Internationaler islamistischer Terrorismus: das Beispiel Al-Qaida


Hausarbeit, 2002
26 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Erscheinungsformen des Terrorismus
2.1 Säkularer Terrorismus
2.1.1 Sozialrevolutionärer TE
2.1.2 Ethnisch-nationalistischer Terrorismus
2.1.3 Vigilantistischer Terrorismus
2.2 Religiöser Terrorismus

3 Ursachen, Motive, Ziele und Struktur
3.1 Ursachen für den Terrorismus
3.1.1 Allgemeine Ursachen des islamistischen Terrorismus
3.1.1.1 Armut
3.1.1.2 Außenpolitik der USA
3.1.1.3 Kulturimperialismus
3.1.2 Spezifische Ursachen – Al-Qaida
3.2 Motive und Ziele der Al-Qaida
3.3 Struktur und Organisation der Al-Qaida

4 Bedrohungspotenzial

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am 11.09.2001 erfolgte einer der schwerwiegendsten terroristischen Anschläge in der Geschichte der Menschheit. Mittels zweier Verkehrsmaschinen wurden die Zwillings-türme des World-Trade-Center in New York zum Einsturz gebracht und mittels einer dritten wurden große Teile des Pentagons in Washington zerstört. Eine vierte Maschine stürzte über dem Bundesstaat Pennsylvania ab. Insgesamt kamen ca. 4000 Menschen zu Tode und Tausende wurden verletzt. Von Seiten der US-Regierung wurde für die An-schläge, die dem Usama bin Ladin unterstehende islamistische Al-Qaida Organisation verantwortlich gemacht.

Zur politikwissenschaftlichen Bearbeitung des Themenbereichs fand am 26.01.2002 an der Fernuniversität in Hagen das Präsenzseminar „Die Anschläge vom 11. September 2001 – Ursachen und Folgen“ statt. In Aufnahme dort behandelter Inhalte entstand das Thema dieser Arbeit. Die thematische Fragestellung liegt darin, welche Ursachen dem betrachteten Phänomen zu Grunde liegen und welche Risiken daraus für die Zukunft erwachsen können.

Zur Bearbeitung des Problemfeldes wird zunächst in Kapitel 2 eine Verortung des Gegenstandsbereiches innerhalb der Thematik Terrorismus vorgenommen.

In Kapitel 3 findet die Behandlung der eigentlichen Problematik statt, wobei die Frage-stellung dieser Arbeit über die Anschläge vom 11.09.2001 hinausgeht und in der gene-rellen Suche nach Ursachen von islamistischem Terrorismus allgemein und der spezi-fischen Ursachen für die Al-Qaida Organisation sowie deren Motive, Ziele und Struktur liegt. Die drei letztgenannten Punkte sind ebenfalls zur Einschätzung des Bedrohungs-potenzials von Bedeutung. Auf der Suche nach Ursachen für islamistischen Terrorismus werden die Bereiche Globalisierung, Armut, US-Außenpolitik und Kulturimperialismus angesprochen, um dann, eingebettet in diesen Rahmen, zu den individuellen Ursachen für die Al-Qaida Organisation zu gelangen.

In Kapitel 4 wird sodann, aufbauend auf die bis dahin erzielten Ergebnisse, die Gefähr-lichkeit und das bestehende Bedrohungspotenzial von islamistischen Terror-organisationen sowie der Al-Qaida abschließend beleuchtet.

2 Erscheinungsformen des Terrorismus

Terrorismus ist ein vielschichtiges Phänomen. Deutlich wird dies an den vielfachen und verschiedenen Definitionen, die es für den Begriff Terrorismus gibt. An dieser Stelle soll nicht versucht werden die verschiedenen Definitionen aufzuzählen und gegeneinander abzuwägen, sondern es geht allein darum, eine Einordnung des behandelten Themen-bereichs „Internationaler Islamistischer Terrorismus“ in den Gesamtkomplex Terrorismus vorzunehmen. Ausgerichtet wird diese Einordnung an theoretischen Kategorien, die den Gegenstandsbereich untergliedern sollen. So unterscheidet beispielsweise HOFFMANN in ethno-nationalistischen/separatistischen Terrorismus, ideologischen Terrorismus und den Bereich Religion und Terrorismus. (2001, S. 116.)

Nach WALDMANN kann man:

„Ausgehend von dem Befund, daß letztlich mit großer Inbrunst und Energie

vertretene Überzeugungen und Ziele für die Entstehung und teilweise auch die zähe Überlebenskraft dieser Organisationen verantwortlich sind, fragen (...), welche wesentlichen Leitideen sich im Vorgehen dieser Gruppen erkennen lassen.“ (1998, S. 75 f.)

Im Ergebnis kommt er dann zu der Feststellung, dass man die verschiedenen Aus-formungen des Phänomens Terrorismus in vier Arten unterscheiden könne. Den sozialrevolutionären, den ethnisch-nationalistischen, den vigilantistischen und den religiösen Terrorismus. (ebd., S. 76)

Von diesen Unterscheidungen soll auch die hier durchgeführte Betrachtung ausgehen. Sie werden jedoch zusätzlich in zwei weitere Kategorien unterteilt. Zum einen in säkularen Terrorismus und zum anderen in religiösen Terrorismus.

Anzumerken gilt, dass natürlich nicht alle terroristischen Organisationen in die eine oder die andere Kategorie eingeteilt werden können, und dass sehr wohl Überschneidungen möglich sind.

Zur Beschreibung des Begriffs Internationaler Terrorismus soll an dieser Stelle nur die Definition des US Department of State zitiert werden:

„The term ‘international terrorism’ means terrorism involving citizens or the territory of more than one country.” (16.03.2002)

2.1 Säkularer Terrorismus

2.1.1 Sozialrevolutionärer TE

Die Organisationen, die in diesen Bereich eingeteilt werden können, beispielhaft seien hier die deutsche Rote Armee Fraktion (RAF) und die italienischen Roten Brigaden ge-nannt, sind marxistisch motiviert und streben eine revolutionäre Neuordnung eines be-stehenden Staates und dessen Gesellschaft an. Die terroristische Tätigkeit zielt hierbei auf die Mobilisierung einer gesellschaftlichen Gruppe (in den Augen der Terroristen „Klas-se“) ab, die dann, nachdem sie die gesellschaftlichen Missstände erkannt hat, welche durch terroristische Anschläge und deren Folgen, z.B. starken Repressionsdruck des Staates, offenbar gemacht wurden, zum Träger der Revolution wird.

Genaue Vorstellungen über die „neue“ Gesellschaft bzw. den „neuen“ Staatsaufbau, welcher der Revolution folgen soll, sind in den Konzepten und Ideen dieser terror-istischen Organisationen oftmals nicht vorhanden.

Ein Ziel jedoch ist, eine massive Veränderung der aktuellen Besitz- und Herrschafts-verhältnisse zu erreichen.

2.1.2 Ethnisch-nationalistischer Terrorismus

Ausgangssituation dieser Form des Terrorismus sind Probleme und Spannungen, die, aufgrund des Zusammenlebens von verschiedenen ethnischen Mehr- und Minderheiten entstehen können. Diese resultieren meist aus einer Unterdrückung der ethnischen Min-derheiten und münden in Forderungen nach mehr Autonomie oder zielen gar auf die Gründung eines separaten Nationalstaates. Terroristische Organisationen nehmen diese Forderungen auf, reklamieren die Vertretung der „unterdrückten Minderheiten“ für sich und versuchen die genannten Ziele gewaltsam durchzusetzen.

Zur kritischen Reflektion soll in diesem Zusammenhang der oft zitierte Ausspruch: „Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer!“ angeführt werden. Hierdurch wird auch deutlich, warum eine international anerkannte Definition von Terrorismus nicht existent ist und auch der letzte Versuch der UNO, eine solche zu finden, im Februar 2002 scheiterte. (vgl. NOWACK, 16.03.2002)

2.1.3 Vigilantistischer Terrorismus

Beispielhaft hierfür seien nach WALDMANN die Ku-Klux-Klan Bewegung in den USA oder die Todesschwadronen in Brasilien. (1998, S.92)

Demnach handelt „(...) es sich um keine genuine Form des Terrorismus, sondern eine Mischform zwischen Terror (von oben) und Terrorismus (von unten) (...).“ (ebd.)

Des Weiteren „(...) lässt sich der vigilantistische Terrorismus als eine Bewegung charakterisieren, die eine Ordnung verteidigt, indem sie die Gesetze bricht, auf denen ebendiese Ordnung beruht.“ (ebd., S. 93)

Zusammengefasst lässt sich also ausführen, dass sich vigilantistischer Terrorismus

dadurch auszeichnet, dass bestimmte Gruppierungen versuchen, eine solche Ordnung gewaltsam zu begründen, die ihrer Sichtweise von Gesellschaft entspricht, bzw. ver-suchen, eine ebensolche zu verteidigen.

2.2 Religiöser Terrorismus

Diesem Bereich wird die in dieser Arbeit betrachtete Al-Qaida Organisation zugerechnet. Jedoch muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass religiöser Terrorismus mehr umfasst als nur islamistischen Terrorismus.

Hierzu können auch sektiererische Organisationen, z.B. die japanische Aum, gezählt wer-den, die im März 1995 einen Giftgasanschlag auf die Untergrundbahn Tokios durch-führte. Ebenso alle anderen, hauptsächlich aufgrund ihres religiösen Glaubens, zu terroristischen Anschlägen motivierte Gruppen.

Der religiöse Terrorismus unterscheidet sich auf vielfältige Weise von säkularem Terror-ismus. Hierzu stellt HOFFMANN treffend fest, dass sich der

„(...) religiös motivierte Terrorismus - wo die Gewalt von denjenigen, die sie praktizieren, als heilige Pflicht oder sakramentaler Akt angesehen wird - deutlich auf andere Legitimations- und Rechtfertigungsmittel als säkular orientierter Terrorismus, mit dem Ergebnis noch unbekümmerten Blutvergießens und noch größerer Zerstörungen“ (2001, S. 113) beruft.

Er führt weiter aus, dass der religiöse Terrorismus sich auf gänzlich verschiedene Wertesysteme, Moralbegriffe und Weltsichten gründe und aufgrund beschriebener Eigenschaften eine transzendentale Dimension erhalte. Den Terroristen ginge es häufig, im Gegensatz zu säkularen Terroristen, um die Auslöschung einer Vielzahl von Feind-kategorien, wobei die Gewalt als notwendiges Mittel zur Zielerreichung angesehen würde. (ebd., S. 121 f.) Diese richte sich „(...) gegen jeden, der nicht Angehöriger der Religion oder der religiösen Sekte der Terroristen ist.“ (ebd., S.123)

Allgemein kann angemerkt werden, dass sich religiös motivierte Terroristen oftmals von apokalyptischen Gedanken leiten lassen, die in chiliastischer Erwartung die Herankunft eines neuen Zeitalters zu beschleunigen glauben.

Damit einhergehend werden die terroristischen Handlungen oftmals durch einen religiösen Führer legitimiert und den Tätern steht als Belohnung für ein eventuelles

Martyrium der Eintritt ins Paradies bevor.

Die Ausführungen machen deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass religiös motivierte

Terroristen zu Massenvernichtungsmitteln greifen, bzw. Anschläge vollziehen, bei denen eine Vielzahl von Menschen getötet oder verletzt werden, groß ist. Diese Feststellung hat Bedeutung für die folgenden Ausführungen in Abschnitt 4. Dort wird das Bedrohungs-potenzial, welches von islamistischen Terrororganisationen ausgeht, beleuchtet.

Die genauen Ziele sind natürlich von Organisation zu Organisation verschieden und sol-len nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Interessant für die weitere Arbeit sind jedoch die grundsätzlichen Ziele von islamistischen Terrorgruppen, die im folgenden verallgemeinernd dargestellt werden sollen. Eine ins Detail gehende Betrachtung einzelner islamischer Gruppen ginge an dieser Stelle, aufgrund ihrer Vielzahl, zu weit. Für die Al-Qaida folgt jedoch eine konkretisierende Darstellung in Abschnitt 3.2.

Grundsätzlich gilt zu beachten, dass ein Zusammenhang zwischen religiösem Fundamentalismus und religiösem Terrorismus besteht. Dies bedeutet nicht, dass religiöser Fundamentalismus gleichzeitig religiösen Terrorismus bedingt. Man kann jedoch feststellen, dass terroristische islamistische Organisationen eine fundamen-talistische, extreme und fanatische Auslegung ihres Glaubens vollführen. Hinzu kommt, wie LAQUER behauptet, dass „(...) die missionarische, aggressive Komponente im radikalen Islam stärker ausgeprägt ist als in anderen Religionen (...)“ (2001, S. 166) und dass „(...) eine spezifisch antiwestliche Haltung in etlichen Ländern tief verwurzelt.“ (ebd.) sei.

Diese Ausführungen erklären das Bestreben der terroristischen Organisationen, die aus ihrer Sicht einzig wahre und gerechte göttliche Ordnung, welche eine Einheit von Religion und Politik in einem islamischen Staat und die Rechtsordnung der Sharia beinhaltet, zu erreichen. Weltliche Regierungsformen werden gänzlich abgelehnt. Der „Gottesstaat“ soll mittels Gewalt, in der Form des Dschihad (Heiliger Krieg), gegen die Ungläubigen erkämpft werden.

Der Dschihad kann sich gegen verschiedene Gegner richten. Zum einen gegen Personen anderen Glaubens, zum anderen gegen Personen islamischen Glaubens, die als Ketzer betrachtet werden, weil sie nicht den oben angesprochenen „Gottesstaat“ vollziehen, gegen die göttlichen Gesetze verstoßen oder sich westlichen Einflüssen hin öffnen. Auch finden sich Hinweise darauf, dass der Dschihad mit der Ankunft eines Messias gekoppelt ist. So sei:

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Internationaler islamistischer Terrorismus: das Beispiel Al-Qaida
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Lehrgebiet Internationale Politik)
Veranstaltung
Präsenzseminar am 26.01.2002 an der Fernuniversität in Hagen: Die Anschläge vom 11.September 2001 - Ursachen und Folgen
Note
bestanden
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V3885
ISBN (eBook)
9783638124058
Dateigröße
689 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Terrorismus; Al-Qaida; Al-Quaida; Islamismus
Arbeit zitieren
Dennis Bodenbenner (Autor), 2002, Internationaler islamistischer Terrorismus: das Beispiel Al-Qaida, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3885

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