Ein zentraler Bestandteil menschlicher Kommunikation ist der Austausch von Informationen. Besonders im Kontext der Schule ist dieser Informationsaustausch häufig durch Rückmeldungen von anderen gekennzeichnet. In der Regel kommt in diesen Situationen der Lehrperson die Rolle des Rückmelders zu, die Schülerinnen und Schüler fungieren als Empfänger seiner Botschaften. Dahinter kann die Absicht stehen, einem störenden Schüler sein unsoziales Verhalten zu verdeutlichen oder in Form von Bewertungen schulische Leistungen durch Noten rückzumelden. Rückmeldungen finden in Lehr-Lernkontexten auch häufig als unterstützendes Element für die Kontrolle und Gewährleistung eines progressiven Lernverlaufes statt. Für diese Situationen hat sich der englische Begriff „Feedback“ in der deutschen Sprache etabliert.
Während in klassisch geschlossenen Unterrichtsformen diese Rollenverteilung unangetastet bleibt, gibt es offenere Unterrichtskonzepte, in denen die Lehrkraft nicht mehr die alleinige Rückmeldeinstanz für die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler sein muss. Diese Arbeit beschäftigt sich ausgehend vom Konzept Kooperatives Lernen, mit der wechselseitigen Kommunikation im Unterrichtsgeschehen, die dort zu großen Teilen unter den Mitschülern stattfindet.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Perspektive der Schülerinnen und Schüler auf Feedback und ihre Beteiligung an den Feedbackprozessen, die in der Übernahme von für sie ungewohnten Rollen besteht, zu erfassen. Es geht darum, wie sie mit diesen Rollen umgehen und wie sie das Feedback ihrer Mitschüler zur eigenen Leistungsverbesserung nutzen.
Zur Beantwortung dieser Fragen gliedert sich die Arbeit in einen vorangehenden Theorieteil und einen anschließenden empirischen Teil. Im theoretischen Teil der Arbeit werden die beiden theoretischen Bausteine erläutert. Das ist zum einen das Kooperative Lernen sowie die veränderte Feedbackkultur in kooperativen Settings. Hinzu kommt der anshließende empirische Teil der Arbeit. Hierfür wird auf ein qualitatives Untersuchungsdesign in Form von problemzentrierten Interviews zurückgegriffen, die mit Schülerinnen und Schülern eines Gymnasiums geführt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kooperatives Lernen im Sportunterricht
2.1 Begründungsmuster für Kooperatives Lernen
2.2 Zum Potential Kooperativen Lernens im Sportunterricht
2.3 Problemebenen Kooperativen Lernens
2.4 Konstitutive Merkmale Kooperativen Lernens
2.4.1 Gemeinsames Gruppenziel
2.4.2 Spielraum für Entscheidungen
2.4.3 Individuelle Verantwortung für das Gruppenziel
2.4.4 Positive Wechselbeziehung in Bezug auf den Lernprozess
2.5 Handlungsmuster im Konzept Kooperatives Lernen
2.5.1 Die Rolle und Aufgaben der Lehrkraft
2.5.2 Die Rolle und Aufgaben der Schülerinnen und Schüler
2.6 Aktueller Forschungsstand
3. Veränderte Feedbackkultur im Sportunterricht
3.1 Definition und Differenzierung des Feedbackbegriffs
3.2 Feedbackfunktionen
3.3. Bedingungen für ein gelingendes Feedback
3.4. Zum Einsatz von Feedback im Sportunterricht
3.4.1 Feedback und Bewegungslernen
3.4.2 Feedbackarbeit in kooperativen Lernarrangements
4. Zwischenfazit und Fragestellung
5. Untersuchungsdesign
5.1 Bestimmung der Stichprobe
5.2 Auswahl der Untersuchungsmethode
5.3 Methodenentwicklung und Leitfadenkonstruktion
5.4 Untersuchungsdurchführung
5.5 Datenaufbereitung
5.6 Datenauswertung
6. Untersuchungsergebnisse
6.1 Leistungsentwicklung
6.1.1 Individuelle Leistungsentwicklung
6.1.2 Leistungsentwicklung der Kleingruppe
6.1.3 Faktoren zur Leistungsentwicklung
6.1.4 Feedbackeinfluss auf die Leistungsentwicklung
6.2 Beteiligung an Feedbackprozessen
6.2.1 Die Rolle des Feedbackgebers
6.2.1.1 Umgang mit dem Feedbackgeben
6.2.2 Erkenntnisse aus beiden Rollen
6.2.2.1 Subjektives Begriffsverständnis
6.2.2.1 Subjektive Gelingensbedingungen
6.3.1 Rolle als Feedbackempfänger
6.3.1.1 Wahrnehmung des Mitschülerfeedbacks
6.3.1.2 Wahrnehmung des Lehrerfeedbacks
6.3.1.3 Mitschüler- oder Lehrerfeedback
7. Diskussion
7.1 Methodisches Vorgehen
7.2 Ergebnisdiskussion
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Perspektive von Schülerinnen und Schülern auf Feedbackprozesse im kooperativen Sportunterricht, insbesondere im Kontext der Übernahme für sie ungewohnter Rollen. Es wird analysiert, wie die Lernenden Feedback ihrer Mitschüler zur eigenen Leistungsverbesserung nutzen und wie sie ihre Beteiligung an diesen Prozessen wahrnehmen.
- Kooperatives Lernen als Unterrichtskonzept im Sportunterricht
- Konstitutive Merkmale und Rollenverständnis beim kooperativen Lernen
- Theorie und Praxis einer veränderten Feedbackkultur
- Qualitative Interviewstudie mit Schülerinnen und Schülern
- Peer-Feedback als Instrument zur Leistungsverbesserung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Ein zentraler Bestandteil menschlicher Kommunikation ist der Austausch von Informationen. Besonders im Kontext der Schule ist dieser Informationsaustausch häufig durch Rückmeldungen von anderen gekennzeichnet. In der Regel kommt in diesen Situationen der Lehrperson die Rolle des Rückmelders zu, die Schülerinnen und Schüler fungieren als Empfänger seiner Botschaften. Dahinter kann die Absicht stehen, einem störenden Schüler sein unsoziales Verhalten zu verdeutlichen oder in Form von Bewertungen schulische Leistungen durch Noten rückzumelden. Rückmeldungen finden in Lehr-Lernkontexten auch häufig als unterstützendes Element für die Kontrolle und Gewährleistung eines progressiven Lernverlaufes statt. Für diese Situationen hat sich der englische Begriff „Feedback“ in der deutschen Sprache etabliert. Ein klassisches Bild aus dem Schulalltag ist hierfür der Schüler, der mit dem fertig ausgefüllten Arbeitsblatt zum Pult des Lehrers geht, woraufhin dieser Häkchen hinter Richtiges macht und Falsches nochmal zu erläutern versucht. Im Sportunterricht würden die Schüler z. B. auf einer Weichbodenmatte die Flugrolle üben und im direkten Anschluss ein Feedback in Form einer Bewegungskorrektur von der Sportlehrkraft erhalten.
Während in klassisch geschlossenen Unterrichtsformen diese Rollenverteilung unangetastet bleibt, gibt es offenere Unterrichtskonzepte, in denen die Lehrkraft nicht mehr die alleinige Rückmeldeinstanz für die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler sein muss. Diese Arbeit beschäftigt sich ausgehend vom Konzept Kooperatives Lernen, welches von Ingrid Bähr (2005a, 2005b) für den Sportunterricht adaptiert worden ist, mit der wechselseitigen Kommunikation im Unterrichtsgeschehen, die dort zu großen Teilen unter den Mitschülern stattfindet.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Perspektive der Schülerinnen und Schüler auf Feedback und ihre Beteiligung an den Feedbackprozessen, die in der Übernahme von für sie ungewohnten Rollen besteht, zu erfassen. Es geht darum, wie sie mit diesen Rollen umgehen und wie sie das Feedback ihrer Mitschüler zur eigenen Leistungsverbesserung nutzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Feedbackkultur im Kontext des kooperativen Lernens im Sportunterricht.
2. Kooperatives Lernen im Sportunterricht: Erläuterung der theoretischen Grundlagen, Merkmale und Herausforderungen des kooperativen Lernkonzepts.
3. Veränderte Feedbackkultur im Sportunterricht: Darstellung der Bedeutung, Funktionen und Bedingungen von Feedback sowie dessen methodischer Einsatz.
4. Zwischenfazit und Fragestellung: Zusammenfassung der Theorie und Herleitung der zentralen Forschungsfrage.
5. Untersuchungsdesign: Beschreibung des qualitativen Forschungsansatzes, der Stichprobenauswahl und der methodischen Durchführung der Interviews.
6. Untersuchungsergebnisse: Präsentation und Analyse der aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse zur Leistungsentwicklung und zu Feedbackprozessen.
7. Diskussion: Kritische Reflexion des methodischen Vorgehens und Diskussion der gewonnenen Ergebnisse im theoretischen Kontext.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Arbeit und Ausblick auf zukünftige Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Kooperatives Lernen, Sportunterricht, Feedback, Peer-Feedback, Feedbackkultur, Leistungsentwicklung, Qualitative Interviewstudie, Schülerperspektive, Bewegungslernen, Soziale Kompetenz, Rollenverständnis, Gruppenunterricht, Feedbackgeber, Feedbackempfänger, Konstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Schülerinnen und Schüler im kooperativen Sportunterricht Feedbackprozesse wahrnehmen und ihre eigene Rolle darin interpretieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind das Konzept des Kooperativen Lernens, die Feedbackkultur im Sport, Peer-Feedback unter Mitschülern sowie die qualitative Analyse von Schülerinterviews.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die subjektive Sicht der Lernenden auf ihre Beteiligung an Feedbackprozessen zu erfassen, insbesondere hinsichtlich der Übernahme ungewohnter Rollen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign mit problemzentrierten Interviews gewählt, um die individuellen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung von Kooperativem Lernen und Feedbackkultur sowie einen empirischen Teil mit der Auswertung von Interviews zur Leistungsentwicklung und Beteiligung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kooperatives Lernen, Sportunterricht, Feedback, Peer-Feedback, Schülerperspektive und qualitative Forschung.
Warum spielt die Rolle der Lehrkraft eine so große Rolle für die Schüler?
Die Schüler bewerten das Feedback der Lehrkraft oft als ernster und kompetenter, da sie dieses direkt mit der späteren Benotung verknüpfen.
Welchen Einfluss hat die "soziale Erwünschtheit" auf das Feedback unter Mitschülern?
Die Schüler tendieren teilweise dazu, Mitschüler in Feedback-Formularen zu beschönigen, um niemanden zu verletzen, obwohl sie selbst ein ehrliches und konkretes Feedback bevorzugen würden.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von schriftlichem versus mündlichem Feedback?
Schriftliches Feedback wird als nützlich für die Dokumentation und Rückversicherung geschätzt, während mündliches Feedback als präziser und unmittelbarer zur Korrektur wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Milan Schellig (Author), 2016, Wie können Schüler das Feedback ihrer Mitschüler zur eigenen Leistungsverbesserung nutzen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388470