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Vorbilder. Eine interdisziplinäre Untersuchung

"Sie sind nicht so wie wir, aber wie sie würden wir gerne sein..."

Titel: Vorbilder. Eine interdisziplinäre Untersuchung

Masterarbeit , 2012 , 93 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Simone Engels (Autor:in)

Psychologie - Sozialpsychologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Vorbilder sind Personen, mit denen wir uns identifizieren und deren Ideale uns mustergültig und nachahmungswert erscheinen. Auch wenn die Abgrenzungen zwischen Vorbildern, Idolen, Stars und Leitbilder fließend sind, lassen sich deutliche Unterscheidungen erkennen.
Der Identifikation mit einem Vorbild folgt die Imitation konkreter Verhaltensweisen und die Übernahme sozialer Attitüden, Werte und Normen. Das menschliche Imitationsverhalten wird dabei als ein grundlegender Prozess und ein menschliches Bedürfnis verstanden, welches, häufig unbeabsichtigt, sowohl in den frühen Lebensphasen als auch im Erwachsenenalter eine entscheidende Rolle spielt. Während zunächst Bezugspersonen wie die Eltern oder Vertraute als Vorbilder für Imitationsverhalten fungieren, gewinnen später andere, auch zunehmend medial präsentierte Modelle an vorbildhafter Bedeutung. Die Imitation des Verhaltens von Vorbildern und die Übernahme von Einstellungen und Werten folgen dabei bestimmten Gesetzmäßigkeiten, wobei besonders die wahrgenommene Ähnlichkeit zum Modell von Bedeutung ist. Da aus diesen Gesetzmäßigkeiten zwar notwendige, nicht aber hinreichende Bedingungen abgeleitet werden können, werden Charakteristiken wie Nähe, physische Attraktivität, (charismatische) Macht, Extraversion, Erfolg und Autorität als günstige Faktoren für eine Vorbildwirkung beschrieben.
Erfolgreiche Vorbilder sind ebenfalls fähig Individuen zu motivieren, Schwierigkeiten zu überwinden und selbst Erfolge zu erreichen. Besonders in Situationen, in denen ein Autostereotyp die Umsetzung von Fähigkeiten in konkreten Leistungen behindert. Zudem zeigt sich die Wirkung von Vorbildern in weiteren divergierenden Kontexten, wie in der Imitation von aggressiven Verhaltensweisen, bei der Unterlassung von prosozialem Verhalten und Altruismus, beim sogenannten Werther-Effekt sowie bei der Einstellungsänderung durch persuasive Kommunikation.
Schließlich können auch soziale Vergleiche mit Vorbildern auftreten. Soziale Vergleiche mit Vorbildern sind aufwärts gerichtet, weil das Vorbild bereits Erfolge erzielt hat, die das Individuum selbst noch nicht erreicht hat, vielleicht auch niemals erreichen wird. Der Vergleich mit einem relevanten und herausragenden Vorbild wirkt aber nur dann inspirierend und motivierend, wenn der Erfolg des Vorbilds als erreichbar eingestuft wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Vorbilder und Imitation

3.1. Frühste Kindheit und Kindheit

3.2. Adoleszenz

3.3. Erwachsenenalter

3.4. Neurobiologische Erkenntnisse

3.5. Zusammenfassung

4. Grundlegende Bedingungen für die Wirkung von Vorbildern

4.1. Aufmerksamkeit

4.2. Gedächtnis

4.3. Reproduktion des Verhaltens

4.4. Bekräftigungs- und Motivationsprozesse

4.5. Ähnlichkeit

4.6. Zusammenfassung

5. Situative und personale Determinanten von Vorbildern

5.1. Nähe

5.2. Physische Attraktivität

5.3. Macht und Charisma

5.4. Autorität

5.5. Extraversion

5.6. Erfolg

5.7. Zusammenfassung

6. Vorbilder und Handlungsmotivation

7. Vorbilder in konkreten Inhaltsbereichen

7.1. Aggression

7.2. Werther-Effekt

7.3. Prosoziales Verhalten und Altruismus

7.4. Einflussnahme durch gezielte Kommunikation

7.5. Zusammenfassung

8. Soziale Vergleiche mit Vorbildern

9. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Konstrukt des Vorbilds aus interdisziplinärer, vordergründig sozialpsychologischer Perspektive, um zu ergründen, warum Menschen bestimmte Personen als Vorbilder wählen, welche Mechanismen der Identifikation und Imitation dabei wirken und wie diese das menschliche Handeln beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Wirkungsweise von Vorbildern in verschiedenen Lebensphasen sowie deren Einfluss auf Motivation, Sozialverhalten und Einstellungsbildung.

  • Psychologische Grundlagen der Identifikation und Imitation
  • Einfluss von Situations- und Personenmerkmalen (z.B. Nähe, Attraktivität, Charisma)
  • Die Rolle von Vorbildern bei der Handlungsmotivation
  • Wirkung von Vorbildern in spezifischen Kontexten wie Aggression, Altruismus und Suizidprävention (Werther-Effekt)
  • Soziale Vergleichsprozesse mit Vorbildern

Auszug aus dem Buch

3.1. Frühste Kindheit und Kindheit

Forscher gehen in einigen entwicklungspsychologischen Studien gar davon aus, dass bereits wenige Tage alte Babys, dank ihres gut ausgebildeten Wahrnehmungsapparats (vertiefend siehe Wilkening & Krist, 2002) durch Nachahmung einfache, mimische Gesten eines Interaktionspartners (Eltern/ Erwachsene), wie etwa das Mund öffnen oder das Zunge herausstrecken, lernen (Meltzoff & Moore, 1977). Ob es sich bei solch imitierenden Reaktionen um selektive Nachahmung handelt ist allerdings nicht eindeutig geklärt (Kaitz et al., 1988; Meltzoff & Moore, 1977). Dass Neugeborene ihre Zunge herausstrecken, wenn ein Erwachsener es ihnen vormacht, kann ebenso als Begleiterscheinung der Erregung gesehen werden, die der Erwachsene mit seinen Handlungen (Zunge herausstrecken) bei dem Säugling auslöst (Mussen et al., 1999), dennoch kommt dieser Nachahmung für den spezifisch menschlichen Bereich des Spracherwerbs eine besondere Bedeutung zu. Das Neugeborene ahmt bereits artikulationsartige Mundbewegungen des Gegenübers nach, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Stande ist, dargereichte Laute zu imitieren (Meltzoff & Moore, 1977). Da bei der sprachlichen Produktion nicht so sehr die Laute an sich zählen, sondern in erster Linie die sie erzeugenden Bewegungsmuster (Rizzolatti & Sinigaglia, 2008), sind neben dem kindlichen Stimmspiel in Monologen und Dialogen (vertiefend siehe u.a. Oller, 2000), insbesondere die Nachahmungsprozesse dem Lautinventar der Muttersprache wichtig (Conboy, Sommerville & Kuhl, 2008).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet das Konstrukt des Vorbilds und dessen ambivalente Bedeutung im 20. Jahrhundert sowie die Zielsetzung der interdisziplinären Untersuchung.

2. Begriffsbestimmung: Definiert den Begriff „Vorbild“ und differenziert ihn von ähnlichen Konzepten wie „Idol“, „Star“ und „Leitbild“.

3. Vorbilder und Imitation: Untersucht den Zusammenhang von Identifikation und Imitation über verschiedene Lebensspannen hinweg sowie die neurobiologischen Grundlagen des Modelllernens.

4. Grundlegende Bedingungen für die Wirkung von Vorbildern: Erläutert die notwendigen Voraussetzungen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Reproduktion und Motivationsprozesse für das Lernen am Modell.

5. Situative und personale Determinanten von Vorbildern: Analysiert Faktoren wie Nähe, physische Attraktivität, Macht, Charisma, Autorität und Extraversion als Begünstiger der Vorbildwirkung.

6. Vorbilder und Handlungsmotivation: Diskutiert, wie Stereotype und Vorurteile den Selbstwert beeinflussen und welche Rolle inspirierende Vorbilder dabei spielen können.

7. Vorbilder in konkreten Inhaltsbereichen: Untersucht die Wirkung von Vorbildern in spezifischen Kontexten, etwa bei aggressivem Verhalten, dem Werther-Effekt oder prosozialem Verhalten.

8. Soziale Vergleiche mit Vorbildern: Erörtert, wann und warum Menschen sich mit Vorbildern vergleichen und welche motivationalen Motive (z.B. Selbstverbesserung) dem zugrunde liegen.

9. Schlussbetrachtung: Fasst die interdisziplinären Befunde zusammen und leitet Schlussfolgerungen für die Forschung sowie Anregungen für die Praxis ab.

Schlüsselwörter

Vorbilder, Imitation, Soziales Lernen, Identifikation, Sozialpsychologie, Persönlichkeitsmerkmale, Charisma, Modelllernen, Handlungsmotivation, Werther-Effekt, Soziale Vergleiche, Selbstwert, Extraversion, Autorität, Persuasion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen und interdisziplinären Analyse des Vorbild-Phänomens, insbesondere damit, wie Menschen Vorbilder wählen und wie diese das Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die menschliche Nachahmungsfähigkeit, die Bedingungen für effektives Lernen am Modell, personale sowie situative Faktoren der Vorbildwirkung und die Auswirkungen von Vorbildern auf spezifische Verhaltensbereiche wie Aggression oder Altruismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Konstruktion von Vorbildern zu entwickeln und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Personen als Vorbilder fungieren und wie sie zur Selbstentwicklung oder Verhaltensänderung beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre Herangehensweise, wobei schwerpunktmäßig sozialpsychologische Theorien und empirische Forschungsergebnisse aus verschiedenen Fachbereichen (z.B. Organisationspsychologie, Neurowissenschaft, Mediensoziologie) ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Prozesse des Imitationslernens, die Eigenschaften erfolgreicher Vorbilder sowie die Auswirkungen von Vorbildern in komplexen sozialen Kontexten, einschließlich der sozialen Vergleichsprozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vorbilder, Imitation, Soziales Lernen, Identifikation, Charisma, Modelllernen und Soziale Vergleiche charakterisiert.

Welche Rolle spielt die „psychologische Nähe“ bei der Wahl eines Vorbilds?

Psychologische Nähe ist entscheidend, da sie die Relevanz einer Person für das eigene Selbstwertgefühl bestimmt und maßgeblich darüber entscheidet, ob ein Vorbild als inspirierend empfunden wird oder ob soziale Vergleiche zu Kontrasteffekten führen.

Wie erklärt die Arbeit den „Werther-Effekt“?

Der Werther-Effekt wird als Phänomen des Modelllernens erklärt, bei dem medial präsentierte Suizide von Prominenten durch Identifikations- und Nachahmungsprozesse zu einer erhöhten Suizidrate in der Bevölkerung führen können.

Welchen Einfluss haben Castingshows auf Jugendliche?

Castingshows transportieren Vorbilder, die durch ihre mediale Inszenierung und oft unerreichbare Ideale Einfluss auf die Selbstkonstruktion und Körperzufriedenheit von Jugendlichen haben, indem sie parasoziale Beziehungen und den Wunsch nach dem „perfekten Selbst“ fördern.

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Details

Titel
Vorbilder. Eine interdisziplinäre Untersuchung
Untertitel
"Sie sind nicht so wie wir, aber wie sie würden wir gerne sein..."
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Autor
Simone Engels (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
93
Katalognummer
V388272
ISBN (eBook)
9783668627673
ISBN (Buch)
9783668627680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorbilder eine untersuchung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simone Engels (Autor:in), 2012, Vorbilder. Eine interdisziplinäre Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388272
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Leseprobe aus  93  Seiten
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