Nachdem die Grüne Partei 1980 auf Bundesebene gegründet wurde, erzielte sie bei der ersten Bundestagswahl im Oktober 1980 nur magere 1,5 %, drei Jahre später jedoch zog sie mit schon 5,6 % in den Bundestag ein. Warum dauerte es nun jedoch noch fast weitere 16 Jahre bis sie nach der Ära Kohl endlich in der Regierungsfraktion vertreten war? Warum ausgerechnet 1998 und nicht früher oder später? Könnte es an einer grundlegenden Veränderung der Ziele der Partei zu diesem Zeitpunkt gelegen haben, bzw. der ihrer Präsentation nach außen? Dass die Grünen nach 1980 ihre Präsentation dem Volk gegenüber verändert haben, ist offensichtlich. Die Frage, die sich des weiteren stellt, ist ob die Grünen nicht nur ihr Äußeres veränderten, sondern ob sie auch grundlegende Veränderungen in ihren Zielen und Grundsätzen vornahmen. Bekanntermaßen legen Parteien ihre Ziele am Klarsten strukturiert in Partei- bzw. Bundesprogrammen vor. Könnte es nun möglich sein, dass das Volk tatsächlich nur durch eine oder mehrere Änderungen in der Art wie die Grünen sich präsentieren, sich dazu entschied diese Partei in einem Maße zu wählen, dass diese mitregieren konnten? Dieser Sachverhalt stellt sich als gesamt- und umweltpolitisch sehr interessant dar, da hiermit gezeigt werden kann, ob eine Partei ihr Parteiprogramm überhaupt ändern muss um Wahlerfolge zu verzeichnen. Um diesen Sachverhalt schlüssig und unter Beobachtung diverser Gesichtspunkte zu klären, werde ich im Folgenden das Bundesprogramm der Grünen von 1980 und „Grün ist der Wechsel“ von 1998 vergleichen, beginnend mit einem Vergleich der beiden Zeitperioden. Der direkte Vergleich der Programme wird sich dann gliedern in einen stilistischen Vergleich, der besonders Bezug auf die layouttechnische Präsentation der Programme nimmt, einen quantitativen Vergleich, in dem ich die Anteile der verschieden politischen Themenfelder prozentual darstelle und einem qualitativen Vergleich, welcher sich mit den Inhalten der Programme beschäftigt. Ich hab mich in meiner Arbeit für die Bezeichnung „Die Grünen“ entschieden, womit auch die seit 1990 bestehende Partei „Bündnis90/Die Grünen“ gemeint ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil – Vergleich der Bundesprogramme 1980 und 1998
2.1 Historische Einordnung
– Änderung der politischen und gesellschaftlichen Umstände
2.2 Stilistischer Vergleich
– Änderungen in der Präsentation der Programme
2.3 Quantitativer Vergleich
– Änderungen in den Anteilen der Themengebiete
2.4 Qualitativer Vergleich
– Änderungen im Inhalt
3. Resumeé
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche inhaltlichen, stilistischen und strategischen Veränderungen die Partei "Die Grünen" in ihren Bundesprogrammen zwischen 1980 und 1998 vornahm, um den Wandel von einer radikalen Protestpartei hin zu einer regierungsfähigen politischen Kraft zu vollziehen.
- Historische Einordnung der politischen Rahmenbedingungen 1980 und 1998.
- Stilistischer Vergleich der Programmgestaltung und visuellen Präsentation.
- Quantitativer Vergleich der thematischen Gewichtung in den Programmen.
- Qualitative Analyse der inhaltlichen Forderungen und Lösungskonzepte.
- Bedeutung der Jugendpolitik und ihrer Rolle für den Wahlerfolg.
Auszug aus dem Buch
2.4 Qualitativer Vergleich
Beim Vergleich der Inhalte beider Programme ist in Bezug auf die Fragestellung schon die Präambel sehr interessant, da diese einen kurzen Überblick darüber gibt wie die Grünen sich zu beiden Zeitperioden selber sehen.
Das 80er Bundesprogramm beginnt schon mit dem Satz „Wir sind die Alternative zu den herkömmlichen Parteien“ (vgl. Bundesprogramm 1980, S. 4). Die Grünen sehen sich also hier tatsächlich noch als Alternativpartei, die einfach anders ist als der Rest. Folgend wird aufgeführt, wem sich die Grünen verbunden fühlen bzw. für wen ihre Partei im politischen Sinne eintreten soll: „[...]dem Lebens-, Natur- und Umweltschutzverbänden, den Bürgerinitiativen,, der Arbeiterbewegung, christlichen Initiativen, der Friedens- und Menschenrechtsbewegung, der Frauen- und 3.-Welt Bewegung“, sie sehen sich „[...] als Teil der grünen Bewegung in aller Welt“ und [...] werden sich an einer Regierung, die den zerstörerischen Kurs fortführt [nicht beteiligen]“ (vgl. Bundesprogramm 1980. S.4).
Ihre Politik erklären sie als „[Gesamtkonzept gegenüber] der eindimensionalen Produktionssteigerungspolitik [die ihrer Meinung durch die „herkömmlichen“ Parteien vorherrschte], [geleitet] von langfristigen Zukunftsaspekten und orientiert [...] an vier Grundsätzen: sie ist ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei“ (vgl. Bundesprogramm 1980, S.4). Hier wird ersichtlich, dass die jungen Grünen eine Partei gegen das alte System und für das umwelt- und friedensbewusste Volk sein wollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, warum die Grünen erst 1998 in die Regierungsfraktion einzogen und welche Rolle die Veränderung ihrer Programmpräsentation und Ziele dabei spielte.
2. Hauptteil – Vergleich der Bundesprogramme 1980 und 1998: In diesem Kapitel werden die historischen Umstände, die stilistische Aufmachung, die quantitative Verteilung der Themen sowie die inhaltlichen Aussagen der beiden Programme detailliert gegenübergestellt.
3. Resumeé: Das Resümee kommt zu dem Schluss, dass die Grünen weniger ihre Grundwerte als vielmehr ihr Image von einer radikalen Protestpartei zu einer sachlichen, etablierten Partei wandeln mussten, um erfolgreich zu sein.
Schlüsselwörter
Die Grünen, Bundesprogramm, Regierungsfähigkeit, Parteiprogramm, Vergleich, Wahlerfolge, Umweltpolitik, Jugendpolitik, Ökosteuer, Protestpartei, Strukturwandel, Politikkonzept, Wertewandel, 1980, 1998.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die inhaltliche und strategische Entwicklung der Grünen zwischen den Bundestagswahlprogrammen von 1980 und 1998.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Themen Wirtschaft, Umwelt, Sozialpolitik, Bildung, Innenpolitik und Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, ob die Grünen zur Regierungsfähigkeit ihre Ziele grundlegend ändern mussten oder ob eine Veränderung der Präsentation und Imagepflege ausreichte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen direkten Vergleich von zwei Bundesprogrammen, unterteilt in stilistische, quantitative und qualitative Analyseebenen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung sowie den direkten Vergleich der beiden Programme hinsichtlich Layout, Themengewichtung und inhaltlicher Detailtiefe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Parteiprogramm, Regierungsfähigkeit, Protestpartei, Wertewandel und Umweltpolitik.
Warum wurde das Jahr 1998 als Vergleichszeitpunkt gewählt?
1998 markiert das Jahr, in dem die Grünen erstmals in die Regierungsverantwortung in Deutschland eintraten.
Wie unterscheidet sich das Layout der Programme?
Das Programm von 1980 erinnert an eine illustrierte Werbebroschüre, während das Programm von 1998 nüchtern und in stringenter Textform verfasst ist.
Welche Rolle spielt die Jugendpolitik für den Erfolg?
Der Autor argumentiert, dass die verstärkte Adressierung der Jugend als zukünftige Wählergeneration ein wesentlicher Faktor für die strategische Neuorientierung der Partei war.
- Quote paper
- Tim Wiegels (Author), 2004, Was änderten die Grünen in ihrem Bundesprogramm um eine Regierungspartei zu werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38831