Hundegestützte Pädagogik. Schulhunde im Klassenzimmer


Seminararbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

2
1
Einleitung
Der Einsatz von Hunden in der Schule erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Ich selber
habe vor, eine Ausbildung mit einem Hund zu ei
nem ,,Mensch
-Hund-
Team" zu absolvieren
,
um später mit einem Schulhund in der Schule arbeiten zu können.
Vor allem Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf und
insbesondere diejenigen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
können stark von dem Einsatz eines Schulhundes profitieren. Warum sich der Einsatz eines
Hundes im Unterricht lohnt und welche Möglichkeiten und Grenzen damit einhergehen,
möchte ich in dieser Arbeit aufzeigen.
Im Folgenden werde ich mich mit dem Begriff ,,Hundegestützte Pädagogik"
auseinandersetzen und auch weitere relevante Begriffe thematisieren. Darauf folgt eine
kurze Thematisierung der Ausbildungsmöglichkeiten
zu einem ,,Mensch
-Hund-
Team"
und
welche Inhalte in der Ausbildung relevant sind.
Ein wichtiges Kapitel dieser Arbeit stellt die Auseinandersetzung mit der Frage dar, warum
überhaupt ein Hund in der Schule eingesetzt werden sollte. Hier werden die Wirkeffekte von
Hunden in der Schule aufgezeigt und 10 Thesen aufgestellt, die für eine Hundegestützte
Pädagogik sprechen. Es folgt eine Auseinandersetzung mit den Bedingungen und
Voraussetzungen für den Einsatz eines Schulhundes. Nach der Darstellung der
Einsatzmöglichkeiten eines Schulhundes und dem Aufzeigen von Grenzen der
Hundegestützten Pädagogik endet die Arbeit mit einem Fazit.
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Hundegestützte Pädagogik
­
Begriffserklärung und -definition
In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich unzählige Formen und Umsetzungsarten
tiergestützter Interventionen nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den
angelsächsischen Ländern. So wurden im Laufe der Jahre viele unterschiedliche Begriffe der
verschiedenen tiergestützten Maßnahmen in der Literatur aufgeführt. Diese Begriffe
beschreiben alle eine Form der Arbeit mit Tieren, beziehen sich aber teilweise auf
verschiedene Arbeitsbereiche.
In Deutschland wird der Bereich der tiergestützten Intervention in drei Hauptbereiche
unterteilt:
AAA
­
Animal-Assisted-Activities/Tiergestützte Aktivität/Fördermaßnahmen
AAT
­
Animal-Assisted-Therapie/Tiergestützte Therapie
AAP
­
Animal-Assisted-Pedagogy/Tiergestützte Pädagogik

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Die hundegestützte Pädagogik ist ein Teilbereich der tiergestützten Pädagogik, die in einer
Institution wie Schule, Kindergarten oder Kita zum Einsatz kommt und das Erzielen
spezifischer
Lernfortschritte
zum
Hauptziel
hat.
Wobei
es
aber
auch
Überschneidungsbereiche mit den anderen tiergestützten Interventionsbereichen gibt. Vor
allem die Grenzen zwischen Tiergestützter Pädagogik und Tiergestützter Therapie sind
fließend, besonders in Förderschulen. (vgl. Agsten 2009, 23ff)
Eine allgemein gültige Definition für die Hundegestützte Pädagogik gibt es leider nicht.
Andrea Beetz definiert sie wie folgt:
,,Hundegestützte Pädagogik wird von einer Fachkraft mit einer pädagogischen bzw. heil
-
/sonderpädagogischen Ausbildung und entsprechendem Fachwissen über Hunde
durchgeführt. Die Intervention ist auf ein pädagogisches Ziel ausgerichtet, welches Bildung
und/oder Erziehung betrifft. Die eingesetzten Hunde werden speziell für den Einsatz mit
Menschen sozialisiert und ausgebildet."
(Beetz 2015, 15)
Der Begriff ,,Hundegestützte Pädagogik" wird im Folgenden anhand dieser Definition
verwendet.
3
Ausbildung des Mensch-Hund-Teams
Leider gibt es in Deutschland noch keine Standards für eine bundesweit einheitliche
Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Schul- und Therapiehunde. Verschiedene Vereine
und Organisationen bieten aber unterschiedliche Ausbildungsmöglichkeiten an. Die Inhalte
und der Umfang dieser Ausbildungsangebote variieren jedoch sehr und reichen von reinen
Eignungsprüfungen bis zu kompletten berufsbegleitenden Fortbildungen. Wichtig ist, dass
die Ausbildung immer im Mensch-Hund-Team stattfindet. Die Schulung der Hundeführerin ist
genauso wichtig wie die Ausbildung des Hundes. Nur wenn das Mensch-Hund-Team auch
wirklich als Team funktioniert und sich aufeinander verlassen kann, ist ein Einsatz des
Hundes in der Schule überhaupt möglich. (vgl. Heyer/Kloke 2013, 25)
Heyer und Kloke haben ein Drei-Stufen-Modell der Schulhundausbildung erarbeitet, das für
die Arbeit an Schulen geeignet ist, aber auch auf andere Bereiche übertragen werden kann.
Die einzelnen Phasen dieses Modells sollten jeweils mit einer praktischen Prüfung
abgeschlossen werden.

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Drei-Stufen-Modell der Schulhundausbildung (Heyer/Kloke 2013, 26)
Die erste Stufe teilt sich in die Punkte ,,Charaktereigenschaften des Hundes" und
,,Vertrauensaufbau". Es ist wichtig, dass der Hund über bestimm
te Charaktereigenschaften
verfügt, um für die Schulhundausbildung überhaupt geeignet zu sein. Der Hund braucht
bestimmte Wesen- und Leistungsmerkmale, die an späterer Stelle genauer beschrieben
werden. Die Basis für die Ausbildung bildet das Vertrauen zwischen Hund und BesitzerIn. In
dieser ersten Phase müssen eine starke Beziehungsarbeit und ein intensiver
Vertrauensaufbau stattfinden.
Die zweite Stufe beinhaltet die Grundausbildung und die Erziehung des Hundes. Hier ist es
besonders wichtig, dass der Hund einen sicheren Grundgehorsam vorweist. Ohne dieses ist
eine weitere Ausbildung nicht möglich. Durch die richtige Erziehung kann der Hund schon
auf seine spätere Tätigkeit in der Schule vorbereitet werden. Eine gut funktionierende
Kommunikation des Mensch-Hund-Teams ist von besonders großer Bedeutung. Wichtig ist,
dass jedes sprachliche Kommando eine leichte Aussprache hat und dem Hund in
Verbindung mit einem Handzeichen antrainiert wird. So haben auch SchülerInnen mit
sprachlichen Einschränkungen die Möglichkeit mit dem Hund zu arbeiten. Besonders wichtig
ist, dass die Lehrkraft so die Möglichkeit hat, mit dem Hund auch nonverbal zu
kommunizieren. (vgl. Heyer/Kloke 2013, 27f)

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Die dritte Stufe widmet sich der Spezialisierung und der Konzeptentwicklung. Hier wird der
Hund für seinen ganz speziellen Einsatz (in diesem Fall die Arbeit in der Schule)
weitergebildet. Der Hund muss auf die verschiedensten Situationen und Gegebenheiten
vorbereitet sein. Während dieser Phase zeigt sich endgültig, ob ein Hund wirklich für den
Einsatz in der Schule geeignet ist. Die Freude des Hundes an der Arbeit sowie der Schutz
des Hundes und der SchülerInnen stehen hier an oberster Stelle.
Die Konzeptentwicklung ist Aufgabe der Hundeführerin. Hier werden die Trainingseinheiten
auf die zukünftigen Aufgaben des Hundes abgestimmt. Es werden Lehr- und Lernziele
definiert, die erreicht werden sollen und methodisch-didaktische Überlegungen für den
Einsatz des Schulhundes formuliert.
Eine weitere Stufe ist die Bonus-Stufe. Diese beinhaltet die Weiterbildung des Schulhundes
und die Materialentwicklung. So können z.B. neue Kommandos oder auch Kunststücke
trainiert werden und es kann Unterrichtsmaterial entwickelt werden, die die Integration des
Schulhundes unterstützen. (vgl. Heyer/Kloke 2013, 29ff)
4
Warum soll ein Hund in die Schule?
Als erstes könnte man sicherlich denken, dass ein Hund nur Unruhe und Ablenkung in die
Schule bringt. Doch ein Schulhund hat viele positive Effekte, die im Folgenden aufgezeigt
werden sollen.
4.1 Wirkeffekte von Hunden in der Schule
Den Anstoß für die wissenschaftliche und praktische Auseinandersetzung mit dem Thema
Hundegestützte Pädagogik/Therapie gab der Kinderpsychotherapeut Boris M. Levinson. Er
bemerkte während einer Therapiestunde, wie ein kleiner Junge, der in seinen vorherigen
Therapiestunden bei anderen Therapeuten keinen Kontakt zu Erwachsenen oder seiner
Umwelt aufnahm, gleich in der ersten Therapiesitzung in Kontakt mit seinem Hund Jingles
trat. Der Junge begegnete dem Hund zufällig und streichelte ihn augenblicklich. Nach
mehreren Therapiesitzungen mit dem Hund nahm der Junge dann über Jingles Kontakt zu
Levinson auf. Seitdem setzte Levinson den Hund bewusst in Therapiestunden ein. Seine
Erfahrungen und Erkenntnisse veröffentlichte er in wissenschaftlichen Artikeln und Büchern.
,,Durch den Kontakt mit einem Hund können verschüttete, verdrängte Bedürfnisse nach
Kontakt und Nähe reaktiviert werden. Soziale Ängste, die den Umgang mit anderen
Menschen erschweren, verhindern oder in sozial nicht akzeptable Bahnen lenken, können in
der Interaktion mit dem Hund eher abgebaut werden als mit Menschen. Das Arbeiten mit

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einem Schulhund hilft Schülern Rücksichtnahme, soziale Sensibilität und angemessene
Formen der Selbstbehauptung (Konsequenz) zu erlernen."
(Heyer/Kloke 2013, 21)
Im Bereich der sozio-emotionalen Entwicklung, im Lern- und Arbeitsverhalten und im Bereich
der Kommunikation werden bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger Defizite
beobachtet, und dies nicht nur an speziellen Förderschulen. Diese Defizite können den
Schulalltag enorm beeinträchtigen, da sie zu umfassenden Verhaltensproblemen der
SchülerInnen führen können.
Vor allem in diesem Bereich bietet der Einsatz eines Schulhundes eine Chance. Der
Schulhund kann die Lehrkraft unterstützen, basale Fähigkeiten im emotionalen und sozialen
Bereich aufzuarbeiten. Durch die Interaktion mit dem Hund kann der Entwicklungsstand der
SchülerInnen verdeutlicht und Förderschwerpunkte im Bereich der sozio-emotionalen
Entwicklung können aufgezeigt und gezielt bearbeitet werden. Am besten eignet sich hierfür
der Einsatz des Hundes in der Einzel- und Kleingruppenarbeit, aber auch im Klassenverband
ist die Arbeit mit einem Schulhund sinnvoll.
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass schon allein die Anwesenheit eines freundlichen und
ausgeglichenen Hundes sich positiv auf das Klassenklima auswirkt, da depressive und
negative Stimmungen reduziert und positive Stimmungen gefördert werden. Der Hund
verhilft zu einer Stressreduzierung auf psychologischer Ebene, besonders durch
Körperkontakt mit den SchülerInnen in Form von Streicheln. Negative Gefühle wie Angst
können reduziert und psychische Entspannung, vor allem in Angstsituationen (z.B.
Prüfungssituationen), kann gefördert werden. Durch die entspannende Wirkung eines
Hundes und ihre Akzeptanz der SchülerInnen ohne Beachtung der äußeren Erscheinung
oder der intellektuellen Leistungsfähigkeiten werden allgemein positive Gefühle
hervorgerufen. Es bietet sich also die Möglichkeit, vor allem für die Förderung der sozio-
emotionalen Kompetenz, die Hunde in der Schule einzusetzen und die SchülerInnen positiv
zu unterstützen. Die Fortschritte, die sich in der emotionalen Entwicklung vor allem in der
Arbeit in Kleingruppen oder in der Einzelarbeit zeigen, können sich auf den Schulalltag und
auch das allgemeine Leben übertragen. (vgl. Agsten 2009, 143f)
Zudem haben Untersuchungen ergeben, dass Kinder in Anwesenheit eines Therapiehundes
in der Lage sind, motorische Aufgaben schneller, aber mit der gleichen Exaktheit,
durchzuführen. Sie waren konzentrierter und machten weniger Fehler. Es ist in Betracht zu
ziehen, dass die Anwesenheit eines Hundes im Unterricht die Konzentration und
wahrscheinlich auch die Motivation der SchülerInnen erhöht. (vgl. Beetz/Saumweber 2013,
57)
Doch warum ist das so? In der Fachliteratur werden zwei Theorien beschrieben, die einen
Erklärungsansatz liefern, die ,,Biophilie
-H
ypothese" und die ,,Du
-
Evidenz".
Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hundegestützte Pädagogik. Schulhunde im Klassenzimmer
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V388179
ISBN (eBook)
9783668623446
ISBN (Buch)
9783668623453
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hundegestützte, pädagogik, schulhunde, klassenzimmer
Arbeit zitieren
Sharon Wynne (Autor), 2017, Hundegestützte Pädagogik. Schulhunde im Klassenzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388179

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