Bei dieser vorliegenden Bachelorarbeit möchte ich mich mit dem Thema der wohnungslosen Frauen in Deutschland beschäftigen. Mein Interesse liegt darin, mich mit den Lebenslagen und den bestehenden Hilfen für wohnungslose Frauen
auseinanderzusetzen. Besonders interessant empfinde ich diese Thematik, da das Thema Wohnungslosigkeit häufig als eine Männerdomäne dargestellt und der Blick der Gesellschaft wenig auf die Situation der Frauen ausgereicht ist, bzw. dies häufig nicht wahrgenommen wird. Desweiteren besteht für mich, eine erhebliche gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz. Denn Forschung konnte erreichen, dass wohnungslose Frauen nun als eigene Zielgruppe wahrgenommen werden. Jedoch fanden viele große Studien im Feld der wohnungslosen Frauen bereits in den 1990iger Jahren statt und es gibt wenige aktuelle ganzheitliche Forschungen in diesem Bereich. Neben der Wichtigkeit, wohnungslose Menschen als Teil unserer Gesellschaft wahrzunehmen und diese Verhältnisse zu verändern, rückt auch immer mehr die gesellschaftliche Verarmung in den Vordergrund. Die Spalte zwischen arm und reich weitet sich immer mehr aus und es kommt zu stetigen Verarmungsprozessen hinter denen vielfältige Problemlagen liegen.
Die Motivation dieser Arbeit, liegt einerseits am persönlichen Interesse für dieses Arbeitsfeldes, die bisher gemachten Erfahrungen durch Seminare an der Hochschule aber auch durch mein praktisches Semester und andererseits darin, dass Armut und Wohnungslosigkeit immer stärker ansteigt. Ich erachte die Wohnungslosenhilfe als besonderes Arbeitsfeld in der Sozialen Arbeit. Es ist sehr vielfältig und zeigt immer sehr deutlich die gesellschaftlichen Zusammenhänge. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Einbettung
2.1 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
2.2 Gerechtes Handeln nach Alice Salomon
3 Wege in die Wohnungslosigkeit
3.1 Aktuelle Zahlen
3.2 Forschungsstand
3.3 Armutsbegriff
3.4 Bedeutung und Funktion der Wohnung
3.5 Begriffe der Obdachlosen und Wohnungslosen
3.6 Lebensberichte
3.7 Ursachen weiblicher Wohnungslosigkeit
3.8 Typen weiblicher Wohnungslosigkeit
4 Lebenswelten wohnungsloser Frauen
4.1 Geschlecht und Sozialisation
4.2 Straße als Lebensort
4.3 Strukturelle Faktoren weiblicher Wohnungslosigkeit
4.3.1 Frauenarmut und die Rolle als Frau
4.3.2 Arbeitslosigkeit
4.3.3 Wohnpolitische Ursachen
4.3.4 Stigmatisierung und Ausgrenzung
4.4 Individuelle Lebenssituationen
4.4.1 Gewalterfahrungen
4.4.2 Psychische Erkrankungen
4.4.3 Körperliche Erkrankungen und Versorgung
4.4.4 Sucht und Abhängigkeit
4.4.5 Verlust der sozialen Beziehungen
Zwischenfazit
5 Frauenspezifische Hilfsangebote der Sozialen Arbeit
5.1 Anlass der Hilfe: Besondere soziale Schwierigkeiten
5.2 Ziel der Wohnungslosenhilfe
5.3 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
5.4 Prinzipien bedarfsgerechter Sozialer Arbeit
5.5 Frauenspezifisches Hilfesystem
5.5.1 Stationäre/ Teilstationäre Einrichtungen
5.5.2 Ambulante Angebote
5.5.3 Zentrale Fachstellen für Wohnungsnotfälle und Prävention
5.5.4 Voraussetzungen an die frauenspezifischen Einrichtungen
6 Herausforderungen an die frauenspezifische Wohnungslosenhilfe
6.1 Lücken im frauengerechten Hilfesystem
6.2 Kooperation und Vernetzung
6.3 Gerechte Sozial- Wohnungspolitik
6.4 Strategie gegen Wohnungslosigkeit: Housing First
Fazit / Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den Lebenslagen wohnungsloser Frauen in Deutschland auseinander und untersucht die Wirksamkeit sowie Lücken im frauenspezifischen Hilfesystem der Sozialen Arbeit, um Herausforderungen für eine verbesserte Unterstützung aufzuzeigen.
- Lebenswelten und geschlechtsspezifische Sozialisationsbedingungen obdachloser Frauen.
- Strukturelle Faktoren wie Frauenarmut, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot.
- Methodische Prinzipien einer bedarfsgerechten und frauenspezifischen Sozialen Arbeit.
- Analyse bestehender stationärer und ambulanter Unterstützungsangebote.
- Strategien zur Verbesserung der Hilfe, inklusive Housing First und verbesserter Vernetzung.
Auszug aus dem Buch
4.2 Straße als Lebensort
Das Straßenmilieu wird häufig von Frauen genutzt, die in prekären Lebenslagen leben oder Platte machen d.h. im öffentlichen Raum zu übernachten. Sie treffen sich regelmäßig und haben meist gemeinsame Werte und Regeln. Für diese Frauen ist die Straße zu einem Lebensraum geworden, der zwar zerstörerisch wirkt, aber für manche einen Rückhalt bietet. Zum Milieu gehören Frauen die Platte machen oder in einer Einrichtung untergekommen sind, aber weiterhin den Kontakt suchen (vgl. Gillich 2000, S. 135).
Frauen sind dem Gesetz der Straße ausgeliefert. Neben den Gewalterfahrungen, werden wohnungslose Frauen auch als Sexobjekte oder Ware wahrgenommen. Dies birgt große Risiken, vor allem für junge wohnungslose Frauen. Neben dem Missbrauch auf der Straße, gehen sie oft Zwangsgemeinschaften ein, die ebenfalls mit Gegenleistungen verbunden sind. Je nach Position innerhalb einer Szene, können Frauen auch eine höhere Stellung einnehmen, sich stärker abgrenzen und Schutz vor Gewalt in dieser Gruppe finden. Dies ist möglich wenn keine Abhängigkeiten oder Unterordnungen stattfinden. Problematisch ist außerdem ein ständiger Wechsel von Platte machen und Unterkommen in einer Einrichtung. Frauen können das Angebot mancher Einrichtungen nicht annehmen oder empfinden die Hilfen als nicht gewinnbringend. Durch das Leben auf der Straße geraten die Frauen immer tiefer in die Abwärtsspirale, was zu einer körperlichen und psychischen Instabilität führen kann.
Neben den Vorstellungen und Regeln innerhalb der Straßenszene kommt es zu einer vermehrten Regulierung und Vertreibung der Wohnungslosen aus dem öffentlichen Raum. In Großstädten in denen Wohnungslose sichtbar werden, sind sie nicht gerne gesehen und werden häufig von öffentlichen Plätzen verdrängt. Dies liegt daran, dass Städte sauber gehalten weder sollen und viele Bürgerinnen durch Begegnungen unwohl fühlen. Innenstädte oder Parks werden architektonisch verändert, sodass kaum mehr Raum vorhanden ist um sich nieder zulassen, ohne einen Platzverweis zu erhalten. Wohnungslose werden durch diese Veränderungen immer stärker ausgegrenzt und aus den Stadtgebieten verdrängt, wodurch die Menschen aus den Augen, aus dem Sinn sind. Diese Veränderungen sind selbst für Bürgerinnen immer stärker bemerkbar und als äußerst kritisch wahrzunehmen (vgl. Geiger 1997, S. 65-72).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Lebenslagen wohnungsloser Frauen und untersucht, wie das Hilfesystem der Sozialen Arbeit diese Zielgruppe unterstützt und wo Verbesserungsbedarf besteht.
2 Theoretische Einbettung: Hier werden die Grundlagen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und die Prinzipien des gerechten Handelns nach Alice Salomon als Basis für die professionelle Arbeit dargelegt.
3 Wege in die Wohnungslosigkeit: Dieses Kapitel beleuchtet aktuelle statistische Daten, den Forschungsstand sowie die vielfältigen Ursachen und Erscheinungsformen der weiblichen Wohnungslosigkeit.
4 Lebenswelten wohnungsloser Frauen: Die Analyse konzentriert sich auf die Bedeutung von Geschlecht, Sozialisation sowie strukturelle und individuelle Faktoren, die Frauen in die Wohnungsnot führen.
5 Frauenspezifische Hilfsangebote der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel stellt die rechtlichen Grundlagen (§ 67 SGB XII), die Prinzipien bedarfsgerechter Arbeit sowie die konkreten stationären und ambulanten Hilfestrukturen vor.
6 Herausforderungen an die frauenspezifische Wohnungslosenhilfe: Abschließend werden Lücken im Hilfesystem aufgezeigt und Herausforderungen wie Vernetzung, Wohnungspolitik und neue Strategien wie Housing First kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter
Wohnungslosigkeit, Frauen, Soziale Arbeit, Lebenslagen, Wohnungslosenhilfe, Frauenspezifische Hilfsangebote, Armut, Geschlechtergerechtigkeit, Wohnungspolitik, Stigmatisierung, Prävention, Empowerment, Wohnungsnot, soziale Ausgrenzung, Geschlechtsspezifische Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation wohnungsloser Frauen in Deutschland, ihren spezifischen Lebenslagen und den existierenden Hilfsangeboten durch die Soziale Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit bei Frauen, die Analyse geschlechtsspezifischer Lebensbedingungen sowie die kritische Reflexion des aktuellen Hilfesystems.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Lebenslagen wohnungsloser Frauen, den Leistungen des frauenspezifischen Hilfesystems und den Herausforderungen bzw. Lücken in der aktuellen Unterstützungspraxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturrecherche, die Einbeziehung theoretischer Ansätze (wie der Lebensweltorientierung) und die Auswertung relevanter Studien und Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wegen in die Wohnungsnot, die Analyse der Lebenswelten wohnungsloser Frauen (strukturell und individuell) sowie die Darstellung und Kritik der Hilfsangebote.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wohnungslosigkeit, Soziale Arbeit, Frauen, Lebenslagen, Hilfesystem, Armut, Stigmatisierung und Geschlechtergerechtigkeit sind die zentralen Begriffe.
Warum ist eine frauenspezifische Perspektive in der Wohnungslosenhilfe notwendig?
Da Wohnungslosigkeit oft als Männerdomäne wahrgenommen wird, übersieht das allgemeine System häufig die spezifischen Problemlagen von Frauen, die oft durch versteckte Wohnungsnot oder Gewalterfahrungen geprägt sind.
Welche Rolle spielt die "Straße als Lebensort" für die betroffenen Frauen?
Die Straße stellt einen prekären Lebensraum dar, in dem Frauen besonderen Risiken wie Gewalt, Missbrauch und Ausgrenzung ausgesetzt sind, was oft zu einer Abwärtsspirale führt.
Welchen Stellenwert nimmt die Strategie "Housing First" in dieser Arbeit ein?
Housing First wird als sinnvoller und wichtiger Ansatz bewertet, um durch den direkten Erhalt einer Wohnung die Lebenssituation zu stabilisieren, statt den Weg über ein langwieriges Stufensystem zu gehen.
- Arbeit zitieren
- Anke Koesterke (Autor:in), 2015, Frauen in der Wohnungslosigkeit. Lebenslagen, frauenspezifische Hilfsangebote und neue Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388570