es
sein, dass Einzelinteressen, dem Gemeininteresse widersprechen. Aufgrund der notwendigen
Durchsetzung des Gemeinwillens, muss sich allerdings jedes Individuum diesem Unterwerfen
um die durch den Vertrag entstehenden Freiheit genießen zu können (vgl. ebd.: 19ff).
Diese Freiheit ist zu differenzieren von der natürlichen Freiheit, welche durch die Grenzen des
Individuums begrenzt ist, und mit Annahme der durch den Gesellschaftsvertrag entstehenden,
bürgerlichen Freiheit endet (vgl. Rousseau 1977: 22f).
1.5 Besitz
Jede Person des Gemeinwesens hat auch Anspruch auf Besitz. Dieser beschränkt sich
allerdings auf die notwendige Menge, welche die Einzelperson zum Leben unbedingt benötigt.
Mehr Anspruch an die Gemeinschaft ist nicht gegeben. Land welches in Besitz genommen
wird, kann daher nur in jenem Umfang in Besitz genommen werden, in welchem es durch das
entsprechende Individuum bearbeitet werden kann. Darüber hinaus ist keine Inbesitznahme
möglich (vgl. ebd.: 23ff).
2. Zweites Buch
2.1 Unveräußerlichkeit der Souveränität
Das gesellschaftliche Band, welches einen gemeinsamen Nenner der Interessen bedeutet, ist
Voraussetzung für die Gemeinschaft. Der Souverän dieser Gemeinschaft, die Summe aller
beteiligten Kräfte, kann demnach nur die jeweiligen Interessen der Gemeinschaft vertreten,
allerdings nur für den Augenblick. Denn würde er sich für die Zukunft, in welcher Weise auch
immer, binden, so wäre dies wider seine Natur und würde sein Ende bedeuten (vgl. ebd.: 27f).

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Des Weiteren gibt es auch keine Teilung der Souveränität. ,,Wenn man in gleicher Weise die
anderen Aufteilungen verfolgte, würde man finden, dass man sich in allen Fällen täuscht, wo
man die Souveränität geteilt zu sehen glaubt, dass die Rechte, die man für Teile dieser
Souveränität hält, ihr sämtlich untergeordnet sind und immer oberste Willen voraussetzen, für
die diese Rechte nur die Ausführung sind" (Rousseau 1977: 29).
2.2 Irren des Gemeinwillens
Die Beschlüsse welche das Volk trifft sind nicht immer richtig, da es auch irregeführt werden
kann. Da der Gesamtwille der gemeinsame Nenner der Individuen ist, ist es wichtig, dass es
innerhalb der Gemeinschaft zu keinen zusätzlichen Vereinigungen kommt. Alle BürgerInnen
müssen demnach ihre Interessen und Meinungen selbst vertreten. Kommt es jedoch zu
zusätzlichen Vereinigungen innerhalb der Gemeinschaft, so ist es wichtig, dass nicht eine
Einzelne eine Mehrheit hat, sondern es eine Vielzahl von Vereinigungen gibt, und deren
Ungleichheit ein Minimum ist (vgl. Rousseau 1977: 30ff).
2.3 Grenzen der souveränen Gewalt
Die Mitglieder der Gemeinschaft müssen all jene Macht, Güter und Freiheit, welche für die
Gemeinschaft bedeutend sind an dieselbe abgeben. Außerdem muss der Einzelne dem Staat
jene Dienste leisten, welche dieser von ihm verlangt. Dies ist notwendig, da der Dienst für die
Gemeinschaft ein gegenseitiger ist, und man ja damit auch wieder für sich selbst arbeitet. Da
alles durch das Gesetz der Vernunft geschieht, darf der Souverän das Individuum auch nicht
unnötig belasten. Der Souverän kann außerdem kein einzelnes Individuum höher oder
niedriger stellen, ohne gegen seinen eigentlichen Sinn zu verstoßen (vgl. ebd.: 32ff).
2.4 Recht über Leben und Tod
Will man sein eigenes Leben auf Kosten des Lebens anderer erhalten, so ist man auch in der
Pflicht, sein eigenes für die Gemeinschaft zu opfern, sollte dies von Nöten sein. Ähnlich verhält
es sich auch mit der Todesstrafe. Stellt eine Person eine Gefahr für das Leben anderer dar,
so ist sie nicht mehr Teil der Gemeinschaft, sie ist ihr Feind. Und als solcher muss entweder
die Gemeinschaft untergehen, oder das gefährdende Individuum. Nach Prozess und Urteil
muss diejenige Person aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, verbannt, oder als
Feind, nach Kriegsrecht, hingerichtet werden. Jedoch steht dem Souverän ein
Begnadigungsrecht zu (vgl. ebd.: 37f).
2.5 Das Gesetz
Das Leben wurde der Gemeinschaft mittels des Gesellschaftsvertrags gegeben. Den
Gesetzen obliegt es nun der Gemeinschaft einen Willen zu geben. Aufgrund der
unterschiedlichen Betrachtungsweisen von scheinbar vernünftigen Dingen und Zuständen,

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braucht es allgemein gültige Gesetze um ein geregeltes Zusammenleben zu ermöglichen.
Durch die Gesetze werden Rechte und Pflichten miteinander verbunden, und in diesem Sinne
Gerechtigkeit hergestellt. Gesetze sind immer allgemein, und als solches können sie
niemanden namentlich besser, oder schlechter stellen. Es können auch Klassen und deren
Eigenschaften durch das Gesetz definiert werden, jedoch hat das Gesetz nicht die Möglichkeit
Individuen zuzuordnen (vgl. Rousseau 1977: 38ff).
Kein Fürst kann über dem Gesetz stehen, da er ja nur Teil der Gemeinschaft ist. Verordnungen
einzelner Personen ergeben demnach kein Gesetz, sondern sind nur ein Akt der Verwaltung.
Jede von Gesetzen beherrschte Gemeinschaft ist eine Republik, denn ,,das den Gesetzen
unterworfene Volk muß [sic!] deren Urheber sein" (Rousseau 1977:41f).
2.6 Der Gesetzgeber
Das Amt des Gesetzgebers/der Gesetzgeberin ist nicht durch die Verfassung geregelt. Somit
findet man dieses Amt auch nicht in den Bereichen der Verwaltung. Damit durch die
Gesetzgebung keine Ungerechtigkeit entsteht, ist es wichtig, dass ,,der, der über Menschen
befiehlt, nicht über Gesetze befehlen darf, so darf, wer Gesetze befiehlt, nicht auch über
Menschen befehlen" (Rousseau 1977: 44). Dies bedeutet die Trennung von Legislative und
Exekutive.
Somit soll verhindert werden, dass sich Sonderinteressen von Einzelpersonen, ohne
Abstimmung aller Gemeinschaftsmitglieder, durchsetzen (vgl. ebd.: 45f).
2.7 Volk und seine Entwicklung
Gesetze funktionieren nur, wenn man sie dem Volk, gemäß seiner Eigenschaften, ausrichtet.
Rousseau vergleicht die Entwicklung eines Volkes mit der menschlichen Entwicklung. Jedes
Volk hat eine Zeit der Reife. Und erst wenn diese Zeit abgeschlossen ist, ist es sinnvoll,
Gesetze für dieses Volk zu erstellen. Wird die Gesetzgebung, bzw. die Gesittung zu früh
begonnen, so wird das Volk in seiner Entwicklung gestört (vgl. ebd.: 47f).
Ein weiteres Problem ist das Problem der Größe der Gemeinschaft. Je größer, desto
aufwendiger muss sie verwaltet werden, desto höher die Kosten. Die Handlungsfähigkeit der
Politik ist bei großen Reichen deutlich geringer als bei kleineren, und je nach Lebensgebiet
unterscheiden sich auch die Menschen in einem großen Reich oft deutlich und benötigen
verschiedene Gesetze, da nicht alle Gesetze für alle Mitglieder passen werden (vgl. Rousseau
1977: 50f).
Diese Probleme betreffen die Grundfestigkeit des Staates, welcher sich immer weiter festigen
muss, um nicht dem Expansionsdrang von Nachbarn weichen zu müssen. Demnach ist es
Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Exzerpt aus Jean Jacques Rousseaus Klassiker "Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts"
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Sozial- und Gesellschaftspolitik)
Veranstaltung
Politische Ideenlehre
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V388122
ISBN (eBook)
9783668625488
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Vertragstheoretiker, Demokratie, Aristokratie, Oligarchie
Arbeit zitieren
René Schwung (Autor:in), 2016, Exzerpt aus Jean Jacques Rousseaus Klassiker "Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388122

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