Babyzeichensprache und der Einfluss auf die Sprachentwicklung von Kindern


Hausarbeit, 2017

21 Seiten, Note: 2,0

Janina Bd (Autor:in)


Leseprobe

1. Einführung

2. Sprachliche Entwicklung

2.1 Sprachliche Entwicklung im 1. Lebensjahr

2.2 Sprachliche Entwicklung im 2. Lebensjahr

2.3 Sprachliche Entwicklung im 3. Lebensjahr

3. Babyzeichensprache

3.1 Theoretische Grundlagen

3.2 Erwerb und Struktur der Babyzeichensprache

3.3 Forschungsstand

3.3.1 Studie Goodwyn, Acredolo, Brown

3.3.2 Studie Daniels

3.3.3 Studie Kiegelmann

3.3.4 Weiterführende Kritikpunkte an der Babyzeichensprache

4. Für welche Kinder ist die Babyzeichensprache hilfreich?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis


1. Einführung

 

Das erste Wort des Kindes wird von Eltern sehnlichst erwartet. Wird es Mama, Papa oder vielleicht doch der Name des älteren Geschwisterkindes? Meist steht das erste Wort im Bezug zum sozialen Umfeld des Kindes. Doch die sprachliche Entwicklung beginnt nicht erst ab dem ersten Wort des Kindes. Der Säugling drückt sein Unbehagen durch Schreien aus, mit dem Beginn des Spracherwerbs kann das Kind nun auch deutlich sagen, was es stört. Es kann seine Bedürfnisse mitteilen, was nicht nur die Eltern sondern auch das Kind selbst erfreut, weil es verstanden wird.

 

Aus diesem Grund ist eine neue Idee erstanden.

 

Das baby signing oder auch Babyzeichensprache genannt, ist eine Art der Kommunikation zwischen Eltern und Kind, die es dem Kind ermöglichen soll, Gegenstände und Bedürfnisse anhand von Zeichen und Gesten benennen zu können, ohne das es dafür erst die Muttersprache erlernen muss. Durch das baby signing soll das Kind die Möglichkeit bekommen, sein Unbehagen noch vor dem Spracherwerb, anhand von Gesten und Zeichen ausdrücken zu können.

 

In der vorliegenden Arbeit möchte ich zuerst einen kurzen theoretischen Einblick in den Spracherwerb des Kindes innerhalb der ersten drei Lebensjahre geben. Im Folgenden werde ich dann näher auf das Konzept der Babyzeichensprache eingehen. Es soll geklärt werden, in wie weit das Anwenden der Babyzeichensprache einen Einfluss auf den Spracherwerb des Kindes hat. Dabei werde ich den aktuellen Forschungsstand anhand von Studien verdeutlichen. Da der Forschungsstand, um die Babyzeichensprache noch nicht besonders ausgeprägt ist, stützt sich die vorliegende Arbeit vor allen Dingen auf amerikanischen Erkenntnissen.

 

Am Ende werde ich kurz zusammenfassen, für welche Kinder die Babyzeichensprache besonders hilfreich für die Entwicklung ist, um dann zu einem abschließenden Fazit zu kommen.

 

2. Sprachliche Entwicklung

 

2.1 Sprachliche Entwicklung im 1. Lebensjahr

 

Der Spracherwerb ist eine der wichtigsten Entwicklungsschritte in der frühen Kindheit. Kinder werden in eine sprachliche Umgebung hineingeboren. Schon im Mutterleib nehmen sie in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten ihre Muttersprache wahr. (vgl. Schneider und Lindenberger 2012, S. 437).

 

Sprachen zu erlernen ist Bestandteil unserer genetischen Disposition. Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, verschiedene Sprachen erwerben zu können und das am besten im frühsten Kleinkindalter. Das Gehirn entdeckt in den unterschiedlichen Sprachen Muster und Regelmäßigkeiten und ermöglicht es dem Kind ganz ohne Training, allein durch eine umfassende und anregende sprachloche Umgebung, verschiedene Sprachen beherrschen zu können (vgl. Tracy 2008, S. 5f.).

 

Säuglinge haben bereits ab Geburt an das Bedürfnis sich mitzuteilen und die Bezugsperson über ihr Empfinden in Kenntnis zu setzen. Sie versuchen durch Kommunikation eine soziale Bindung zu ihren Bezugspersonen aufzubauen. Schreien und Lächeln sind erste kommunikative Mittel, um die Menschen um sie herum auf sich aufmerksam zu machen und erste Formen des sozialen Verhaltens. Säuglinge erkennen sprachliche Muster von nicht-sprachlichen Mustern und geben den sprachlichen Lauten den Vorrang (vgl. Szagun 2013, S.36). Säuglinge bevorzugen die rhythmisch- prosodischen Merkmale der Sprache und reagieren besonders auf einen Sprechstil, der diese Merkmale betont. Melodien, die sie zum Beispiel aus dem Mutterleib kennen, erkennen sie auch nach der Geburt anhand der „rhythmisch- prosodischen Klangcharakteristika“ wieder (vgl. Schneider und Lindenberger 2012, S. 437).

 

In den Wochen nach der Geburt beginnt das Neugeborene Laute zu produzieren, die rein zufällig geschehen, zum Beispiel durch das Auspusten von Luft oder dass Spielen mit Zunge und Lippen (vgl. Sander und Spanier 2008, S. 5).

 

Sprache kann nur erworben werden, wenn das Kind im Kontakt zu anderen Menschen steht. Dies sind in den ersten Lebensjahren vor allen Dingen die Eltern oder andere primäre Bezugspersonen des Kindes. Die Qualität der Bindung des Kindes zu seinen Bezugspersonen ist dabei ausschlaggebend für die sozialemotionale Entwicklung und damit auch für die Sprachentwicklung. Erfährt ein Kind, dass seine Bedürfnisse beachtet werden und ihm viel Zuwendung geschenkt wird, wird es Interesse daran entwickeln, soziale Kontakte zu knüpfen. Die Bezugspersonen zeigen dem Kind positive Resonanz auf seine Äußerungen und motivieren es somit zum Erlernen der Sprache. Erlebt das Kind jedoch wenig Beachtung und Nähe beeinträchtigt das sowohl die sozioemotionale Entwicklung als auch die Sprachentwicklung (vgl. Sander und Spanier 2008, S. 5).

 

Zwischen dem 0. und dem 5. Monat nach der Geburt sortiert sich das Vorsilbenalter ein (vgl. Butzkamm, S. 64). Erstes Gurren und Lallen tritt sporadisch auf. Das Kind fängt an mit seiner Stimme zu experimentieren und produziert und wiederholt dabei Laute (vgl. Sander und Spanier 2008, S. 5). Ab circa dem 6. Monat beginnt das wirkliche Silbenalter. Wann genau, die regulären Silben das erste Mal auftreten, hängt mit der Hirnreife des Kindes zusammen und ist bei jedem Kind unterschiedlich zu beobachten. Darum ist die Spannbreite, für das erste Auftreten der Silben, zwischen 5 Monaten und 11 Monaten angesiedelt. Durch das Spiel mit dem Speichel, dem Gurren und dem Plappern erzeugt das Kind akustische Merkmale und Laute, die dann immer wieder wiederholt werden. Der Säugling zeigt Freude daran, unterschiedlichste Laute hervorzubringen. Ab dem zweiten bis fünften Lebensmonat des Kindes beginnen Eltern bei der Kommunikation mit ihrem Säugling Vokale durch eine höhere Stimmlage besonders hervorzuheben und zu betonen. Diese Vokale sind es dann auch, die circa ab dem 5. Monate von den Säuglingen selber gebildet werden und beim Brabbeln verwendet werden. In der weiteren Entwicklung reiht das Kind dann die Silben aneinander und Silbenketten, wie „mamamamama “(Butzkamm, S. 66) oder „bababababa“(Butzkamm ebd.) entstehen. Nun beginnt das Kind immer mehr Silben miteinander zu kombinieren und in melodienhaften Einklang zu bringen, der der Muttersprache ähnlich ist (vgl. Butzkamm, S. 64 ff.). Das Lautinventar der Muttersprache hat das Kind etwa ab dem 6. bis 9. Lebensmonat verinnerlicht (vgl. Sander und Spanier 2008, S. 6).

 

Einen weiteren wichtigen Entwicklungsschritt zum Erwerb der Sprache hat das Kind vollzogen, wenn es die Objektpermanenz erkannt hat. Das Kind weiß nun, dass Objekte, die verschwunden sind, weil sie zum Beispiel versteckt wurden, immer noch da sind, obwohl das Kind sie nicht sehen kann. Es hat nun eine innere Vorstellung von Handlungen und Objekten verfestigen können. Circa ab dem 9. Lebensmonat werden bei den Kleinkindern Laute beobachtet, die die Gefühlslage der Kinder, das Bedürfnis nach Gegenständen oder interessante Entdeckungen repräsentieren. Das Kind nutzt dafür immer gleichbleibende Laute, die auch als „Protowörter“ (Dittmann 2010, S. 38) bezeichnet werden. Das Produzieren der Laute dient also nun nicht mehr nur zur Darstellung der Bedürfnisse, sondern zur Kommunikation selbst und ist somit ein wichtiger Schritt zum weiteren Erwerb der Sprache (vgl. Dittmann 2010, S. 36f.).

 

Das erste Wort spricht das Kleinkind dann zwischen dem 11. und 13. Lebensmonat. Dieses wird aus einfachen Lauten gebildet, die im vorderen Mundraum entstehen, so wie „m, b, p, d“ (Sander und Spanier 2008, S. 6). Die Einwortsätze, die das Kind dann spricht, haben je nach Betonung des Wortes unterschiedliche Bedeutungen. Es kann eine Frage sein, eine Feststellung oder eine Antwort (vgl. Sander und Spanier 2008, S. 6).

 

2.2 Sprachliche Entwicklung im 2. Lebensjahr

 

Das zweite Lebensjahr ist noch geprägt von Einwortsätzen. Das Kind versteht mit 12-16 Monaten circa 100 bis 150 Wörter und kann einfachen Aufforderungen nachgehen. Sprechen kann es in diesem Alter ungefähr 20-30 Wörter, wozu auch Wörter in Kindersprache zählen. In der Mitte des zweiten Lebensjahres etablieren sich langsam Wortkategorien und die Verwendung von Funktionswörtern, wie Artikel, Präpositionen usw. nimmt stark zu (vgl. Grimm 2012, S. 37).

 

Mit 24 Monaten beträgt der Wortschatz des Kindes rund 200 Wörter. Der Wortschatz wird täglich nun um bis zu neun Wörter erweitert. Hat das Kind die entwicklungskritische Menge von 50 Wörtern erlernt beginnt das Fast Mapping, das schnelle Zuordnen von Wörtern und deren (unvollständigen) Bedeutungen. Das Kind kann nun nach ein-, zweimaliger Erfahrung mit dem Wort, dieses zuordnen und dem Wort eine Bedeutung zuschreiben. Diese Zuordnung ist nicht immer korrekt und liegt einem noch nicht vollständigen Wortverständnis zugrunde (vgl. Schneider und Lindenberger 2012, S. 440).

 

Mit dem Ende des zweiten Lebensjahres treten meist die Zweiwortsätze bei Kindern vermehrt auf. Die Zweiwortäußerungen sind der Anfang der Syntax. Die Äußerungen können je nach Kontext in dem sie verwendet werden, eine ganz andere Bedeutung haben. So kann zum Beispiel der Ausruf „mommy sock“ (Szagun 2013, S. 75; H.i.O.) einmal bedeuten, dass die Mama dem Kind grade eine Socke anzieht, oder das Kind möchte der Mama einen Strumpf zeigen und drück damit eine Possessiv-Beziehung aus. In einem anderen Zusammenhang kann der Ausdruck aber auch den Besitz anzeigen, dass die Socke Mama gehört (vgl. Szagun 2013, S. 74f.).

 

Das Kind hat gelernt, dass jeder Gegenstand einen Namen besitzt. Häufig werden bei den Zweiwortäußerungen Substantive mit infinitem Verb verwendet. Sie beschreiben also häufig eine Tätigkeit und die ausführende Person. Zum Teil finden sich auch Adjektive in den Äußerungen, wie zum Beispiel „Mama schön“ (Sander und Spanier 2008, S. 6).

 

Am Ende des zweiten Lebensjahres kann das Kind Vorstellungen bilden. Dies kann an dem Beispiel der Trinkflasche erklärt werden. Wenn das Kind einen beliebigen Gegenstand, hier die Trinkflasche, sieht, sagt es dazu ein bestimmtes Wort. Dieses Wort ist an das „Hier und Jetzt“ gebunden, das bedeutet, dass das Kind mit diesem Wort noch nicht sagen kann, dass es durstig ist, wenn es die Trinkflasche sieht. Dies ist erst am Ende des zweiten Lebensjahres möglich, wenn das Kind den Gegenstand auch mit seinem eigenen Bedürfnis verknüpfen kann und das Wort, dass es für Trinkflasche benutzt, dann auch gezielt einsetzt, um zu sagen, dass es durstig ist. Das Verstehen der Wörter und ihre Bedeutung ist der eigentliche Zeitpunkt, an dem das Kind die Sprache entdeckt (vgl. Zollinger 2010, o.P.).

 

2.3 Sprachliche Entwicklung im 3. Lebensjahr

 

Im 3. Lebensjahr beginnt das zweite Fragealter. Die Kinder entdecken nun durch die Frage „Wo?“, die zeitlichen Strukturen, also Zukunft und Vergangenheit und lernen dadurch auch die grammatikalischen Zeitformen. Der Grammatikerwerb steht im 3. Lebensjahr im Vordergrund (vgl. Zollinger 2010, o.P.).

 

Das Kind wird nun auch immer aktiver im Umgang mit der Umwelt und ist neugierig darauf, neue Wörter zu erlernen, um Gegenstände in seiner Umwelt beschreiben zu können. Die Satzstruktur ändert sich während es dritten Lebensjahres des Kindes. Es entstehen deutlich längere Sätze und die Regeln der Satzbildung und der Wörter werden denen der Muttersprache immer ähnlicher. Das Kind hat aus der Muttersprache Regeln herausgefiltert, die es dann versucht selber auszuprobieren. Sprache ist also kein Imitationslernen, was auch die Unterschiede zur Erwachsenensprache deutlich zeigen (vgl. Kegel o.J., o.P.). So neigen Kinder zwischen 12 und 30 Monaten zum Übergeneralisieren und Überdiskriminieren. Bei der Übergeneralisierung wird ein Begriff auf mehrere Objekte angewandt. Zum Beispiel werden alle vierbeinigen Tiere als Hunde angesehen. Die Überdiskriminierung beschreibt die eingeschränkte Verwendung eines Begriffs. Zum Beispiel wird dabei ein schwarzer Hund als Hund benannt (vgl. Kegel o.J., o.P.).

 

Kinder verfügen über kreative Ideen, um noch vorhandene lexikalische Lücken zu schließen. Sie kreieren neue Wörter zum Beispiel durch das Zusammenstellen von zwei Substantiven. Die Wortneubildung „der Saubermacher“ (Rupp 2013, S. 60; H.i.O.), soll zum Beispiel den Beruf des Straßenfegers beschreiben. Eine andere Möglichkeit, durch die Kinder neue Wörter schöpfen, ist, die Ableitung anderer Wortklassen. Das Wort „rasenmähert“ (Rupp 2013, S. 61; H.i.O.), ist dann zum Beispiel als Ableitung vom Substantiv Rasenmäher entstanden . Eine letzte Möglichkeit der Wortneuschöpfungen ist die Verwendung von Präfixen. Anstatt vorgestern wird dann das Wort „übergestern“ (Rupp 2013, S. 60; H.i.O.) benutzt (vgl. Rupp 2013, S. 60f.).

 

Ein wichtiges Merkmal in den Äußerungen von Zwei- und Dreiwortsätzen ist die Wortstellung. Sie ist nämlich ähnlich der Wortstellung von Erwachsenen, was darauf hindeutet, dass Kinder schon im frühen Alter die formalen Strukturen der Sprache erkennen und ihnen in einer Regularität folgen. Funktionswörter stehen dabei immer vor dem Inhaltswort, während unreflektierte Verben immer am Satzende verwendet werden. Dies stimmt mit den Gesetzmäßigkeiten der Erwachsenensprache überein. Das Kind verfolgt also schon im dritten Lebensjahr „neben semantischen Beziehungen bereits elementare formal- syntaktische Regeln“ (Dittmann 2006, S. 54).

 

Nach dem dritten Lebensjahr nimmt der Grammatikerwerb und der Wortschatz der Kinder immer weiter zu und die Entwicklung der Sprache explodiert (vgl. Cierpka S.30). Im weiteren Verlauf der Arbeit, möchte ich nicht näher auf die weitere Sprachentwicklung eingehen, da sich diese hauptsächlich auf den Erwerb der Grammatik bezieht und in dieser Arbeit für das Verständnis nicht von Bedeutung ist.

 

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Babyzeichensprache und der Einfluss auf die Sprachentwicklung von Kindern
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V388138
ISBN (eBook)
9783668622807
ISBN (Buch)
9783668622814
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
babyzeichensprache, einfluss, sprachentwicklung, kindern
Arbeit zitieren
Janina Bd (Autor:in), 2017, Babyzeichensprache und der Einfluss auf die Sprachentwicklung von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388138

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