Ziel dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, wie sich die Institution der encomienda in Amerika etablieren konnte, sich zu einem System mit komplexen Funktionen entwickelte und zur Herausbildung einer neuen Elite führte.
Vor dem Hintergrund des historischen Kontextes wird dazu zunächst, im ersten Teil der Arbeit, der Karibische Raum behandelt. Hier werden die ersten Jahre nach der Entdeckung Amerikas dargestellt: die Suche nach einer adäquaten Kolonisationspolitik, die Entwicklung und Etablierung der encomienda, und die Diskussion über die geeignete Behandlung der eingeborenen Bevölkerung.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Kolonisation des amerikanischen Festlandes. Neben der militärischen Funktion der encomienda werden die gesellschaftliche Stellung der Nutznießer des encomienda-Systems – der encomenderos – und die Ursachen für den Bedeutungsverlust der Institution behandelt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Die Karibischen Inseln
1.1. Versuch einer Handelskolonisation unter Christoph Kolumbus
1.2. Siedlungskolonisation unter Nicolás de Ovando
1.3. Die encomienda
1.4. Erste Indianerschutzbestimmungen: „Gesetze von Burgos“
2. Das amerikanische Festland
2.1. Die encomienda als militärische Institution
2.2. Die encomenderos als elitäre Gruppe
2.3. Entmachtung der encomenderos durch die Krone
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Ursprung, die Etablierung und die Entwicklung der Institution der encomienda in Amerika sowie deren Rolle bei der Entstehung einer neuen kolonialen Elite. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Transformation der encomienda zu einem komplexen System, das sowohl wirtschaftliche als auch militärische Funktionen erfüllte und maßgeblich zur gesellschaftlichen Hierarchisierung im spanischen Kolonialreich beitrug.
- Historische Wurzeln der encomienda in der spanischen Reconquista
- Die Entwicklung von der Handelskolonisation zur Siedlungskolonisation
- Die encomienda als militärische Institution und Machtinstrument
- Soziale Stellung und Privilegien der encomenderos
- Der langfristige Bedeutungsverlust und die Entmachtung durch die spanische Krone
Auszug aus dem Buch
1.3. Die encomienda
Der Erlass der Krone von 1503 – der Verteilung der Indianer in encomiendas – sollte im Gegensatz zum bereits bekannten repartimiento-System, nicht nur die benötigten Arbeitskräfte sicherstellen, sondern auch durch den ständigen Umgang mit den Spaniern dazu dienen, die Eingeborenen zum christlichen Glauben zu bekehren. Die Institution der encomienda sollte also die Entstehung eines Gemeinschaftslebens zwischen Spaniern und Indianern fördern und so die Indianer in die europäische Zivilisation einfügen.
Darüber hinaus hatte die encomienda eine weitere bedeutende Funktion. Um die Teilnehmer eines Konquista-Zuges dazu zu bringen, ein indianisches Herrschaftsgebiet nach erfolgter Eroberung dauerhaft zu sichern und zu kolonisieren, bedurfte es gewisser Anreize, damit diese nicht mit ihrer Kriegsbeute in die Heimat zurückkehrten. Diesem Zweck diente die Vergabe von encomiendas, da sie den begünstigten Konquistadoren die Möglichkeit des Zugriffs auf die indianische Arbeitskraft, Tributleistungen und Naturallieferungen bot und somit die Sicherung ihres Unterhalts und die wirtschaftliche Etablierung ermöglichte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung erläutert den mittelalterlichen Ursprung der encomienda und definiert das Ziel der Arbeit, deren Etablierung in Amerika und die damit verbundene Elitenbildung aufzuzeigen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert den Übergang von Handels- zu Siedlungskolonisation auf den karibischen Inseln, die militärische Nutzung der encomienda auf dem amerikanischen Festland sowie den sozialen Aufstieg und den späteren administrativen Bedeutungsverlust der encomenderos.
III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie die Institution nach ihrer anfänglichen Rolle als effizientes Kolonisationsinstrument durch administrative Reformen und demographische Veränderungen schrittweise in die Bedeutungslosigkeit geführt wurde.
Schlüsselwörter
encomienda, encomenderos, Kolonialgeschichte, Hispanoamerika, Reconquista, Konquistadoren, Indianerschutz, Gesetze von Burgos, Kolonisation, Zwangsarbeit, Tributsystem, imperiale Verwaltung, elitäre Gruppe, Bartolomé de las Casas, Krone
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung und Funktion der Institution der encomienda im kolonialen Hispanoamerika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung von der Handelskolonisation zur Siedlungskolonisation, die Etablierung eines Tribut- und Arbeitssystems sowie die Entstehung einer kolonialen Oberschicht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Etablierungsprozess der encomienda und ihre Rolle als Motor für die Herausbildung einer neuen gesellschaftlichen Elite zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und einschlägiger Forschungsliteratur zur kolonialen Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des karibischen Raums als Keimzelle der encomienda und die Analyse ihrer spezifischen militärischen und gesellschaftlichen Funktionen auf dem amerikanischen Festland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben encomienda und encomenderos vor allem Konquista, koloniale Herrschaft, Tributsystem und die Rolle der spanischen Krone.
Welche Rolle spielte die Reconquista für das encomienda-System?
Das Konzept diente bereits in Spanien dazu, Kriegsdienste der Eroberer zu belohnen, indem man ihnen Verfügungsgewalt über die Arbeitskraft der ansässigen Bevölkerung für die Bewirtschaftung eroberter Gebiete übertrug.
Warum leistete die Krone so lange Widerstand gegen die Entmachtung der encomenderos?
Die Krone war auf die encomenderos angewiesen, um die weiten Gebiete in der Neuen Welt effektiv zu sichern und zu kontrollieren, weshalb sie die entstandene Machtstellung zunächst in Kauf nahm.
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- Ulrike Caspari (Author), 2005, Die Institution der encomienda und die Entstehung einer neuen Elite im kolonialen Hispanoamerika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38844